Meine Tochter wohnt in Montreal und hat gestern erzählt. Man kann nicht raus, keine Fenster aufmachen.
PS: Wenn ihr die Sprache in den Interviews schlecht versteht: Das ist quebecois
Kommt offenbar darauf an. Meine Tochter hat erzählt, dass im Westen Waldbrände seit jeher dazugehört haben, aber im Osten, also jetzt Quebec, eben nicht. Die Wälder waren immer nass genug, dass es wenig Feuer gab. Die langandauernde Hitze und Trockenheit werfen jetzt die Gleichgewichte durcheinander. Das scheint jedenfalls das zu sein, was viele in Kanada dazu wissen.
Du hast aber wahrscheinlich besseres Verständnis für die Infos, die es dazu gibt. Schreib, wenn du etwas findest.
„Vergleichbare Szenarien, also Großbrände über viele Quadratkilometer, sind in Mitteleuropa unwahrscheinlich. Die erforderlichen meteorologischen Bedingungen treten nur sehr selten auf, auch ist die Waldstruktur hierzulange deutlich heterogener und erschwert die großflächige Ausbreitung. Daneben ist das Feuerwehrwesen hervorragend ausgebaut und kann die meisten Waldbrände bereits in der Entstehungsphase eindämmen. Durch die laufende Klimaerwärmung und die erwartete Abnahme von Niederschlägen vor allem in den Sommermonaten, ist aber auch in Österreich ein Anstieg der Gefährdung durch Großbrände wahrscheinlich.“
Wäre mal interessant, was aus den „zerstörten“ Flächen geworden ist. Ich werde mal die Augen offenhalten.
Schreib gerne, was du weißt. Am liebsten sogar die Baumarten.
„In BC bilden Kiefernwälder eine Waldfläche von etwa 14 Mio. ha, wobei der größte Anteil dieser Fläche auf die Drehkiefer entfällt. Diese Baumart ist in BC eine für die Forst- und Holzwirtschaft essenzielle Rohstoffquelle und hat einen Anteil von ca. 20 % am gesamten Nutzholzvorrat. 2003 lag der Jahreseinschlag der Drehkiefer bei ca. 20 Mio. m³. Drehkieferwälder verjüngen sich fast ausschließlich in der Folge von Waldbränden, indem die Ausgangsbestände durch Kronenfeuer zerstört werden. Die Drehkiefer ist nicht besonders feuerresistent und stirbt deswegen bei Bränden relativ schnell ab. Ein spezieller Zapfentyp, den die Drehkiefer neben normalen Zapfen besitzt, öffnet sich erst bei starker Hitze und gibt dann feuergeschützte Samen frei. So wird die Brandfläche meist schnell wiederbewaldet. Dies ist auch der Grund dafür, dass natürliche Drehkiefernwälder großflächig ausgeprägte gleichaltrige Strukturen besitzen.“
Ich weiß immerhin, dass die Feuer in Australien deshalb so großflächig sind, weil die alten Brandtechniken der Aborigines nicht mehr angewendet werden und deshalb große Flächen leicht brennbaren Unterholzes entstehen, die dann halt alle gemeinsam abbrennen statt Stück für Stück.
In Kalifornien soll es ähnlich sein.
Erst am Brennen hindern und dann eine Katasstrophe bekommen.
Nicht Brennen lassen, weil Häuser wie die der Gottschalks so nah am Holz stehen. Tja, irgendwann brennt es dann doch.
Im Westen gibt es auch Bäume, die Feuer im Unterholz überstehen, und solche Feuer waren in den letzten Jahrzehnten vermieden worden. Jetzt ändert man die Strategie und macht kontrollierte Brände, offenbar jedenfalls an der Küste.
Im Osten scheint das aber anders zu sein. Was viel dort vorkommt, ist der kanadische Ahorn (indian summer) und viel Mischwald (Eichen, Kiefern), der traditionell wohl nicht so oft gebrannt hat.
Vielleicht finde ich noch Einzelheiten.
„Gewisse Stimme beschuldigen aber auch den Staat, eine Mitschuld an den Bränden zu tragen: So habe es die Regierung von Premierminister Trudeau versäumt, präventive Massnahmen zu ergreifen. Die «Daily Mail» berichtet, dass mitunter indigene Einwohner Kanadas daran gehindert worden seien, ihre rituellen (kontrollierten) Abbrennungen durchzuführen. Mit solchen Feuern wird der Wald kontrolliert von brennbarem Material gesäubert, welches dann bei einem unkontrollierten Brand nicht mehr entflammt.“
Ich habe speziell nach Osten gesucht.
Das wäre dann analog zu Australien und überhaupt. Die Indigenen kennen sich eigentlich immer ziemlich gut aus.
Ich habe auch neulich was darüber gelesen, dass Savannen mehr brennen, wenn es feuchter wird. Weil dann mehr wächst, was dann in Flammen aufgeht, wenn Trockenzeit ist.
Alles ganz schön komplex.
Wie auch immer: Bedrohlich ist der Verlust der Biodiversität. Mit Bränden kommt die Natur im Prinzip ja klar. Wenn reichlich Gene da sind, die Sache wieder zu besiedeln.
Mein Sohn in Urbana Illinois erlebt gerade einen Air Quality Index von 248:
„Very Unhealthy.
Health warnings of emergency conditions. The entire population is more likely to be affected.“
Riesige Brände in Kanada, Rauch erstickt Montreal und erreicht bald Europa!
In den letzten Stunden hat der Rauch der großen Waldbrände in Kanada Montreal zur Großstadt mit der schlechtesten Luftqualität der Welt gemacht. Jetzt ist die Rauchwolke dabei, Europa zu erreichen: Hier ist die Situation.
Aber das ist noch nicht alles. Der Rauch der kanadischen Brände hat sich in den letzten Stunden in Richtung Europa bewegt.
Die Rauchfahne, die sich in Richtung Westeuropa bewegt, ist wichtig und wird in diesen Stunden von den Meteorologen aufmerksam beobachtet.
In Montreal (ist inzwischen besser nach Regen) und jetzt Urbana ist das anders (von da erzählen meine kids). Dort müssen die Leute trotz Hitze drinnen bleiben. Die Städte in den USA und Kanada bieten allerdings öffentliche Räume an, in die man bei großer Hitze oder jetzt bei Rauch gehen kann, um den Organismus zu entlasten, oder bei Tornadowarnung.
So etwas soll in den Hitzeschutzplänen, die Lauterbach ankurbelt, jetzt auch hier entwickelt werden. Die wenigsten Städte haben das in D auf dem Schirm.