Wann enden Kriege?

Ein interessantes Interview mit Konfliktforscher Hein Goemans in der Zeit Online zu:
Wann enden Kriege? mit einem (Aus-) Blick auf Putin’s Krieg in der Ukraine.

Hein Goemans: Entscheidend sind drei Dinge: Informationen. Innenpolitik. Und Vertrauen.

Gute Frage?

Dazu erfordert es ein weltweites Umdenken aller Menschen.

Hass, Neid, Macht, Gier, Größenwahn und die Anführer*innen so mancher Religionen beeinflussen und regieren die Welt.

Kriege werden erst enden, wenn jeder Mensch den anderen so akzeptiert und respektiert wie er ist und es möglich ist, dass alle Menschen evtl. an einen Tisch sitzen können und jeder Mensch dort leben kann, wo er möchte.

Das ist mein persönlicher Traum, aber leider werden wir dies nie erleben.

Die Fragestellung bezieht sich doch eher auf einen Krieg.

Glaub ich nicht. Traditionell enden Kriege, wenn mindestens eine Seite so sehr am Boden liegt, dass sie nicht mehr alleine aufstehen kann.

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oder beide nicht mehr in der Lage sind, den Krieg fortzuführen.

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In dem Interview (Bezahlschranke) scheint es darum zu gehen, wann jemand eine mögliche Niederlage als solche ansieht.
„Wovon es abhängt, ob ein Machthaber angesichts einer drohenden Niederlage voll ins Risiko geht – oder einen Waffenstillstand schließt“
Die Begriffe Information, Innenpolitik, Vertrauen sind aber so allgemein, dass ich kaum Rückschlüsse auf die Inhalte ziehen kann. Vielleicht kann jemand aus dem Artikel berichten?
So mal ins Blaue: Wenn der Bevölkerung über die Lage etwas vorgegaukelt werden kann, wenn es im Land noch einigermaßen läuft und wenn der Machthaber Vertrauen genießt, wird weitergekämpft.

Edit: Kriege können ganz im Ausland verloren werden (Vietnam, am. Unabhängigkeitskrieg), ein relevanter Teil der Front kann im Ausland verlaufen (2. Weltkrieg), und selbst im Land sind nicht alle Regionen gleich betroffen.

Hat doch einen Vorteil, wenn man den Artikel auch lesen kann :wink:
Danke :slight_smile:

Ja das ist schon was dran, allerdings werden Kriege immer dann enden, wenn einige Streitsüchtigen Machthaber ihnen Rückhalt verlieren.

Also wann enden Kriege: Wenn der Machtpapparat kein Ansehen mehr hat im Falle einer Diktatur wie Russland und man bereits ist auf Profite aus dem Kriminellen Apparat einer jeden Diktatur zu verzichten. Oder wenns um Religionskrieg geht, was eigentlich Ideologie- Krieg heißen müsste, immer dann wenn alle religiösen Fanatiker entweder sich selber ausgerottet haben, oder sich die Einsicht der Sinnlosigkeit des Krieges verbreitet, oder man sich irgendwie auf neue Religiöse Deutungshoheiten geeinigt hat.

Das Menschen sich immer noch gewaltsam wegen Religiöser Deutungshoheiten usw… streiten finde ich grundsätzlich primitiv und unzivilisiert. Da Religion aber oft zur entstehung gefählicher Ideologien beitragen, da Religion eigentlich eher ein Machtinstrument ist, bin ich grundsätzlich äußerst Kritsch gegenüber sämlichen Religionen. Das hat schon immer zu viel Unheil geführt…

Beispiele dazu gibt es massenhaft:

Auch Adolf Hitler hat seinem Rassenwahn einen Religionsähnlichen Anstrich verpasst um seinen Judenhass zu verbreiten und seine angeblich göttliche Beründung (den Arier- Rassenhygiene- Wahn) geschaffen, warum Deutschland damals die Welt berherrschen sollte, was seine Methode war um den Weltkrieg anzuheizen.

Der Mensch muss ,wenn er noch lange überleben will, diesen Religionswahn beenden, also aufhören falschen Heilsversprechen nachzugehen und darf Deutungshoheit über das einene Leben, die Weltanschauung, die Kultur, die Moralvorstellung usw… keinen Gurus, Pristern oder ähnlichen mehr überlassen.

Wenn dass nicht beendet wird brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn irgrendwann religiöse Terroristen schmutzige Bomben bauen oder ähnliches.
Oder wenn irrlichternde Staaten mit Fanatikern an der Macht im Extremfall sogar einen Atomkrieg auslösen sollten… (gilt auch für nicht-religiöse Fanatiker)

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Religionsfreiheit ist Freiheit von Religion.
Ich denke, es herrscht eine Korrelation zwischen Bildung, Regierungsform und Religionsfanatismus.

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Äh nur Bedinngt. Bildung ist KEIN garant dafür, dass jemand nicht religiös- Fanatisch wird. Es gibt auch reiche religiöse Fanatiker. Warum sonst schließen sich zum Teil sogar wohlhabende Jugendliche aus Europa dem IS an? Die haben eine gute Bildung und kommen oft aus besten Verhältnissen.

Wie gesagt, es gibt auch genug leichtgläubige Leute, denen man trotz guter Bildung alles Mögliche erzählen kann, die sehr anfällig für Gehirnwäche sind. Entweder werden dass dann meist irgendwelche Aluhüte oder manchmal eben IS Leute .

Das wird oft von den Vätern oder den Koranschullehrern in die Kinder rein geprügelt. Mein ehemalige Putzmann hat mir erzählt, wenn irgendwas nicht passte, gab’s eine mit dem Tatzenstecken auf Hand. Ich weiß noch aus meiner Schulzeit, dass dies ziemlich schmerzhaft ist.
Die Demokratie endet da an der Wohnungstür.

Leider nicht. Religionsfreiheit bedeutet nur, dass jeder sich seine eigene Religion aussuchen/erfinden kann.

@anonymeNutzer
Interessante Gedankengänge in dieser Kurzzusammenfassung!
Es erscheint mir allerdings etwas einseitig…
Warum ist der Krieg immer nur ein „Krieg der Obrigkeit/der Führung“ eines Landes…
Normalerweise gibt es in jedem Krieg einen Zeitpunkt (vielleicht sogar schon lange vor dem konkreten Überfall/der formalen Kriegserklärung) in dem wesentlichen Bestandteile des Volkes zu der Überzeugung kommt, dass Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist…
Von seinem Wesen ist der Mensch notorisch friedensunfähig (allein, weil diese Form der konzeptionellen Auseinandersetzung durchaus einen Überlebenswert hat (so hat das zumindest K. Lorenz interpretiert - wobei ich leider nicht weiß, ob das mittlerweile nicht überholt ist)…
Das wird doch - vom Despoten bis zum demokratisch Legetimierten - anschließend lediglich entsprechend instrumentalisiert, um Gebiets- und/oder Machtinteressen mit Gewalt durchzusetzen…
Der Krieg endet demnach dann, wenn wichtige Teile der Bevölkerung hinreichend unzufrieden mit dem Kriegszustand werden (aus welchen Gründen auch immer) - es gibt dann allerdings eher eine - bilaterale oder auch sehr einseitige - Waffenstillstandsvereinbarung - was nicht etwa zu verwechseln ist mit „Frieden“ - wie lange hat es beispielsweise zwischen Frankreich und Deutschland gedauert, bis aus den von Waffenstillständen unterbrochenen kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem WK2 ein echter Frieden wurde - Jahrhunderte…
Der „Krieg“ endet nicht zwingend damit, dass die Waffen schweigen - das wird auch in der Auseinandersetzung zwischen Europa und Russland noch lange so sein - einfach, weil die gegensätzlichen Auffassungen zu groß sind - egal ob nun mit oder ohne Putin - das dürfte auch im Verhältnis mich China noch dauerhaft ein Problem sein - echter Frieden sieht aus meiner Sicht auch hier deutlich anders aus - sprechen wir also lieber von vorübergehender Waffenruhe als von Frieden…

Nein, dem stimme ich nicht zu. Ich schätze, das ist veraltet.
Menschen sind sowohl zu Aggressionen wie auch zur Zusammenarbeit, Mitgefühl und Solidarität fähig. Das Verhaltensspektrum ist sehr breit und damit stark von Lernerfahrungen, Lebensbedingungen und Kultur abhängig.

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Da bin ich mir nicht sicher, ob das nicht ein relativ neues Phänomen ist, das mit der Bildung von Nationalstaaten und dem damit einher gehenden Patriotismus und Chauvinismus zusammenhängt.

In dem Europa davor war Krieg eine Angelegenheit des Adels mit ihren Söldnerheeren oder zwangsverpflichteten Bauern. Ich glaube nicht, dass das Volk damals Kriege gewollt hat, das wurden eh nicht gefragt.

Das was Du ansprichst kam dann im 19. Jahrhundert mit dem deutsch-französischen Krieg auf:

Die so genannte Deutsch-französische Erbfeindschaft war ein im 19. Jahrhundert geprägter nationalistischer Topos, der rein machtpolitische, staatliche Rivalitäten als naturgegebene Gegnerschaft zwischen dem deutschen und dem französischen Volk interpretierte.

Und wurde dann im 1. und 2. Weltkrieg auf die Spitze gertrieben. Auch Putin versucht eine ähnliche Erzählung im Krieg gegen die Ukraine zu instrumentalisieren. Ich habe die Hoffnung, dass dieses Phänomen seine Blütezeit hinter sich hat, auch wenn es sicher noch nicht ganz verschwunden ist.

Man sagt ja, Demokratien würde keine Kriege gegen einander führen. Ich hoffe, diese These stellt sich auch in Zukunft als richtig heraus.

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Das ist kein Widerspruch.

Mir fällt zwar kein Fall ein, wo das Volk einen Krieg gefordert hat und die Regierung dem ‚notgedrungen‘ zugestimmt hätte. Umgekehrt durchaus häufiger.

Aber demokratische Regierungen müssen trotz aller Manipulationsmöglichkeiten sehr genau aufpassen, wann die Stimmung im Volk ‚reif‘ ist (WW2-Kriegseintritt USA) oder eben nicht mehr (Vietnam).

Das Volk ist allerdings relativ schnell bereit für „Wir müssen da unsere Armee hinschicken (aber natürlich nicht mich persönlich)“.

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Ich hatte unter dem offiziellen Forum die Themenstellungen, Frieden anstelle von Waffen, (bewusst nicht Frieden ohne Waffen), Kurz und Knackig - Neuer Nato-Doppelbeschluss :smiling_face:, und Ukraine und die Russische Föderation in die Nato aufnehmen (Pilotprojekt, Mischung Vision und erste pragmatische Lösungen) eingestellt. Auch wird dort unter dem Thema Gibt es einen 3. Weltkrieg munter diskutiert.

Also mal vorbeischaue!. Ich bin gelinde sagt der Meinung „Das ist nicht Spitze!“, um Hans Rosenthals Luftsprung eine doppelte Bedeutung zuzuweisen (bleiben wir auf dem Boden), wie der Westen gerade versucht den Ukraine Krieg zu lösen und den Konflikt mit der Russischen Föderation auch selber zu verschärfen (Stichwort: Ausstieg aus der Eskalationsspirale, die natürlich bedingt weiter die Beziehungen nach Moskau verschärft).

Möglich wäre natürlich auch eine Diskussion hier, ich glaube, dass irgendwann unter einem bestimmten Thema sich eine Mehrheit der Interessierten automatisch versammeln wird. In dem offiziellen Forum war das über ein Monat so gewesen.

Ukraine-Krieg : SPD-Politiker Müller mit Kritik an Außenministerium (br.de)

Zuallererst: Willkommen in diesem GRUENEN Forum!

Dein Beitrag passt gut zu diesem Thread, der mit „Wann enden Kriege?“ betitelt ist. Nun, ein Krieg kann - jenseits diplomatischer Lösungen - dann enden, wenn eine Kriegspartei besiegt (also z.B. vollständig besetzt) ist oder sich die Umstände für eine Seite so verschlechtert haben, dass man der vollständigen Niederlage mit Kapitulation, Abzug, Aufgabe, Verhandlungen u.Ä. zuvorkommt. Und die Verschärfung des Konflikts beschleunigt ihn i.d.R und kann so zu einem schnelleren Kriegsende führen. Ein Krieg auf kleiner Flamme kann Jahrzehnte dauern. Im Falle Russland - Ukraine wäre eine Situation mit relativ geringen wirtschaftlichen und gleichzeitig geringen militärischen Verlusten diejenige, die Russland am ehesten lange durchhalten könnte. Je stärker die Asymmetrie ist - militärisches wie wirtschaftliches Ungleichgewicht - um so schwieriger wird die Situation für Russland und die „Puste“ geht schneller aus.
Ein langanhaltender Kriegszustand auf kleiner Flamme wird es Russland erleichtern, die Wirtschaftsbeziehungen neu auszurichten, fehlende Produkte durch andere zu substituieren, die besetzten Gebiete ethnisch zu „säubern“.
Da in diesem Krieg die Kombination aus Schuldfrage und Kriegsfolgen so eindeutig ist wie kaum je zuvor nach 1945, halte ich es für sehr legitim, dass andere Staaten die Situation verschärfen (jedes neue Embargo, jede weitere Waffenlieferung, jede Finanzhilfe kann man so sehen) möchten, um den Aggressor möglichst schnell in die Knie zu zwingen. Man könnte auch den Terminus „den Druck auf Russland erhöhen“ verwenden, ich habe aber auch mit „Verschärfung“ kein Problem, auch wenn das Wort in politischen Debatten eher negativ konnotiert ist. Ich denke da eher an Situationen im Sport, wenn z.B. ein Läufer das Tempo verschärft, damit eine bestimmte Zahl Konkurrenten nicht mehr mithalten kann.
Angesichts des Ausmaßes der imperialistischen Aggression Russlands und die Masse seiner Völkerrechtsverstöße finde ich das Vorgehen der EU und der NATO noch äußerst moderat, aber sehr verständlich. Ich denke, die Strategie war und ist zunächst zu beobachten, wie Russland auf die Zunahme an westlicher Unterstützung der Ukraine und gleichzeitigen Sanktionen reagiert. Es gab anfangs sicher die bisher unerfüllte Hoffnung, Putin könne es sich auf Grund von Sanktionen, des Scheiterns der schnellen Eroberung der Ukraine und der ziemlichen Geschlossenheit vieler westlicher Staaten anders überlegen. Da dies nicht der Fall ist wird die Gangart härter und ich hoffe, wir haben noch nicht das Ende der Verschärfungen gesehen. Dann endet der Krieg hoffentlich und sehr wahrscheinlich schneller.

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Langer Text, um da jetzt was rauszunehmen. Ich sehe schon auch einen Konflikt zwischen der Nato und Russland im Hintergrund der das Potenzial besitzt diesen Krieg zu vergrößern. Und da liege ich zurzeit deutlich näher an der SPD Position als an der Position von Bündnis 90/ Die Grünen. Meiner Meinung nach können wir diesen Krieg nicht mehr isolieren und uns neo-liberal diesem Krieg zuwidmen, sondern sollten von der BRD, sowie die Forderung heute von Michael Müller, SPD, ähnlich war, Verhandlungen mit der Russischen Föderation in Absprache mit den Amerikanern beginnen um den Frieden von der Nato aus zu verhandeln.

Mit Kriegen kenne ich mich ein bisschen aus. Die Frage Krieg und Frieden ist für mich eigentlich klar, und auch habe ich über Kriege bisschen was mitbekommen, wann die enden. Immer mit Verhandlungen, selbst 1945 standen zum Ende Verhandlungen.

„Mit Kriegen kenne ich mich ein bisschen aus.“

Was meinst Du damit? Bist, oder warst Du Soldat?

„… selbst 1945 standen zum Ende Verhandlungen.“

Du meinst das Ende des II Weltkriegs in Europa?
Verhandelt wurde da lediglich über Datum und Uhrzeit.
Der Rest war unconditional surrender.

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Das stimmt. Es kommt darauf an, wie sich Russland und die NATO sich jeweils verhalten, aber das Potenzial ist da. Es ist einleuchtend, dass die westliche Unterstützung den Krieg zunächst verlängert oder vergrößert - wenn der Vergleichsmaßstab eine ununterstütze Ukraine ist, die den Krieg ansonsten sehr schnell verloren hätte.
Den Krieg zu verkleinern ginge ganz einfach:

  • alle Sanktionen gegen Russland beenden
  • alle Unterstützungen für die Ukraine einstellen (finanziell, humanitär, militärisch)

Wenn das nicht schnell genug zur Verkleinerung des Krieges und damit Kriegsende führt, können wir optional noch Wirtschaftssanktionen gegen die Ukraine verhängen, wenn die sich unverschämterweise weigern zu verhandeln. Als letztes Mittel kämen noch Waffenlieferungen an Russland in Frage…
Unter diesem Blickwinkel war es auch ein großer Fehler, die ukrainische Armee ab 2015 verstärkt zu beraten, auszubilden und mit Waffen auszustatten. Hätten wir (nein, v.a. die USA und UK …) das bloß gelassen, wären sie vielleicht wirklich nach 2 Wo. am Ende gewesen. Zynismus Ende.

Die Ukraine hat eine Fläche von etwa 600.000 qkm und über 40. mio Ew. Durch die beherzte Verteidigung der UkrainerInnen sind ein Großteil der Fläche des Landes und ihrer BewohnerInnen nicht von direkten Boden-Kampfhandlungen betroffen, leider von genug anderem Elend und Not und natürlich von Luftangriffen. D.h., der Krieg ist derzeit auch Dank westlicher Unterstützung teilisoliert, weitestgehend auf den Osten der Ukraine beschränkt. Russischer Armeeerfolg würde den Krieg oder mindestens einen kriegerischen Besatzungszustand auf die gesamte Ukraine ausweiten. Es ist ein denkbares Szenario, dass diese Isolierung aufbrechen würde und der Krieg sich auf andere europäische Gebiete ausdehnen könnte. Nicht zwingend sofort, aber in den Folgejahren (schließlich muss Russland sich erst ein mal erholen). Man stelle sich z.B. einen demokratischen Wandel in Belarus vor. Das „Spiel“ würde von vorne beginnen. NATO-Mitgliedsstaaten werden hingegen relativ sicher sein.

Erkläre mir noch, was an der „Zuwidmung“ zu diesem Krieg „neo-liberal“ ist? Dass es in Kriegen Profiteure gibt, ist so alt wie der Krieg selbst. Menschen, die sich deshalb Krieg wünschen, sind vermutlich eine verschwindende Minderheit. Aber du meinst vielleicht etwas anderes.

Vielleicht hast du irgendwann einen Krieg erlebt - das wäre ganz sicher eine schreckliche Erfahrung, die mir hoffentlich in seiner direkten Form erspart bleibt! Opfer oder Zeuge von etwas zu werden, macht dich vielleicht emphatisch, aber nicht zwangsläufig zum Experten.
Auch ohne direkte, eigene Erfahrung behaupte ich, mich gleichwohl in der Materie „Krieg“ gut auszukennen, ob mein Wissen und meine Gedanken dazu an deinen Horizont heranreichen - keine Ahnung. Ich glaube aber, dass auch Unbetroffene sich Wissen aneignen und eine reflektierte Meinung und Haltung entwickeln können (gilt nicht nur für Krieg).

In diesem Punkt sind wir uns wohl mit 99% aller MitbürgerInnen einig: Ich bin auch ganz klar für Frieden. Uneinig sind wir uns, wie wir den Frieden am schnellsten, besten, nachhaltigsten, billigsten etc. (es gibt noch mehr wichtige Attribute) erreichen können.

Ok, wenn du ausgerechnet dieses Kriegende mit „Verhandlungen“ assoziierst, dann verwendest du es offenbar einfach nur als ein anderes Wort für „Gespräch“. Bei einem Handel werden Güter, Dienstleistungen, Rechte, Pflichten, Bedingungen etc. ausgehandelt. Üblicherweise hat man dabei verschiedene Optionen. Als Dönitz mit den Alliierten verhandeln wollte (ja, er glaubte tatsächlich, er könne das noch), hatte er ja ein paar „Forderungen“ oder „Wünsche“ im Gepäck. Seine Gesprächspartner hatten nur eine Forderung: Bedingungslose Kapitulation. Es war doch angeblich ein „Verhandeln“, wieso konnte Dönitz denn nicht einfach ablehnen oder auf Forderungen bestehen? Weil die Alliierten klar gemacht haben, was daraufhin unmissverständlich folgen würde: Weitere Eroberung und Zerstörung deutscher Landstriche, hohe Verluste an Menschenleben (v.a. Deutsche) und am Ende eine kein bisschen bessere "Verhandlungs"position. Ab dem 9. Mai 1945 gab es minimale Verhandlungsspielräume zwischen den Besatzungsmächten und dt. Vertretungen. Es wurde Systeme und Regeln installiert, die die Deutschen einfach zu beachten und befolgen hatten - je Zone unterschiedlich. Bis zur Gründung von BRD und DDR gelang es nur sehr langsam, die Regeln im Dialog zu ändern oder neu zu gestalten, und im Zweifel konnte Besatzungsbehörden einfach ‚nein‘ zu einer neuen Regelung oder einem neuen Gesetz sagen.

Dagegen hat und wird es Russland noch richtig „gut“ haben! Wenn sie heute den Krieg beenden und sich zurückziehen würden, müssten sie bestimmt über Kriegsverbrechen, Reparationen, Wirtschaftssanktionen etc. verhandeln. Aber eine Besatzung wie in D ab 1945, eine Demontage ihrer imperialistischen Politik, ein Zwang zur Abrüstung, eine entmilitarisierte Zone, Vorgaben für politische Reformen etc… all das wird Russland wohl erspart bleiben. Die Gefahr einer erneuten imperialistischen Aggression wird daher auf absehbare Zeit sehr hoch bleiben, aber ein Misserfolg jetzt könnte abschreckende Wirkung haben, wenn man sich in Russland gut daran erinnert, WIE blutig man sich die Nase holen kann… (was für Putin und Russland sinnbildlich eine blutige Nase ist, bedeutet für mind. Hunderttausende Tod, Verwundung, Vertreibung, Verzweiflung, Zerstörung).

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