The hard way- the right way

Gerade habe ich eine interessante Weisheit gehört, weitergeben von Generation zu Generation in einer Familie.

„A boy has to learn it the hard way before he can learn it the right way.“

Können die Männer unter euch das bestätigen?

Wenn man das in die Suchmaschine eingibt, gibt es sogar Treffer, z.B. diesen:

Man könnte das auch anders ausdrücken:
Learning by Aua…
Jungs haben ein Problem ab der Pubertät: Testosteron trifft auf Umbau des Gehirns, sprich Neuvernetzung der Synapsen.
Also Grenzen austesten ohne an die Konsequenzen zu denken. Deshalb machen junge Männer dumme Sachen.
Da hilft dann das Schmerzgedächtnis. Logik sagt: Herdplatte ist heiß. Konsequenz sagt: wenn du das anfasst, tut es weh. Pubertät sagt: ich bin unkaputtbar. Wenn der junge Mann dann doch die Herdplatte berührt, brennt sich der Schmerz ins Gedächtnis ein. Bei der nächsten Herdplatte sagt dann das Schmerzgedächtnis: Sören, lass die Finger da weg. Du weisst, dass es weh tut.

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das ist doch ein ganz grundlegender, banaler Mechanimus.
Lernen aus Erfahrung.
Das wird nur dann zum Problem, wenn die Eltern meinen, dass sie ihren Kindern das ersparen müssten/könnten.

Ich bezweifle, dass das Prinzip auf Jungs/Männer beschränkt ist.
Jungs gehen aber -wie @Dorfprojekt-Sarnow richtig sagt- in der Kindheit /Pubertät viel mehr Risiken ein als Mädchen.
Sie haben also mehr Gelegenheiten, was auf die harte Tour zu lernen (oder dabei schlimmstenfalls zu sterben).
Mädchen/Frauen haben das seltener, und das merkt man gelegentlich auch im fortgeschrittenen Alter noch :slight_smile:
Da hat der harte Aufprall auf die Wirklichkeit manchmal nicht vollständig stattgefunden.

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Ich bin leider kein Soziologe – ich kenne also den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen in Bezug auf Lernprozesse nicht. Es dürfte schwierig sein, die allgemeine Sozialisation (Patriarchat versus Matriarchat), in die ein junger Mensch eingebunden ist, „herauszurechnen“.
Wenn ein Junge ohnehin auf Stärke und Macht getrimmt wird, kann es wahrscheinlich eher passieren, dass er während eines Lernprozesses mit dem Kopf durch die Wand will – nur um dann schmerzhaft zu erfahren, dass die Wand eben doch härter ist als der eigene Schädel.
Aber das ist eine persönliche Meinung und im Grunde daher von mir höchst spekulativ.

Noch schwieriger wird die Aussage beim Lernen abstrakter Inhalte (Mathematik/Quantenphysik – oder auch nur Einfühlungsvermögen :thinking: , also alles Dinge, die man im Alltag auch unbedingt braucht). Hier gibt es doch eigentlich gar keine harte Tour, oder?

Pädagogisch heißt das “Lernen durch Konsequenz”, was aber nicht immer mit Schmerz verbunden sein muss. Es kann ja eine positive Konsequenz sein, wenn man über einen Baumstamm balancierend einen Bach überquert und nicht hinunterfällt. Nach dem Lernen durch das Vorbild, ist das Lernen durch Konsequenz sehr viel einprägsamer als das Lernen durch Belohnung oder Strafe. Leider lassen Eltern und Schule heutzutage ihren Kindern zu wenig Freiraum, um selbst auszuprobieren.

Das ist nur ein oberfächlicher Eindruck. Mädchen lernen auch viel auf die “harte Tour”, aber bei anderen Tätigkeiten. Sie fallen bei der Mädchensportart Reiten häufiger vom Pferd, verbrühen sich die Finger beim Backen, Stechen sich beim Handarbeiten die Nadeln in die Finger, holen sich Zerrungen beim Ballett oder Tanzen, verstauchen sich die Füße mit sonderbarem Schuhwerk, bekommen Hautausschläge und Allergien beim Ausprobieren von Kosmetika, stechen sich mit Wimperntusche und Kajal in die Augen, kriegen chronische Blasenentzündungen von ungeeigneter Kleidung und: werden oft Opfer von Vergewaltigung und Mißbrauch.

Nur werden diese Verletzungen meist nicht öffentlich oder statistisch erhoben.

Die hohen Unfallzahlen im Straßenverkehr bei männlichen Jugendlichen lassen vielleicht einen Rückschluss auf höhere Risikobereitschaft zu. Sie lassen aber auch den Rückschluss zu, dass Jungen häufiger einen motorisierten fahrbaren Untersatz erhalten als Mädchen, die meist von Eltern chauffiert werden, oder denen per se der “Ausgang” in die Disko verboten wird. Zudem konsumieren Jungen häufiger Alkohol und Drogen.

Ebenso haben Jungen häufiger Sportverletzungen, da sie mehr Sport und hauptsächlich die unfallträchtige Sportart Fußball betreiben. Andererseits werden Mädchen bei Verletzungen durch Tanzsportarten oft gar nicht zum Arzt gebracht, weil bei einer Zerrung nichts blutet und somit die Verletzung unsichtbar und weniger gefährlich erscheint. (Ich habe mir einen lebenslangen Meniskusschaden beim Sturz vom Schwebebalken zugezogen, ich weiß wovon ich rede …)

Verletzungen bei Mädchen werden weniger ernst genommen und seltener behandelt, als bei Jungen.

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Sprechen wir hier über Erziehung - oder über (kognitive?!) Lernprozesse im allgemeinen?

„Kein Mensch kann das beim andern sehen und verstehen, was er selbst nicht erlebt hat.“
Das ist aber keine Aussage eines Soziologen, sondern des Schriftstellers Hermann Hesse.
Gesetzt den Fall, die Aussage wäre richtig, bleibt einem das „leidvolle“ Erfahren - egal ob Männlein oder Weiblein - nicht erspart.
Egal, ob die Grenzen nun durch Erziehung, die Naturgesetze oder soziologische Aspekte verursacht werden, das Erfahren von Grenzen kann mitunter schmerzhaft sein.
Hier gilt doch aber

was bedeuten würde, dass die Jungs ihre Blessuren nur „erfolgreicher“ vermarkten/in die Öffentlichkeit tragen, was wiederum Ausdruck der patriarchalen Gesellschaft sein könnte.

Über Erziehung, die kognitive Lernprozesse durch Erfahrung fördert. Dabei müssen nicht alle Lernprozesse leidvoll und schmerzhaft sein. Die meisten Erfahrungen sind positiv. Und Eltern können das Leid in einem angemessenen Rahmen halten.

Beispiel: meine sehr störrische Tochter weigerte sich mit 2,5 Jahren im Winter bei Schnee die Stiefel anzuziehen. Anstelle eines Machtkampfes habe ich ihr erlaubt, mit nackten Füßen nach draußen zu gehen. Nach 10 m. barfuß im Schnee kam sie schnell wieder zurück und wollte doch Schuhe anziehen. Sie hatte gelernt, dass Schnee an den Füßen a.) unangenehm kalt ist und b.) dass sie sich auf meine Erfahrung bzgl. Schuhwerk und Außentemperatur verlassen konnte. Danach war das Thema “Schuhe ja oder nein” durch. Ob das nun eine “Bittere” Erfahrung war? Ich glaube nicht.

Auch dein Enkelkind, dass sich jetzt an allen möglichen Gegenständen hochzieht, muss die Erfahrung machen, dass einige Gegenstände dafür ungeeignet sind. Natürlich in einem geschützten Rahmen. Aber bei einem überhängenden Sofakissen z.B. kann es die Erfahrung machen, dass man die Gegenstände vorher auf ihre Standfestigkeit überprüfen muss, ohne dass große Verletzungen entstehen. “Bittere” Erfahrungen entstehen erst, wenn solche kleinen, unangenehmen Erfahrungen davor nie gemacht wurden.

Sagen wir so: ihre Blessuren sind sichtbarer, ob nun das blaue Auge von einer Schlägerei oder das blutige Knie beim Fußball. Daher werden sie auch gegen ihren Willen öfter zum Arzt gebracht.

Mädchen dagegen tragen ihre Rangkämpfe nicht durch Schlägereien aus, sondern über Wettbewerbe, wer z.B. am besten Spagat kann. Da sieht man die Verletzungen nicht. Oder später in der Pubertät, wer die Dünnste von allen ist - durch social Media ein riesiges Problem, was zu weit verbreiteten Eßstörungen bei Teenagern führt, die aber erst bemerkt werden, wenn es schon gesundheitsgefährlich ist.

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Über beides.

Eigentlich über die grundsätzliche Frage, ob man immer erst richtig schlechte Erfahrungen machen muss, bevor man sein Verhalten bzw. seine Routine ändert und erst dann motiviert ist zu lernen, es richtig zu machen, und ob es da bei männlichen und weiblichen Menschen grundsätzliche Unterschiede gibt.

Also über beides…

Die Frage ist schon etwas einseitig - richtig schlechte Erfahrungen (bis hin zum Trauma) können auch erst dazu führen, dass man zwar seine Routinen ändert - aber eben auch etwas „falsches“ lernt, was dann permanent zu falschen Schlüssen, Verhalten etc. führt.
Anderseits können schlechte Erfahrungen natürlich auch ein Weckruf sein.

Aus „guten“ Erfahrungen kann man durchaus auch viel lernen. Das setzt allerdings voraus, dass man sich die guten Erfahrungen bewusst vergegenwärtigt, und nicht „im Vorbeigehen“ als triviale Selbstverständlichkeit einfach hinnimmt und abhakt.

Das ist u.a. auch ein gesellschaftliches Problem. Das Negative erhält viel zu viel bewusste Aufmerksamkeit (das mag entwicklungspsychologisch daran liegen, dass das Negative lange Zeit schnell zur existenziellen Bedrohung wurde, während das positive als willkommene Atempause erlebt wurde, die keine weiteren Analyse bedarf - Spekulation eines Nicht-Soziologen :wink:

Also warum über eine wunderbare freundschaftliche Begegnung nicht genauso bewusst nachdenken (und sich auch austauschen), um zu lernen, wie ein gegenseitiger achtvoller Umgang sich noch weiter verfeinern und ausbauen lässt, wie über den letzten Streit mit dem Partner, Kindern, Eltern, Kollegen oder Vorgesetzten?
Es lohnt sich m. E. mindestens genauso, sich mit den positiven Dingen intensiv zu beschäftigen - gerade, weil sie eben alles andere als trivial sind, und weil man daraus auch viel lernen kann.
Das gilt auch für die Erziehung - das positive Feedback ist doch mindestens genauso wertvoll (und wichtig) wie die Sanktionierung bei Grenzüberschreitungen.
Ich weiß also die negativen Erfahrungen, aus denen ich etwas gelernt habe, genauso wertzuschätzen wie all die guten, die mir geholfen haben, durch positives Erleben erst etwas zu begreifen.
So gesehen würde ich also die Eingangsfrage eher verneinen, weil beides dazu gehört, und nicht automatisch die negative Erfahrung erst kommen muss, um die positive richtig wertschätzen zu können.
Gesellschaftlich mag das aber immer noch so sein, weil der Fokus zu sehr auf dem Negativen liegt.

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Beim Ablegen eines falschen Verhaltens geht es aber um “Umlernen”, dh. ein (falsches) Verhalten, was man bereits erlernt hat, durch ein anderes Verhalten zu ersetzen.

Den größten Teil seines Verhaltens lernt der Mensch in seiner Kindheit unbewusst durch Nachahmung seiner Eltern und anderen Bezugspersonen. Z.B. die Sprache, Essbarkeit von Lebensmitteln, Kleidung, Umgangsformen usw. Dies wird alles nicht bewusst beigebracht, sondern nur Fehlverhalten wird korrigiert oder sanktioniert (Erziehung). Ein weiterer, großer Teil des Lernens besteht aus eigener Erfahrung, z.B. wenn ich den zehnten Bauklotz auf den Turm stelle, kippt dieser um. Nur ein kleiner Teil des menschlichen Lernens geschieht bewußt, z.B. Kulturtechniken in der Schule, erlernen von Berufen oder Sportarten oder durch bewußte Erziehung über Belohnung oder Sanktionen.

Das “Lernen aus schlechter Erfahrung” macht prozentual einen sehr geringen Anteil am menschlichen Lernen aus, z.B. Kauf eines defekten Gebrauchtwagens. Und oft geschieht die einzelne schlechte Erfahrung vor dem Hintergrund vieler guter Erfahrungen. Z.B. bist du beim Joggen schon an mind. 10000 Hunden problemlos vorbeigejoggt. Bis dieser eine Hund kam und dir in die Wade biß. Dieses traumatische Erlebnis des Hundebisses überlagert dann das vorherige Gelernte, die 10000 friedlichen Hunde.

Und so kommt es zu dem Eindruck, dass man nur aus schlechter Erfahrung lernt. Man lernt aber nur um: Dass es bei der guten Erfahrung eben auch Ausnahmen gibt.

Da liegst du ganz richtig. Die existenzielle Bedrohung (Hundebiss) überlagert immer alle positiven Erfahrungen, weswegen auch Verhaltentherapeutisch nach einem Trauma versucht wird, so schnell wie möglich wieder positive Erfahrungen herzustellen. (gute Begegnungen mit Hunden).

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Naja, wenn man wirklich wissen will, wo die Grenze ist, muss man sie einmal überschreiten.

Wenn man immer nur nachmacht, was andere vormachen, kann sich die Menschheit nicht weiter entwickeln und bleibt unter ihren Möglichkeiten.

Und so ist es auch bei jedem einzelnen Menschen: Wer nicht seine Grenzen austestet, weiß nicht, wo sie sind, aber wer sie zu weit überschreitet, kann Schäden erleiden oder anrichten, die nicht reversibel sind.

Hier ein aktuelles Ereignis einer erwachsenen Frau:

Interessant der Kommentar ihres Vaters dazu:
"Vonns Vater Alan Kildow sagte nach dem Sturz bei sportschau.de: „Es hat mir das Herz gebrochen. Sie ist so eine Kriegerin, so eine fantastische Wettkämpferin. Sie hat alles gegeben, was sie hat. Leider war es nicht ihr Tag. Das ist wirklich herzzerreißend.“

Hätte sie auf diese Warnung gehört, wäre es besser gewesen:

Grenzen austesten ist sicherlich ein wichtiger Punkt - das ist, wenn ich richtig informiert bin, nicht nur ein rein menschliches Phänomen - Tiere „spielen“ in ihrer Jugend durchaus rel. viel an ihren Grenzen.
Interessant ist die Frage, inwieweit das mit einem kalkulierbaren Risiko einhergeht, oder ob das mit dem „Kopf-durch-die-Wand“-Verhalten einhergeht - was den Spitzensport angeht, so ist das für uns Laien nur schwer einzuschätzen. Ich war nie Spitzensportler.
Mein Schwager ist (oder zumindest war) so ein bisschen in der Szene drin.
Was er mir - wieder mal nicht repräsentativ - so erzählte, deutet schon darauf hin, dass es sich auch hier um ein „professionell kalkuliertes“ Risiko handelt - wenn auch mit einem deutlich höheren Restrisiko.
Was aber gut zum „Menschen im allgemeinen“ passt ist, dass die kurzfristigen Vorteile schwerer wiegen als die langfristigen Nachteile. Das hängt nicht zuletzt auch damit zusammen, dass das Zeitfenster, in der ein Spitzensportler richtig viel Geld verdienen kann, ziemlich kurz bemessen ist, und das nur möglich ist, wenn der Sportler ständig 150% gibt (also sehr an der Grenze - wenn nicht gar für lange Zeit tendenzielle ständig über - seiner Verhältnisse arbeitet/lebt).
Die Frage, was es bedeutet, mit 55 evtl. einen maroden Körper zu haben, steht für den 20jährigen erfolgreichen Sportler sehr im Hintergrund - und es teilt ihm auch keiner in seinem Umfeld, die ebenfalls ein Interesse am Erfolg haben (selbst, wenn es „nur“ die Eltern sind, die weniger an dem finanziellen Erfolg adaptieren).

Das stimmt, deswegen habe ich oben auch noch die weiteren Lernwege beschrieben:

Naja, beim Leistungssport tragen Männer und Frauen gleichermaßen “Rangkämpfe” aus und haben ein

Meine Unterscheidung bezog sich auf die Aussage, dass Jungen angeblich mehr Risiken eingehen als Mädchen.

Statistisch gesehen landen mehr männliche Jugendliche wegen Verletzungen in ärztlicher Behandlung: Sportunfälle, Verkehrsunfälle und Schlägereien. Das liegt aber nicht an der erhöhten männlichen Risikobereitschaft. Jungen treiben häufiger Sport als Mädchen, insbesondere verletzungsträchtigen Fußball. Der prozentuale Anteil der Verletzungen bei sporttreibenden Jugendlichen ist aber bei Jungen und Mädchen gleich. Die fallen häufiger vom Pferd. Bei den Verkehrsunfällen muss man beachten, dass Mädchen häufiger von ihren Eltern zur Disko/Party gebracht werden, während Jungen häufiger ein motorisiertes Fahrzeug besitzen, auf dass sie sich (besoffen) setzen. Zudem erleben Mädchen sexuelle Übergriffe/Vergewaltigung, was man dagegenrechnen sollte.

Bei Schlägereien als Machtkampf unter männlichen Jugendlichen vergisst man, das Mädchen ihre Machtkämpfe durch Mobbing, Schönheits- und Schlankheitswahn austragen, was auch die Gesundheit schädigt.

Die Risikobereitschaft bei Jungen und Mädchen ist gleich hoch, liegt aber in unterschiedlichen Bereichen. Der Junge fährt besoffen von der Disko auf dem Moped nach Hause und hat einen Verkehrsunfall, das Mädchen steigt besoffen zu einem Mann ins Auto, der ihr verspricht sie nach Hause zu fahren und wird vergewaltigt.

Heute habe ich einen fremden Mann aus dem Eis gerettet.
Er war mit dem Bus an den See gefahren und ist dort auf dem Eis spazieren gegangen. Ich habe ihn vom Auto aus in dem Eisloch zappeln gesehen und kam gerade rechtzeitig, um ihn nach Hause zu fahren.

Das war auf dem Rückweg von meinem eigenen Ausflug (6km) auf dem Eis, nur an einer anderen Stelle.

Auf dem Hinweg war ich schon an der Stelle, wo der Mann eingebrochen ist, vorbei gefahren und hatte mir gedacht, ach ja, hier könnte man eigentlich auch mal aufs Eis gehen, und hier hält ja auch sogar der Bus…

Es hätte also genau so gut mir passieren können.
Manchmal ist der Grat zwischen einem sehr schönen und einem unschönen Erlebnis sehr schmal…bei gleichem Risiko.

Der Grad ist wahrscheinlich oft – ohne dass wir das bewusst erkennen – schmal.
Das mit dem Risiko ist so eine Sache – wahrscheinlich warst Du leichter als der Mann; Dein individuelles Restrisiko, einzubrechen, ist also bei gleicher Eisdecke schon allein deswegen kleiner.
Das ist m.E. auch etwas, das den Profi vom Laien unterscheidet.
Das tatsächliche Risiko vom „pauschalen Risiko“ zu unterscheiden.

Das Ganze ist auch etwas von bisherigen Lernerfolg abhängig - je größer meine Vorkenntnisse/-fähigkeiten sind, desto kleiner wird mein persönliches Risiko bzw. desto klarer kann ich mein individuelles Risiko abschätzen.
Hier wird es übrigens in Bezug auf Erziehung sehr interessant. Denn wenn mir meine Erfahrung sagt, dass mein individuelles Risiko in Bezug auf etwas Bestimmtes rel. gering (oder auch manchmal hoch) ist, dann bedeutet das noch lange nicht, dass das auch für mein Kind gilt (UND UMGEKEHRT!)
Eine gute Anekdote dafür ist, dass ich mal meiner Tochter, die partout auf dem Spielplatz bleiben wollte, bei der wilden Einfang-Verfolgungsjagt auf die Rutsche (ver-)folgte, die sie mit 4 Jahren noch spielerisch nicht nur über die Leiter hinauf sondern auch auf der Rutschbahn wieder hinunterlief, während ich - mit einem völlig anderen Schwerpunkt und kaum Übung im Hinunterlaufen von Rutschen - den Lauf mit einem Sturz beendete, der in einem Oberarmbruch mündete.
Eine krasse Fehlbewertung des individuellen Restrisikos also.

Ob das nun ein schönes oder unschönes Erlebnis war – schwierig, da der Sturz zwar sehr schmerzhaft war –, aber letztlich für uns alle auch etwas Positives hatte.

Ich habe daraus viele verschiedene Lehren gezogen, mein Kind hat erfahren, dass es in einem funktionierenden Sozialsystem (vom gipsenden Arzt über die Hilfe aus der Großfamilie - meine Mutter war anwesend und hat uns zum Arzt gefahren und sich in der Folge um viel gekümmert - bis hin zu der Tatsache, dass ich mich viel mehr über mich selbst denn über sie geärgert habe, auch wenn sie die Auslöserin war) vieles gar kein Beinbruch ist (sondern ein Armbruch :rofl: :rofl: , und so nach 20 Jahren schrumpft die Episode mehr zu einer spaßige Anekdote und gleicht keiner Katastrophe (auch wenn der Urlaub völlig neu geplant werden musste).

Es war zumindest nicht traumatisch und damit eindeutig negativ.

Ist das nun schon ein Beispiel für „hard way“?

Ich würde eher sagen, es war ein gelungenes Beispiel für Unachtsamkeit.
Hier gilt wieder

Wobei hier der Vater seine Tochter nachahmte :slight_smile:
Allerdings mit dem gleichen Problem des unbewussten Nachahmens.

Ich finde das gar nicht so schlimm, dass vieles unbewusst abläuft – es gibt uns Zeit und Kraft, die wichtigen Dinge in den Fokus unseres Bewusstseins zu heben – nur manchmal passieren bei der – unbewussten – Einschätzung eben Fehler. Und meistens geht das doch auch gut, wenn man sich die Zahl der schweren und der leichten Unfälle, aus denen bei marginalen Unterschieden in den Ausgangsbedingungen auch schnell ganz schwere Unfälle hätten werden können, gegenüberstellt.

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Naja, ich bin extrem vorsichtig und gehe nur dort aufs Eis, wo schon Fußspuren sind, oder wo ich weiß, dass das Eis dort dick genug ist, weil ich es schon mal ohne Schneedecke gesehen habe. Zweitens hatte ich Skatingski an, mit denen sich das Gewicht besser verteilt, drittens war ich heute nicht allein unterwegs, so dass wenigstens jemand den Notruf absetzen könnte.

Ich muss aber gestehen, dass ich gestern auf einem anderen See allein mit den Skaitngskiern war. Den kannte ich zwar besser, aber ich glaube, ich lerne aus der Erfahrung von heute, besser nicht allein zu gehen.
Mal sehen, ob ich das morgen noch genau so sehe…

:slight_smile: wir hoffen es alle - für Dich und für uns! :slight_smile:

Ist

ein guter Indikator (Du weißt nicht, welches Gewicht der Fußabdruck Hinterlassende hatte, und wie sich das Eis seitdem verändert hat, wobei ich nicht oberlehrerhaft sein will)

Ich bin schon mal im Eis eingebrochen, und kenne aus der eigenen Erfahrung, was das für Folgen haben kann - auch wenn es „gutgeht“ – daher habe ich mich auf einen Spaziergang vor einiger Zeit rund um unseren See zusammen mit meinem Nachwuchs auch zu dem Spruch hinreißen lassen, das ich es etwas verantwortungslos finde, dass es Leute gab, die ohne behördliche Freigabe des Sees auf dem See unterwegs waren – einer der so Gescholtenen meinte, er habe mit seinem Bohrer die Eisdicke ermittelt, und käme - zumindest im Uferbereich - auf eine genügende Dicke.
Ich finde das trotzdem schwierig, da - Thema Nachahmung - vielleicht keiner der anderen wusste, wo die Dicke dann nicht mehr reicht (die Mitte des Sees war noch nicht zugefroren). Auch bei den rumlaufenden Kindern hatte ich Zweifel, ob die in dubio in Rufnähe noch den Weisungen der Eltern Folge leisten …

Ich hatte letztens mit Freunden eine Diskussion darüber, ob es sinnvoll wäre, den Kindern in der Schule beizubringen, woran man erkennen kann, wie dick das Eis ist.

Auch das könnte man ihnen beibringen. Ich habe es letztens bei den (teils jugendlichen) Eisanglern gesehen wie sie mit einem mechanischen Handbohrer Löcher ins Eis gebohrt haben. Das ging ganz leicht. Das Eis war 20 cm dick, da kann wirklich nichts passieren.

Währenddessen mussten andere Kinder am Ufer bleiben, und die Eltern haben ihnen verboten auch nur winzige Trippelschritte auf das Eis zu machen. Wer ist da für die Kinder glaubwürdiger? Die überbesorgten Eltern oder die jugendlichen Eisangler, die mit ihrem Bohrer auf dem Eis herum laufen?

Interessante Frage – ich habe keine wirkliche Antwort. Idealerweise übernehmen Deine jugendlichen Eisangler eine Mitverantwortung, indem sie Eltern und kleine Kinder aufklären (wie in dem von Dir genannten Beispiel der schulischen Förderung auch) und auch die Grenzen sondieren, so es denn zwischen Seeufer und Seemitte einen Unterschied in der Dicke gibt, der wichtig sein könnte.
Und ab wann ist man „überbesorgt“?
Meist weiß man es erst, wenn etwas passiert ist, dass man hätte vorsichtiger sein sollen - aber auch das ist schwierig, weil sich das meist nicht so direkt messen lässt wie im Fall der Eisdicke.

Mein Argument gegenüber meinen Kindern war in Fällen von Kritik entweder, dass ich die Überbesorgnis zugegeben und die damit verbundenen Restriktionen revidiert habe - oder ich habe mich auf meine Entscheidungsrolle (nicht -kompetenz!) zurückgezogen - wobei ich immer auch vermittelt habe, dass meine Entscheidung auch mal falsch sein könnte - aber als Erziehungsberechtigter trifft man nun einmal die Entscheidung - denn schließlich muss man dafür auch gerade stehen.
Ich habe jüngst gelesen, dass zwei Kinder im See ertranken, und die Eltern nun - neben dem damit verbundenen Schmerz - auch noch mit einer Klage wegen fahrlässiger Tötung rechnen müssen - was aber objektiv nicht unberechtigt sein könnte …