Was genau verstehen wir unter "wertebasierter Politik"

Im Diskurs "China Taiwan Konflikt bin ich auf die folgende Passage gestossen

Das ist nun etwas her - da ich dazu keinen eigenen Diskurs gefunden habe, die Frage aber durchaus - zumindest für unser Selbstverständnis - erachte, hole ich das hiermit nach…

Das erste, dass mir in besagtem Thread aufgefallen ist, ist das Zitat von Churchill („Es gibt zwischen Staaten nur Interessen“)
Auch wird dort diverse Male darauf hingewiesen, das insbesondere wirtschaftliche Interessen eine große Rolle - zumindest in der Außenpolitik - spielt…
Die erste Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang gestellt habe, ist, worin genau der Unterschied zwischen „Interessen“ und „Werten“ besteht

Nun stelle ich - leider - erneut fest, dass ich wieder mal kein Soziologe bin …
Die harte Konfrontation, wie sie Erich Fromm in „Haben oder Sein“ formulierte, ist einerseits faszinierend - die Frage ist, in wieweit das Haben als notwendige „sinnstiftende moralische“ Voraussetzung doch - zumindest auf der existenziellen Ebene - normativ notwendig ist…
Da es ganz offensichtlich bei jedem Wertesystem Inkonsistenzen gibt, ist es notwendig, diese Konflikte zum einen durch Setzung von Prioritäten zu strukturieren - anderseits durch kulturelle Ab-/Ausgrenzung zu stabilisieren … Hier landen wir dann im Konkreten bei der Aussenpolitik …
Werte stellen, wenn ich oblige Quelle richtig interpretiere - quasi das Gerüst dar, aus dem sich Interessen ableiten, die in konkrete Umsetzung durch - auf der gesellschaftlichen Ebene - politisches Handeln flankiert werden …
Da Werte und die daraus resultierenden Normen einem ständigen Wandel unterzogen sind, ist es logischerweise notwendig, auch politische Anpassungen vorzunehmen…
Wie es mir scheint, ist in unserer Gesellschaft der Fokus immer mehr auf materielle Aspekte fokussiert - und das, obwohl wir materiell weit entfernt vom Existentiellen sind…
Sollten wir ins also - gerade als Grüne - nicht daher überlegen, ob diese Fixierung jenseits des existenziellen Habens die richtige Strategie ist - damit verbunden ist sicherlich die Frage, in wieweit wir die psychologische Angst weiter Teile der Gesellschaft vor dem Abrutschen in genau diese existentielle Facettee des Materialismus bekämpfen können - oder ob das nicht doch ein sehr tief sitzender „Urinstinkt“ ist, den wir akzeptieren müssen?
Das Thema hat sicherlich unglaublich viele Facetten, die ich hier noch gar nicht im Eingangsstatement formulieren konnte - wichtig erscheint mir allerdings, dass nicht nur auf einer rein theoretischen Ebene zu diskutieren…

Das Zitat stammt ja von mir und ich wurde damals auch gefragt, ob ich die Diskussion eröffnen werde.
Ich muß gestehen, ich habe mir das überlegt, war mir aber nicht im Klaren, wie ich das Thema beginnen soll. Ich danke dir, dass du jetzt die Initiative ergreifen hast. Eine wertebasierte Politik ist sicher sehr interpretationsbedüftig und persönlich glaube ich, dass wir mit dem Stichwort eher Schaden anrichten, weil tasächlich verschiedene Interessen zu berücksichtigen sind. Das sind einmal schon Grundbedürfnisse der Menschen wie Nahrung, Gesundheit, Wohnen, aber auch Frieden.
Bei anderen Bedürfnissen wie Freiheit ( wessen?) Wohlstand ( bis zu welchen Grad) wird es schon schwierig. Jedenfalls sollte die Politik so steuern, dass diese Bedürfnisse ( die ich jetzt sicher nicht abschliessend genannt habe) befriedigt werden. Wenn sich auch Werte ändern, haben sich die Bedingungen im Grund seit ca 250 Jahren stabilisiert. Die Wissenschaft nennnt unser Zeitalter Anthropozän (Das Zeitalter des Menschen ) Wir verändern den Planeten nachhaltig und es hat sich ein globaler Kapitalismus etabliert. Kapitalismus benötigt aber Wachstum, was angesichts eines begrenzten Planeten m.e. dauerhaft nicht möglich ist. Wenn wir die Frage beantworten können, welche Rahmenbedingungen wir alternativ zu der Gegenwart setzen können, dann ist auch die Antwort auf die Frage nach den Werten einfacher.

Ich bin ja eher ein schlichter Geist und würde in den Wertebegriff nicht zuviel „hineingeheimnissen“.

(Irgendwelche) Werte hat jede Partei, das ist weder eine Besonderheit noch unbedingt eine Tugend.
Bernd Höcke hat auch Werte („Deutsche sind die wertvolleren Menschen“ oder sowas), es sind aber nicht meine oder unsere. Bei der CSU gibts was ähnliches mit Bayern :smiley:
Für die FDP ist Wettbewerb und freier Markt ein Wert, usw usw.
D.h. alle machen „wertegeleitete“ Politik, es geht fast nicht anders.

M.E. soll das mit der wertegeleiteten Politik der Grünen nur heißen, „Geld ist nicht das wichtigste“ (sondern Klima-/Umweltschutz und Menschenrechte können wichtiger sein/ sind wichtiger) oder „wir machen für Geld nicht alles“ oder ggf. auch „wir sind nicht käuflich“.
Was als Prinzip ja begrüßenswert ist, man darf’s halt nicht übertreiben, wie immer.

Je mehr man den Begriff „wertegeleitet“ auflädt und überhöht, desto ärger fällt er uns nachher auf die Füße, ist meine Befüchtung und Ahnung.
Das ist wie mit der feministischen Außenpolitik.
Wir sollten nicht auf unsere eigenen Werbesprüche reinfallen :grin:

Das ist so eine erste Frage: Unterscheidung zwischen Werten und Bedürfnissen …

  • wie ist das mit „Grundbedürfnissen“, die im Überfluss befriedigt werden - insbesondere dann, wenn andere diese dadurch gar nicht befriedigen können, und deswegen zu Grunde gehen - ist das dann noch ein Grundbedürfnis?

ist ebenfalls eine gute Frage - endet die Freiheit des einen dort, wo die Freiheit des anderen deutlich bis dramatisch beschnitten wird - oder gilt selbst im nicht-existenziellen Fall: Hauptsache ich/wir viel bis alles (klingt sehr archaisch)?

nur in den Industrienationen im vielen anderen Regionen ist das doch eher anders (insbesondere durch die Kolonialisierung)!

Wichtig erscheint mir die Feststellung, dass es vielleicht gar keine Handlung ohne einen dazugehörigen Wert gibt…

Und auch die Frage, inwieweit „Werte“ „käuflich“ sind - wie viel muss sich jemanden bieten, um z.B. einen anderen umzubringen - und inwieweit spielt dabei die Zuweisung eine Rolle - seit beispielsweise in den USA die Hinrichtungen nicht nur durch einen allein (klassischer Henker), sondern durch ein ganzes Team durchgeführt wird, ist die Bereitschaft, die Tat durchzuführen, unter den Ausführenden dramatisch gestiegen

Man denke nur an die SPD mit HarzIV - bis dahin galt die SPD immer als verlässlicher Garant für eine arbeiternahe Politik - von dieser Verlässlichkeit des „Wertes“ haben beide lange profitiert - war es also lange Jahre falsch, als eine solche aufzutreten - oder war HarzIV allein wegen des Vertrauensbruchs - politisch - falsch
Sollten wir also als Gründe aus diesem Grunde unbedingt kommunizieren, dass man sich -analog der SPD - nicht wirklich auf uns in Umweltfragen verlassen kann - da wir das doch nicht unnötig aufladen und/oder überhöhen wollen?
Gemeinsame Werte schaffen Vertrauen - schwindet also deswegen das Vertrauen in die etablierten Parteien eben genau deswegen, weil sie lieber nicht mehr wertebasiert Politik betreiben?

Das wäre dann demnach nach meiner Betrachtung die Ursache für die Politikverdrossenheit - also nicht die Aufladung/Überhöhung - sondern die Unzuverlässigkeit …

Ein gutes Beispiel ist der Wert „alle Menschen sind gleich vor dem Gesetz“ - das ist - OK, ich bin kein Jurist - doch nicht per se einem Rechtssystem innewohnend, sonst müsste es im GG nicht gesondert aufgelistet sein …

Hier fängt dann aber das Dilemma schon an - das GG gilt erst einmal „nur“ für die deutschen Staatsbürger bzw. auf deutschen Boden - die USA haben es mit Quantanamo vorgemacht, was diese Auslegung bedeuten kann, und auch wir haben mit den deutschen Ortskräften in Afghanistan gezeigt, wie die „Gleichheit vor dem Gesetz“ so gedehnt werden kann, dass es zu Ungleichheiten kommt …
Für den Juristen ist das nicht wirklich ein Problem, da der Jurist sich nicht um den dahinter liegenden Wert interessiert - sondern nur um die Ausführung der Bestimmung - bei einer Partei, die Gesetze potenziell erlässt, ist das aber anders - letztlich sollte selbst für den Rassisten Höcke gelten, dass alle Menschen (Arier) gleich behandelt werden müssen (die nichtarischen „Untermenschen“ natürlich nicht) - nur differenziert er nicht nach Pass oder Region, sondern nach einem - biologisch nicht existenten - anderen Kriterium …

Das sind aber für mich erstmal alles nur eher Fragen, und weniger tiefe Überzeugungen - ich sehe gerade das mit der Verlässlichkeit und der Gleichheit als wichtige Fundamente der Glaubwürdigkeit - das bedeutet aber im Umkehrschluss sehr wohl, dass wir uns positionieren müssen, für welche Werte wir als Partei einstehen - daher halte ich die Diskussion nicht für etwas

sondern eher als dringend notwendige zu klärende Fragestellung, die es unbedingt zu diskutieren gilt, damit der Kreis der zu vertretenden Interessen nicht ins Beliebige abrutscht…

Wertebasierte Politik birgt die folgende Gefahr:
Tun, was man will, und dann moralisch begründen (funktioniert oft, weil man Alles irgendwie moralisch begürnden kann…).

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Die Auffassung teile ich - um so wichtiger, sich erst auf einen Wert festzulegen (und diesen auch zu kommunizieren) - und dann politisch zu handeln - und nicht erst gar nicht auf Werte festlegen - das Problem ist eher dabei: die Priorität im Falle eines Wertekonflikts - aber auch die könnte man vorher (transparent) festlegen - der umgekehrte Fall ist doch viel verheerender - erst gar nicht auf etwas festlegen - und dann hinterher etwas Beliebiges tun, mit dem Verweis, man habe schließlich auch nichts versprochen …

Ich sage ja nicht, dass wir keine Werte haben sollen oder keine brauchen.
Aber man muss dafür keine eigenen Begriffe schaffen und vor sich hertragen.
Statt leicht pathetisch zu sagen „wir machen wertegeleitete Politik“ würde es auch reichen zu sagen „wir setzen andere Prioritäten“ oder einfach zu beschreiben, was man konkret anders machen will.

Dann wird man auch schnell merken, dass das mit den Werten aus der Oppositionsrrolle heraus leicht über die Zunge geht, aber in der Regierung auf einmal gar nicht mehr so einfach ist …

Fracking Gas (oder wie das genau heißt) aus den USA, Öl aus Saudi-Arabien, LNG-Terminals auf Rügen, Waffen an die Ukraine, usw usw.
Gerade in der Aussenpolitik taugt das mit den Werten nicht viel.

Für mich ist das mit den Werten ein Wahl- und Werbeslogan, den ich nicht so ernst nehmen würde.
Man muss es einfach machen (d.h. bei der Politik seine Werte nicht vernachlässigen), statt wohlklingende, aber unklare Begriffe zu erfinden.

Nach aussen - da bin ich völlig bei Dir :slight_smile:

Was bedeutet das für Dich konkret - Mit China, Russland und den Taliban weiter dort Handel zu treiben, wo „es sich volkswirtschaftlich lohnt“?
(selbst dann wäre das eine Umsetzung eines Wertes - nämlich dem, dass eigener Wohlstand über allem steht)
Und wenn dem so wäre - warum das nicht auch so offen kommunizieren?
Auch hier haben wir ein Problem mit Glaubwürdigkeit, in dem man das eine sagt - und das andere tut …
Stimmt natürlich in der Praxis auch nicht so ganz - aber ganz offensichtlich sind die Menschenrechte in der Außenpolitik im Werte-/Interessenskonflikt i.d.R. nicht an vorderster Stelle …

Das ist schon schwierig, weil es dazu führt, dass wir etwas „versprechen“ (oder zumindest suggerieren) - was dann nicht gehalten wird (so werben wir hier in München mit dem Slogan „bezahlbarer Wohnraum“) - wie viele, die uns deswegen vielleicht wählen, werden hinterher enttäuscht sein - oder - sollten wir tatsächlich Juniorpartner werden, an den Baukastensatz „Schuld ist der Koalitionspartner, der das verhindert“ reinfallen?) - und zu besagter Verdrossenheit führt - das ist natürlich auch ein Problem der Werbung ganz allgemein - aber bei Parteien kann das zu besagtem Vertrauensverlust führen - überdies ging es mir hier nicht um die Frage, wie wir mit welchen Werbekampagnen den Kunden/Wähler umschmeicheln - sondern nur, was denn genau unsere stabilen Werte sind?

Klar hat man beim Ukrainekrieg gesehen, dass zuweilen (allerdings nur im absoluten Ausnahmefall!) auch mal besondere Maßnahmen notwendig erscheinen (Laufzeitverlängerung AKW) - das hat aber, glaube ich, nicht wirklich dramatische Wählerstimmen gekostet, da zu diesem Zeitpunkt klar war, dass diese Verlängerung wirklich eine - zeitlich zudem befristet - Ausnahme war …

Hier mal ein satiresches Beispiel, wie man sich so etwas bei den politischen „Mitbewerber*innen“ vostellen könnte.

Man sieht, es ist nicht ganz einfach.
Letztendlich haben wir als Grüne ja dafür unser Grundsatzprogamm, welches offensichtlich nicht ohne Grund auch einen sehr großen Auslegungsspielraum lässt.

Nein! Handel treiben, Kontakte beibehalten, mit denen reden, wenn es unsere Position INSGESAMT stärkt (nicht einseitig wegen des Geldes).

Bei den Taliban spielt Geld keine Rolle, glaube ich, da ist eh nix zu verdienen.
Aber vielleicht gibt es machtpolitische Gründe, den Kontakt zu denen trotz aller Verbrechen nicht abreissen zulassen (weil ansonsten die Chinesen oder Russen sich dort festsetzen und alles nur noch schlimmer machen, so was in der Art).
Und vielleicht ändert sich das Regime ja auch mal, dann ist es vielleicht nicht schlecht, wenn wir nie völlig abgesprungen sind. Aber ich weiß zu wenig, um das im Detail beurteilen zu können.

Bei China spielt die Wirtschaft eine größere Rolle.
Je mehr wir Handel mit China treiben, desto abhängiger sind die ja auch von uns, wenn wir es ein bisschen geschickt machen. Wenn die EU als ein Markt von 400-500 Mio. Menschen mit einer Stimme sprechen würde, könnte das ein Druckmittel werden.
Derzeit sind wir wahrscheinlich auch noch zu abhängig, um den Chinesen die Tür vor der Nase zuzuschlagen.

Russland ist m.E. erstmal für uns verloren, jedenfalls solange Putin regiert.
Da würde ich auf Handel verzichten, soweit ich kann, und im Gegenteil eher weiter auf Sanktionen setzen.

Letztlich sehe ich Aussenpolitik als Sicherheits- und Machtpolitik.
Macht und Sicherheit können insb. militärisch oder wirtschaftlich begründet sein, im Einzelfall vielleicht auch mal moralisch/politisch.
Man muss in jedem Einzelfall entscheiden, wie wir unseren Einfluss vergrößern.
Am Ende ist Macht und Einfluss fast immer gleichbedeutend mit Sicherheit.

so geht halt Wahlkampf: Sachen versprechen, von denen jeder weiß, dass sie unhaltbar sind.
In München wird es auf absehbare Zeit keinen bezahlbaren Wohnraum geben (wenn man den Durchschnittsverdiener als Maßstab für „bezahlbar“ nimmt).
Aber die Wähler hören sowas halt gerne, also kriegen sie solche Sprüche serviert.
Das ist ein geradezu kindlicher Glaube daran, dass der Minister XY es irgendwie wahr machen kann, auch wenn einem die Vernunft sagt, es geht nicht.
Und hinterher heulen die Wähler rum, dass die bösen Politikern lügen, weil sie ihre Wahlkampfversprechen nicht eingehalten haben.
Wer Wahlkampfsprüche für bare Münze nimmt, dem ist nicht zu helfen.

Aber andererseits: was wäre die Alternative?
Im bayerischen Wahlkampf zu sagen „OK, bezahlbaren Wohnraum in München wird es nie wieder geben, tut uns echt leid, aber wir werden alles versuchen, damit die Preise nicht völlig explodieren“?
Es wäre ehrlich, aber würde die Massen nicht so richtig aufpeitschen :slight_smile:
Nein, der Wähler will belogen werden, weil es sich besser anfühlt.
Und nachher will er für die eigene Blindheit einen Schuldigen haben, auf den er schimpfen kann, weil sich das auch wieder besser anfühlt.

Sehe ich auch so. Ist es dann aber nicht kontraproduktiv mit solch plakativen Ausdrücken( werteorientierte und feministische…) den Eindruck zu vermitteln, dass wir eine moralischere (?) und andere Politik betreiben, als bisher. Und wenn wir uns gerade in der Außenpolitik pragmatisch verhalten wollen, müssen wir dann diese Politik nicht anders definieren? Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, dass die Politik wertebasiert ist, sondern die Ziele ( und die haben wir ja) wertebasiert sind.

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In Bezug auf dahinter stehende Werte muss das kein Widerspruch sein - Macht und/oder Sicherheit sind unverrückbare/archaische Bestandteile menschlichen Handelns - warum dies also nicht zum Bestandteil der Innen- und Außenpolitik machen - sofern man das dann auch entsprechend kommuniziert, wie man das dann praktisch erreichen will - das Problem, das @Biologin zu recht weiter oben benannt hat ist, dass sich theoretisch aus einer bestimmten Perspektive so auch ein Angriffskrieg „rechtfertigen ließe“ - z.B. nach dem Motto „nur ein toter Feind ist ein guter Feind“ - wenn das aber der dahinter liegende Wert wäre, so wüsste ich das aber ganz gerne (analog dem Rassisten, der mir seine „Werte“ erklärend dadurch aus der Gruppe der Wählbaren rausfiele) …

Damit sind wir bei der von Dir aufgeworfenen Aussage in Bezug auf Wahlkampf - wenn ich das in der von Dir formulierten Weise durchdekliniere, ist der Wert die Machtoption (s.o.) - das Werkzeug der Populismus - was bliebe, wenn wir/alle Parteien dem Populismus (als Imperativ?!) folgen? Ist das strukturell wirklich sinnvoll, denn das merken selbst die Wähler, von denen Du da ausgehst irgendwann?

Vor allem wird es schwierig - selbst wenn man daraus eine Mischung von Populismus und erklärtem Ziel machen würde,- für den interessierten Wähler, das eine vom anderen zu trennen (vielleicht sogar für ein Parteimitglied) …
Und wie sieht es dann mit den zugehörigen Gesetzen als "Endprodukt der Politik aus - ist es ausschließlich Aufgabe des Verfassungsgerichts, hier für „Gleichheit“ zu sorgen - oder ist diese Gleichheit auch Aufgabe der gesetzgebenden Instanz - oder fällt selbst das dem Interesse der Mehrheit zum Opfer - mithin also gar kein Ziel? Das sind für mich keine rhetorischen Fragen, auf die ich selber auch nicht zwingend eine selbstverständliche Antwort habe …

Die wahren Gründe wirst du vermutlich nicht erfahren. Es gibt in jedem Land Menschen, die „gerettet“ werden „müssen“ und damit eine Grund, das Land zu „befreien“. Wenn dabei jemand stirbt, ist das ein „Kollateralschaden“.

Natürlich gab es das auch schon ohne die Anführungszeichen, aber es ist halt eine Logik, der sich kaum jemand entziehen kann, und die Doppelmoral fällt um so mehr auf, wenn die Rettung in anderen Fällen ausbleibt (z.B. im Iran)

das tun sie doch ohnehin, mal mehr mal weniger (wenn man das Thema nicht auf Rechtspopulismus beschränkt).
Alle Parteien pflegen ihre emotional aufgeladenen Mythen, auch wenn sie sich offensichtlich überholt haben oder immer schon Unfug waren. Nur mit Vernunft kann man halt kein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, was ja auch logisch ist, schon rein sprachlich.

Die Grünen retten die Welt/das Klima/ die Menschenrechte und alle denkbaren Minderheiten vor allem Möglichen,
die FDP rettet den Markt, die Wirtschaft und (tata!) die Freiheit,
die AfD rettet Deutschland,
die CDU rettet den gesunden Menschenverstand und die „hart arbeitende Bevölkerung“,
die CSU rettet Bayern und die Weißwurscht,
die Linke rettet eine nicht mehr existente Arbeiterklasse,
nur die SPD weiß grad nicht mehr, wen oder was sie rettet, deshalb kriegt sie in Bayern nur noch 9%.

Ein Teil Volksverdummung ist bei allen dabei.

verstehe die Frage nicht.

Natürlich ist der Gesetzgeber an die Grundrechte gebunden.
Art. 1 Abs. 3 GG:
„Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“
https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_1.html

Aber was hat in dem Fall Gleichbehandlung mit Wertebasiertheit oder Populismus zu tun?

Vielleicht rettet sie (bzw. Olaf Scholz) uns gerade vor einer noch weiteren Eskalation des Ukrainekriegs, darf aber nicht darüber reden?

ja, oder die SPD rettet Putin vor einer militärischen Blamage (und opfert die Ukraine für ihre Pazifismusseligkeit) und will nicht drüber reden.

Naja, früher war es so, dass der Herrscher (oder sein Repräsentant), wenn er denn ein Urteil über jemanden fällen sollte, eher nach sehr subjektiven, eigenen Maßstäben geurteilt hat - je nachdem also, ob er/sie zum Deliquenten Sympathie hatte oder nicht, ob er ihm dienlich war oder nur unbequem etc. fiel sein/ihr Urteil unterschiedlich aus - nun hat die Rechtsstaatlichkeit versucht, genau damit aufzuhören, um einen - vielleicht nur fiktiven - Gerechtigkeitsbegriff, eine Angemessenheit, und noch ein paar andere Werte zu verwirklichen …
Außenpolitisch haben wir es hingegen - wenn ich Euch richtig verstehe - immer noch das alte Feudalsystem am laufen …

Woher kommt der Unterschied zwischen innenpolitischem und außenpolitischem Handeln?

Wenn ich mir die Entstehungsgeschichte Deutschlands und der EU ansehe, so meine ich beobachten zu können, dass das vielleicht auch mit der Identifikation (und damit einer verminderten Angst vor Willkürakten) zusammenhängt - das ist schon auch das Thema Verlässlichkeit und Rechtsstaatlichkeit

Im Diplomatischen ist durchaus auch davon die Rede „Verlässlichkeit“ (als Wert) z.B.: innerhalb der NATO …
Entscheidet also Angst und die damit verbundenen gestiegenen Sicherheitsanforderungen über die aussenpolitische Rechtsstaatlichkeit - auch das nur ein Gedankengang/Frage …
Und wenn dem so ist: was können wir tun, um daran etwas zu verändern - sicher nicht, indem wir uns unberechtigt z.B. Putin in die Arme werfen - das Misstrauen hat nun mal eine lange Geschichte und das Gegenteil funktioniert nur auf Gegenseitigkeit …
Wenn man sich die Ostpolitik Willy Brandts ansieht, so waren es zwar kleine Schritte, aber diese waren als über einen längeren Zeitraum als verlässlich identifizierbar - und sie waren zunächst einseitig - eben wegen des „wertebasierten“ Fundaments …
Und sie waren auch für den Wähler „kalkulierbar“ (auch für die, die die Ostpolitik ablehnten - meine Schwiegereltern waren so ein Beispiel)
Da sind wir aber weit entfernt von Populismus und Beliebigkeit …

Freilich kann man argumentieren, das eigentliche Fundament war der wirtschaftliche Aufstieg, auf dessen Grundlage man sich so etwas „leisten“ konnte … ist dem so, dass letztlich der „Wohlstand“ die Voraussetzung für weitere Werte ist - im Existenziellen ganz fraglos - aber in unserer Konsumgesellschaft? Und wenn ja, was bedeutet die Einsicht konkret für z.B.: die Umweltpolitik, die bei zu großen Einschnitten einerseits diese kurzfristige Basis natürlich infrage stellt - anderseits langfristig bei zu geringen Einschnitten die Existenz (vielleicht gar der gesamten Spezies Mensch) gefährdet?
Das ist eine Frage, die in den nächsten Jahren noch an Brisanz gewinnen dürfte, und auf die wir als Grüne eingehen müssen, sofern wir uns nicht vom Populismus leiten lassen wollen …
Auch hier wieder erkenne ich - bei mir selbst zumindest - derzeit mehr Fragezeichen als Antworten - bin ich da allein in unserer Partei/hier im Netz, oder sind das diskutierenswerte Fragestellungen?

Wenn wir das als Fehler identifizieren - müssen wir das dann nicht genau anders machen?

Transparenz ist auch ein Wert. Ich glaube, das war bei den Piraten.