Warum sind die Grünen unfähig, die Chance auf dem Silbertablett zu nutzen? Konsequenzen des Irankriegs

In BW sind wir noch mal hauchdünn davon gekommen, aber im Allgemeinen bin ich ehrlich gesagt frustriert, dass die Partei nicht so recht aus den vergangenen Jahrzehnten zu lernen scheint (was zwar auf alle Parteien zutrifft, aber darum geht es jetzt nicht). Die Ölkrise, die sich mit jedem laufenden Tag zunehmend verschlimmert, wird auch abseits der Tankstelle zu massiver Inflation führen. Zum einen wird allgemein der Warentransport und damit sämtliche Waren teurer, zum anderen fehlt der Rohstoff für viele essenzielle Produkte wie Düngemittel und wir werden noch sehr stark spüren, wie abhängig wir mittlerweile von funktionierenden globalen Handelsrouten sind. Aber die offensichtlichste akute Konsequenz sind die steigenden Energiekosten. Die Preise an der Tankstelle spüren die Menschen sofort im Alltag. Bislang hat die Politik immer nur reaktiv agiert, was bestenfalls kurzfristig Symptome lindern kann. Die Regelung der Bundesregierung bezüglich der Preissteigerungen an den Tankstellen erreicht nicht mal das. Es sollte doch offensichtlich sein, dass wir nur mit erneuerbaren Energien langfristig unabhängiger werden von solchen Krisen, aber das müssen wir auch den Bürgern klar vermitteln. Bei all den Krisen der vergangenen Jahre müssen wir die Wähler bei ihren Problemen abholen. Der Durchschnittsbürger hat keine Kapazitäten frei, sich für die typischen grünen Umweltthemen zu erwärmen, wenn gleichzeitig die eigene Existenz gefährdet ist. Friedrich Merz will wieder stärker auf Kohle setzen, um die entstehende Lücke notdürftig zu füllen. So falsch auch sein Herangehen sein mag, nach der Gasabhängigkeit von Putin und Trump, sowie der Ölabhängigkeit von den Golfstaaten, sich eine weitere fossile Abhängigkeit aufzuhalsen, so hat er doch erkannt, dass man auf die Alltagsprobleme der Leute eingehen muss. Wir müssen einsehen, dass wir abseits von unserer Kernklientel mit Umweltthemen kaum jemanden erreichen können. Die einzige Ausnahme sind Naturkatastrophen, aber das kann ja wohl keine Strategie sein. In BW haben wir jetzt ja auch wieder nur gewonnen, weil wir eben nicht auf die typischen grünen Themen gesetzt haben. Wir müssen also den Wählern klipp und klar sagen, dass wir uns nur mit erneuerbaren Energien vor solchen Preisschocks wie jetzt schützen können. Wenn die Leute die klaren Vorteile für ihren konkreten Alltag sehen, dann ist das die effektivste Methode, um den Klimaschutz voranzutreiben. Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir das Label der Verbotspartei niemals los. Ebenso können wir mit dieser Krise die AfD angreifen, eben weil sie so auf Öl und Gas setzt, insbesondere von Russland. Damit würden sie uns noch mehr diesen Preissteigerungen aussetzen und den Leuten so im Alltag noch mehr zusetzen. Aber ich sehe diese klare Kommunikation nirgends und ehrlich gesagt ist es zum Haare rausreißen. Wir können jetzt nicht nach dem hauchdünnen Sieg in BW uns auf die Schulter klopfen und auf vermeintlichen Lorbeeren ausruhen! Gerade jetzt, wo die anderen Parteien wirklich katastrophale Reaktionen ausrufen, welche das Problem langfristig nur noch größer machen, müssen wir deutlich die Überlegenheit der nachhaltigen Lösung kommunizieren. Warum bekommen wir das nicht auf die Reihe als Partei? Wir müssen aus dem Tunnelblick raus!

Und eine weitere große Warnung muss ich jetzt noch aussprechen: die nächste große Krise zeichnet sich bereits ab, nämlich eine globale Silberkrise. Fotovoltaik und E-Autos zählen zu den größten Konsumenten von Silber, da es der effizienteste Leiter ist. Gleichzeitig herrscht seit sechs Jahren ein chronisches Defizit bei der Förderung und die Reserven an den Märkten (Stichwort Comex, sowie Shanghai) werden sehr bald ausgehen. Das wird zu extremen Preissteigerungen führen. Ihr müsst wissen, dass Silber zu 70% nur ein Beiprodukt bei der Förderung anderer Metalle ist, wie Zinn und Kupfer. Es gibt also kaum primäre Silberminen und es dauert fast ein Jahrzehnt, eine neue Mine in Betrieb zu nehmen. D.h. die Rohstoffbasis für die Erneuerbaren steht kurz vor dem Kollaps, aber die Politik wird das Problem erst sehen, wenn es schon zu spät ist. Da muss ich ausdrücklich davor warnen an dieser Stelle. Die einzige Lösung, die ich sehe, ist Silbergewinnung durch Recycling. Wir müssen einen effizienten Recyclingmechanismus in Deutschland auf die Beine stellen, nicht nur um die Erneuerbaren zu retten, sondern auch, um Deutschland in dem Feld zukunftsfähig und stark zu machen. Das traue ich der Politik aber aktuell nicht zu. Wir müssen das Thema ansprechen, bevor es zu spät wird!

1 „Gefällt mir“

Ich sehe es auch so, daß man mit diesem Argument versuchen sollte Frau Reiche zu attackieren. Jegliche Energie, die wir selbst erzeugen hilft uns.
Ob jetzt Silber das große Problem sein wird, bin ich nicht so überzeugt. Da gibt es genug Dinge, die knapp werden können oder sind.

Dann schau die mal die alarmierende Preisentwicklung der letzten 12 Monate an. Das geht bereits durch die Decke.

Forschung und Industrie haben das Problem bereits adressiert und ersetzen Silber durch Kupfer. Steigende Silberpreise veranlassen Longi zum Umstieg auf kupfermetallisierte Solarzellen – pv magazine Deutschland

1 „Gefällt mir“

Danke für die Info. Hoffentlich dämpft das zumindest das PV-Problem. Für E-Autos bleibt das Problem aber bestehen.

Ich verstehe Deinen Unmut - allein, ich habe noch nicht verstanden, was Du genau ändern willst. wenn wir uns darüber einig sind, dass langfristig der Umstieg auf Erneuerbare notwendig ist, dieser Transformationsprozess aber nicht, wie von vielen “noch leidlich erfolgreichen” Parteien suggeriert, ganz ohne Probleme abgehen wird, dann haben wir die paradoxe Situation, dass wir genau das, was wir den Wählern erzählen müssten, sie abhält, sich mitgenommen zu fühlen.

Und das nicht unbedingt (zuindest noch nicht), weil sie im Mittel keine Kapatzitäten mehr frei hätten (das wäre wahrscheinlich noch die einfachste Übung, diese Menschen mitzunehmen, da wir - nicht zuletzt durch einen gesellschaftspolitischen Sozialgedanken - diese Bevölkerungsschicht noch am ehesten für uns gewinnen könnten, in dem klar ist, dass wir - im Gegensatz zu vielen andere Parteien - an deren ohnehin geringem Sozialstatus wenig ändern werden.

Das viel größere Problem sind m.E. doch diejenigen, die sehr wohl in der Zeit der Transformation auf vieles liebgewonnene verzichten könnten (und wohl auch müssten) - es aber nicht bereit sind, zu tun.

Wie willst Du die einfangen bzw. für uns gewinnen?

In dem Du auch denen wie alle anderen Parteien suggerierst, dass das alles problemlos gehen wird? Was definitiv nicht der Fall sein wird.

Ich kenne sehr viele Menschen, die - obwohl sie durchaus noch eine Menge “freier Kapatzitäten” haben (wie Du das nennst) - sie aber nicht benutzen. Wie willst Du diese dazu bringen, nicht mehr Zeit mit der nächsten Urlaubsplanung verbringen als mit der Beschäftigung, wie ein nachhaltiger (nicht zuletzt auch eigener) Konsum die langfristigen Zukunftsaussichten für sich selbst und vor allem für ihre Kinder edutlich verbessern können?

Was würdest Du also konkret (z.B. am Infostand) anderes diesen Leuten erzählen wollen, um sie in Deinem Sinne “mitzunehmen”?

Ich glaube, du verkomplizierst das etwas. Es geht mir um das Messaging. Die Bürger leiden unter den Spritkosten und müssen hören, dass (A) das mit Öl und anderen fossilen Energien immer wieder passieren wird und (B) nur mit Erneuerbaren und E-Autos langfristig stabile Preise für Mobilität erreichen, weshalb die Regierung da den Fokus drauf legen muss, was die anderen Parteien nicht machen. Die Leute müssen “Grüne wählen” mit “stabile Kosten für Mobilität” verbinden. Im Moment verbinden sie uns nur mit “Klimaschutz, Verbote und höhere Kosten”. Natürlich ist der Umbau ein Kraftakt. Das stellt niemand in Frage. Aber die Leute müssen erklärt bekommen, dass kein Weg daran vorbei führt und je später man das Thema angeht, desto teurer wird es für die Leute. Das Messaging, was ich in BW erlebt habe, war “wählt uns, wir haben Cem” und mehr kam nicht an. Das klappt natürlich in keinem anderen Bundesland. Unser Messaging ist nicht gut - es legt den Fokus zu wenig auf die akuten Probleme und verläuft sich zu sehr in leeren Floskeln. Ich hatte gestern den Fragebogen für nach der Wahl ausgefüllt, wo an einem Punkt die ganzen Slogans genannt waren und ich fand die alle grottig inhaltslos. Wenn ich die als Stammwähler schon nicht ansprechend finde, kann ich mir kaum vorstellen, andere damit zu überzeugen.

1 „Gefällt mir“

Ist das nicht genau dass, was Habeck bei der Argumentation für “sein” Heizungsgesetz immer in den Fokus gestellt hat - überhaupt haben die Grünen in der Ampel genau das immer wieder betont - hat’s was geholfen bei den vorgezogenen Neuwahlen (gut, wir sind nicht so abgestürzt wie die SPD :-)?

Ich gebe Dir schon recht wenn es darum geht, griffige Parolen zu entwickeln, fand ich unsere Kampagnen in der Vergangenheit auch nicht so geglückt.

Was nun den Nimbus der sog. “Verbotspartei” angeht, so liegt das nicht (nur) an der Rhetorik unserer Parlamentarier.

Es fällt leider nur zu wenigen Wählern auf, das das rhetorische Konstrukt einer “Verbotspartei” bereits völliger Blödsinn ist. Jede Form von Parlamentarismus regelt auf der juristischen Ebene unser Zusammenleben. Das bedeutet immer, dass bestimmte Dinge verboten werden. Selbst, wenn man das Gesetz zum MIndeslohn ansieht, so wird zwar ein MIndestbetrag festgelegt, der den davon Betroffenen mehr Einkommen ermöglicht als vorher - es verbietet aber gleichzeitig Stundenlöhne, die darunter liegen, und stellt sie unter “Strafe”.

Es ist also klar, das “Verbotspartei” als Begriff völlig inhaltsleer ist.

Wieso verfängt das trotzdem?

Das könnte (auch) daran liegen, dass wir dem zu wenig (öffentlichkeitswirksam?!) widersprechen.

Das liegt aber eben auch daran, dass zu wenige das ganz ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden selbst darauf kommen.

Genauso ist das mit dem “medienwirksamen” Weisswurstverzehr von Herrn Söder. Wie kann so eine Kampagne etwas anders als mildes Lächeln über diese Peinlichkeit auslösen?

Muss man den Wählern erst erklären, wie inhaltsleer und nichtssagend diese Dinge für die Frage von sinnhaften politischen Entscheidungen ist?

Ich gebe zu, dass es natürlich (auch für uns Grüne) notwendig ist, dass PolitikerInnen als bürgernah und (sympathischer) Teil des (vielleicht zu verändernden) Alltags sind. Aber für die Bilanz, die darüber entscheidet, ob Parteien oder einzelne Vertreter einen effizienten Job gemacht haben, taugt dieses Sympathiekriterium so gar micht. Hier kommt doch jeder (ernst zu nehmende) Wähler nicht darum herum, in einer reflektierenden Rückschau darüber zu befinden, welcher Politiker etwas für die eigenen (und hoffentlich auch für die Gemeinschafts-)Interessen getan hat.

Das kann man sehr gut an der AfD beobachten. Diese Partei hat insbesondere für die, die sich abgehängt fühlen oder auch tatsächlich zunehmend abgehägngt werden, progammatisch wie personell absolut nichts zu bieten - sie wird trotzdem gewählt.

Auch hier wieder die Frage, was genau Du an unserem Auftreten ändern würdest, damit wieder mehr Grün und nicht AfD gewählt wird?

Wobei „sehr spät“ irgend wann auch mal heißen kann und wird „endgültig zu spät“.
Diese „Weisheit“ (Wahrheit) „predige“ ich hier schon seit Jahren.
Und den Leuten was anderes zu erzählen („alles nicht so schlimm“ / „alles wird gut“ / „wir haben alles im Griff“, etc.), wie das in unterschiedlicher Ausprägung alle anderen Parteien - von AfD bis SPD - zumindest in ihren maßgeblichen, dominierenden Mehrheitsströmungen tun, heißt nicht nur, den Leuten bewusst etwas Falsches zu erzählen, sie also anzulügen, sondern wird auch über kurz oder lang in wachsendem Maße von der realen Entwicklung Lügen gestraft, widerlegt werden. Einer Entwicklung, die dann Jede und Jeder sehen kann, erleben und oft genug auch ganz persönlich erleiden wird. Ein Erleben und Erleiden, dass partiell und punktuell ja auch schon heute und in jüngerer Vergangenheit stattgefunden hat. Ob nun als „singuläre“ Katastrophe (Ahrtal-Überschwemmung 2021) oder als anhaltende langfristige Entwicklung (Meerespiegelanstieg an der Nordsee mit jetzt notwendigen Deicherhöhungen hier in Nds. / HH / SL-H, etc) zu Milliardenkosten. Die Beispiele ließen sich für die unterschiedlichsten Lebensbereiche und Sachverhalte seitenweise fortsetzen. In einem grünen Forum erspare ich mir weitere Aufzählungen, setze die Fakten als bekannt voraus.
Und wenn man dann z.B. sehen muss, dass die Menschen im Ahrtal aus der dortigen Katastrophe offenbar wenig gelernt haben, alles wieder dort aufbauen, wo es weggespült worden war (und in fast unveränderter Form) - als wenn das nächste „Jahrhundert“-Hochwasser tatsächlich erst in Hundert Jahren (oder am Besten nie mehr) eintreten wird … man kann sich nur noch an den Kopf fassen.
Eine kluge grüne Politikerin - ich hab’ die Fundstelle jetzt gerade nicht parat - hat dazu angemerkt, dass sog. „Schock-Lernen“ bei Menschen nach heutiger psychologischer Kenntnis offenbar nicht funktioniert / nicht stattfindet.
Kann ich nicht wirklich beurteilen, bin kein Psychologe, nur Jurist („und auch sonst von mäßigem Verstande“).
Aber vielleicht lernen sie dann ja beim Blick auf die Prämien ihrer Wohngebäudeversicherungen bzw. daraus, dass sie gar keinen Versicherungsschutz mehr angeboten bekommen.
Ehrlich gesagt bin ich inzwischen angesichts der offenkundigen Lernunwilligkeit einer deutlichen Mehrheit unserer Bürger/innen, ihrer erkenntnismäßigen „Unempfindlichkeit“ gegenüber wissenschaftlichen Fakten und Argumenten so zynisch geworden, dass ich sage, dann lernen sie’s eben erst, wenn ihnen das Wasser nicht nur sprichwörtlich bis zum Halse steht und über die Unterlippe rein läuft („keine Panik, langsam schlürfen“).
Die einschlägige Fachwissenschaft kann immer nur wieder die offenkundigen Fakten benennen, für die, die hören und sehen wollen.
Und wir Grünen, als die Partei. die diese wissenschaftlichen Hinweise und Warnungen als erste (und bis heute beinahe als einzige - mit Abstrichen in der Prioritätensetzung seit einiger Zeit auch die LINKE) Partei ernst genommen hat, wir sollten den daraus abzuleitenden klimapolitischen Kurs (wieder und auch) weiterhin unbeirrt verfolgen, uns auf diejenigen Wähler/innen konzentrieren, die bereit und in der Lage sind, uns zu folgen.
Wenn dann (hoffentlich, und noch rechtzeitig) doch endlich eine Mehrheit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu folgen bereit sein sollte, umso besser nicht nur für uns als Partei, sondern für die Menschheit insgesamt. Und falls das nicht eintreten sollte - na, dann wird der Untergang auch nicht „lustiger“ dadurch, dass wir Grünen uns vorher noch kräftig inhaltlich verbogen und an der allgemeinen Gesundbeterei beteiligt haben.

Das ist ein Argument. Aber bei der Herangehensweise wurden die Bedürfnisse der Bürger rückblickend zu wenig beachtet. Der Mensch ist insensitiv gegenüber langen Entwicklungen. Wir können der breiten Masse den Klimaschutz nicht schmackhaft machen, wenn wie die direkte Konsequenz (worauf die Leute natürlich und emotional reagieren) zu negativ im Alltag spürbar ist. Es braucht zwei Komponenten: Neben der langfristigen Wirkung (Klimaschutz) braucht es ein short-term “Goodie”, um sozusagen das Eis zu brechen und Akzeptanz zu schaffen. Möglichst so, dass dieses Goodie konkrete Probleme der Leute löst, denn genau das erwarten die Leute von der Politik.

Eben weil sie den Leuten das Gefühl geben, gehört zu werden. Ob Versprechen gehalten werden, ist bei demokratischen Wahlen leider wenig relevant. Ein Grund, warum die AfD auf dem Land so erfolgreich ist, ist dass sie auf die Leute zugehen und fragen “Wie geht es euch, was braucht ihr?”, jetzt mal ganz unabhängig davon, dass sie diese Bedürfnisse dann absolut nicht erfüllen. Die AfD hat die emotionale Komponente von Wahlen verstanden. Das sehe ich bei der rationaleren Grünen nicht. Es ist wie bei CDU und SPD ein “gebt uns eure Stimme für unsere Ziele”. Die AfD vermittelt erfolgreich das Gefühl “gebt uns eure Stimme für eure Ziele”.

2 „Gefällt mir“

https://www.instagram.com/p/DWbkHcwl2Ou/?igsh=MXFoMGJvOGZ5YnYwMA==

Hier zwei Screenshots. Es sind natürlich noch mehr Poster.
Instagram ist insgesamt nicht so böse. Es lohnt sich, wenn man den geeigneten Leuten folgt.


2 „Gefällt mir“

Ich sehe das Problem auch darin, dass Menschen nicht sehr gut sind, Handlungen zu vermeiden, die kurzfristig eine positive emotionale Wirkung haben (ein geselliger Abend mit (zu) viel Alkohol) und die langfristig sehr toxische Wirkung von Alkohol. Das ist nur eines von vielen Beispielen.

Insofern ist dein Ansatz (short-term Goodie) eigentlich genau richtig. Aber schwierig umzusetzen. Wo ist das Goddie, wenn ich sehr viel Geld für ein E-Auto oder eine WP ausgeben muss, aber daraus kein unmittelbarer Genuss folgt?

1 „Gefällt mir“

Ganz allgemein gesehen, würde ich die eigentliche DNA der Grünen, die Umweltpolitik, mit der Klimapolitik verbinden. Das Klima ist vielen zu fern, es sei denn wir hatten gerade Extremhochwasser oder einen extrem trockenen Sommer.

Ich würde das Ziel einer lebenswerten Umwelt an Stelle der Partei nach vorne stellen. Das ist leicht zu verstehen und daran hat im Grunde jeder Interesse - geht aber in den Debatten um Iran, Russland, Migration, Energiepreise, Sozialreformen und stagnierenden Wachstumszahlen unter. Klimapolitik auch als Anpassung auf die Klimaveränderungen, dahinein lassen sich dann auch besser die Maßnahmen an den Bürger bringen, die darauf abgezielt sind, dass in der Zukunft nicht unser Klima uns derart Sorgen bereitet, dass eben das Ziel einer lebenswerten Umwelt nicht mehr erreichbar wird. Eine lebenswerte Umwelt kann im weitesten Sinne - jedoch für die Bürger spürbar - wenn praktiziert, eine erträgliche Sozialpolitik sein.

Die beiden Letzteren waren für die Partei das Erfolgskonzept als SPD und CDU/ CSU noch erfolgreiche Volkparteien waren.

1 „Gefällt mir“

Bin ich völlig bei Dir. Das ist notwendig, wird (von uns?!) oft unterschätzt, und scheitert u.a. daran, dass wir oft nicht wirklichzuhören.

da kommt dann der zweite Aspekt mit ins Spiel, den Du geschrieben hast:

Der dritte Aspekt ist allerdings, dass viele Ziele, die ich aus meinen Gesprächen nicht nur am Infostand sondern auch in meiner Wohnanlage, in der Verwandschaft oder auch dem Freundeskreis höre (wie immer nicht repräsenativ!) und nicht zuletzt bei mir selbst(!) entdecke, widersprüchlich sind bzw. daran kranken, dass sich mehrere Ziele, die gleichzeitig verfolgt werden, nicht “zueinander passen”.

In meinem individuellen Erleben ist das vergleichsweise “einfach”. Durch die bewusste Wahrnehmung dieser Differenzen zwischen mehreren gleichzeitigen Zielen kann ich bewusst Prioritäten setzten, die dem unbewussten hin-und her gerissen sein Grenzen setzt, und damit den Widerspruch auflöst. Und zwar (ganz?!) ohne damit einher gehende Unzufriedenheit, da die bewusste Entscheidung in jendem Fall eine konstruktive ist, die nicht nur rein intellektuell eine best practise ist, sondern sich auch noch “gut anfühlt”.

Das funktoiniert in meinem Erleben durchaus auch bei “langffristigen” Zielen. Das fängt bei ganz profanen Diengen wir Essen an. Da ich ein körperliches Idealbild von mir habe, das ich langfristig erreichen oder beibehalten will, ist der fortwährende Gang zum Kühlschrank zur Befriedigung des anderen Ziels des genussvollen Essens, auch wenn dieser in weiten Teilen unerfüllt bleibt, immer noch positiv besetzt, da es eine konstruktive, positive Entscheidung war.

Auch diesen Mechanismus diskutiere ich gelegentlich mit Freunden, Verwandten, WEG-Mitgliedern oder Wählern. Und zwar durchaus ergebnisoffen in Deinem Sinne, dass nicht ich die Ziele Vorgebe, sondern in erster LIne versuche herauszufinden, was denn das Ziel des jeweils anderen ist.

Es kann dann natürlich - gerade im poitischen - dazu führen, dass ich die ZIele des anderen nicht teile. Wenn es z.B. um “Remigration” oder Wiedereinführung der Todesstrafe geht, kann ich die Beweggründe derjenigen, die das fordern und als Ziel definieren, durchaus noch nachvollziehen - aber die Unterstützung trotzdem verweigern.

Die Chance, in einen echten Dialog einzutreten, habe ich dann zwar genutzt (in Deinem Sinne). Es bleibt aber bei einer natürlich zu begründenden Verweigerung, das mitzutagen. Das ist dann auch der Unterschied zwischen dem Mechanismus, dem sich die AfD bedient (suggerieren, dass man das auch noch mitunterstützt) und dem von mir präferierten Vorgehen, sich gegebenenfalls trotzdem abzugrenzen.

Ist diese Abgrenzung Deiner Meinung nach im Sinne von

der falsche Ansatz?

Politiker ergreifen Partei. Für mich sind das immer Menschen, für die Partei ergriffen wird. Dass zwischen dem was Politiker*innen als deren Stellvertreter vertreten und der Meinung in der Gesellschaft ein Dissenz vorherrschen kann, ist aber ein Stück weit normal. Wichtig bleibt der gewissenhafte Dialog und eine verantwortungsvolle Kommunikation, um Dissenzen weitestgehend abzubauen.

Ich stellte z.B. bei Lanz kürzlich fest, dass dieses weder bei Steuerplänen zur Besteuerung von hohen Kapitalerträgen, noch zum verbesserten Modell durch Abschaffung des Ehegattensplittings Politikern heute gelingt, die Vorteile für die Gesellschaft bzw. gar positive oder negative Aspekte für die Wirtschaft bei der Kapitalertragsbesteuerung, dem Wähler zu erklären - und das galt in dem Fall für CDU/CSU und SPD.

Völlig richtig!
M.E. hakt es in den Köpfen vieler Grüner:
die wollen wirklich in erster Linie die Welt und das Klima retten, nicht die Alltagssorgen der Bevölkerungsmehrheit beseitigen.
Denn da geht es um so schnöde Dinge wie Geldverdienen (igitt), Bequemlichkeit, ein angenehmes Leben, Traditionen usw.
Das sind aus grüner Sicht häufig keine relevanten Größen oder Ziele, sondern lästige Hindernisse auf dem Weg zu höheren Zielen.
Vielleicht rührt daher die Unfähigkeit oder der Unwille, die aktuelle Situation politisch auszuschlachten: „jetzt seht Ihr, warum Verbrenner spätestens mittelfristig ein Fehler sind!“ bzw. „warum E-Auto-Fahren clever und sogar günstiger ist und sein wird!“
Und dann kann man den Schwenk zu den Heizungen und zur gesamten Energieinfrastruktur machen.
„Ihr spart Geld“ ist die banale Aussage.

das ist schwierig. Was sollen sie machen?
Vermutlich können es sich die wenigsten leisten, die Grundstücke aufzugeben und sich woanders was neues zu kaufen. Ich nehme an, die Grundstücke sind schwer verkäuflich. Also bauen sie neu und beten …

Wie könnte da die Frohe Botschaft der Politik aussehen?
Zieht um, der Staat bezahlt es? Das wird teuer.
Aber Fördermitteln wären ein Ansatz (denn der Staat spart dann auch die Kosten für die nächste Überschwemmungskatastrophe).

Naja, die Frage ist, ob das nicht ein Widerspruch ist.

“Ihr spart Geld” ist banal wie trotzdem nicht vermittelbar.

Tempolimit und 100 (und selbst “nur” auf 120) km/h spart 20% der Spritkosten - läuft gefühlt aber beim Wähler auf “Verbotspartei” hinaus.

Denn die “Tradition” auf die Du einzugehen aufforderst, bedeutet eher “weiter wie bisher nach dem Toyotaprinzip”, was bedeutet Erhöhung der Pendlerpauschaleetc. Die das Problem entweder gar nicht löst, oder nur zu Lasten der Staatsfinanzen (bzw. Der kommenden Generation - da sind wir wieder bei dem schon diskutierten langfristigen Zielen versus kurzfristigen Vorteil (und sei es nur Qufgabe eben jener “Tradition”.

Was bedeutet also die Verschleppung (auch naturwissenschaftlich fundierter) Lösungsansätze wegen des Eingehens auf die aktuellen Belange/”Alltagssorgen?

Es führt dazu, dass die aktuellen Probleme nicht wirklich gelöst werden.

Wenn Du also davon sprichst, dass wir die Chancen in diesem Sinne nicht nutzen, dann gilt das vielleicht für bestehende Machtoptionen - nicht aber für eine Problemlösung.

Diese beiden Aspekte sollten nicht isoliert betrachtet und genannt werden - sondern im gleichen Atemzug.

Interessant auch die Frage, welche Probleme denn überhaupt gelöst werden sollen.

Beim Thema Spritpreis ist eine große Zahl an Wählern daran interessiert, wie sie weiterhin schnell (mit 140-160 Km/h) von A nach B im eigenen Fahrzeug kommt. Das schließt bereits Lösungen aus, die den Problemverursacher (den Autofahrer beim Klimawandel und die Kriegsteilnehmer bei der “Ölkrise“ außen vor lassen. Bei der ersten großen Ölkrise wurden spontan Fahrgemeinschaften gebildet - langsamer Fahren war damals (wie heute) auch eine Option. das geht sogar ganz ohne staatlich verordneten Eingriff.

Was hat die Politik da also groß zu regeln? Das Problem, dass die “Alltagssorgen” nicht durch Alltagslösungen sondern durch staatliche Eingriffe zu beheben sind, die obendrein die Probleme nicht wirklich lösen?

Über welche “Chancen” reden wir also - über machtoptionen - oder über Problemlösungsansätze?

1 „Gefällt mir“

Danke, Carsten. :waving_hand:
Auf den Punkt gebracht. Und erspart mir einen eigenen, längeren Beitrag. :+1:

In der Tat, jedenfalls aus Sicht der individuell und direkt Betroffenen.

O.k., aber wie oft soll das so gehen? Einmal für’s Ahrtal, wenn die dann wirklich aus den potentiell gefährdeten Gebieten wegziehen, klappt vielleicht noch, ist der Allgemeinheit (Steuerzahler) vielleicht (?) noch vermittelbar.
(Wird allerdings schon nicht so leicht werden, verfügbare Grundstücke für ähnliche Wohngebäude in vertretbarer Entfernung auf „sicherem“ Gebiet zu finden. Wir sind nun mal ein bisschen dichter besiedelt als z.B. Kanada).

Aber die gleiche Vorgehensweise dann bei der nächsten Überschwemmungskatastrophe in ähnlichen, vergleichbaren Gefährdungslagen? Bei denen entsprechende Schadenseintritte - auch auf Grund der im Ahrtal und anderswo gemachten, erlittenen Erfahrungen - nun wirklich vorhersehbar waren?
Die Versicherungsgesellschaften reagieren darauf schon. Indem gewisse Risiken nicht mehr versicherbar sind.
Als Reaktion darauf wird jetzt von Seiten der Politik über eine für alle Grundstücke (Eigentümer) verbindliche Elementarschadenversicherung nachgedacht. Also auch für solche Grundstücke, bei denen der Eintritt eines sog. „Elementarschadens“ höchst unwahrscheinlich ist. Damit würden die Lasten des Schadenausgleichs quasi breit gestreut auf alle Grundstückseigentümer (statt auf alle Steuerzahler) verteilt. Diejenigen in weniger gefährdeten Lagen würden sich vermutlich „bedanken“ für diese weitere Vergesellschaftung individueller Risiken.
Käme ja dann auch noch drauf an, wie die Versicherungen die Prämien dabei berechnen. Pauschal oder entlang individueller Schadens-/Risikoprofile?

Meine Versicherung hat jetzt das Überschwemmungsrisiko an Hand detaillierterer topografischer Karten neu bewertet. Und festgestellt, dass unser Grundstück durch den nahe gelegenen kleinen Bach auch bei Starkregenereignissen etc. von Überschwemmung wohl nicht betroffen sein würde. Und mir ein Angebot für eine Elementarschadenversicherung unterbreitet, das durchaus bezahlbar gewesen wäre. Habe ich trotzdem nicht abgeschlossen. Wenn das Wasser aus dem besagten Bach so hoch steigt, dass es auch unser Grundstück überflutet, lese ich lieber in der Bibel noch mal nach, was Noah damals in ähnlicher Situation gemacht hat.
Und was die etwas tiefer, näher am Bach, gelegenen Grundstücke nun für Prämien für eine entsprechende Versicherung bezahlen sollen, will ich lieber gar nicht fragen. Von den betroffenen Nachbarn hat jedenfalls keiner eine solche Versicherung.
Ich habe dann lieber eine spezifizierte Erweiterung meines Versicherungsschutzes für meine Photovoltaikanlage + Speicherbatterien sowie die Solarthermieanlage und die Wärmepumpe abgeschlossen. Da liegen meine individuellen Risiken durch Extremwettereignisse (Sturm / Hagel).
Für mich also „effizienter“ und rationaler.

Die gäbe es schon, wenn man etwas großzügiger bei der Umwandlung von Acker- und sonstigen Flächen in Bauland wäre.

Mit genau dem gleichen Argument könnte man auch die gesetzliche Krankenversicherung abschaffen.

Ja, letzteres. Ich sehe deswegen bei einer Pflicht zur Elementarversicherung aber kein solches Problem, da man die Tarife je nach Risikoklassen staffeln kann (wird heute schon gemacht, auch bei der KfZ-Haftpflichtversicherung) .

Das wäre dann auch eine marktwirtschaftliche Steuerung der Besiedlung, weg von hochriskanten Zonen mit hohen Versicherungsbeiträgen. Bzw. wenn die Leute dann doch dort bauen, weil die Grundstücke extrem günstig sind, zahlen sie für die Schäden über ihre Versicherungsbeiträge und müssten nicht nach dem Staat rufen.

Aber das Wichtigste ist doch, ausreichend risikoarmes Bauland zur Verfügung zu stellen.