ich hatte eine Ukrainerin bei mir im Hause aufgenommen, die an der Uni in Odessa Umwelttechnik im Bereich Ölförderung studiert hatte.
Die Wartezeit für einen Deutschkurs betrug 12 Monate.
Die Wartezeit zur Anerkennung ihres Studienabschlusses als Junior Specialist (wurde dann nur eine mittlere Reife daraus gemacht) betrug 15 Monate.
Ich habe für sie dann eine Ausbildungsstelle bei Rostock als technische Systemplanerin gefunden zwei Wochen vor Ausbildungsbeginn.(Vom Jobcenter gab es in den 18 Monaten nicht ein einziges Jobangebot. Ich habe mittlerweile 8 Ukrainer in Lohn und Brot bekommen, das Jobcenter Null) Mittwochs Bewerbung hingeschickt, Freitags zum Interview gefahren und am gleichen Tag einen Ausbildungsvertrag bekommen. Lehrlingsgehalt beträgt 600 € brutto.
Bundesausbildungsbeihilfe beantragt letzten September. Das wurde vor 4 Wochen abgelehnt, weil von den arbeitslosen Eltern in der Ukraine aus Odessa keine Verdienstnachweise vorgelegt werden konnten. Also wieder zurück zum Jobcenter.
Ich musste mit zwei Jobcentern gleichzeitig verhandeln wegen des Umzuges von hier nach dort. Hier lebte sie in einem möblierten Zimmer und das Jobcenter Rostock war der Meinung, 700 € Kaution und Erstausstattung für Möbel und Haushaltsausstattung hätte sie sich in den 18 Monaten Aufenthalt in meinem Haushalt ansparen können.
Ich habe dann diesen besagten § 16a bei der Ausländerbehörde beantragt.
Dazu musste ich den von der Handwerkskammer bestätigten Arbeitsvertrag und die Schulbescheinigung, nebst Mietvertrag und Verdienstbescheinigung vorlegen. Bis heute keine Antwort.
Der Witz an der Geschichte: es gab 15 deutsche Bewerber für diese Lehrstelle
Alle haben den einfachsten Aufnahmetest nicht bestanden (Grundrechenarten, Englisch, eine Figur in 3D mit einem Graphikprogramm erstellen, Excel und Word Test). Der Chef dort meinte: die waren alle unterirdisch.
Mittlerweile betreue ich 180 Familien aus der Ukraine. Mathematik-Professor, Psychologen, Ingenieure für Maschinenbau, Metallurgie, Elektronik… usw.
Ohne B2 Sprachkenntnisse wollen die meisten Arbeitgeber keinen aufnehmen. Anstatt Deutschkurs und Arbeit in einem dualen System zu verbinden, hecheln sich viele sehr gut ausgebildete Fachkräfte, von denen wir gerade geflutet werden, von Kurs zu Kurs. Das Tempo ist erschreckend, weil sie oft mit anderen Migranten im Kurs sitzen, die noch nie eine Schule von innen gesehen haben und eine Frau als Kursleiterin oft nicht akzeptieren.
Was also tun, gegen den Fachkräftemangel?
Ich habe mit dem Chef der Jobcenter in Vorpommern und dem Regionalleiter des BAMF gesprochen. Die Jobcenter können beim Deutschkurs nicht intervenieren, weil da das BAMF die Mütze aufhat. Das BAMF besteht auf Einhaltung bestimmter Qualitätsmerkmale (u.a. auch, dass bei den Anwesenheitslisten die richtige Farbe des Kugelschreibers stimmt).
Der Arbeitgeber meiner Ukrainerin hat auf die B2 Level Erfordernis geschissen. Er sagt, ich will einen begabten Azubi, der die harte Zeit der Lehrjahre durchstehen will.
Wenn man natürlich 1200 € im ersten Lehrjahr verdienen will und nicht einmal 10% von 365 im Kopf rechnen kann… denn an und für sich werden genug Kinder geboren. Nur welche Qualität spucken die Schulen aus?
Nur das ist wiederum eine andere Diskussion, die ich hier nicht ausführen will.
Wer Fachkräfte sucht, muss selbst ausbilden. Und muss dabei kreativ sein… Entweder mit Geld, oder mit Arbeitszeit oder mit Angeboten (Beispiel Führerschein, Laptop zur privaten Nutzung, Urlaubsreise auf Kosten der Firma)…
Frage beantwortet?