@ErnstBGi lachte im anderen Thread, obwohl er die Kondensstreifen am Himmel über der Ostsee am Tage zuvor gesehen hatte, und meinte, ihr müsst mal sehen was hier los ist. @Kalo reagierte beschwichtigend. Aber wann ist der neuralgische Punkt vielleicht überschritten, in dieser seit 2022 vorherrschenden Konstellation, die nach Trumps Regierungsübernahme eher noch turbulenter zu werden scheint?
Dass die Nato russische Flieger aus dem eigenen Luftraum begleitet, hatte ich vor Jahren bereits in einer Dokumentation über den Nato-Betrieb an der Ostsee gesehen. Ein Oberster der Luftwaffe erklärte, dass dieses respektvolle Umgänge beiderseits wären und trotz des damals bereits herrschenden Krieges in der Ukraine, sich bis dahin nichts verändert hätte.
Nun sind die Drohnenüberflüge in Polen, Dänemark und bei uns, und der Flug einer Maschine sehr tief und lange in den estnischen Luftraum in der Tat davon abweichend und sollen wahrscheinlich einer hybriden Kriegsführung gegen die Staaten gewidmet sein, die die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren maßgeblich unterstützen. Was stellen wir uns vor, wir arbeiten eindeutig - wenn auch nicht direkt über Beteiligung an Kampfhandlungen, gegen Russland und sein Regime, an der Spitze eines Staates, welches nach meinen Informationen etwa nur zu einem Drittel den Krieg mehr oder weniger patriotisch im eigenen Land unterstützt? Ein weiteres Drittel verhält sich neutral und die Lauten in dem einem Drittel, die gegen den Krieg (lt. Informationen über mögliche Umfragen) sind, werden schnell in dem Staat, in dem Versammlungsfreiheit mit Aufruhe gleichgesetzt wird, mundtot gemacht.
Erinnern wir uns an die DDR! Die Berlin-Blockade der UdSSR lief vom 24.06.1948 bis 12.05.1949. Die Bundesrepublik Deutschland gründete sich am 23.05.1949. Der Aufstand in der DDR vom 17.06.1953 wurde brutal von Militär, Volkspolizei und Staatssicherheit niedergeschlagen. Zurecht hatten wir unsere DDR als Unrechtsstaat entlarvt, mit dem man nicht spricht. Es galt die Hallstein Doktrin.
Die Hallstein Doktrin ist eine außenpolitische Doktrin der Bundesrepublik Deutschland, die von 1955 bis 1969 galt.
Sie besagt, dass es nur einen deutschen Staat gibt, und die Bundesrepublik Deutschland (BRD) die alleinige Vertretung für alle Deutschen beansprucht. Hier sind die wichtigsten Punkte:
1. Alle diplomatischen Beziehungen sollten über Bonn laufen, und wenn ein Land diplomatische Beziehungen zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR) aufnahm, wurde dies als „unfreundlicher Akt“ angesehen.
2. Die BRD hatte keine diplomatischen Beziehungen zur DDR, sondern nur zur Sowjetunion.
Wäre über diesen Weg die Wiedervereinigung 1989 möglich geworden? Ich entdeckte kürzlich ein mir noch unbekanntes Interview mit Helmut Kohl. Auf die Frage, dass doch in den Achtziger Jahren keiner mehr mit der Wiedervereinigung gerechnet hatte, meinte er, dass dieser Glaube an die Einheit schon in den Siebziger Jahren aus dem Fokus geriet. Ich würde ihm dort widersprechen wollen und behaupten, dass gerade in den früheren Siebziger Jahren durch die Kontaktaufnahme mit der DDR der Grundstein für den eher doch relativ unkomplizierten Vorgang der Deutschen Wiedervereinigung vom Besuch des Kanzlers in Dresden am 19.12.1989 bis zum 03.10.1990 gelegt worden war.
Die UdSSR, zu denen bekanntlich die Sowjetrepubliken, Ukraine und Russland Beide gehörten, spielten sowohl 1970 im Rahmen der Ostpolitik Brandts bei seinem Besuch in Moskau zu Beginn dieser Ostpolitik, wie auch innerhalb des Prozesses der frühen Wendejahre und der Wende in der Person von Gorbatschow die noch bedeutendere Rolle vor den USA. Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, dessen Rede 1985 zum 40jährigen Ende des 2. Weltkrieges Bedeutung erlangt hatte (wirklich ein eindrucksvoller Vortrag), hatte nicht von ungefähr Michail Gorbatschow für diese Deutsche Einheit speziell gedankt.
Die Entspannungsphase der frühen Siebziger wurde später unterbrochen durch die verschärfte Politik von Breschnew, der den osteuropäischen Ländern die Breschnew-Doktrin auferlegte und sich dazu entschloss, seine kommunistischen Brüder, die in Afghanistan bedrängt waren, durch einen Krieg in Afghanistan an der Macht zu halten, die gerade einen Staatsstreich durchgeführt hatten. In der Folge der Unterstützung des Westens gegen die UdSSR stellte die UdSSR die SS20 Raketen auf. Die Nato reagierte mit dem Nato-Doppel-Beschluss und als die Verhandlungen mit der UdSSR als für gescheitert galten, mit dem Aufstellen der Pershing II-Raketen in der BRD.
Aber sowohl Brandt als auch Helmut Kohl öffneten sich der Sowjetunion, Brandt zu einer Zeit nach dem Prager Frühling, als Eiseskälte zwischen den USA und der UdSSR herrschte und Helmut Kohl, einige Zeit nach seinem Goebbels Vergleich gegenüber Gorbatschow.
Beides Mal entwickelte es sich positiv. Die Figur Putins sollte uns wenig stören, an dem Rad der Geschichte für die Zukunft - auch, aber eindeutig nicht nur, im innerdeutschen Interesse das zu tun. Ich gehe davon aus, dass gerade im Osten, wo die AfD sehr großen Zulauf hat, ein geschichtlich einmaliges Vorgehen der BRD zur Beendigung des Krieges in der Ukraine, Reputation gewinnen würde.
Fazit: Eine Blockadehaltung gegen über Russland wie damals durch die Hallstein-Doktrin in der BRD gegenüber der DDR ist geschichtlich erwiesen nicht der richtige Weg. Ich bin über diesen Kontext der Meinung, dass die Verteidigung wichtig ist, der Fokus aber auf die politische Auseinandersetzung mit Russland im Sinne der Ukraine liegen sollte. Es wäre wichtig unsere Bündnispartner dafür zu gewinnen.
Ein interessanter Exkurs: Afghanistankrieg - Geschichte kompakt