Unsere neue Wirtschaftsministerin schlägt vor, dass mehr gearbeitet wird

In Bezug auf den Sozialstaat gebe ich dir Recht. Den Klimaschutz aber muss man eigentlich gar nicht bezahlen, sondern einfach nur klimaschädliche Aktivitäten unterlassen.

Aber jemand anders nimmt evtl. 119 Euro weniger ein, weil der Käufer seine 119 Euro nur einmal ausgeben kann.

Leider kann man das nicht so isoliert rechnen, unsere Volkswirtschaft besteht aus Millionen Rückkopplungsschleifen, die alle miteinander zusammenhängen. Volkswirte bilden dafür Modelle, die möglichst viele Abhängigkeiten berücksichtigen und lassen das ganze dann auf Computern simulieren.

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Treffer, versenkt! :+1:
So ist das halt mit allzu simpel gestrickten Beispielen aus der Kiste „Volkswirtschaft für alle, leichtgemacht“.
:grinning_face_with_smiling_eyes:

Ich wollte nichts und niemand versenken.

Mehrarbeit macht doch nur Sinn, wenn es mehr Nachfrage nach Gütern gibt und die Produktivität nicht gesteigert werden kann. Aber das sollte doch der Markt regeln, oder habe ich da etwas versäumt? Komisch, dass gerade aus der Unions-Ecke solche dirigistischen Forderungen kommen.

Tolle Aussage! :-1:

Mal ganz abgesehen davon, dass die tatsächliche Lebenserwartung heute schichten- und berufsspezifisch sehr unterschiedlich ist.
Akademiker und „white-collar“-Berufe haben eine deutlich längere statistische Lebenserwartung als Menschen mit nicht akademischen Abschlüssen und in handwerklichen, industriellen oder auch pflegerischen Berufen - was nebenbei auch ein Gerechtigkeitsproblem beim Rentenbezug ist. Die Einen beziehen Rente bis hoch in die 80-er, die Anderen entlasten die Rentenkasse durch „sozialverträgliches Frühableben“ :grinning_face_with_smiling_eyes: mehr oder weniger kurz nach Renteneintritt.
Das hat sicher eine Vielzahl von Gründen. Einer davon ist die meist deutlich längere Lebensarbeitszeit in den handwerklichen etc. Berufen.

Aber davon abgesehen: Willst Du den Leuten wirklich eine Politik predigen, die ihnen klar sagt „dann sterbt ihr eben etwas früher“?
Längeres und auch zeitlich von beruflichen Zwängen und Einschränkungen befreites Leben in der „Ruhestandsphase“ ist für viele Menschen heute ein hohes Gut. Oft wertvoller als der eine oder andere Euro mehr auf dem Konto.

In dem Zusammenhang ist auch der CDU-Spruch von der „Life-Style-Teilzeit“ total daneben.
Selbst wenn - wie inzwischen ja heftig zurück gerudert - klargestellt wird, dass damit ja nicht „begründete“ (Kindererziehung, Altenpflege etc.) Teilzeit gemeint ist, was sind denn „unbegründete“ Teilzeitwünsche?
Etwa, wenn ein älterer Mensch merkt, dass ihn der regelmäßige „nine-to-five“ Job an 5 Tagen die Woche inzwischen ziemlich belastet? Und er lieber seine Arbeitszeit verkürzt, um noch halbwegs gesund das Rentenalter zu erreichen?
Klar, er kann stattdessen auch öfter mal 'ne krankheitsbedingte „Auszeit“ nehmen - der angeblich (zu) hohe Krankenstand mag ein Stück weit auch dadurch verursacht sein.
Ist es da nicht ehrlicher, dann - zur Schonung der KV - in eine „grundlose“ Teilzeit zu wechseln? Um Lebenszeit zu gewinnen.
Also nicht "Life-Style-"Teilzeit, sondern Lebenszeit-sichernde Teilzeit.

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Hast Du aber durch Deinen m.E. wirklich in’s Schwarze treffenden Beitrag.
(Lass’ mich Dich doch mal loben - allzu oft kommst Du ja meinerseits nicht in solchen Genuss).
Erinnert mich ein bisschen an den Spottspruch aus studentischen Tagen:
„Die grausamsten Morde werden an den Universitäten begangen - durch häßliche Fakten an wunderschönen Theorien.“
Obwohl lawandorders „Beispiel“, das Du so gekonnt auseinander genommen hast, wohl vom intellektuellen Gehalt her nicht ganz die Anforderungen an eine wissenschaftliche Theorie erfüllt hätte. :grinning_face_with_smiling_eyes:

Richtig und das ist schon mal ein Denkfehler bei der Nikolausschnitzerei! Ein weiterer Denkfehler ist, dass durch eine aus Sicht des Arbeinehmere “ geschenkte” Mehrarbeit nicht unbedingt mehr Leistung erzeugt wird.

An dem Punkt gebe ich Dir teilweise recht! Tatsächlich müssen wir menschliche Arbeit durch einen Rationalisierungsprozess mit KI und Technik teilweise ersetzen. Arbeitskraft ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften in der Güterprouktion hoch. Teilweise werden wir auch in Deutschland einige Produkte nicht mehr herstellen können. Andere wie die Autoindustrie werden wohl bleiben, aber sicher nicht mehr den bisherigen Umfang erreichen. Neue Marken wie BYD werden ja nicht mehr vom Weltmarkt verschwinden. Ob wir wirklich tatsächlich mehr Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben verlieren wie dazu kommen und wirklich benötigt werden ist deshalb noch offen. Weniger menschliche Arbeitskraft muss jedenfalls nicht zu mehr Arbeitslosen und weniger Wohlstand führen, sondern ist eher eine Voraussetzung um Konkurrenzfähig zu bleiben. Weitere Voraussetzung sind natürlich weitere Innovationen die es in der Wirtschaft geben muß.

Man nennt es „Solidarprinzip“. Die Ungerechtigkeit liegt nicht im Rentensystem, sondern in der Natur, den Genen, die dem einen ein langes, gesundes Leben bescheren, dem anderen ein kränkliches kurzes.

Ähnlich bei der Krankenversicherung, der eine verursacht hohe Kosten, der andere niedrige; beide zahlen - bei gleichem Einkommen - den selben Betrag.

Mich beschleicht der Verdacht, dass du weniger mich loben als @lawandorder treffen willst. Dafür gebe ich mich nicht her, dazu sind die meisten seiner Beiträge viel zu gut, auch wenn er in dem einen Punkt nach meiner Meinung daneben lag.

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Erwähnte ich es bereits, dass man sich hier im Forum auch persönliche Nachrichten schreiben kann? :wink:

Auch das führt natürlich zu unterschiedlich langen Rentenbezügen.
Aber willst Du ernsthaft behaupten, alle (die meisten) „Büro-Jobber“ (oder meinetwegen, zu Lasten meiner eigenen Spezies, den Beamten, die allerdings keine Rentenbezieher sind) hätten „von Natur aus gute Gene“, während Berufstätige mit eher handwerklichen Professionen halt genetisch schlechter ausgestattet sind?
Oder hat die statistisch signifikante Längerlebigkeit der ersten Gruppe vielleicht doch was mit der in der Regel kürzeren Dauer des Berufslebens zu tun?
Neigst Du vielleicht ein bisschen sehr zu „biologistischen“ Erklärungen, vernachlässigst soziale / soziologische Ursachen?

Na schön, wenigstens einen Versuch war’s wert. :grinning_face_with_smiling_eyes:

na ja, das weiß ich und du weißt, dass ich das weiß.
es war ein vereinfachtes beispiel, das einen idealtypischen ablauf darstellt.
der simple grundgedanke ist aber richtig: mehr Arbeit schafft mehr Wert.
oder kann mehr Wert schaffen, wenn man es pessimistisch sehen will.
weniger arbeit schafft in den seltensten fällen mehr Wert.

mir ging es nur darum zu zeigen, dass es gesamtwirtschaftlich nicht egal ist, wieviel wir arbeiten.
und es gibt mit sicherheit etliche branchen, in denen zusätzliche produkte und dienstleistungen auch abnehmer finden würden, ggf. auch im Ausland. Kaufkraft und nachfrage ist genug vorhanden, man muss halt die richtigen produkte anbieten.
ich kann das aus unserem laden jedenfalls bestätigen. wenn wir mehr arbeiten wollten , würde es nicht an der nachfrage scheitern. mein persönliches problem besteht derzeit darin, nicht mehr aufträge zu bekommen, als ich seriöserweise bearbeiten kann.

dein einwand, dass die euro 119 vielleicht nicht zweimal ausgegeben werden, mag im einzelfall zutreffen.
aber das ist belanglos. ich behaupte ja nicht, dass mein beispiel immer so zutrifft. aber lass es 80 oder 60 oder auch nur 40 % sein, dann wäre es immer noch ein enormes potenzial.

den billigen und grundlosen spott von @wolffgil verstehe ich daher nicht.
was bringt es, alles was ich sage bewusst misszuverstehen und dann darüber zu schimpfen?
das ist niveaulos und davon hat niemand was.
zumal @wolffgil durchaus den verstand und die bildung hätte, es besser zu machen.
vielleicht wird’s ja noch.

das verstehe ich nicht.
selbst wenn der arbeitnehmer umsonst arbeitet, kann das unternehmen die hergestellte ware doch verkaufen.
das ist doch die alte kapitalismuskritik, dass der AN den mehrwert schafft, den der Arbeitgeber zu Geld macht.

außerdem fußt meine überlegung nicht darauf, dass. der AN umsonst arbeitet. ich sage nur, dass es darauf nicht ankommt.

dieses gezielte missverstehen ist unter deinem niveau. darauf möchte ich nicht antworten

Leider ist dieser Grundgedanke schon falsch.

Er geht davon aus, dass man mit Arbeit immer mehr Werte schafft als man zerstört.

Man kann mit Arbeit aber auch viel Schaden anrichten, und manchmal ist es besser, man lässt es.

Wenn es wirklich das Hauptziel sein sollte, den Sozialstaat damit zu finanzieren, gibt es vielleicht auch andere Wege, den Sozialstaat zu organisieren?

Weder ernsthaft noch spaßhaft. Wie kommst du auf diesen Unsinn?

Nein.

Eher mit dem unterschiedlichen Belastungsprofil. Hast du eine Statistik dazu? Wäre interessant. Nur, was folgt daraus? Sollen Handwerker geringere Rentenbeiträge zahlen als Büroangestellte? Männer weniger als Frauen? Baden-Württemberger mehr als Berliner? Oder die Höhe der Rentenzahlung an den IQ koppeln?

Aus meiner Sicht wäre es am besten, sich nicht sein ganzes Leben lang auf die Rente freuen zu müssen, um dann endlich tun zu können, was man möchte, sondern auch vorher schon Zeiten dafür zur Verfügung zu haben (also weniger zu arbeiten), und dann eine längere Lebensarbeitszeit einzuführen, und zwar so lange, bis es wirklich nicht mehr geht, was dann wohl bei jedem Menschen ein unterschiedliches Alter wäre.

Du gehst von Bedingungen aus, die man hinterfragen muß. Man kann eben nicht beliebig viel mehr verkaufen. Im Moment haben wir doch eher ein Absatzproblem, wie gesagt die höchste Arbeitslosigkeit seit Jahren und das vor allem im Produktionsbereich. Es nützt also gar nichts mehr herzustellen, weil die Produkte doch in diesem Bereich gar nicht verkauft werden können. Es kann jetzt sein, dass die Produkte günstiger wären, wenn die Leute mehr arbeiten würden zum gleichen Gehalt ( deshalb ging ich vom diesem "Geschenk” aus) und damit deutsche Produkte auf dem Weltmarkt günstiger wären, das würde ich zumindest in dieser Allgemeinheit aber bezweifeln.

Dann wäre auch diese Überlegung hinfällig. Außerdem muß ja mit mehr Arbeit auch nicht unbedingt mehr geleistet werden. Arbeit muß immer auch möglichst effektiv sein und das hängt wieder von vielen anderen Faktoren ab ( Motivation, Organsisation, Fehlzeiten, Auftragslage etc).

das hatten wir schon

nein. sie muss vor allem geleistet werden. :innocent:

das sind ausflüchte, um das prinzip nicht anerkennen zu müssen.
mehr arbeit schafft im regelfall mehr Wert. Ob nun in 40/60/80 % der Fälle ist mir egal. wir können einen so offensichtlichen lösungsansatz nicht verwerfen, nur weil er nicht in 100% der fälle funktioniert

Ich würde den Begriff Güter bevorzugen. Aber die Frage ist doch, ob es - im Inland oder Ausland - Abnehmer für diese Güter gibt. Dabei geht es natürlich auch um die Wettbewerbsfähigkeit, also Qualität und Preise, letztere haben ja eine ganz wichtige Steuerungsfunktion. Wettbwerbebsfähigkeit erhöht man durch verbesserte Qualität und/oder niedrigere Preise. Für niedrigere Preise braucht man entweder höhere Produktivität oder niedrigere Löhne und niedrigere sonstige Kosten, z.B. Energie, Bürokratie, Umweltauflagen.

Alles Basiswissen der VWL und BWL, ich schreibe das so ausführlich, um zu verdeutlichen, dass Alles mit Allem zusammenhängt. Es hat oft wenig Sinn, die Beziehungen nur zwischen einzelnen, isolierten Parametern zu betrachten, da sucht sich jeder die heraus, die am Besten zu seinen Partikularinteressen oder Ideologien passen.

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