Warum Vegetarismus als Philosophie für alle Menschen keine Lösung ist

Im folgenden ein paar Überlegungen zum vegetarischen Leben. Ich möchte hiermit niemandem Absprechen vegetarisch oder vegan zu leben, sondern nur Überlegungen dazu anstellen, was es bedeuten würde, wenn sich die Menschheit (z.B. aus Umweltschutzgründen) irgendwann komplett vegetarisch ernähren würde.

Disclaimer: Dieser Beitrag ist nicht gehässig gemeint und soll auch nicht die Lebensweise von irgend jemandem bloßstellen. Ich möchte einfach einen Gedanken bis zum Ende denken.

Die wesentliche Motivation für vegetarische Lebensweise ist doch keine Tiere töten zu müssen.

Was passiert nun, wenn niemand mehr Tiere tötet?

Nun wenn es keine Landwirtschaft mit Kühen und Schweinen gibt, warum sollte ein Landwirt noch Schweine halten? Kühe vermutlich noch zum Melken. Doch was macht man dann mit den männlichen Kälbern?

Schweine halten macht dann gar keinen Sinn mehr. Das Hausschwein würde vermutlich bis auf ein paar Zootiere aussterben. Aber wir haben ja noch die natürlichen Wildschweine. Nur jagt die ja keiner mehr (Tiere töten wollen wir ja nicht mehr als Vegetarier). Die Schweine vermehren sich dann wie die Karnickel (und die Karnickel natürlich auch).

Wenn der Mensch keine Wildtiere mehr tötet, muss eine natürliche Regulation durch andere Raubtiere erfolgen. Also haben wir dann neben Füchsen auch wieder Wölfe und Bären in unseren Wäldern? Ok, das würde das natürliche Gleichgewicht wiederherstellen. Aber dafür braucht es eine Menge Wölfe und Bären.

Und dann?

Was bitte wird unsere Reaktion sein, wenn das neue natürliche Gleichgewicht dann in seltenen Fällen auch Menschen das Leben kostet? Was wenn das erste Kind stirbt? Und wieso ist es für die Tiere „bessere“ von einem Wolfsrudel zerrissen zu werden, als vom einem Jäger erschossen?

Ist ein konsequent vegetarischer Lebenstil für die gesamte Menschheit erstrebenswert? Oder sollte wir nur alle weniger Fleisch essen und unsere Tiere besser halten?

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Hunde und Katzen als Haustiere gingen dann auch nicht mehr. Raubtiere vegetarisch zu füttern wäre in meinen Augen jedenfalls Tierquälerei.

Wir hätten deutlich weniger organischen Dünger und müssten also die Produktion von Kunstdünger entsprechend steigern. Gar nicht gut fürs Klima.

Das weiß ich nicht genau: Katzen fressen nichts, was ihnen nicht schmeckt habe ich festgestellt. Und meine Katzen sind Freigänger und haben wohl immer genug Mäuse gefangen um mir ein paar abzugeben. Also wären Katzen als Haustiere immer noch ok.

Bei den Hunden kann ich das nicht beurteilen. Da wäre in der Tat die Frage, wie man das aus Sicht eines Vegetariers einstuft: Was unterscheidet das Verhalten eines Hundes in der moralischen Bewertung vom Verhalten eines Wolfs?

Hier müsste sich in der Tat ein Vegetarier an der Diskussion beteiligen, damit dies hier nicht zu Vegetarier Bashing verkommt.

Du kannst in diesem Szenario doch nicht Deine armen Katzen an Deiner statt Tiere töten lassen!

Hier noch ein Artikel der zeigt, was folgt wenn wir keine Tiere mehr töten. Diesmal Wölfe:

Mit dem Wolf wird Artenschutz nun unbequem

Aus aktuellem Anlass reanimiere ich das Thema mal:

Der Wolf hat das Kind wohl nur leicht verletzt. Man lese jetzt mal die Kommentare unter dem Artikel.

Also: Wie soll eine vegetarische Lebensweise für alle Menschen bitte funktionieren?

Ich verstehe nicht, was diese Wolfs- und Bärendiskussion mit Vegetarismus zu tun hat.

Siehe den ersten Beitrag im Thema: Die Konsequenzen von Vegetarismus als Philosophie

Kurz gesagt: Was passiert mit den ganzen domestizierten Tierarten, wenn der Mensch keine Tiere mehr tötet und isst?

Die Spezies Hunde und Katzen werden überleben, weil sie so niedlich sind, die Spezien der Nutztiere wie Rinder, Schweine, Hühner sicher nicht.

Ganz einfach:

Massentierhaltungen sind dann nicht mehr nötig und der Rest regelt die Natur.

Der Mensch ist der größte Feind der Tiere.

Das Ökosystem in Deutschland lässt sich auch ohne Jagd ausreichend gut regulieren. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Jägerschaft für einen zu hohen Bestand verantwortlich ist, der dem Ökosystem schadet.

Töten von Tieren nur zur Verteidigung und zum eigenen Schutz.

Nein eben nicht. Ich habe diesen abgezäunten Wildpferdepark in dem im Winter häufiger mal Pferde verhungern - zum Entsetzen von Tierschützern - glaube ich schon mal erwähnt.

Ohne Zäune ginge es aber auch nicht. Dann würden sich die Pflanzenfresser so weit vermehren, daß Sie uns alle Felder kahl fressen.

Also wie bitte soll das die Natur regeln?

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Vor der Zivilisation haben die Tiere auch überlebt, außer die Dinosaurier. :grinning_face:

Und außer Millionen anderer Arten. Aber das ist eine Binse. Ich glaube @WitzelJo sorgt sich nicht so sehr um das Überleben der Tiere sondern um das Überleben unserer Zivilisation.

Das finde ich auch nicht falsch, ich will außerhalb von Naturchutzgebieten eigentlich auch keine gefährlichen Raubtiere haben, Tollwut und Verletzungsgefahr für Spaziergänger ist einfach zu hoch,

diese Tiere müssen in der Nähe von Parks und ähnliches und Siedlungen geschossen werden, die gehören da nun mal nicht hin.

Denn:

Wer bezahlt den Willdtierbissschaden wenn jemand verletzt wird, wer zahlt Rente falls jemand zerfleischt wird…

Es geht ums Geld.

Deshalb gilt der Wolf und de Bär als unbequem…

Und auch wegen der Gefahren will die Gesellschaft das auch gar nicht haben. Die Menschen wollen sorglos frische Luft im Wald schnappen können…

Daher müssen wir damit leben dass die großen Raubtiere nicht geduldet und geschossen werden. (Hier bei uns in Deutschland und Nachbarn: Wolf und Braunbär)

Die einzige langfristige Möglichkeit diese Arten zu erhalten ist diese in abgeriegelte Naturschutzgebiete zu bringen.

Denn:
Vor unseren Haustüren will die großen Raubtiere keiner haben,. Das ist offensichtlich einfach so und msus akzeptiert werden.

Aus diesen gründen ist derzeit fast jeder wilde Bär und die meisten Wölfe abgeschossen worden…

Stell dir mal einen Kindergarten in einem kleinen Dorf am Waldrand vor… und jetzt tauchen Wölfe in der Nähe des Waldrandes auf…

Was wird wohl passieren?

Die Eltern wollen ihre Kinder schützen und rufen beim Bürgermeister nach dem Abschuss… der Druck ist hoch wegen Sicherheitsbedenken und der Bürgermeister will wiedergewählt werden… dann wird wohl der Jäger die Wölfe schießen…

ist einfach so…

Deswegen: Ins Naturschutzgebiet damit und der Stadtwald gehört den relativ harmlosen Tieren und dem Menschen.

Die gefährlichen Tiere gehören in echte Wildnis, nicht in den Stadtwald… aus den genannten Gründen…

Die Krokodile sind immer noch da. Aber um das Überleben der Tiere geht es ja hier nicht. Eher darum, auf welche Weise die Tiere sterben.

Nein. Die Menschen können sicher auch überleben ohne Tiere zu essen.

Ist die Begründung für eine vegetarische Lebensweise, daß man keine Tiere töten möchte?

Was passiert dann mit den ganzen Pflanzenfressern? Wo sollen die Leben und wie verhindern wir, daß die uns unsere schönen Felder leer fressen? Wenn wir die Tiere einzäunen vermehren die sich bist die Nahrung alle ist und verhungern dann großteils. Dann wächst die Nahrung nach und das ganze geht von vorne los. Und ohne einsperren, können wir ja unsere Felder nicht schützen.

Vegetarische Ernährung heißt in letzter Konsequenz wieder Raubtiere einführen, die die Pflanzenfresser jagen, töten und fressen. Ob eine Kuh besser mit Weideschuss getötet oder durch ein Wolfsrudel zerfleischt wird - was meint Ihr dazu?

Katzen sicherlich … aber die ganzen Hundezüchtungen, in denen man beim besten Willen keinen Wolf mehr entdecken kann (ausser durch Gentests), werden dann sicher beim Darwin’schen ‚survival of the fittest‘ auf der Strecke bleiben bleiben, wenn Homo sapiens für deren Fütterung keine Ressourcen mehr liefert

Jetzt bitte mal aus ‚Reiseflughöhe‘ auf unsere Flora und Fauna /incl. Homo sapiens) schauen:
Frühere globale Ökosysteme - die oft sehr lange stabil waren (außer gelegentlichen Eiszeiten oder Meteoriten-Einschlägen) hatten den Vorteil, dass sie nicht unter der Dominanz eines (nebenbei auch Ackerbau betreibenden) Landraubtiers namens Homo sapiens litten.
Ein Ökosystem, indem z.B. Räuber-Beute-Relationen langfristig sehr gut funktionieren (sich auch mathematisch modellieren lassen) kann niemals stabil bleiben, wenn eine Spezies, die zugleich mit einem (wie auch immer gearteten) ‚evolutionären‘ Vorteil ausgestattet ist, numerisch und großräumig so dominant wird wie es jetzt mit Homo sapiens geschehen ist.
Für eine ‚friedliche Koexistenz‘ mit großen carnivoren Wildtieren ist auf diesem Planteten bei der gegeben Populationsdichte einfach kein Platz.
Selbst unsere urzeitlichen Vorfahren mit sehr beschränktem Waffenarsenal und geringem Personalbestand haben es ja schon geschafft die vorzeitliche Megafauna nachhaltig zu dezimieren (z.T. mit freundlicher Unterstützung des Klimas).
H. sapiens hat offensichtlich eine evolutionär stark verankerte ausgeprägte Neigung, in seinen Habitaten keine Nahrungskonkurrenten zu dulden (erst recht keine in deren Beuteschema auch H.sapiens passt). Und er war auch in der Lage, diesen Mangel an Duldsamkeit wirksam umzusetzen.
Die Fresskonkurrenz durch herbivore Wildtiere war seit Erfindung der Landwirtschaft ebenfalls sehr unpopulär bei den Ackerbauern…und alles (wiederkäuend oder nicht) was sich nicht domestizieren ließ wird ge-/bejagt.

Zurück auf den gegenwärtigen Zustand am überbevölkerten Boden: solange die Populationsdichte von H. sapiens nicht dramatisch reduziert wird (ich lasse dazu mal (un-)denkbare Szenarien weg) kann ein Wildtierbestand, der auch als ‚gefährlich‘ wahrgenommene Arten enthält, nur in ‚managed biotopes‘ funktionieren: sowohl aus biologischen als auch aus sozialen Gründen, es sei denn man beseitigt großflächig vorhandene menschliche Habitate. Die durch Bevölkerungsreduktion und triumphierendem Vegetarismus/Veganismus dann überzähligen bisherigen Nutztiere kann man ja in den freigeräumten Biotopen der natürlichen evolutionären Selektion überlassen.

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Das würde mich mal in der Praxis interessieren. Schickst du deine Hunde dann raus zum Jagen ihres eigenen Futters?

Aber nicht, wenn die Tiere den Menschen die Pflanzen wegfressen:

Mir geht es weniger um die Realisierbarkeit solcher Habitate sondern um den philosophischen Aspekt von Vegetarismus: Keine Tiere mehr essen, weil man Tiere nicht leiden lassen möchte bzw. keine Tiere töten möchte. Aber dann Raubtiere wieder ansiedeln, die den Bestand an Pflanzenfressern regulieren (durch Töten und Fressen der selben) leuchtet mir einfach nicht ein.

Dazu kommt noch ein anderer Punkt: gemeinsame Mahlzeiten, waren immer auch ein soziale Handlung. Viele Gemeinschaften haben sich auch über das, was sie Essen definiert (Koscher, Halal, …). Es hat auch in diesem SInne Auswirkungen wenn sich die Gesellschaft in Vegetarier und Fleischesser aufteilt. Es schränkt die Optionen deutlich ein, wenn man einen Moslem, einen Juden, einen Vegetarier und mich zu essen einladen möchte. Das macht man dann vermutlich nicht jeden Tag. :slight_smile: Es ist keine unüberwindliche Hürde, aber doch eben eine Hürde, die Anstrengung erfordert.
Solche Dinge beeinflussen auch, wie Menschen interagieren.

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