Anlässlich des G-20-Gipfels frage ich mich, welche Rolle Indien künftig spielen wird und wie sich das Land entwickeln wird.
Wird China die dominierende Weltmacht oder Indien?
Bleibt Indien eine „echte“ Demokratie? Oder sind die nationalistischen Tendenzen so stark, dass die Demokratie darunter leidet und vielleicht sogar zur Formsache verkommt?
Wie schnell kann Indien wirtschaftlich zu China aufschließen?
Welche strukturellen Probleme stehen der Entwicklung Indiens zu einer Weltmacht entgegen?
Ist das Verhältnis Indien-China zwingend ein Konkurrenzverhältnis?
Oder könnten die sich auch zusammenschließen zu einer Art panasiatischer Super-Union?
Wie ist das Verhältnis zum Westen, der EU, den USA? Gibt es da ausreichende Gemeinsamkeiten für eine dauerhaft tragfähige Zusammenarbeit?
Ich habe keine besonderen Kenntnisse über die indische Innenpolitik, und die Berichterstattung zu China überlagert nach meinem Eindruck (zu Unrecht) die über Indien.
Weiß jemand mehr und hat eine Einschätzung oder Meinung?
Wie seht Ihr das?
Das sind gute Fragen und ich glaube schon, dass Indien in Zukunft eine größere Rolle in der Weltpolitik spielt. Das Bevölkerungsreichste Land der Erde geht einen eigenen Weg und versucht möglichst unabhängig zu sein. Allerdings wird China die dominierende Weltmacht sein und nicht Indien. Der Aufstieg China ist ziemlich außergewöhnlich und besteht auch aus einer Reihe verschiedener wirtschaftlichen Kurskorrekturen. Je mehr ich über China lese, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass wir im Westen China nicht verstehen. Indien wiederum ist immer noch strukturell schlecht organisiert und hat ( aufgrund des Kastensystems) immer noch starre Klassenunterschiede. Im Übrigen glaube ich kaum, dass ein so großer wirtschaftlicher Sprung wie der von Chhina überhaupt kein Land mehr machen kann. Wenn Mohdi noch länger bleibt wird Indien wohl immer mehr zu einer defekten Denmokratie. Der extremer Nationalismus gepaart mit dem Vorrrang des Hinduismus geht wohl eher in eine antidemokratische Richtung. Muslime werden in Indien unterdrückt.
China und Indien haben einige ungeklärte Grenzfragen im Himalya, solange werden sie Konkurrenten bleiben. Zum neuen nationalen Selbstverständnis Indiens gehört auch die Distanzierung von der Kolonialzeit. Indien wird deshalb zum Westen auf Distanz bleiben ( deshalb auch BRICS- Mitglied) , aber natürlich für den Westen ein wichtiger Handelspartner.
ist Indiens Wirtschaft genauso politisch gelenkt wie die Chinas?
M.W. nicht.
Das könnte einen Unterschied machen, positiv oder negativ.
Vielleicht liefert Indien den Beleg dafür, dass 1,4 Mrd. Menschen mit Hilfe einer halbwegs freien Wirtschaft und Demokratie nachhaltiger und besser Wohlstand schaffen können als mit einer durch eine Diktatur gelenkten Wirtschaft? Schön wäre es jedenfalls.
Das sollte der Westen unterstützen, solange die Inder nicht zu arg ins Nationale und Despotische abrutschen.
die geringe Reaktion auf das Thema ist wohl auch ein Indiz dafür, dass wir uns mit Indien viel weniger beschäftigen als mit China (geht mir ja auch so).
Liegt das daran, dass wir uns von Indien weniger bedroht fühlen?
Oder dass Indien wirtschaftlich nicht so wichtig für uns ist?
Exporte nach Indien 8,6 Mrd. EUR,
nach China 49 Mrd.
Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien ist zuletzt deutlich gestiegen, im vergangenen Jahr lag es bei rund 30 Milliarden Euro. Indien lag damit auf Rang 24 der wichtigsten deutschen Handelspartner. Zum Vergleich: Größter Handelspartner war China, mit einem Handelsvolumen von rund 299 Milliarden Euro.
…
Prognosen etwa von Goldman Sachs zufolge soll das Land bis zum Jahr 2075 die zweitgrößte Volkswirtschaft werden – nach China und vor den USA. Auch Stefan Halusa, Chef der Deutsch-Indischen Handelskammer, sieht großes Potential in Indien. Das Bild des schlafenden Riesens der Weltwirtschaft sei überholt, sagte Halusa im Februar im Interview mit der WirtschaftsWoche: „Wir sprechen hier mittlerweile über die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Der Riese schläft nicht mehr, er heftet sich mit sechs bis sieben Prozent Wachstum pro Jahr bald an die Fersen Deutschlands.
Hier
in einem Papier der Friedrich-Ebert-Stifung (Titel: „SCHLÜSSELPARTNER
INDIEN Strategische Prioritäten und Empfehlungen für die deutsch-indischen Beziehungen“):
wird Indien als „ZENTRALE SÄULE DER DEUTSCHEN UND EUROPÄISCHEN INDO-PAZIFIK-POLITIK“ bezeichnet (S. 6).
Es könnte ein Gegengewicht zu China sein.
Nach dem Ende des Kalten Krieges orientierte Indien sich neu. Die historisch eher schwierigen Beziehungen zu den USA verbesserten sich; im März 2000 besuchte US-Präsident Bill Clinton Indien. Die USA bemühten sich nun stärker um Indien als strategischen Partner. Hinsichtlich des Kaschmir-Konflikts stützten die USA nun stärker die Haltung Indiens. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 stellte sich Indien ohne Einschränkung auf die Seite der USA.
Heute werden die außenpolitischen Ziele Indiens vor allem durch das Bemühen, einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erlangen, charakterisiert. Hierbei zieht Indien China als Vergleichsmaßstab heran und strebt eine Statusaufwertung an. Indien beansprucht aufgrund seiner Größe und zivilisatorischen Bedeutung denselben Rang wie China, das als anerkannte Atommacht mit ständigem Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vertreten ist.
So einfach ist das nicht. Indien setzt vorwiegend auf ausländische Investoren, es fehlen aber gerade Strategien wie in China. Indien bietet aber einen großen Markt und verfügt über viel gut ausgebildete Arbeitskräfte, wenngleich das immer noch eine Minderheit ist. China überlässt die Wirtschaft durchaus weitgehend dem kapitalistischen Markt und hat eine seltene Mischung aus Planung ( 5- Jahresplan) und durchaus freier Wirtschaft, natürlich mit der richtigen Erkenntnis das staatliches Eingreifen auch erforderlich ist. Das machen wir im Westen im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft ja auch ( zur Zeit viellleicht auch etwas zu viel). Wenn es Indien weiterhin gelingt ausländische Investoren zu gewinnen und dann noch die soziale Frage besser löst, ist das jedenfalls ein interessanter Markt. Dafür spricht, ben den Fachkräftend möglicherweise auch die Binnennachfrage steigt ( was bei dieser Bevölkerungszahl natürlich interessant ist. Die Frage ist, ob die Politik entsprechend handelt ( also eine gewisse mittlere Einkommensschicht entstehen kann), davon bin ich noch nicht überzeugt.
Indien ist einer der Staaten die aktiv die Sanktionen (z, B. Öl) gegen Russland unterlaufen. Hier sollte man die Sanktionen besser durchsetzen.
Die entwickeln und produzieren Atomwaffen und haben ein Raumfahrtprogramm, bekommen aber von der BRD 4,7 Mrd. Entwicklungshilfe
Atomwaffen und Raumfahrt passen m. E. mit Entwicklungshilfe nicht zusammen.
Gerade auch in Hinblick auf den Sparzwang im Bundeshaushalt sollte man hier mal kritisch drauf schauen.
… oder es als eine Art politisches Schmiergeld verstehen?
Erhalten wir uns damit Kontakte, Gesprächsmöglichkeiten und ggf. Einfluss?
Oder nehmen die Inder einfach die Kohle und pfeifen am Ende auf uns?
Schwer zu prognostizieren, nehme ich an.
in der Höhe?
Und wo kommen wir denn hin, wenn wir alle schmieren müssen.
Das wird so kommen bzw. ist ja heute schon so.
Die unterlaufen ja jetzt schon unsere Bemühungen Putin und seinen Angriffskrieg zu sanktionieren.
Genauso in anderen Ländern.
Die verbünden sich mit Russland und wir bezahlen weiter.
Auch unsere Hilfe, für z. B. die Palästinensergebiete, macht Geld für Zwecke frei, die wirklich nicht in unserem Sinne sind. Und selbst die Hilfsgelder selbst gehen teilweise in dunkle Kanäle und/oder werden missbraucht.