Verweigerter Handschlag in Syrien

Bei ihrer Ankunft in Damaskus wurde sie von Ahmed al-Scharaa, dem neuen syrischen Machthaber, nicht mit einem Handschlag begrüßt. Stattdessen legte al-Scharaa, besser bekannt unter seinem Kampfnamen Mohammed al-Dscholani, seine Hand auf seine Brust.

Wie hättet Ihr an Baerbocks Stelle reagiert? Eine Frage vorwiegend an die Frauen.
Hätte sie den Besuch unter diesen Umständen verweigern sollen?
Oder war es richtig, solche „Formalitäten“ zu ignorieren, weil es um Wichtigeres geht (insb. Syrien aus dem Einfluss Russlands zu lösen)?

Wie hätte Barrot reagieren sollen?
Hätte auch er (als Zeichen der Solidarität) al-Scharaa nicht die Hand geben sollen?

Baerbock wusste offensichtlich, was kam, und hat demonstrativ mehrfach in Richtung al-Scharaa genickt: „alles in Ordnung, ich weiß schon …“ (Video auf X).

Interessant find ich ihre Kleidung. Eine enge, eher informelle Hose.
Ich interpretiere das als ihre Rache für den fehlenden Handschlag, da ich davon ausgehe, dass so ein Outfit für eine Frau dort als eher unpassend gilt, zumal bei einem solch hochrangigen Besuch. Vielleicht ist die Hose nach dortigen Maßstäben respektloser als der verweigerte Handschlag?! :slight_smile: Dann wäre das Ganze ja vielleicht sogar ein diplomatischer „Sieg“.
Kann das jemand einschätzen?

Diplomatie von Handschlag abhängig machen versetzt einen in eine schwache Position, wenn nicht nur der andere was will, sondern man selbst auch.
Ich hätte mich in so einer Situation wohl eher formeller gekleidet, und das Vorgehen mit dem französischen Kollegen abgesprochen.
Sie wirkt durch Kleidung und Körpersprache eher verbindlich, vermittelnd, inoffiziell, fast wie ein Underdog. Möglicherweise gibt das ihr die Möglichkeit, auch inoffizieller zu sprechen oder Grenzen eher zu überschreiten wie unbequemes zu sagen.
Allerdings haben solche Zeichen vielleicht in der Diplomatensprache etwas zu bedeuten, was wir nicht wissen.

Ich selbst würde weniger Händeschütteln im Alltag begrüßen, aber Situationen haben ihre Regeln.

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Ich kenne es auch umgekehrt von Araberinnen aus Syrien in Deutschland, die Männern nicht die Hand geben.

Von ihnen würde ich in Deutschland erwarten, Männern die Hand zu geben, weil es in Deutschland so üblich ist.

Genau so würde ich in Syrien ebenfalls die Landessitten beachten und islamistischen Männern dort nicht die Hand ausstrecken.

Es gibt im Internet ganz gute Empfehlungen, wie man sich in einem fremden Land verhält, wenn man dort niemanden vor den Kopf stoßen möchte.

aber das ist ja die Frage:
muss man nicht sogar diese Leute „vor den kopf stoßen“?
es geht ja nicht darum, den aufenthalt im Club Hotel sozialverträglich zu gestalten, sondern den Islamisten klarzumachen dass es geld aus europa nur gibt, wenn bestimmte standards eingehalten werden. dazu könnte auch der umgang mit frauen gehören

Willst du die erziehen?

Vieleicht war es ja sogar eine Botschaft, das sie die Hand ausgestreckt hat. So in der Art: Passt euch an, wenn ihr mit uns gute Beziehungen haben wollt.

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Wir versuchen die ganze Zeit, Migranten aus arabischen Ländern zu erziehen.
Ich habe ein Jobangebot erhalten, bei dem ich Seminare von Behörden im Umgang mit Gewaltbereiten geben soll.
Ich soll die Mitarbeiter schulen, wie sie sich bei einem Übergriff zu verhalten haben.
Für mich generell ein falscher Ansatz. Erstens kann man in einem Seminar kein jahrelanges Training ersetzen und zweitens, wer sich nicht an die Regeln des Gastlandes hält und unfähig ist, sich anzupassen, braucht auch keine Leistungen.
Eine vermeintliche friedliche Religion, die Vergewaltigung, Kinderehen, Zwangsheirat und verweigerte Bildung für Frauen propagiert, muss sich entweder an die Entwicklung der Zeit anpassen oder auf den Müllhaufen der Geschichte.
Deshalb wäre meine Botschaft an Stelle von Frau Baerbock gewesen:
Du willst mit mir nicht auf Augenhöhe sprechen, dann habe ich dir auch kein Angebot zu machen. Als Bonus-Paket bekommst du deine straffälligen Staatsbürger innerhalb der nächsten Wochen zurück…

Aber die Saudis werden sicherlich genug Geld zum Wiederaufbau beisteuern. Da brauchen die Syrer weder Deutschland noch Frankreich.

ist unsere Position so stark?

Baerbock und Barrot waren im Auftrag der EU unterwegs, nicht für ihre Länder.
Ich habe verschiedene Berichte dazu gehört/gelesen, die sagen, dass Syrien nur auf die Beine kommt, wenn die EU ihre Sanktionen aufhebt oder reduziert.
Sonst hätte es keine Chance.
WENN das stimmt, wäre es eine harte Verhandlungsposition.
OB es stimmt, weiß ich nicht.

Aber es bleibt die Frage, ob man mit einer solchen Verhandlungsmacht solche eher symbolischen Punkte wie die „richtige“ Begrüßung von Frauen öffentlich durchboxt, oder ob man sich das für die grundlegenden Themen aufspart und es hinter verschlossenen Türen macht.

Es wäre immerhin sogar denkbar, dass al-Scharaa sich mit einem öffentlichen Händedruck innenpolitisch „unmöglich“ gemacht hätte und seine Stellung als Verhandler für ganz Syrien gefährdet hätte. Das wäre uU kontraproduktiv, auch im Sinne der EU.

Es sind nicht nur die Sanktionen, die wir im Köcher haben.
Putin setzt Migranten gezielt als Waffe gegen den Westen ein.
Die Türkei setzt Migranten als Druckmittel gegen die EU ein, um Milliarden zu erpressen…
Die knapp 1 Mio Syrer in Deutschland könnte man auch als Verhandlungsmasse einsetzen, denn man muss nicht unbedingt alle abschieben, bedenkt man, wie viel Geld über Western Union den Weg von Deutschland nach Syrien findet.

Klingt makaber, aber in der Diplomatie muss man nicht drohen, sondern nur andeuten…

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Da vermischst Du zwei Sachverhalte:

  • wie verhalten sich Muslime in D
  • wie sollen Muslime in Syrien leben?

In D können wir die Regeln bestimmen und höhere Anforderungen stellen
Aber in Syrien? Können und sollten wir da wirklich fordern, dass alle Syrer ab morgen nach unseren Standards leben?

Baerbock fordert in typisch grüner Manier sehr viel, das volle Programm:

„Den Neuanfang kann es nur geben, wenn die neue syrische Gesellschaft allen Syrerinnen und Syrern, Frauen wie Männern, gleich welcher ethnischen oder religiösen Gruppe, einen Platz im politischen Prozess einräumt, Rechte gewährt und Schutz bietet. Wenn genau diese Rechte in dem jetzt anstehenden Übergangsprozess gewahrt und eben nicht möglicherweise durch zu lange Fristen bis zu Wahlen oder auch Schritte zur Islamisierung des Justiz- oder Bildungssystem unterlaufen werden. Wenn die Vergangenheit aufgearbeitet, Gerechtigkeit hergestellt wird und Racheakte an ganzen Bevölkerungsgruppen ausbleiben. Wenn Extremismus und radikale Gruppen keinen Platz haben.“

Wenn man das wörtlich nimmt, muss Syrien über Nacht vom failed state zum demokratischen Musterländle mutieren. Das wird nicht passieren.
Frage also: können wir Syrien nicht auch dann unterstützen, wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden?
Wenn also weiterhin Frauen unterdrückt und benachteiligt werden, wenn Minderheiten und andere Religionen als der Islam nicht ausreichend geschützt sind, wenn die Wahlen beeinflusst werden, wenn der Rechtsstaat nicht funktioniert, wenn in den Schulen Dinge gelehrt werden, die mit unseren Wertvorstellungen unvereinbar sind.

Was wollen wir? was ist das primäre Ziel?
Den Bürgerkrieg in Syrien dauerhaft beenden, die Russen aus Syrien vertreiben und den Nahen Osten befrieden (und so ganz nebenbei die Zahl der Flüchtlinge reduzieren)?
Oder den Syrern unsere Regeln beibringen oder ggf. aufzwingen?

Was wäre passiert, wenn die USA nach dem 2. WK von uns verlangt hätten, dass die Nazi-Zeit erst völlig aufgearbeitet werden muss und alle Nazis aus irgendwelchen Ämtern entfernt werden müssen, bevor sie uns beim Wiederaufbau unterstützen?
Wäre das klug gewesen?
Die Amis wollten die Russen aus D heraushalten, eine Parallele zu Syrien heute.

Wir sollten uns hier vor dem alten grünen Dilemma hüten.
Die moralische Beurteilung darf nicht wichtiger sein als die Erreichung des primären Ziels.
Als erstes ist zu klären, mit welchen Maßnahmen das Ziel erreicht werden kann. Wenn die jetzigen Machthaber in Syrien das voraussichtlich gewährleisten, muss/kann man es mit ihnen versuchen.
Dann muss man über das WIE verhandeln und möglichst viele der eigenen Vorstellungen durchsetzen. Wenn wir aber zuviel fordern, landen die Islamisten wieder bei den Russen und wir haben nichts erreicht.

Ich hoffe, Baerbock ist am Ende realistisch genug, das einzusehen (und die heutigen Forderungen sind nur Verhandlungstaktik)
Sicher bin ich mir bei ihr aber nicht.
Und die grüne Basis wird in ihrem kindlichen Moralwahn die jetzigen Forderungen großteils wieder wörtlich und ernst nehmen und bitter enttäuscht sein, wenn am Ende nur ein Kompromiss herauskommt.

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Zumindest hätte er sich als Islamist unter seinesgleichen disqualifiziert, weil er gegen seine Religion verstoßen hätte. Das hat nichts mit Frauenverachtung zu tun, sondern erklärt sich wie folgt:

"Der Händedruck und die Berührung zwischen einem fremden [4] geschlechtsreifen Mann und einer fremden geschlechtsreifen Frau, welche natürliche Triebe (gegenseitige Anziehungsmöglichkeit) verspüren

In diesem Fall stimmen die vier Rechtsschulen überein. Sowohl die hanafitische, malikitische, shafitische, als auch die hanbalitische Rechtsschule sehen hier in der anerkannten Meinung ihrer Schulen ein eindeutiges Verbot der gegenseitigen Berührung vor. Die Grundlage ihrer Meinung beruht auf folgenden normativen Texten und islamrechtlichen Erörterungen:

a) Der Hadîth von Aisha (ra), die berichtet, dass die Frauen dem Gesandten (sas) Treue schworen, nachdem er sie durch die in der Offenbarung in Sura Mumtahana (die Geprüfte 60/ Vers 12) festgelegten Fragen prüfte. Dabei nahm er ihr Treueschwur, anders als bei den Männern, ohne Händedruck entgegen. So sagte Aisha (ra): «Nie hat die Hand des Propheten die Hand einer fremden Frau berührt und er hat deren Treueschwur durch Worte angenommen ohne sie zu berühren.» [5]

In einer weiteren Überlieferung heisst es, dass der Gesandte (sas) während der Annahme des Treueschwurs von Frauen sagte: «Ich gebe den Frauen meine Hand nicht» [6]

Der Gesandte (sas) wird in seinem Handeln, Sagen und seinen stillschweigenden Bestätigungen als Quelle für die islamische Rechtsprechung angesehen. Daher sehen die Gelehrten hier einen Hinweis darauf, dass der Gesandte (sas) in seinem Handeln für die Gläubigen zu befolgen sei und schliessen daraus, dass es den Gläubigen nicht erlaubt sei, fremde Frauen zu berühren und umgekehrt. Vereinzelte Stimmen aus den Gelehrtenkreisen vermuteten, dass diese Texte sich nur spezifisch auf den Gesandten (sas) bezogen, doch wurde jene Meinung mit dem weiteren, hier folgenden Text, widerlegt.

b) Durch Ma’ql bin Yâsir werden die Worte des Gesandten (sas) überliefert, in welchen er das Verbot in einem Gleichnis deutlich zur Geltung bringt: «Dass einer von euch sich eine Eisennadel in den Kopf stösst, ist für ihn besser, als die Berührung einer Frau, die ihm nicht erlaubt ist». [7]"Fatwa: Ist der Händedruck zwischen Mann und Frau im Islam erlaubt? - IZR

Also ich sehe das eher pragmatisch…

Ihr wollt Kohle für den Wiederaufbau… dann schüttele mir die Hand und behandle mich in arabischer Tradition als Gast und nicht als Mensch dritter Klasse…

Passt dir das nicht, gehe zu deinen muslimischen Brüdern und pumpe die an…

Sie wollen auf internationalem Parkett mitspielen? Dann lernt die internationalen Regeln…

Da können mir auch die vier Rechtsschulen des Islam gestohlen bleiben, die mit mittelalterlichen Argumenten nicht mehr ins Jahr 2025 passen.

Wenn die ihr Land aufbauen wollen, dann müssen sie ihre Uhren um ein paar Jahrhunderte vor stellen.

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Die besagen übrigens, dass für gewöhnlich das diplomatische Protokoll des Gastgebers gilt, ein Regierungschef hierarchisch über einem Außenminister steht und es neben Hände schütteln noch weitere gleichwertige Begrüßungsgesten gibt.

Aus Delegationskreisen war zu hören, dass Sharaa am Ende des Gesprächs Baerbock doch noch die Hand ausstreckte. Im Gewirr des Aufbruchs sei es aber nicht mehr zu einem Handschlag gekommen.

Quelle

Hat Baerbock hier den Handschlag verweigert?

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Quelle
[/quote]
danke

Der Bericht zeigt m.E., dass Baerbock die Handschlagfrage pragmatisch betrachtet und nicht ideologisch, und dass sie die Sache nicht persönlich nimmt. Gut so.

Das wäre der Versuch, ihnen entgegen ihrer Religion ein unnötiges Verhalten aufzuzwingen.
Das würde ich nicht machen, und das würde auch scheitern, denke ich.

Aber: warum will die EU überhaupt Geld an Islamistische Herrsche zahlenr?

Eigentlich könnten wir aus der Unterstützung der al Quaida damals durch die USA lernen und Islamisten nicht finanziell unterstützen.

Wenn wir für den Aufbau Syriens Geld geben möchten, gibt es dort sicher auch andere Organisationen, z.B. von Frauen, die wir unterstützen können.

ich würde nicht einen Cent geben…

Was ist aus der deutschen Entwicklungshilfe im Gaza Streifen geworden? Das meiste Geld wurde in Waffen und Bunker investiert.

Warum sollte Deutschland überhaupt Geld geben?
Entweder zerbomben die Israelis alles wieder und der deutsche Michel zahlt den Wiederaufbau. Oder in Syrien zerbombt Putin… im Irak die Türken, die Amis oder sonst wer…

Ein Fass ohne Boden. Haben wir nicht genug eigene Baustellen?

Und nochmal: das religiöse Verhalten der Islamisten gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Das Christentum hat sich in den letzten Dekaden weiter entwickelt. Der Islam nicht

das entspricht Trumps Haltung.
„Wieso soll ich irgendwo im Ausland Geld ausgeben? Was kriege ich dafür?“

Aber wie sind die USA zur globalen Supermacht geworden?
nicht durch Isolationismus, sondern zB indem sie Milliarden Dollar und zigtausend Soldaten geopfert haben, um den 2. WK zu beenden und die Achsenmächte zu besiegen.
Wer Einfluss im Ausland haben will, muss sich das etwas kosten lassen.
Die Chinesen und die Russen haben das begriffen, die Amis verlernen es gerade wieder.
Die EU weiß noch nicht so recht :slight_smile:

Im Nahen Osten würde ein „investment“ vielleicht sogar einen zählbaren Ertrag bringen:
weniger Flüchtlinge, weniger Terror, weniger Anschläge, auch bei uns, weniger russischer Einfluss.

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dem würde ich zustimmen, wenn es wie bei den Amerikanern am Ende auch wirtschaftliche Aufträge für die deutschen Unternehmen gäbe… aber dafür sind die Deutschen zu blond oder zu langsam…

Die besten Geschäfte werden gemacht, wenn das Blut auf den Strassen noch nicht getrocknet ist

Es geht um politischen Einfluss, aus dem erwachsen dann auch Geschäfte.

Es sollte in unserem Interesse sein, die Lage in Syrien zu stabilisieren. Alleine schon wegen der Flüchtlingsproblematik. Baerbock formulierte es schon ganz treffend: „Mit dieser ausgestreckten Hand, aber auch mit klaren Erwartungen an die neuen Machthaber, reisen wir heute nach Damaskus.“

Also bereit zur Hilfe aber nicht naiv blauäugig eine fundamental-islamistischen Staat unterstützen. Noch ist alles offen in Syrien, es kann sich in jede Richtung entwickeln.

Das sehe ich auch so und Syrien ist ein wichtiges Land direkt vor unserer Haustür. Wir können aber weder erwarten, dass es dort gleich Demokratie gibt und müssen auch akzeptieren, dass der Islam sicher weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Es geht aber auch darum, dass Syrien nicht einfach ein Satellitenstaat von Erdogan oder Saudi- Arabiens wird. Primäres Ziel wäre, dass dort Frieden einkehrt und ethnische und religiöse Minderheiten nicht verfolgt werden. Insbesondere muß auch die Vertreibung und Beschiessung der Kurden beendet werden und die müssen auch eine gewisse Autonomie erhalten.

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