Warum man Trump und die AfD nicht mit Argumenten bekämpfen kann

Wir beklagen immer wieder, dass die Anhänger rechtsnationaler Politiker und Parteien gegen ihr eigenen Interessen stimmen, wenn sie zB Trump oder die AfD wählen.
Ich habe nie richtig auf den Punkt bringen können, warum die das machen.
Es wird ständig gesagt, statt eines Verbotes müsse man die AfD „inhaltlch stellen“, ich kann aber nicht erkennen, dass damit schon mal jemand Erfolg hatte.

Der folgende Beitrag hat mir den Zusammenhang endlich verständlich gemacht, am Beispiel von Trump und der MAGA-Bewegung.

Kurzfassung:

  1. Die MAGA-Leute treibt die Angst, ihren Status als dominierende gesellschaftliche Gruppe (= eher konservative Weiße) zu verlieren an Schwarze, Einwanderer, Linke, Transmenschen, Homosexuelle, Woke.
    Make America Great Again heißt eigentlich Make White Conservatives Rule again (meine Wortwahl).
    Es geht weder um Amerika noch um Greatness noch um zB wirtschaftliche Fragen.
    Es geht um Macht.
    Daher ist den Leuten auch egal, ob Trumps Politik ihnen wirtschaftlich hilft oder schadet.
    Wichtig ist, dass sie ihnen mehr Status und mehr Macht verleiht.

  2. Die Politik Trumps besteht also nicht darin, den Zustand der USA oder die Lage seiner Wähler objektiv zu verbessern, sondern es geht darum, die „anderen“ anzugreifen, klein zu machen, zu zerstören. Die Leute wollen die anderen treten und klein machen, damit sie sich selber wieder groß fühlen.
    Deswegen ist die Brutalität und der Hass, den Leute wie Trump oder Weidel ausstrahlen, so attraktiv für ihre Wähler. Diese Brutalität und dieser Hass werden als Versprechen empfunden, die „anderen“ erbarmungslos zu bekämpfen, koste es was es wolle.

  3. Wenn diese Analyse richtig ist, ist jedes inhaltliche Gespräch mit den Leuten sinnlos.
    Man kann die AfD nicht „politisch stellen“, weil es denen nicht um politische Inhalte geht.
    Das „Inhaltlich-Stellen“ ist eine Ausrede derer, die sich nicht auf einen Kampf einlassen wollen, und die zB Angst davor haben, ein Verbotsverfahren zu verlieren.

    Wie will man jemanden „stellen“, dem es nur darum geht, seiner eigenen Gruppe (konservative Weiße) die Macht zu sichern, und allen andern (Schwarze, Einwanderer, Linke, Transmenschen, Homosexuelle, Woke) eine Rolle in der Gesellschaft zu verweigern??
    Der Kern der AfD-Wähler ist politisch nicht zu erreichen.

  4. PS: Es mag einen Teil der AfD geben, dem es doch um wirtschaftliche und andere Verbesserungen geht. Die offizielle Parteilinie sieht m.E. aber aus wie oben beschrieben.

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Ich stimme deiner Analyse weitgehend zu.

Ich würde Aspekt der Identität, der Gemeinschaft noch mehr betonen. Wir, die echten Deutschen, wir, die Normalen, die geradeaus denken, wir, die Weißen, wir wollen unsere kleine Welt erhalten, denn nur in der fühlen wir uns wohl (außer vielleicht im Urlaub in irgendwelchen exotischen Ländern).

Und auch: wir, die Grünen, die gegen Atomkraft und Waffen sind. Wir, die Antifa die gegen Kapitalismus, USA und Israel sind.

Das ist ein uralter Instinkt der tief im Menschen verankert ist

Die Frage ist, wie groß dieser Kern ist und ob er wächst.

Ich glaube, dass man da sowohl die AFD- Wähler, als auch die Trump Wähler nicht einfach in die jeweiligen Töpfe stopfen kann. Ich glaube in beiden Gruppen gibt es einfach etliche Frustrierte, die nicht wissen wie Politik funktioniert und hoffen, dass Trump oder die AFD eine Alternative zum Establishment wären, dass sie für ihre Situation verantwortlich machen.wenn sie merken, dass diese Alternative keine Ist, etwa wenn Trump keine Verbesserung ihrer Situation bewirkt, sind die wieder für Argumente offen.

Oder sie springen auf den nächsten populistischen Zug, der ihre Ängste bedient.

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Kann sein- und dann? Sollen wir aufhören Argumente für unsere Meinung aufzuführen?

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Müssen wir nicht. Wir müssen nur begreifen dass es bei der AfD zu nix führt.

Manche Leute muss man verbieten und notfalls einsperren.

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Ein interessanter Ansatz, den ich leider bisher nicht nur bei der AFD und bei Trump registriert habe.

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Nein, aber wir sollten aufhören zu glauben, das reiche.

Ein Beitrag wurde in ein existierendes Thema verschoben: Manöverkritik Harno

Ja, das inhaltliche Gepräch mit Argumenten ist sinnlos, da stimme ich dir zu.

Man sollte mal unterscheiden zwische AFD als Partei (Parteiprogramm), AFD (Spitzen-) Politikern (Reden und Social-Media Auftritten), AFD Mitgliedern (der nette Nachbar von der freiwilligen Feuerwehr) und AFD-Wählern.

AFD Parteiverbot ist nahzu aussichtslos, wenn man das Parteiprogramm liest, ist es wasserdicht. Bei der NSDAP hat das Parteiverbot auch nix geholfen.

Den netten AFD Parteimitgied-Nachbarn kann man aushebeln, wenn man selbst der nette grüne Nachbar von der freiwilligen Feuerwehr ist oder beim Hecke schneiden hilft. Also raus aus der grünen Blase! Rein ins (Land-)Volk!

Die AFD-Wähler sind nach meiner Erfahrung renitent gegen Argumente und meist auch nur mit Schlagzeilen und Phrasen vertraut. Allerdings haben alle diese „Die da oben“-Denke, also herkömmliche Politiker schlecht, verschworen etc und nur AFD Politiker sagen die Wahrheit.

Daraus folgt für mich: AFD Politiker demontieren mit den selben Mitteln der AFD.
Wenn in der Bild steht, dass Björn Höcke seinen Hund mißhandelt oder Alice Weidel extra Geld kassiert („So reich ist Alice- Ihr Anwesen in Monacco“), dann werden AFD-Wähler erschüttert.
Wir müssen gemein sein! Fies, so wie die AFD.
Falsche Behauptungen aufstellen, sie in den Medien platzieren.
Das wäre eine Chance.

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Es geht nicht nur nach dem offiziellen Programm. Aber sie sind schon sehr vorsichtig geworden mit öffentlichen Äußerungen.

So etwas ähnliches hatte ich auch schon mal irgendwo geschrieben. Ja, das könnte ein Weg sein.

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Deine Art zu denken gefällt mir :+1: :grinning_face:

Aus der Bibel hast Du das aber nicht :innocent:

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Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. (LK. 16.8)

„Die Sünde zu vermeiden kann die größte Schuld sein.“ (Dietrich-Bonhoeffer)

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Das hat aus meine Sicht gleich mehrere Haken - der erste - vielleicht für Dich unbedeutendere: wie weit soll man darin gehen, die unlauteren Machenschaften eines Konkurrenten mitzugehen, um ihn quasi mit den eigenen Waffen zu schlagen? Bis zum Straßenkampf (haben wir in den 30er Jahren zwishen Kommunisten und Nazis gesehen, wohin das führt, und es widerspricht den eigenen Maßstäben - wir kann man ernsthaft versuchen, eine gewaltlose Welt durch Gewalt durchzsetzen?)

Der zweite, vielleicht viel schwerwiegendere Aspekt ist, dass man durch unlautere Machenschaften die AfD-Wähler nicht beeindruckt, da sie so was von uns sowieso erwartet in ihrem Kalkül haben - aber man verprellt dadurch die eigenen Wähler, wenn man sich derartiger Methoden bedient…

Es schadet also einfach, weil die eigene Klientel erwartet, dass wir uns abheben, und bitter enttäuscht wären, wenn wir “genauso werden wie die”…

Unseer Wähler sind nämlich wahrscheinlich in der Masse genauso einfältig wie die AfD-Wähler - nur etwas anders gepolt - dies Polung drehen wir damit aber um, was mehr schadet als es nützt.

So sehr ich den Impuls verstehen kann - ich halte nichts davon …

wie kann man ernsthaft versuchen, eine gewaltlose Welt durchzusetzen???

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Das war doch nur ein Beispiel….

Ich hätte auch ein anderes nehmen können - kann man wirklich Diebe zu Räson bringen, indem man sie beklaut?

die werden noch enttäuschter sein, wenn die AfD den Bundeskanzler stellt.

das hätte auch anders ausgehen können, dann hätten die Kommunisten den 2. WK verhindert.

Es ist immer dasselbe:

wir müssen gegenüber Putin “kriegstüchtig” werden, weil wir us nur so gegen ihn wehren können.

Und wir müssen auch gegenüber den Rechtsextremen und -nationalen “kriegstüchtig” werden, weil sie sonst nicht zu stoppen sind.

Biden hat es auf die anständige Art versucht - was ist das Ergebnis???

Er hätte Trump, seine Kamarilla und 500 Capitol-Stürmer einsperren müssen, egal wie.

Ja, und dabei notfalls den Bürgerkrieg riskieren müssen. Als Präsident saß er am längeren Hebel. jetzt ist es vorbei.

Die SPD versucht es auf die anständige Art. Und? 13 %!!

Weder Trump noch die AfD werden ohne Kampf verschwinden.

Es gibt keinen leichten Ausweg aus der Nummer.

natürlich! früher war Handabhacken die Methode der Wahl.

Kann man Schläger zur Räson bringen, indem man sie schlägt?

Kann man Straftäter zur Räson bringen, indem man sie einsperrt???

Darauf beruht unser gesamtes Justizsystem.

Gegenfrage: Kann man Diebe zur Räson bringen, indem man nicht klaut???

werden die Schläger friedlich, weil Du friedlich bist???

Für Dich ist diese Denkweise richtig, das verstehe und respektiere ich.

Aber als Fudament eines Staates ist sie untauglich.

Bei Straßenkampf bin ich garantiert noch nicht.
Zuerst einmal der mediale Halbwahrheiten-Diffamierungskampf wie bei Frau Prof. Brosius-Gersdorf. (Abtreibungen bis kurz vor der Geburt)
Das müssten wir doch auch mit AFD-Leuten hinbekommen.
Man muss bloß mal gucken, was die AFD Wähler außer Ausländerhaß noch so umtreibt. Alle, die ich kenne, stehen auf z.B. Hunde.
Nur ein schlecht behandelter Hund eines AFD Politikers könnte deren Wahlergebnisse in den Keller treiben.

Retoure für das Heizungsgesetz: Meines Wissens steht im AFD Wahlprogramm rein gar nix von Rentenerhöhung.

Robert, der „Kinderbuchschreiber“ mal gucken, was die AFD Politiker so beruflich machen (Hatte vorgestern den Schatzmeister der AFD gegoogelt und festgestellt, dass er vorher irgendwie mit Gold gehandelt hat und die Firma in Osteuropa Filialen hat, muss man mal weiter recherchieren.)

Glaube ich nicht, solange die Verfehlungen der AFDler einen Wahrheitskern haben.

Es bringt eben nix, bei einem AFDler mit Klimawandel zu argumentieren, wenn der Atomkraftwerke für die Lösung hält.

Mit der folge, dass wir in Deuschland keine KZ’s gehabt hätten - aber dafür Gualgs - überdies alles höchst spekulativ …

Ich verstehe und anerkenne durchaus das Dilemma. Und ich habe dazu auch nicht wirklich eine Lösung.

Aber kann die Antwort auf die zunehmende antisemitische Gewalt wirklich sein, jedem Juden eine Waffe in die Hand zu drücken (etwas plakativ formuliert), damit er zurückschießen kann?

Hier im Forum ist das gut im Kleinen zu beobachten: “wer mich beleidigt, den beleidige ich auch”

Die Folge sind unsinnige Eskalationsspiralen.

Die Idee hinter dem Gewaltponopol des Staates (hier wären es die ModeratorInnen) ist doch, solche Spiralen u.a. zu vermeiden.

Ich sehe allerdings, dass das nicht mehr hilft, wenn dieser gesellschaftliche Grundkonsens immer weiter aufgekündigt wird. Dann wird es aber irgendwann auch nichts mehr nützen, wenn jeder seine Atombombe besitzt (wie es mal K. Wecker lyrisch formulierte), denn es besteht kein Mehrwert darin, zusammen mit unseren Feinden zu sterben, oder alleine durch unsere Feinde zu sterben - wir sind in jedem Falle tot.

Steckt da also irgendwie auch ein bißchen Rache mit drin in dem Gedanken?

Unser Justizsystem beruht darauf, Täter keine Gelegenheit zu geben, ihr Werk fortzuetzen (die Gesellschaft also zu schützen vor rechtswidrigen Übergriffen.

Der oben diskutiert Ansatz ist aber ein anderer - nicht Schutz ist hier das Prinzip, sondern eine gesellschaftgefährdende Tat mit der gleichen - immer noch gesellschaftsgefährenden - Tat dem Täter gegenüber zu bekämpfen.

Es ist ein Unterschied, ob ich einem Dieb - zu recht - das Beutegut wieder abnehme, und es dem ursprünglichen Besitzer (evtl. mir selbst) auf diese Weise zurückgebe, oder in das Haus des Diebes einbreche, und irgendwas anderes, was ich vielleicht viel besser gebrauchen könnte als das, was er mir gestohlen hat, von ihm klaue. (um in ogibem Bild zu bleiben).

Wie wär’s - in Anlehnung an einen bekannten amerikanischen Bürger - mit der Schlagzeile: “Weidel verspeist Hund ihres Grünen Nachbarn - aus gut informierten Kreisen haben wir erfahren, das Alice Weidel beim Verspeisen des Dackels eines grünen Kommualpolitikers erwischt wurde. Beide sind seit Jahren Nachbarn…”

Ich sehe schon, wie sich Scharen von AfD-Wählern von der Partei ab- und sich den Grünen zuwenden :thinking:

OK, Dackel ist vielleicht ein schlechtes Beispiel, denn die sind zum Verspeisen gezüchtet worden :rofl: