Warum die Gutmenschen meistens verlieren

inspiriert durch diese Diskussion

und solche Beiträge

Ein ziemlich Linker erklärt in dem Video das Problem.
Aufschlussreich!

Kurz gesagt, mit meinen Worten:
zuviel Idealismus, zuviel Ideologie,
zu viel Berührungsangst gegenüber der Realität,
zu viel Widerwille gegen Machtausübung.
Lieber theoretisch 100% Recht haben als praktisch 50% Erfolg haben.

Ich denke, er reist eine Menge interessanter Themen an - was mir vor allem fehlt, ist die mangelnde Professionalität - oder er meint das mit seinem 10x besseren Marketing.

Sehr wichtig finde ich die Passage mit “sich der Wahrheit verpflichtet fühlen” - das ist einerseits etwas, das keiner von “uns” aufgeben möchte - aber eben die Wähler, die dann darüber befinden, was ihnen plausibel erscheint, überfordern.

Der Trick wäre nun, beides zu vereinen. Dazu braucht es allerdings die richtigen Leute, die rar gesät sind - das ist aus meiner Sicht nämlich eine ganz hohe Kunst.

Was absolut richtig ist, ist die Passage mit der Frage, warum wir uns so zersplittern - das ist wahrscheinlich eine Frage des Luxus, den wir uns derzeit meinen leisten zu müssen bzw. zu können.

Für einen Verhungernden reduziert sich die Welt immer mehr und mehr auf die Unterscheidung in essbar/nicht essbar.

Wir wähnen uns noch am reich gedeckten Tisch - der aber anlässlich Klimakrise und Kriegen immer mehr auf wackeligen Füssens steht.

Die Forderung ist mehr als berechtigt - er zeigt aber keine echten Lösungen dafür auf, wie man die Menschen diesbezüglich aufwecken kann. Sein Verweis auf das besser Marketing bleibt hier nebulös, finde ich.

Wie also bringt man die sog. Gutmenschen dazu, statt ihrem Hobby iherer Art der Weltenrettung endlich auf die von der Wissenschaft schon lange geforderten Einschnitte umzusatteln, die wirklich etwas bringen - da bin ich wieder bei den Urlaubsflügen der selbst ernannten Öko-Rettern.

Er bennent zwar einige der Probleme - wirkliche Lösungen bietet er nicht.

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Kann es sein, dass @DrakonDiB dieses Video hier im Forum auch schon mal verlinkt hat?
Es kommt mir irgendwie bekannt vor…

:+1:

Du hast recht. Er müßte die Macht über Algorithmen in den Mittelpunkt stellen, um den Kern des Problems zu benennen. Diese Macht liegt aber allein bei den Technik Konzernen.

Ich würde vorschlagen erstmal die Macht über die bei uns verwendeten technischen Machtinstrumente zurück zu gewinnen.

Dazu müsste man natürlich Macht , die man hat auch nutzen wollen.

Das hat etwas mit Steuern auf diese Dienstleistungen zu tun.

Ich finde schon, dass “wir” uns erst einmal zusammen tun müssen - dazu muss fast jeder von uns seine kleinen Elfenbeintürmchen infrage stellen (ich fasse mich da explizit an die eigene Nase!)

Die Zersplitterung ist ein echtes Problem - ich verweise wieder einmal auf die Geschichten aus der “schlechten Zeit” (1945-1953). Da wurde in der Tat nicht lange über konzeptionelle Feinheiten diskutiert, sondern “gemacht”.

Aber was bedeutet das konkret? Was sind denn die Handvoll Themen, um die es “wirklich” geht?

Ökologie ist für mich als Erstes zu nennen - denn ohne Stabilisierung des Ökosystems haben wir bald wirklich sehr existenzielle Probleme.

Da steigen dann aber wahrscheinlich die meisten schon aus, denn das ist derzeit nicht ohne vorübergehenden Verzicht zu realisieren.

Die Schere, von der auch im Video so ein bisschen die Rede ist, ist da schon nachgelagert, so lange die Öffnung besagter Schere - ganz unabhängig von der Ökologie - zu gleich schwierigen existenziellen Problemen führt.

Auch hier wieder das einfache Beispiel des Urlaubsflugs - zwar wäre eine dramatische Verteuerung durch Besteuerung des Kerosins erst einmal ein Qualitätsverlust bei den Urlaubern - hinzu kämen noch diejenigen, die dann ihren Job in der Touristikbranche bzw. bei den Flugdienstanbietern verlieren - da muss sichergestellt sein, dass sie eben nicht in existenzielle Nöte geraten (wir sehen das gerade in der Automobilbranche).

Eine solche Lösung müsste mindestens europäisch sein, um etwas zu bewirken (Aufgabe des nationalistischen Konkurrenz-Denkens)

Nur dann hätte man eine Chance auf (Wahl-)Erfolg, die dann die Machtverhältnisse (auch in Bezug auf die technischen Instrumente) ermöglichen.

Dann erst gilt natürlich

Aber der erste Schritt ist erst einmal, seinen eigenen Elfenbeinturm der Weltenrettung zu verlassen, und isch neben der Effizienzfrage auch die der Inkonsistenz seines eigenen Handelns stellen.

Ich habe dazu bemerkenswerterweise seit der Eröffnung dieses Forums wenig gelesen :thinking:

Ach, nee, jetzt weiß ich es wieder.

@DrakonDiB hatte ein anderes Video von Martin Oetting verlinkt, und dann wurde mir, nachdem ich es angesehen hatte, das hier von @lawandorder verlinkte von youtube empfohlen.

Also dann: hier ist die Lösung, die Martin Oetting vorschlägt als Antwort auf diesen Kritikpunkt:

https://das-gruene-forum.de/t/welche-art-von-revolution-brauchen-wir-um-eine-bessere-welt-zu-erreichen/4531/43?u=biologin

Na dann mal los…

Jetzt haut’s mich vom Hocker!
Du lobst das Video von einem, der gleich am Anfang mal “die Systemfrage” stellt?
Plötzlich vom Saulus zum Paulus geworden?

Aber gut, er hat ja recht.
Viele der Einzelprobleme, an deren Bewältigung die diversen sozialen Bewegungen etc. sich abarbeiten, lassen sich in der Tat auf die system-immanenten Zwänge und Logiken dessen zurückführen, was er etwas platt den “Raubtierkapitalismus” nennt. Ich würde es eher - weniger reißerisch - auf die dem (Finanz-)Kapitalismus innewohnende Verpflichtung auf stetiges Wachstum nennen (die “Droge Wachstum”).
Nur endet dieser erste Teil abrupt mit diesem Total-Verriß unsres heutigen “Systems”.
Was will er denn konkret an dessen Stelle setzen?
Irgendwas mit “Sozialismus”?
Sagt er natürlich nicht.
Getreu seinem zweiten Motto “keine Begriffe verwenden, die im öffentlichen Diskurs quasi verbrannt sind”. Wie seines Erachtens z.B. “Klima”.
Immerhin ist er insoweit sein eigener gelehriger Schüler.
Zu diesem zweiten Teil von mir nur noch so viel:
Ja, ich fühle mich der Wahrheit verpflichtet, genauer dem, was ich als “Wahrheit” für mich aufgenommen habe.
Auch hier wieder bleibt er merkwürdig inkonsequent. Eigentlich müsste er jetzt schlussfolgern: “Wenn wir mit der - unpopulären - Wahrheit nicht zum Ziel kommen, dann müssen wir die Leute eben ‘zielorientiert’ anlügen”.
Wer das macht, muss manipulieren. Und im Zweifel irgendwann dauerhaft die freie Meinungsäußerung administrativ unterdrücken.
Der Junge hätte es in der Ideologie- und Propagandabteilung der SED weit bringen können …..

Auf Teil drei seines Videos komme ich später zurück. Im Augenblick zeitlich verhindert und will es mir auch noch mal genauer ansehen.
Zwischenfazit:
Wenn das ein “ziemlich Linker” ist - na gut, dann gibt es eben auch Linke, die ihm massiv widersprechen.

Die es so nicht gibt.

Ich teile deine Auffassung, dass er inkonsequent bleibt - aber ist es nciht so, dass er sich dabei in guter gesllschaft befindet?
Dei Wahrheitsbegriff in allen Ehren - aber wie oft verstoßen wir selbst gegen unseren eigenen Wahrheitsbegriff?

Ist es nicht so, dass unser tägliches Handeln eher bestimmt wird vom Pragmatismus des eigenen Vorteils?

Das erste, was dabei auf dem “Altar des Pragmatismus” i.d.R. geopfert wird, ist dann die eigene Wahrheit.

Es ist zwar nicht so, dass ich das kritisiere. Aber ich glaube, genau daran scheitert seine (berechtigte) Forderung, sich zusammenzutun,um eine so geballte Macht der des etablierten Systems engegenzusetzen.

Diesen Widerpruch in seine eigenen Forderung erwännt er gar nicht - geschweige denn, dass er darauf eine ideenreiche Antwort gibt oder auch nur andeutet.

Wenn Du zu Recht seine Inkonsequenz an ieser Stelle kritisierst - wie sieht es dann mit Deiner eigenen Inkonsequenz aus?

der titel des videos sagt, dass er erstmal das problem und die ursachen erklären will. noch nicht die lösung. ob er die hat, weiß ich nicht.

im übrigen habe ich das gefühl, ihr sprecht nicht über den kern seiner aussage, sondern ihr kritisiert einzelne aspekte.
warum verlieren die gutmenschen?
findet sich jemand in der beschreibung wieder? finden wir teile unserer partei oder der spd darin wieder?
das sind die interessanten fragen, finde ich.

ich gebe dem recht, der recht hat.
nicht dem, der rechts oder links ist.
ich bin weder saulus noch paulus.
du denkst sehr stark in diesem gegensatz. hier die guten linken, da die bösen rechten. ich glaube nicht, dass das zu besseren erkenntnissen führt, im gegenteil.
da fängt für mich die analyse an, warum die gutmenschen verlieren

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Ja, die hat er im Folgevideo präsentiert.

Ich hatte mir das Video, das @DrakonDiB velinkt hatte (das mit der vorgeschlagenen Lösung in 5 Schritten), noch mal angesehen, und ganz am Ende (Minute 9.26) verweist Martin Oetting dann auf das Video, welches du @lawandorder hier verlinkt hast, mit den Worten, das sei das Video, mit dem alles angefangen habe.

Ja, ich kann es mir schon denken, das wolltest du gar nicht wissen, sondern hattest die Frage „Lösung oder nicht“ nur in den Raum geworfen, um auszudrücken, dass es völlig egal sei, ob er eine Lösung habe oder nicht, aber ich beantworte sie trotzdem, weil ja schon andere user nach Lösungen gefragt haben.

Und auch deine wichtigste Frage möchte ich natürlich nicht ignorieren:

Ja, ich finde mich zum Teil darin wieder, zum Teil aber auch nicht.
Ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob ich ein „Gutmensch“ bin. Ich gebe mir aber Mühe, einer zu sein.

wozu genau hast du wenig gelesen? kannst du das klarer beschreiben?

wo ? wo nicht ?

Ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass es gut ist, sich untereinander zu vernetzen.
Ich bin ja in der Umweltbewegung aktiv, aber als es darum ging, wie wir uns positionieren wollen, zu den Wohnungsenteignungen, habe ich dagegen gestimmt.
Ich denke schon, dass man das unter gewissen Voraussetzungen machen kann, aber die müssen dann auch erfüllt sein. Einfach nur vernetzen um des Vernetzens Willen halte ich nicht für sinnvoll.

habe es gerade nochmal gesehen.
seine ideen sind insofern plausibel, als es wohl kaum alternativen gibt. militante revolution kommt nicht in frage.
bei den erfolgsaussichten bin ich aber skeptisch. er fragt nicht, was die leute wollen, sondern was sie richtigerweise wollen sollten.
er ist halt auch ein „gutmensch“, der nicht aus seiner haut kann.
aber ich finde ihn trotzdem gut, er denkt wirklich nach und predigt nicht, sondern argumentiert.

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Klar finde ich mich da wieder - ich gönne mir auch den Luxus einer privaten Weltenrettung :innocent:

Deswegen ist der Impuls, den er da verbreitet, durchaus für mich interessant.

Auch wenn ich das mit alten Tagen (die guten, alte Zeiten eben) vergleiche, stelle ich fest, dass ich noch vor wenigen (ca. 40) Jahren deutlich engagierter war als heute, und das ist nicht dem Alter geschuldet.

Allerdings war es bereits früher so, dass die damaligen Veranstaltungen und Aktivitäten, die ich mitgemacht habe, ähnlich wie heute neben dem Engagement für eine “gute” Sache auch gleichzeitig eine Alibifunktion hatten - wenn auch eine andere als heute.

Wenn ich auf die Frage zurückkomme, wie wir es schaffen, an einem Strang zu ziehen, statt unsere zersplitterten Privatinitiativen durchzuziehen, so ist das eng verknüpft mit der Frage nach dem Verzicht. Auf eine Demo zu gehen (auch bei übelstem Wetter und mies gelaunten Polizisten :thinking: ist eben ein geringerer Aufwand (=Verzicht) als einen 3wöchigen Badeurlaub ersatzlos zu streichen.

Allerdings ist mir noch nicht so klar, was denn die wesentlichen Themen wirklich sind, auf die wir uns alle fokussieren sollte, und was dazu die entsprechenden Maßnahmen sind.

Nach meiner eigenen Logik kommt das Klima/die Umwelt als oberstes, da das die Basis für unsere Existenz ist. Das bedeutet in erster Linie für mich (aber auch das ist derzeit nur “Einzelaktion”) Konsumverzicht, bis es ökoverträglichen Ersatz gibt - Beim Strom sind wir da zwar auf einem guten Weg - allerdings gibt es Begehrlichkeiten (wie den elektrischen Individualverkehr) der so viel Strom fordert, wie wir gerne haben würden.

Interessant finde ich auch den Gedanken, der weiter oben (oder an anderer Stelle im Forum schon gepostet wurde) den Verzicht als Bereicherung darzustellen - auch wenn ich das für mich ganz gut hinbekomme, so bin ich offensichtlich der Falsche, wenn es um die Motivation anderer geht :frowning: Diese (rel. späte) Einsicht führt dazu, dass ich hier auf einen anderen Messias warte :innocent:

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Den kannst du gern gan z umweltfreundlich bei mir machen, ich hoffe, dir damit etwas Gutes zu tun… :slightly_smiling_face:
(Das gilt übrigens für alle, gern per PN melden)

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wo genau ist „bei Dir“?

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