Triggerwarnungen sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft sinnlos

Sehr interessanter Beitrag von der SkepKon:

In verschiedenen Teilen der Gesellschaft, insbesondere an Universitäten, gibt es Debatten über Triggerwarnungen. Diese sollen Menschen vor emotionalen Belastungen schützen. Triggerwarnungen werden beispielsweise in Lehrveranstaltungen verwendet, wenn diese Inhalte enthalten, die Unbehagen oder Stress auslösen könnten. Doch sind Triggerwarnungen evidenzbasiert oder handelt es sich dabei lediglich um Pseudomaßnahmen?

Wie effektiv sind Triggerwarnungen? Timur Sevincer (Skepkon 2024)

Lustig finde ich die Umfragen unter Studenten am Ende. Bei denen mehr oder weniger rauskommt: Für sich selbst sehen die Studenten keinen Effekt von Triggerwarnungen aber bei anderen Menschen vermuten Sie positive Effekte (die aber nach Studienlagen nicht existieren).

Für mich sind Triggerwarnings ein schönes Beispiel für ein Nicht-evidenzbasiertes soziales Konstrukt: Den Anfang bildet die These/Vermutung das ein bestimmtes Verhalten anderen Menschen nutzt. Dadurch entsteht leicht ein Gruppendruck, dieses Verhalten zu akzeptieren und selbst auch zu replizieren.

Aber das ganze hat gar keine valide Grundlage.

Triggerwarnungen sind eh für den Eimer, weil die meisten Traumatisierten eh ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten haben und sich somit erst gar nicht in diese mögliche Gefahrenlage bringen.
==> soziale Phobie
==> Agoraphobie, usw

Wirklich wahr? Emotionale Belastungen sind unter allen Umständen zu vermeiden?

Früher dachte man auch, man müsste körperliche Belastungen vermeiden, bis man darauf kam, dass diese für die Gesundheit wichtig sind. Wann wird man feststellen, das auch unsere Psyche ständiges Training braucht, um nicht zu verkümmern.

2 „Gefällt mir“

Triggerwarnungen empfinde ich als Versuch, den Kontakt mit der Wirklichkeit oder Wahrheit zu vermeiden. Bei kleinen Kindern ist das manchmal sinnvoll.
Bei Erwachsenen finde ich es lächerlich.
Was ist so schlimm daran, wenn ich ein Video ansehe, das mich erschreckt oder dessen Inhalt mich abstößt? Das Leben ist gelegentlich erschreckend und abstoßend.
Wer soll noch Arzt, Polizist, Sanitäter, Krankenpfleger oder Soldat werden, wenn alles Unangenehme nicht mal mehr angeschaut werden kann?

1 „Gefällt mir“

Wir sind als Diskussionsgruppe zu homogen. Wir brauchen dringend Menschen die anderer Meinung sind! :slight_smile:

Nun ja… ihr habt vermutlich noch nicht tief genug in die Abgründe des menschlichen Zusammenlebens sehen müssen.
Ob nun bei einer Opferschutzorganisation, im Umgang mit Veteranen oder schwerst traumatisierte Ukrainer…

Der eine wird durch Kriegsfilme getriggert, bei Vergewaltigungsopfern reichen schon erotische Szenen in einem Film. Meine bei mir wohnende Ukrainerin hat panische Angst vor alten Männern.
@Kalo im gewissen Sinne ist eine Konfrontationstherapie in kleiner Dosierung hilfreich, sofern das ursprüngliche Trauma bearbeitet wurde. Danach kann man an den Triggern arbeiten.
Aber jede Erinnerung an das Erlebte, ob nun Verhalten, Geräusche, Gerüche (die sind am intensivsten) oder Ereignisse (z.B. Weihnachtsmarkt nach Breitscheidtplatz) bringen dich sofort wieder in das Erlebte. Man spricht hier von Retraumatisierung.
Eine Triggerwarnung ist per se nicht verkehrt, jedoch zeigt es die eigentliche Hilflosigkeit der Gesellschaft auf… weil wir uns sehr intensiv um Täter kümmern, während das Opfer lebenslang bekommt.

1 „Gefällt mir“

Bei Traumatisierten sieht das sicher anders aus, das hat aber nichts mit dem Kontext der Triggerwarnungen zu tun, über die wir hier reden. Ich hatte auch keine Art von Therapie im Sinn, sondern einfach nur das normale Leben, das uns häufig vor alle möglichen Belastungen stellt. Wie Du ja selbst schreibst:

Ich habe das so verstanden, ob Triggerwarnungen per se sinnvoll sind oder Pseudoaktion…
Psychisch Gesunde brauchen keine Triggerwarnung… nur Traumatisierte

1 „Gefällt mir“

Durch einen Trigger ein flashback zu erleben, ist keine Retraumatisierung. Es kann einen traumatisierten Menschen aber gründlich aus dem Gleichgewicht bringen und auch Schaden anrichten. Die Bearbeitung von Triggern kann auch (teilweise) vor der eigentlichen Trauma Konfrontationstherapie stattfinden, um einen tragfähigen Alltag möglich zu machen.
Trigger sind meist sehr spezifisch, eine allgemeine Warnung wie „kann belastende Inhalte haben“ bringt nicht viel. Eher das, was Sevincer am Schluss sagt: Eine Inhaltsangabe bzw die Materialien vorher bereitstellen.

Der Begriff Triggerwarnung ist mir suspekt. Das stellt die Kondition „traumatisiert“ so heraus, und es wird zu einem hochschulpolitischen Thema.
Dass man -auch nicht traumatisiert- im Studium und Beruf mit stark belastenden Inhalten konfrontiert sein kann, ist aber eine Tatsache, mit der umzugehen man erst lernen muss, und dazu braucht man Unterstützung. Oft hilft ein guter Freund, manchmal braucht es mehr.

Ich habe nach eigener Traumatisierung Psychologie studiert und die Traumatherapie und KJP Ausbildung gemacht, um mit meinem detaillierten Wissen und Verstehen anderen zu helfen. Das hat sehr viele Trigger und Konfrontationen eingeschlossen, in Ausbildung und Praxis, und ich bin ihnen nicht aus dem Weg gegangen. Das war hohes Risiko, manchmal bin ich ausgeflippt. Rückblickend denke ich, es hat sich gelohnt.

Jetzt ist die PTBS wieder heftigst aufgeflammt, und ich muss mich tatsächlich vor Triggern schützen. Das ist meine Verantwortung. Aber ich brauche auch etwas Verständnis von meiner Umgebung für den Eiertanz, der das manchmal bedeutet.

3 „Gefällt mir“

Ich bestreite nicht, daß es schwer traumatisierte Menschen gibt. Doch die bisherige Studienlage weist darauf hin, daß diesen Menschen Triggerwarnungen nicht helfen. Das eine schließt das andere nicht aus.

Ich hab fast 20 Jahre lang mich immer wieder gefragt, was mit mir los ist. Obwohl ich selbst Psychologie in jungen Jahren studiert habe, hatte ich das selbst nicht auf dem Schirm. Viele wissen nicht, dass sie eine PTBS haben. Da helfen dann auch keine Triggerwarnungen.
Wo solche Warnungen helfen, ist bei Filmen. Wenn ein Film den Titel „Butterblümchen“ tragen würde, aber von Mord und Vergewaltigung handelt, wäre so etwas angebracht. Aber in einer Hochschule?

Bei mir war eine PTBS … zum Glück habe ich diese definitiv hinter mir.

3 „Gefällt mir“

Heute war ich am Briefkasten und habe nicht schlecht gestaunt. Als ich für eine Opferschutzorganisation tätig war, hatte ich für ein Opfer sexueller Gewalt im Kindesalter einen Antrag auf Übernahme von Therapiekosten gestellt. Das war im Jahr 2019. Heute kam der Bewilligungsbescheid. Wäre der Brief zu der Betroffenen gekommen, hätte das mit Sicherheit einen Trigger ausgelöst.
Traurig diese Bürokratie

1 „Gefällt mir“

Ja, traurig, daß das so lange dauert.

Wie obiger Artikel ausführt, ist nicht bewiesen, ob Triggerwarnungen mehr bringen als das klopfen auf Holz.

manchmal möchte ich auf Holzköpfe klopfen…

1 „Gefällt mir“

Trigger Warnungen sind selber Trigger