Warum dürfen Albaner:iInnen, Pol:innen, Rumän:innen oder Bulgar:innen bei uns ausgebeutet werden?

Die Fleischindustrie und die Erdbeerpflücker:innen und Spargelstecher:innen haben wir ja während der Corona-Pandemie schon kennen gelernt.

Aber es gibt noch eine weitere Branche mit äußerst üblen Arbeitsbedingungen:

Das alles ist nur möglich, weil es großen Unternehmen erlaubt ist, ihre Verantwortung auf Subunternehmen abzuwälzen.

„Wir hören immer wieder: Wenn sich jemand wehrt oder Verstöße auffliegen, werden die Unternehmen einfach dichtgemacht und unter neuem Namen erneut gegründet.“

Trotz der seit Jahren anhaltenden Kritik an den Arbeitsbedingungen der Amazon-Fahrer:innen hält das Unternehmen am System der Subunternehmen fest. Mit dem Programm „Delivery Service Partner“ wirbt Amazon Menschen dafür an, im Auftrag des Konzerns Subunternehmen zu gründen.

Gesucht würden „motivierte Un­ter­neh­me­r:in­nen mit einer,Packen wir’s an’-Mentalität“, heißt es auf der Amazon-Website, zu erwarten sei „eine dynamische Partnerschaft“.

Wie diese aussehen kann, zeigten vor einem Jahr Recherchen von Correctiv und weiteren Medien. In Wirklichkeit sei das unternehmerische Risiko für die Unternehmen groß, die Gewinnmarge klein und der Druck, den Amazon auf die Firmen ausübe, immens, berichteten damals mehrere Subunternehmer. Offensichtlich geben viele Firmen diesen Druck an die Fah­re­r:in­nen weiter.

Rund 360.000 Menschen arbeiten laut einem Gutachten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von September insgesamt in der KEP-Branche, davon rund 270.000 in Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten. Überdurchschnittlich viele Angestellte in der Branche arbeiten außerdem mit befristeten Verträgen, in Teilzeit oder auf Minijob-Basis.
Also: Warum wird gegen diese Branche nicht vorgegangen?

Es sind zum Großteil keine Wähler betroffen! Und die Arbeitsbedingungen sind so mies, daß sich kein Deutscher das antun würde.

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Es gibt auch viele Wähler (und Nichtwähler, die resigniert haben), die in solchen prekären Arbeitsverhältnissen leben. Deutschland ist nach Medienberichten besonders „groß“ darin.
Die Gewerkschaften bräuchten eine breitere Basis und internationale Vernetzung. Lahme Versuche gibt es zwar dazu, aber das reicht beileibe nicht. Und von der Politik scheint es auch jetzt noch eher Gegenwind zu geben, auch wenn die Fehler der 2000er inzwischen offensichtlich sind. Es könnte eine schöne Aufgabe für die Sozialdemokraten sein.

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Ich bin Informatiker und habe einige Freunde die schon seit langer Zeit als Selbständige arbeiten. Aber die Softwareexperten und ihre Auftraggeber werden zunehmend vom Staat bedrängt, wg. der Scheinselbstständigkeit. Dabei hat jeder von meinen Freunden sich mit seinem sehr guten Einkommen natürlich auch für später abgesichert.

Im Gegensatz dazu werden Menschen, die tatsächlich brutal Ausgebeutet werden. die in keiner Weise selbstständig arbeiten dürfen, legal ausgebeutet?

Es ist schon immer ein Fehler der EU gewesen, daß es in erster Linie eine Wirtschaftsgemeinschaft war und keine Sozialgemeinschaft. Aber hier geht es ja nicht um neue EU-Gesetze sondern, darum solche Praktiken in Deutschland nicht zuzulassen.

Am unteren Ende stehen die Lohnsklaven aus anderen EU-Ländern, die froh sind über die paar Euro mehr, die Sie in Deutschland bekommen. Dann kommen Die deutensch Verbraucher die gern übernacht alle nach Hause geliefert bekommen wollen, dann die verwaisten Innenstädte mit all den Läden die dieser Konkurenz nicht gewachsen sind. Danach stehen dann Konzern, die in Irland Minimalsteuersätze zahlen und ganz oben ein Millardär, der sich dumm und dämlich verdient und kaum Steuern zahlen muss.

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Mein Sohn ist auch auf diese Weise in der IT selbstständig. Manchmal wäre es mir lieber, er hätte Arbeitsschutz. Aber er sagt, er will es so.
Ein Teil des Prekariats ist in Deutschland hausgemacht, es war politisch gewollt. Aber sogar Organisationen wie die OECD, von denen man es nicht erwartet, sehen inzwischen die Probleme.
Das Projekt Sozialgemeinschaft humpelt in der EU sehr langsam vorwärts, auch weil von Deutschland offenbar Bedenken kommen, sie müssten draufzahlen. Aber durch die Vernetzung der Unternehmen wird es ohne EU nicht gehen. Was nicht heißt, dass hier nicht mehr gemacht werden könnte.
Was genau, weiß ich nicht, weil ich mich nicht gut auskenne, aber prekär gearbeitet habe ich auch schon. Daher wohl auch die Sorge um meinen Sohn.
Was meinst du, könnte aus der Politik heraus helfen?

Wir haben doch schon ein Lieferkettengesetz oder? Also sind solche Gesetze möglich.

Die taz schrieb:

Eine dieser Möglichkeiten wäre ein Verbot von Subunternehmen in der sogenannten KEP-Branche, mit der die Kurier-, Express- und Paketdienste zusammengefasst werden. Die Gewerkschaft Verdi fordert ein solches Verbot, die Linksfraktion im Bundestag brachte in diesem Jahr ebenfalls einen entsprechenden Antrag ein.

Ich finde das eine extrem gute Idee.

Könnte ein Schritt sein. Aber die Konzerne können auch ganz direkt ihre Leute ausbeuten und die Bildung von Betriebsräten verhindern.
Wenn ich mich an früher erinnere, da war Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft etwas ganz normales.
Vielleicht ließe sich sogar eine gesetzliche Grundlage für europäische Gewerkschaften schaffen.

darüber stolpere ich bei dem Thema immer.
Wenn diese Jobs wegfallen, was machen diese Leute dann, die froh über die Jobs sind?
Und diese Jobs werden zT wegfallen, wenn die Gehälter deutlich erhöht werden.

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Das wird aber deutlich schwieriger: Haben wir nichr gerade eine Arbeitszeit-Vollerfassung eingeführt. Nehmen wir nur das Beispiel aus dem Artikel, daß die Fahrer sich eine halbe Stunde vorher auf dem Parkplatz treffen um den Tag abzusprechen oder das Sie vor dem Laden warten müssen bis Sie dran sind.

Das zwei Tage beobachten und sich dann die Arbeitszeiterfassung von Amazon zeigen lassen. Das wir TEUER.

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Das kann auch Deutschen noch blühen, der Merz will doch die „Bürgergeld Faulenzer“ dazu zwignen, Gemeinnützig zu arbeiten, das führt dazu dass die niemand bezahlen wird und so noch mehr Billigjobs subventioniert werden… warum nicht gleich angemessen bezahlte Arbeitsplätze anbieten wenn soo dringend Leute angeblich gebraucht werden, dass die soo dringend sein sollen dass am besten sofort Scharenweise Personalbedarf bestehen würde… sieht aber eher nicht so aus…

Gefördert werden die betroffenen eher nicht wirklich… wie wärs mit Bildung nachholen, aber das Amt sagt dann: „Du bist fertig mit Bildung, nach der Erstausbildung ist direkt Arbeitssuchen völlig ausreichend…“

Wenn du kein Geld für Bildung hast, Pech gehabt… oder auch wenn du zu krank bist um neben der Bildung noch den ganzen Tag zu jobben… soll der Merz mal machen. wenn er krank ist… Behinderungen zum Beispiel hat… tolle Aussage die fürn Arsch ist…

Aber die ganzen Osteuropäer hier als Arbeitersklaven zu benutzen ist natürlich genauso mies.

Das ist ja eines der Großen Politik Probleme, es wird oft mit zweierlei Maß gemessen.

Die Politik macht sich längst total zum Affen. (armer Affe, war der aushalten muss)

Ich finde es sehr gut, wenn z.B. ein Rumäne hier zwar deutlich weniger als Mindestlohn verdient, aber immer noch das Doppelte wie zuhause (sofern die Arbeitbedingungen stimmen). Das ist nämlich ein ganz hervorragender Mechanismus zum Wohlstandstransfer, der keiner der beiden Seiten weh tut.

Aus Polen kommen heute nur noch qualifizierte Handwerker nach D. Für Erntehelfer lohnt es sich nicht mehr. Polen hat nämlich in den letzten 20 Jahren auf diesem Wege (und mit einem Batzen EU-Geld) ganz ordentlich aufgeschlossen zu D.

Die Frage muss eher lauten: Wenn in einigen Jahren auch Rumänien und Bulgarien aufgeschlossen haben, wer hilft uns dann bei der Ernte?

Ja, ich stimme Dir zu „sofern die Arbeitbedingungen stimmen“

Hier noch ein anderer Artikel aus der TAZ:

Fabiu wird betrogen, und das gleich mehrfach. Lohnabrechnungen und Stundenzettel, die er vorlegt, belegen das. Dass er nur einen Teil des Lohnes auf sein Konto überwiesen, den Rest bar bekommt, damit kann er noch leben. Er ist 47, denkt nicht an die Rente, hat kein Problem mit Schwarzarbeit. 2.500 Euro bekommt er hier pro Monat im Schnitt, gut 1.500 mehr als in Rumänien.

Was ihn wirklich wurmt: Dass sein Chef ihm und seinen Kollegen kein Urlaubsgeld zahlt. Dass ihm einige seiner alten Chefs keine Arbeitsverträge gegeben und ihn nicht bei der Krankenkasse angemeldet haben – und er jetzt, weil man gesetzlich zur Versicherung verpflichtet ist, 4.000 Euro Schulden bei der Kasse hat.

Man kann sich das System Bau dabei wie eine Pyramide vorstellen. Ganz unten stehen die Arbeiter. Darüber kommen die sogenannten Subunternehmen. Baufirmen, meist mit Sitz in Deutschland, die häufig von Menschen mit türkischem oder serbischem Migrationshintergrund geführt werden. Sie sind es, die die Löhne schwarz oder auch gar nicht zahlen. Sie sind es, die unbequemen Arbeitern mitunter drohen, sie aus den Wohnungen zu werfen. Der Zoll spricht von einer Form der organisierten Kriminalität, mit einem Schwerpunkt im Rhein-Main-Gebiet.

Das klingt mir alles wie das Gegenteil von fairen Arbeitsbedingungen. Aber von dieser Art Kriminalität sind halt nur Ausländer betroffen.

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Also nicht simpel über die Lohndifferenz schipfen, sondern gezielt gegen diese unlauteren Machenschaften vorgehen. Das sind zwar keineswegs alle Unternehmen, aber auf jeden Fall ein viel zu hoher Anteil.

Und nein, das trifft nicht nur Ausländer.

sehr schön. Ich habe schon ein Problem mit Schwarzarbeit.
Wenn er hier weder Sozialabgaben noch Steuern zahlt, fragt sich, wer hier wen ausnutzt.

wer das akzeptiert, wird wissen, warum.

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