Am Samstag erzählte mir eine Ukrainerin, dass sie ihren 15-jährigen Sohn allein nach Deutschland schicken will - um ihn vor dem drohenden Kriegsdienst zu entziehen. Ich war etwas verwundert, da google nach „Wehrpflicht Ukraine“ sagt die gelte erst ab 18. Doch wenn man etwas weiter sucht, stößt man auf diesen kürzlich erlassenen Beschluss des ukrainischen Parlaments, der tatsächlich das Wehrpflichtalter in der Ukraine auf 16 herabgesetzt hat: Про затвердження Порядку органі... | від 30.12.2022 № 1487
Für mich ein weiteres starkes Argument gegen Waffenlieferungen in die Ukraine. Einen Krieg in dem Minderjährige kämpfen müssen, möchte ich nicht unterstützen.
Man kann auch anders herum argumentieren. Je mehr und bessere Waffen sie bekommen, desto weniger Personal brauchen sie und desto weniger Jugendliche müssen sie einziehen.
Und anders als die Russen, die ihre ‚Mobiki‘ (= Wehrpflichtige und Reservisten) mit schlechter Ausrüstung und Ausbildung direkt an die Front schicken, legen die Ukrainer großen Wert auf eine gute Ausbildung (bei der Ausrüstung müssen sie notgedrungen Abstriche machen). Ich vermute stark, dass diese 16j erstmal gründlichst ausgebildet werden, damit sie mit 18 dann fit für den Kampfeinsatz sind.
Ein völlig anderer Aspekt: Die Ukraine arbeitet sehr viel und erfolgreich mit Drohnen. Insbesondere die FPV-Drohnen sind rasend schnell und erfordern ein hohes Maß an Skill. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man die gaming-Erfahrung der Kids dafür nutzen will. Die FPV-Piloten sitzen dabei im sicheren Bunker oder wenigstens in halbwegs sicherem Abstand zur Front.
Also bisher gab es in der Ukraine noch keine Mobilmachung da man genügend Freiwillige hat die kämpfen und die 16-Jährigen werden auch meistens wenn dann immer ganz zum Schluss eingezogen.
Meiner Meinung nach, da wird ganz einfach irgendwie Angst gemacht und falsch argumentiert anders kann ich mir das nicht vorstellen.
Keine Waffen liefern ist keine Alternative, weil es nur bedeuten dass die Ukraine wieder zu einem vasallenstaat von Russland würde, unfrei und ständigen Repressionen ausgesetzt, immer Menschen zweiter Klasse und wenn es den Russen düngt zum Hungern vorurteilt, das gab’s ja alles schon da will kein Ukrainer mehr leben, darum ist es ein gutes Recht für seine Freiheit zu kämpfen und unsere Pflicht ihn dabei zu unterstützen.
Vielleicht wäre selbst in den Krieg eingreifen eine Option. Aber das ist hier nicht das Thema. Es geht darum inwiefern wir es befürworten oder kritisieren, dass nun auch Minderjährige in der Ukraine unter die Wehrpflicht fallen. Hat sich unsere Außenministerin dazu diplomatisch geäußert?
Das steht dort überhaupt nicht da geht es lediglich um eine kleine Anfrage zur Wehrpflicht und wie diese juristisch zu bewerten ist, bei einer Verletzung dieser. die Passage wo eine Mobilmachung erwähnt wurde wurde mit einem Link versehen der ebenfalls zu sowas wie einer kleinen Anfrage führte im ukrainischen Staatsapparat wo es ebenfalls um Wehrpflicht geht die einzigste Aussage über Mobilisierung gibt es, das im Fall einer Mobilisierung der Ersatzdienst bei Wehrpflicht nicht existiert aber man weist daraufhin dass der Dienst der zu leisten ist bei Mobilisierung ein Lernender Dienst ist das heißt nicht das man gleich in Richtung Front geschickt wird und das ist auch nur theoretisch denn ein mobil machen gibt es in der Ukraine nicht.
In deiner Quelle steht ebenfalls nicht dass es eine Wehrpflicht ab 16 geben soll sondern was da steht ist das 16-jährige sich registrieren lassen müssen.
das kann ich nicht lesen. Wo steht da was genau drin?
auf die Schnelle habe ich darin auch nichts zur Wehrpflicht mit 16 gefunden. Hast Du mal ein Zitat?
ich eigentlich auch nicht.
Die Frage ist, welche Konsequenz daraus folgt.
Wenn wir die Ukraine nicht mehr unterstützen, rettet das die 16-Jährigen?
Oder rettet es sie eher, wenn wir die Ukraine mehr unterstützen?
Gar nicht so leicht zu beantworten.
von Shahed-Drohnen oder deren Trümmer zerbombt oder
von einem weißen Phospor-Regen (Kriegsverbrechen) gegrillt oder
glücklicherweise nicht getroffen werde
oder mich irgendwo hinter der Front (selbst Nazi-Deutschland hat die 14j nur als Flak-Helfer eingesetzt) am Kampf gegen den Agressor beteiligen will,
… hätte ich damals vor vielen Jahrzehnten sehr genau gewusst, was ich lieber täte. Das mag nicht jedermanns Sache sein und ich hoffe, dass die Ukraine daruf etwas Rücksicht nimmt.
Der Parlamentabeschluss regelt diverse Fragen der Wehrerfassung und Wehrüberwachung. In Absatz 21 ist geregelt, dass unter „Wehrpflichtige“ ukrainische Staatsbürger ab 16 (ab dem Jahr in dem sie 17 werden) zu verstehen sind. Ab dann gelten für sie die Regeln für Wehrpflichtige, zum Beispiel, dass sie ihren ständigen Aufenthaltsort der Wehrverwaltung zu melden haben. Die erlassenen Regeln bedeuten nicht, dass alle 16-jährigen automatisch an die Front geschickt werden, aber es stellt die rechtliche Grundlage dar, von nun an auch 16 und 17-jährige einziehen zu können. Ob und in welchem Ausmaß davon schon Gebrauch gemacht wird, weiß ich nicht.
Diese Gesetzesänderung hat zur Folge, dass manche Familien, mit Söhnen im entsprechenden Alter, diese auf die Flucht ins Ausland schicken. Einen Fall kenne ich persönlich, von weiteren wurde mir erzählt. Wenn pubertäre Jungs aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden und in ein fremdes Land kommen, könnte das zu Problemen führen - für die Jugendlichen selbst und auch für ihre neue Umgebung. In der Flüchtlingswelle 2015 kamen ebenfalls viele unbegleitete Minderjährige, die hier ganz erhebliche Probleme gemacht haben.
In meinen Augen gibt es mehr Optionen als nur Waffenlieferungen ja oder nein. Man könnte die Waffenlieferungen an Bedingungen knüpfen, gewisse Regeln, die für einen EU-Beitritt ohnehin verpflichtend wären schon umzusetzen. Man könnte der Ukraine neben den Waffen auch mit Personal helfen, entweder die eigenen Streitkräfte oder Söldner. Mich wundert, dass diese Optionen nicht zumindest diskutiert werden und die alleinigen Waffenlieferungen als alternativlos gelten.
ich habe schon länger den Verdacht, dass der Krieg erst endet, wenn die NATO die Gretchenfrage stellt.
Das einzig effektive Stopschild für Putin ist die Frage, ob er ernsthaft jetzt und heute einen Krieg mit der NATO anfangen will. Wie Kuba 1962.
„Ab dem 1.9.23 ist die Ukraine NATO-Mitglied. Jeder neue oder weiterlaufende Angriff auf die Ukraine löst den Bündnisfall aus. Viele Grüße Stoltenberg“
Dann dürfen die Russen entscheiden, ob sie weiterkämpfen oder abziehen.
Aber wohl ist mir bei der Vorstellung nicht.
Oder wie wäre es, wenn die NATO die Weizentransporte sicherte? Auch dann könnte Putin es sich überlegen, ob er die NATO Schiffe angreift.
Um Dich zu zitieren: Wohl ist mir dabei nicht.
Die eigentlich Frage geht über den aktuellen Krieg hinaus: Wie gehen wir langfristig mit einem aggressiven Russland um? Können wir es ohne großen Krieg solange eindämmen bis sich in Russland ein demokratisches und damit hoffentlich friedlicheres System etabliert oder kommt es davor zu dem großen Knall? Die Erfahrungen aus der Geschichte lassen letzteres befürchten.
Es ginge immer noch der russischen Führung ein Angebot zu machen. Es würde sich doch nicht um ein Angebot als ein Akt der Belohnung handeln. Im Gegensatz dazu würde es sich um ein Angebot handeln, wo wir unsere Interessen in einer gedeihlichen Zukunft mit Russland und seinen 143,45 Millionen Einwohner innerhalb von Europa sehen - heraus aus dem Krieg in Verhandlungen, die das Ziel haben, sich gegen den Krieg zu stellen. Wenn man eine große Abneigung gegen den Verhandlungspartner hegt, darf man nicht das Ziel aus dem Auge verlieren und sollte Verhandlungsgegenstände fest machen.
Als Wiily Brandt damals ein paar Jahre zuvor nach Moskau reiste (1970 glaube ich) verhandelte er nicht nur für die BRD, die Ostverträge aus, er vermittelte in einer Eiszeit zwischen den USA und der UdSSR, Die Medien sprachen darauf hin von Tauwetter. 1975 - das Helsinkier Abkommen. Ich finde es bemerkenswert wie bunt damals überall alles war.
Schaut Euch mal mehr Musikvideos aus dieser Zeit an. Auch die Autos, alles bunt… Bitte kein Schwarz-Weiß denken hier im Forum…
Am besten rettet es die Sechzehnjährigen wenn die Nato-Staaten allen Staaten voran, ihre politische Aufgabe erfüllen und Friedensverhandlungen führen, die das Ei für Friedensverhandlungen (ähnliche Aussage Heribert Prantl: Der Frieden in der Ukraine ist ein noch ungelegtes Ei. Solange das so ist, kann man aber schon mal das Nest dafür bauen), zwischen den Ukrainern und Russen noch vor dem nächsten Osterfest das Nest bereiten - ist nächstes Jahr früher und Karneval früher zu Ende.
Damit wir die Ukraine militärisch so stark ausrüsten, damit sie den Feind schlagen, bevor die neu registrierten Sechzehnjährigen auch noch zur Front müssen?
Schwarzer Humor ein:
Die sollen sich mal schnell noch eine Freundin zulegen, damit sie den Beischlaf noch mehrfach erleben können, bevor sie auf jemanden treffen der gerade der Junarmija entronnen ist, und dann einer von den Beiden das nicht überleben könnte.
Schwarzer Humor wieder aus (oder doch ein, hätten ja die Freundinnen werden können?):
Nein, wir sollten auf Nummer sicher gehen und verhandeln bis es bei den Russen quietscht. So wie Amerika auf Nummer sicher gegangen sind und Abwehrschutzschirme für Raketenangriffen von islamischen Terroristen aufgestellt hatten. Ein Waffenstillstand muss her, damit auch diese unerträglichen Raketenangriffe gegen Zivilisten aufhören. Gestern hatte das ZDF wieder eindrücklich berichtet wie zwei junge Frauen umgekommen sind, durch russische Raketen, bei der Gelegenheit für die eigenen Soldaten zu singen und Geld zu sammeln.
Die Theorie dass die Ukraine ein zweites Israel würde in den Bezug zu Palästina und Hamas wurde von MIL-Bloggern diskutiert, aber ehrlich gesagt kann das nicht das Ziel sein.
Ich stimme Dir zu. Ein zweites Israel wurde allerdings bereits aus Washington für einen Übergang bis zu einer Nato-Mitgliedschaft vorgeschlagen. Das ganze wird ziemlich schwierig für die europäische Sicherheit und ggf. darüber hinaus, wenn alles in einer Blockhaltung gegenüber Russland umgesetzt werden soll. Die Ukraine sollte in die Nato und darüber gebe es eine Chance den Krieg zu beenden und den Konflikt der Nato mit Russland zu beenden. Zudem wäre es gut wenn sich die EU bemühen würde, den Rahmen um einen EU-Beitritt der Ukraine in die EU zu schaffen.