Warum es kein Spektrum gibt

Moin,
ich habe im alten Forum noch einmal die Sache mit den nicht vorhandenen Spektrum erklärt und fand den Text to good to go.
Können wir eine passende Kategorie machen?

Wie findet ihr ihn?

Diploide Organismen haben jedes Chromosom doppelt. Wie eine Bibliothek, in der der Physikband von Klett und Cornelsen vorhanden ist, Ebenso Chemie (Klett und Cornelsen) und Bio (Klett und Cornelsen), Geschichte (Klett und Cornelsen) etc.
Haploide Organismen haben nur Klett. (Klett war in dieser Definition zuerst da.)

Dann wird für die Bildung der Keimzellen (Gameten) die Bibliothek halbiert (Meiose). Jede Keimzelle bekommt einmal Bio, einmal Chemie, einmal Geschichte. Dabei ist es egal, ob Klett oder Cornelsen.

Bei der Befruchtung werden zwei haploide (einfache) Bibliotheken zu einer neuen kompletten (diploiden) Bibliothek zusammengesetzt (Befruchtung, Bildung der Zygote).
Wenn das Biobuch von Klett nass wird, kann man im Cornelsen nachschlagen. Das ist der evolutionäre Vorteil der Diploidie. Dafür machen wir den ganzen Zinnober hier.
Wenn Klett zweimal vorhanden ist, weil die Dödel bei der Teilung einen Fehler gemacht haben, gibt es vielleicht drei Physikbücher in der Zygote und damit im neuen Organismus.Sexualkunde: Zweimal Klett, einmal Cornelsen: Also: Zweimal ein Geschlechtschromosom von der Mutter und eins vom Vater).
Mag sein. Das ist nicht immer ein solcher Nachteil, dass der Organismus dran stirbt. (Die meisten Trisomien sind letal).

Dann ändert dieses dreimalige Vorhandensein eines Buches aber absolut nichts daran, wie der Vorgang der Aufteilung und Zusammenführung von Bibliotheken funktioniert!

Im Gegenteil ist das Individuum mit den drei Büchern zum Thema Sexualkunde mit einem blauen Auge davon gekommen in der Lotterie des Lebens und unter Umständen fruchtbar. (Wenn die eigenen Verteiler (Meiose) nämlich zufällig eine Keimzelle ins Rennen schicken, die nicht so kaputt ist, dass die Bildung einer neuen Zygote (=Baby) nicht funktionert.

Turner/Klinefelter und so weiter sind Trennungsfehler in der Meiose der Eltern. Dass es recht viele lebende Träger gibt, zeigt eigentlich nur, dass auf den Chromosomen nicht viel Wichtiges drauf ist.
Andere Trisomien (außer 21 und 18/13) sind nicht lebensfähig.

Ist es so etwas verständlicher?

Hier kann man die Varianten gut sehen

Entweder hats im Verteilzentrum von Papi nicht geklappt und das Spermium bringt zwei Y mit, weil diese sich nach der identischen Replikation nicht getrennt haben. (Ich habe oben nicht dazu gesagt, dass die Bücher erst einmal kopiert werden müssen, so dass es insgesamt 4 Kopien (Chromatiden) gibt, weil jeweils 4 Keimzellen entstehen, bzw. vier SpermienundeineEizelle mit drei Polzellen). Wenn diese Kopien nicht voneinander getrennt werden, bekommt halt eine Keimzelle den doppelten Stapel und eine andere logischerweise nix.
Wenn diese fehlerhaften Keimzellen dann auf Keimzellen treffen, die AUCH den doppelten Satz an Kopien oder KEINE Kopien haben, weils auch im Verteilzentrum von Mutti nicht planmäßig geklappt hat, dann ist der Weg frei für ganz schön viele Varianten. Aber keine davon ist erwünscht/beabsichtigt oder sinnvoll.
Es ist halt was schiefgelaufen.

Biologisch.

Ob die Gesellschaft das anerkennt, ist ein ganz anderes Thema.

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Ja, Dr. Svenja. Man merkt, dass Du Lehrerin bist. Treibst es mit Schulbüchern!
Ich hätte Bolzen und Splinte genommen.

Gleichwohl habe ich es verstanden. Also bist du eine gute Lehrerin.

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Oder Pratzen und Schaltkulissen?

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Hier der zweite Teil. Bitte Rückmeldung, ob der verständlich ist.

Warum reicht für eine unermeßliche Vielfalt die Rekombination mit nur zwei Geschlechtern?

Der Mensch hat 23 verschiedene Chromosomen (=Lehrbücher). Weil er ein diploider Organismus ist, ist jedes Werk doppelt vorhanden (2x23 = 46).
Wenn bei den Keimzellen zufallsverteilt von jedem Eltenteil jeweils ein Satz Bücher bereitgestellt wird, reichen diese 23 Chromosomen rein rechnerisch für 68 Billionen unterschiedliche Kinder pro Zeugung!

Bei einem Satz mit 23 Chromosomenpaaren wie beim Menschen sind 2 hoch 23 (= 8.388.608) mögliche Kombinationen gegeben, haploide Keimzellen interchromosomal verschieden auszubilden.

Also:
Physik: Klett oder Cornelsen
Biologie: Klett oder Cornelsen
Geschichte: Klett oder Cornelsen
Chemie…

Eine Keimzelle könnte also haben

Physik: Cornelsen
Biologie: Cornelsen
Geschichte: Klett
Chemie: Klett
Wirtschaft…

oder
Physik: Cornelsen
Biologie: Klett
Geschichte: Klett
Chemie: Cornelsen
Wirtschaft…

Wer das alles durchprobiert kommt auf über 8 Millionen Kombinationen.

Da bei der Befruchtung zwei Geschlechtszellen miteinander verschmelzen, ergeben sich für die Nachkommenschaft eines Menschenpaares theoretisch 2 hoch 23 · 2 hoch 23 = 2 hoch 46 -->≈ 68 Billionen!

Und zwar ohne Crossover.
Crossover bedeutet: Die Bücher sind nicht gebunden, sondern es sind Ordner, in denen (während der Meiose) einzelne Kapitel getauscht werden können. Also das Kapitel „Rekombination“ in den Ordnern Biologie wird von Klett nach Cornelsen getauscht und umgekehrt.

Es gibt noch einige weitere Möglichkeiten der Rekombination, aber man sieht: Mehr als zwei Geschlechter sind für die Vielfalt nicht notwendig.

Es wäre begrüßenswert, wenn diese Tatsache nicht mit der Tatsache vermischt werden würde, dass Menschengruppen dazu neigen, einander auszuschließen.

Mehr Diversität ist nicht erforderlich. Deshalb kein drittes biologisches Geschlecht…

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Meint ihr, Lars, Thomas und Naima verstehen das? Dann würde ich ihnen das zukommen lassen.
Nicht, um zu ärgern, sondern weil das wichtig ist.

Hmm!?!
Verstehen können sie ‚s schon. Schließlich versteh‘ 's ja sogar ich.
Jedoch werden sie das

nicht so sehen. Und denken:
Dir vielleicht. Svenja. Aber doch nicht uns!

Mach’ 's trotzdem. Dann kann niemand sagen, Du hättest es nicht versucht.

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Ich plane, sie mit dem Versprechen zu locken, dass es in ihrer Welt auf einmal sehr viel weniger transphobe Wissenschaftler geben wird.

Nur weiß ich nicht, wie ich das formulieren soll.

Genau. Ich halte die Thomasse und Naimas für gefährlich in ihrem Unwissen und mit ihrer Macht.

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Sie sollten es sogar bereits wissen. Das ist doch Stoff der Biologie in der 11ten(?) Klasse.

Das ist logisch etwas vorschnell geschlossen.
Für ein Auto braucht man eigentlich nur 3 Räder. Trotzdem haben sie meist vier.

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Nein. Es gibt bei zwei Gameten pro Zeugungsakt 68 Billionen Möglichkeiten. Es gibt absolut keinen Sekektionsdruck in Richtung einer weiteren Gametenform. Die Natur arbeitet nicht logisch, sondern energetisch rational.
Was nicht gebraucht wird, verschwindet.
Es wäre auch überhaupt nicht vorstellbar, wie eine ungerade Anzahl funktionieren sollte. Dann vermutlich gleich vier Gamententypen. Aber das ist ja NOCH unwahrscheinlicher…
Schade, das @OberdiUl nicht hier ist.

Mir geht es nur um die rein logische Schlußfolgerung. „Ist nicht erforderlich, also gibts das nicht“ ist logisch unsauber.

Das kommt der Sache schon nahe. Aber die Natur ist da recht häufig etwas liederlich bzw. sehr langsam.
Wäre mir als glasklarer Beweis immer noch nicht genug.

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Andersrum sehe ich keinen logischen Zwang, anzunehmen, auf welcher Grundlage der Wahrscheinlichkeit sich die Sache entwickeln sollte.
Ich versuche, Ulrich herzubekommen.

Vielleicht hilft der Gedanke, dass Evolution nur mit dem arbeiten kann, was bereits da ist. Baupläne können nur verändert werden, nicht neu geschaffen.

Ein viertes Rad ist eine glasklare Bauplanänderung. Wo soll die im Organismus herkommen?
Der Ingenuíeur nimmt einfach eine neue Achse. Die Organismen krebsen mit dem rum, was seit Jahrmillionen sich nur langsam ändert.
Die Wale werden die Beine niemals zurückbekommen.
Und wir nicht die Kiemen.

Das habe ich anders gelernt. Am Anfang gabe es nur Einzeller. Alles weitere wurde von der Natur neu erfunden. Und Fische haben ihre Brustflossen zu Beinen weiterentwickelt und wurden zu Reptilien.

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Ja genau.
Aber es ist sozusagen eine kontinuierliche und langsame Entwicklung.
Die von dir vorgeschlagene Verdoppelung der Gameten wäre ein so großer Sprung wie zwei Flügel zusätzlich zu den vier Grundextremitäten.
Da müssen jede Menge Zufälle zusammen kommen.
Die Sache muss darüber hinaus ja auch gleich beim ersten Anlauf funktionieren (sonst Tod) UND es muss ein Paarungspartner verfügbar sein, dem dasselbe zur gleichen Zeit am gleichen Ort passiert ist.

Hier ist zumindest was über Flügel.
„Warum es keine Wesen mit Engel-Anatomie gibt - wissenschaft.deWarum es keine Wesen mit Engel-Anatomie gibt - wissenschaft.de

Pegasus. Oder Wolpertinger.
Geht Doch ! :wink:

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… kaum habe ich mir Urlaubs- und Seuchen-bedingt mal ein bischen Web-Abstinenz gegönnt… nur um gleich wieder tief einzutauchen… oh jeh!
Ich bin nicht ganz sicher, ob ich alles schon verstanden habe, was Euch umtreibt - es sieht aber ziemlich nach einen ‚deep dive‘ in die Evolutionsbiologie aus (und dabei bin kein von Hause aus gelernter Evo-Biologe, sondern eher ‚Protein-Klempner‘ gewesen - aber ich habe noch ein altmodisches Diplom mit gewisser Bio-Allgemeinbildung gemacht).
Nun: wo fangen wir da an?
Um die Natur des menschlichen Sexus zu verstehen, müssen wir unseren Platz im größeren Kontext des Lebens auf der Erde überprüfen.
Wir wissen nicht genau, wie das Leben auf unserem Planeten entstanden ist, aber wir kennen einige der Merkmale, die es von Anfang an hatte. Der Schlüssel dazu ist die selbstreplizierende Natur des genetischen Materials und seine Beziehung zum Organismus. Aufgrund unserer anthropozentrischen Voreingenommenheit neigen wir dazu, Gene als mit dem „Zweck“ existierend anzusehen, für den Organismus zu kodieren.
Soweit wir jedoch in der Biologie von „Zweck“ sprechen können, ist die Beziehung genau umgekehrt – der Organismus existiert, um sein genetisches Material zu vermehren, und dies ist der einzige „Sinn“ seiner Existenz.
Die Umkehrung dieser Relation ist die tiefe Ursache der meisten Unwahrheiten, die in den Debatten um Gender und Sex propagiert werden.
Es gibt zwei allgemeine Hypothesen über die Ursprünge des Lebens, die normalerweise mit „Stoffwechsel-zuerst“ und „Genetik/Replikatoren-zuerst“ abgekürzt werden.
Beide Hypothesen konvergieren zu einem Status, in dem die darwinistische Evolution (d.h. Abstammung mit Modifikationen des genetischen Materials), und das Leben eine ununterbrochene Folge von Selbstreplikatoren ist, die mehr Kopien von sich selbst machen.
Zellen (und komplexe mehrzellige Organismen) können betrachtet werden Strukturen, die um ‚Selbstreplikatoren‘ herum angeordnet sind, um den Prozess zu erleichtern.
Die Prokaryoten-Genome überspringen wir mal, merken uns aber, dass bereits auf der Ebene klar wurde, dass der Fokus
auf einer genzentrierten Sichtweise der Evolution – Gene werden ausgetauscht, wodurch neue Kombinationen und Phänotypen geschaffen werden, auf die die natürliche Selektion einwirkt und bestimmt, wie erfolgreich die Vermehrung dieser Gene ist - und das ist wie wahre ‚Währung‘ der Evolution (empf. Lektüre: Dawkins - „The Selfish Gene“)
Mobile genetische Elemente (MGEs) und Viren treiben dieses Prinzip auf die Spitze – wenn die Genvermehrung das primäre evolutionäre Ziel ist, ist kein „Fortschritt“ hin zu „komplexeren“ Einheiten erforderlich. Es kann genauso gut kein Organismus beteiligt sein, solange genetisches Material repliziert wird. Dies ist die Strategie von Viren (nur „lebend“, wenn sie sich in einer von ihnen ‚gekaperten‘ Zelle befinden) und MGEs (die nicht einmal für Viruspartikel codieren, da ihre einzige Fähigkeit darin besteht, ihre Replikation sicherzustellen).
Was Sex ist und wie und warum es sich entwickelt hat, kann nur in diesem Zusammenhang richtig verstanden werden.

Es gibt zwei Arten von zellulärem Leben auf der Erde: Prokaryoten und Eukaryoten. Prokaryoten haben eine einfache Organisation, denen normaler-weise die charakteristischen Merkmale von Eukaryoten wie Kern, Endo-Membransysteme, Mitochondrien usw. fehlen.
Die Komplexisierung von Eukaryoten führte zu ihren modernen Merkmalen, darunter die Meiose (reduktive Zellteilung, die haploide Zellen/Gameten erzeugt) und die sexuelle Fortpflanzung. Prokaryoten vermehren sich ungeschlechtlich und haben keine Meiose. Sie verwenden jedoch Mechanismen zum Austausch genetischen Materials, was sie in großem Um-fang tun.
Die Allgegenwärtigkeit von Austauschmechanismen für genetisches Material deutet stark darauf hin, dass Rekombination vorteilhaft ist.

Die Literatur dazu ist erschlagend - und wirklich nur was für Experten. Aber ein paar der wichtigsten Punkte will ich versuchen ‚herauszupicken‘:
Das erste Schlüsselkonzept ist die evolutionäre Fitness.
Fitness wird am häufigsten als Selektionskoeffizient s ausgedrückt, der von -1 bis unendlich reicht, wobei s = -1 der Letalität bzw. vollständigen Sterilität entspricht.
Die sexuelle Fortpflanzung ist für ein Individuum kostspielig, da sie die Produktion von Gameten beinhaltet, aber nur die Hälfte der eigenen Gene wird an die nächste Generation weitergegeben.
Das klassische Argument dafür, warum es Sex gibt, ist, dass es dabei hilft, neue günstige Kombinationen von Allelen zu schaffen. Genauso wie es forteilhafte Kombinationen schaffen kann, kann die Rekombination aber auch bestehende zerbrechen.
Von asexuell reproduzierenden Organismen würde man naiv erwarten, dass sie einen Vorteil haben. Warum also Sex haben?

Das „Fundamental Theorem of Natural Selection“ (R. Fisher) besagt, dass die Zunahme der mittleren Fitness durch natürliche Selektion gleich der additiven genetischen Varianz der Fitness ist. In echten Organismen sind verschiedene Loci auf verschiedene Weise physikalisch verbunden; Die Fitness wird daher durch die Assoziationen von Allelen untereinander beeinflusst. Wenn solche negativen Assoziationen (d. h. zwischen nützlichen und schlecht angepassten Allelen) vorherrschen, wird die Rekombination wirken, um die Varianz in der Fitness zu erhöhen; Rekombinationsmechanismen werden somit durch ihre Assoziation mit der Erzeugung einer günstigen Variation und der insgesamt höheren Fitness der rekombinierenden Genotypen ausgewählt.

… Fortsetzung morgen…

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Die verstehen das sicherlich. Ich glaube sogar, dass man annehmen darf, dass sie über die Tatbestànde gut Bescheid wissen. Die Frage ist aber die Opportunität. Nützt es, eine bestimmte Ansicht zu vertreten - passt die Ansicht in den Mainstream, an den ich mich anpassen, um Erfolg zu haben?
Abgesehen davon fällt mir jedenfalls auf, dass die Spitzengrünen sich wohlweißlich fern von der ganzen Debatte halten. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass man sich sehr viele Sympathien verscherzen kann, wenn man sich persönlich in die dubiose Debatte einklinkt. Also lässt man den Mob sich auf „unteren“ Ebenen austoben.

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… weiter im Text:
Eine zusätzliche Überlegung ist, dass reale Populationen endlich sind und stochastische Schwankungen der Allelfrequenzen („Gendrift“) eine große Rolle spielen. Ohne Rekombination führen genetische Drift und Kopplungsungleichgewicht zusammen dazu, dass verbundene Gen-Loci die Reaktion des anderen auf die Selektion stören.
Man kann vorhersagen, dass das Fehlen von Rekombinationen zu einer irreversiblen Akkumulation schädlicher Mutationen führt (hat, glaube ich, H.J. Muller schon in den 30er Jahren erwähnt).

Prokaryoten veranschaulichen einen wichtigen Punkt: Meiose und genetische Rekombination sind nicht dasselbe. Die Rekombination kann durch eine Vielzahl von Mechanismen erreicht werden. Bei Eukaryoten ist dieser Mechanismus die Meiose.
Eukaryoten können DNA aufgrund des Vorhandenseins des Zellkerns und der physikalischen Organisation ihres Chromatins nicht so frei austauschen wie Prokaryoten. Eine Alternative war erforderlich, aber wir können nicht sicher sein, ob die Meiose die einzig mögliche Lösung war. Auf jeden Fall hat es sich entwickelt, und zwar sehr früh in der eukaryotischen Evolution, vor dem letzten gemeinsamen eukaryotischen Vorfahren (LECA).
Eukaryoten sind immens vielfältig und weisen große Unterschiede in den Mechanismen der sexuellen Fortpflanzung und den Lebenszyklen auf. Aber zwei Variablen sind entscheidend: der Generationswechsel und die Größe der Gameten.
Der Lebenszyklus von Eukaryoten folgt einem allgemeinen Muster abwechselnder haploider (1n Chromosomensatz) und diploider (2n) Generationen. Diploide Zellen können sich meiotischen Teilungen unterziehen und haploide Zellen produzieren, während haploide Zellen zu einer diploiden Zelle verschmelzen können. Ob haploide und diploide Zellen nichtreduktive mitotische Teilungen durchlaufen, bestimmt die Art des Lebenszyklus. Tiere sind diplontisch (nur diploide Zellen teilen sich). Die meisten Pilze sind haplontisch (nur haploide Zellen), Landpflanzen sind haplodiplontisch (beide Generationen teilen sich)
Es gibt auch drei Arten der Befruchtung: Isogamie, Anisogamie und Oogamie. Isogamie weist morphologisch ähnliche Gameten auf und ist bei einzelligen Eukaryoten üblich. Es war mit ziemlicher Sicherheit der angestammte LECA-Zustand.
Konventionell werden größere Gameten als Ei/„weiblich“ angesehen, während kleinere Gameten als Sperma/„männlich“ bezeichnet werden.

  • Meiose und Gametenfusion haben sich entwickelt, um eine Rekombination zu ermöglichen; sobald sie entstanden sind, müssen sich die Generationen zwangsläufig abwechseln.
    Haploide Gameten verschmelzen zu einer diploiden Zelle, aus der bzw. aus deren Abstammung dann wieder haploide Gameten entstehen müssen, um den Kreislauf neu zu starten.
    Der offenkundige Fokus auf humanspezifischen Komplexitäten verdeckt oft diese tieferen zugrunde liegenden Prozesse.

  • Auf der Ebene der Gameten ist Sex bei Eukaryoten von Natur aus digital – zwei Gameten verschmelzen zu einer Zygote.

  • Anisogamie ist von Natur aus binär, und die Verschmelzung eines jeden Gametentyps ist für die Reproduktion erforderlich.

  • Die Art der produzierten Gameten ist ein sehr objektives Kriterium für die Klassifizierung des Geschlechts eines Individuums und sein grundlegendes Definitionsmerkmal.

  • Bei Metazoen gibt es nur zwei Arten von Gameten, obwohl sie eine enorme Vielfalt in der Beziehung zwischen dem Individuum und der Gametenproduktion und -befruchtung aufweisen. Zahlreiche Arten betreiben Parthenogenese, viele sind überwiegend zwittrig (z. B. Regenwürmer und Schnecken), während Individuen einiger Arten ihr Geschlecht ändern können (z. B. Clownfische).
    Solche Beispiele wurden jedoch noch nie bei Säugetieren beobachtet, bei denen die binäre sexuelle Fortpflanzung extrem stark erzwungen zu sein scheint.

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Warum „Intersex“-Bedingungen die Sex-Binärität nicht außer Kraft setzen
Was ist mit „intersexuellen“ Menschen? Leider herrschen Verwirrung und Missverständnisse, wenn es um ihre Existenz geht. Menschen werden in der Tat mit einer Vielzahl von „intersexuellen“ Zuständen in geringer Häufigkeit geboren, aber das bedeutet nicht, dass diese Zustände Teil einer normalen Variation sind.
Menschen werden auch mit einer großen Vielfalt z.T. verheerender angeborener Missbildungen und Krankheiten geboren.

Wenn außerirdische Exo-Zoologen eine Beschreibung des Homo sapiens auf der Grundlage umfassender Beobachtungen der Bevölkerung schreiben würden, enthielte eine solche Beschreibung beispielsweise niemals Anenzephalie und ebenso wenig irgend etwas anderes als binären Sex.
Extrem schädliche Phänotypen, insbesondere wenn ihre Eignung in Bezug auf Umweltbedingungen unveränderlich ist, können nicht Teil dieser Beschreibung sein, da sie gemäß evolutionärer Prinzipien aktiv aus der Population eliminiert werden.
Die Mathematik der natürlichen Auslese ist unerbittlich. Andererseits sollte dies nicht so verstanden werden, dass die natürliche Auslese allmächtig ist.
Erstens, selbst wenn ein Allel stark schädlich ist, wird seine Häufigkeit nicht Null sein, da es ständig durch Mutationen mit einer bestimmten Rate wieder eingeführt wird. Zweitens ist die Fixierung von Allelen mit kleinen selektiven (Nach-) Vorteilen nicht gewährleistet. Genetische Drift kann unabhängig von ihren Auswirkungen zur Fixierung auch von Allelen mit kleinen selektiven Koeffizienten führen, solange die Population groß genug ist.
Daher kann man von biologischen Prozessen keine „Perfektion“ erwarten. Man stelle sich eine biochemische Reaktion vor, die in einer endlichen Population mit einer bestimmten Genauigkeit abläuft. Der mögliche Selektionsvorteil von Mutationen, die diese Genauigkeit verbessern, wird im Allgemeinen nur aus kleinen bruchstückhaften Verbesserung bestehen. Daher ist es durch Selektion nicht möglich, das System in Richtung absoluter Perfektion zu treiben, da weitere fraktionelle Verbesserungen für es „unsichtbar“ sind, wenn sie kleiner als die Selektionsbarriere ~1/Ne sind.
Fehler werden also überall erwartungsgemäß auftreten. Deshalb werden wichtige Gene mutiert, Entwicklungsprozesse gestört und die Folge sind Neugeborene mit sehr geringer Fitness.

Diese Tatsachen wirken sich darauf aus, wie wir über „intersexuelle“ Menschen denken sollten. Es sind Ausnahmefälle (weit weniger als 1% der Menschheit). Das ist natürlich nicht abwertend zu verstehen. selbstverständlich sind diese Menschengleichwertig und dürfen nicht diskriminiert werden.
Auf die große Vielfalt solcher Bedingungen kann hier nicht im Detail eingegangen werden. Dazu gehören das Androgen-Insensitivitäts-Syndrom (Feminisierung von Männern aufgrund von Androgenrezeptor-Mutationen), das Klinefelter-Syndrom (47,XXY-Karyotyp), das XX-Männer-Syndrom (46,XX „Männer“ aufgrund einer Translokation des Hauptregulators SRY zum X), das Turner-Syndrom (45,X0) und viele andere.
Diese Zustände weisen eine Vielzahl von Phänotypen auf, die zwischen typischen männlichen und weiblichen Merkmalen liegen, aber sie haben eine entscheidende Gemeinsamkeit – betroffene Personen sind fast ausnahmslos unfruchtbar; in den wenigen Fällen, in denen Fruchtbarkeit möglich ist, sind die Phänotypen so mild ausgeprägt das es sogar schwer ist, sie als „intersexuell“ zu bezeichnen.
Die evolutionäre Fitness ist bei diesen Syndromen daher praktisch so negativ, wie die nur Fitness möglich sein kann (s = -1 für sterile Individuen).

Wichtig ist, dass diese Fitness-Reduktionen invariant gegenüber Umgebungsvariablen sind. Es ist möglich, dass ein Zustand, der unter bestimmten Umständen eine schädigenden Krankheit bedingt, unter anderen Umständen vorteilhaft ist (z. B. Sichelzellenanämie und Malaria).
Dies gilt jedoch nicht für die Unfähigkeit, lebensfähige Gameten zu produzieren, wodurch man sich unter allen Umständen nicht fortpflanzen kann.
Alle „intersexuellen“ Zustände ergeben sich, wenn sie untersucht werden, eindeutig aus Einzelgenmutationen oder Chromosomenaberrationen auf einem genetischen Hintergrund, der unbestreitbar männliche oder weibliche Gameten hervorgebracht hätte, wenn diese Mutationen nicht aufgetreten wären, und selten aufgrund von Chimärismus (d.h. Individuen, die aus männlichen und weiblichen Zellen aufgebaut sind).
Echte Hermaphroditen, die sowohl funktionelle Keimdrüsen als auch Genitalien besitzen, wurden beim Homo sapiens nie beobachtet.
Daher ist das „Intersex“-Argument gegen die Geschlechterbinarität einfach nicht gültig.
Intersexuelle Individuen existieren nur aufgrund des kontinuierlichen de novo Wiedereinführung der relevanten Mutationen in die Population, der Demaskierung rezessiver Gene oder der Störung der normalen embryonalen Entwicklung.
Sex bei Säugetieren ist auf einer grundlegenden Ebene binär und unveränderlich. Behauptungen, dass „intersexuelle“ Individuen dies widerlegen würden, können nur erhoben werden, wenn man die biologische Natur des Menschen nicht berücksichtigt und ignoriert, wie unsere unsere Evolutionsgeschichte unsere eigene Biologie geformt hat.

Lasst mich wissen, wenn ich das Thema komplett verfehlt habe… das war jetzt alles etwas ‚aus der Hüfte‘ geschossen.

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Also, die Frage war ja, warum kein dritter Gametentyp existieren kann.
Ich hatte da mit dem Bauplan argumentiert, mit der Kleinschrittigkeit der Mutationen und der Unmöglichkeit, eine Meiose mit drei homologen Chromosomen zu absolvieren.

Das Beispiel mit den Flügeln hat mir nicht gefallen, weil ja rein theoretisch ein Flügelpaar sich aus den Schultern entwickeln könnte.

Aber eine durchgehende Trisomie des gesamten Genoms wäre ja letaler als letal.

Wir können @Duke wohl antworten, dass ein solcher dritter Gametentyp tatsächlich spontan und funktionsfähig mutieren müsste UND ein passender Paarungspartner ebenfalls erscheinen müsste.

Ich habe die durchschnittliche Mutationsrate pro Gen nicht im Kopf.
Aber da man die Anzahl der codiernden Basen in der menschlichen DNA in etwa kennt, könnte man die Wahrscheinlichkeit ja ausrechnen.

Mutationsrate x codierende Basen x Chromosomen.

Und das ganze mal zwei, weil dann ja ein Paarungspartner…

Moment: was, wenn sich dann DREI Leute paaren müssten? Und ist der, der die Brut aufträgt dann die Mutter? Und die anderen beiden die Väter?

Das ist dann ja SCHON WIEDER binär.

Krutzitürken nochmal.

Hier die Zahlen:

Spontane Mutationen treten aufgrund effektiver Mechanismen der DNA-Reparatur nur mit einer M. von 10-5 bis 10-9 auf.

Die Werte bei Höheren Organismen (Maus, Mensch ) liegen etwa im Bereich von 5 bis 50 Mutationen pro Generation pro 106 Gene. Generell sind die Mutationsraten bei Prokaryoten niedriger als bei Eukaryoten.

Etwa 3 Milliarden Basenpaare besitzt das menschliche Genom. Diese Zahl ist seit Längerem bekannt, unbekannt ist dagegen die Anzahl der codierenden Abschnitte oder Gene in unserer Erbsubstanz. Es kursierten Zahlen von etwa 80 000 bis 140 000 Genen

Wer rechnet das schnell durch?

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