Nach etlichen Beiträgen hier im Forum zu eher wirtschaftlichen Themen aber auch zum Thema Klima scheint mir die Frage nach dem eigentlichen gesellschaftlichen Ziel, dass wir erreichen sollten oder wollen ziemlich unklar. Lassen wir mal die außenpolitische Situation außer Acht, bleiben ja immer noch genug Probleme, wie die große Bedrohung durch den Klimawandel, die sozialen Fragen wie hohe Miete, Unterschiede zwischen Arm und Reich, eine Wirtschaft, die gerade schwächelt usw. Meine Frage wäre also welche realistische aber optimistischen Vorstellung ( also keine Märchenwelt) habt ihr von einer Gesellschaft der Zukunft. Wie wird dort die Wirtschaft funktionieren? Wie sieht dort die Demokratie aus? Wie sind die Umweltbedingungen? Wie wird eine gesunde Ernährung und die Gesundheitspflege organisiert, wie leben die Rentner? Wie und welcher Wohlstand wird gesichert und all die anderen tausend Fragen, die euch sicher so einfallen. Es geht natürlich um kein fertiges Konzept( das wäre auch ziemlich) vermessen eher um Ideen, aber natürlich auch darum wie diese Idee verwirklicht werden könnte
Ich misstraue allen Konzepten davon, wie die Welt mal werden soll.
Das läuft immer auf Wunschkonzerte auf spekulativer (oder ohne) Tatsachengrundlage hinaus, die sich dann zu Ideologien verfestigen.
Das hatten wir mehrfach von Links, und Trump und die ganzen Rechtsnationalen weltweit machen gerade den nächsten Versuch von der anderen Seite.
Ich hätte gerne eine Welt, in der solche Konzepte und Ideologien keine Rolle spielen, und in der konkrete Probleme anhand von Fakten, Realismus, Logik, Sachverstand und Anstand gelöst werden - eins nach dem anderen.
Daraus ergibt sich dann automatisch ein ganz annehmbarer Zustand der Welt, würde ich vermuten, auch ohne Konzept.
Da musst Du Dich entscheiden: willst Du eine realistische oder eine optimistische Vorstellung? ![]()
Dann will ich mich mal so ausdrücken, eine möglichst optimistische Variante einer realistischen Welt. Ich muss zugeben, ich tue mich etwas schwer das Thema nichtig zu definieren Hintergrund ist dass ich bei Diskussionen wie bei der Wachstumfrage in den Köpfen der Kommentatoren unterschiedliche Vorstellungen herrschen. Da geht es bei einem nur darum die fossilen Energien zu ersetzen, bei anderen spielen Umweltschutz und Ökologie eine Rolle, andere eine wirklich klimaneutrale Gesellschaft mit Konsumverzicht, sicher gibt es auch noch Zwischentöne. Deine Skepsis auf fertige Konzepte teile ich, deshalb habe ich ja ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich das nicht erwarte und das ja auch ziemlich anmaßend wäre. Aber der Hinweis auf ein ideologiefreies und realistisches Denken ist aus meiner Sicht ohne Aussage. Gerade die angeblichen Realisten sind eben nicht ideologiefrei und für Veränderungen brauchen wir auch Visionen. Um es vielleicht konkreter zu formulieren- wo sind die Hauptziele euerer Vorstellung, welche Probleme seht ihr, wie wollt ihr das lösen?
Das wäre mein Hauptziel
Ja, das ist natürlich kein inhaltliches Ziel, sondern das Vertrauen darauf, dass bei einer solchen Vorgehensweise sich die „richtigen“ Inhalte von alleine ergeben.
ich sehe das größte Problem darin, dass sich zuviele Menschen mit zu wenig Sachverstand auf eine Version der Welt festlegen, wie sie sie gerne hätten.
Viel guter Wille, wenig Ahnung, kein Realismus.
Aber ich bin sicher, das sehen hier einige anders, und dann warten wir mal auf deren Ideen zu Deinen Fragen.
Hoppla, da macht ihr aber gerade ein ‚großes Fass‘ auf
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Konkret aufzählen zu wollen ‚Welche Welt wir wollen‘ wäre anmaßend … zumal im Plural … und wäre zudem durch meine 'biases’ geprägt.
Als gelernter Naturwissenschaftler neige ich zu einer bestimmten Herangehensweise an Probleme (besser: Fragestellungen), die nicht immer gut geeignet ist, komplexe Themen, die in sozialen und gesellschaftlichen Kontexten zu verhandeln/zu erkämpfen sind, einer Lösungen zumindest näherzubringen.
(Wir wissen ja gut inzwischen genug: ‚Follow the science‘ allein trägt nicht).
Außerdem habe ich im Laufe der Jahre eine ‚Allergie‘ gegen Konzepte oder Gesellschaftmodelle bzw. Ideologien entwickelt, die mit technokratischer Regulierung oder paternalistischem Dirigismus einhergehen. Eine Gesellschaft, die auf manipulative Lenkung setzt, bleibt stets anfällig für Missbrauch. Es gibt zahlreiche historische Beispiele dafür, dass ‚gut gemeinte‘ Eingriffe in autoritäre Kontrolle umschlagen.
Es ist trivial festzustellen, dass individuelle und kollektive Interessen oft miteinander konkurrieren.
Aus meiner persönlichen Einschätzung/Wahrnehmung stehen wir immer vor dem Dilemma, dass Menschen keine perfekten Rationalisten sind.
Sie handeln bekanntlich oft irrational, kurzfristig, emotional oder unter dem Einfluss von Manipulation … und natürlich geleitet von egoistischen materiellen Interessen. Mein Menschbild ist da eher pessimistisch geprägt.
Wenn also systemische Eingriffe immer die Gefahr des Missbrauchs oder der Übersteuerung bergen, bleibt eine alternative Lösung: Menschen selbst dazu befähigen, rationaler zu denken und zu handeln.
In einer Welt, in der mediale Aufmerksamkeitsökonomie oft das Irrationale begünstigt, erscheint es fast utopisch, darauf zu setzen.
Egal für welches konkrete weltverbessernde Ziel (Klima, soz. Gerechtigkeit, …) wir uns stark machen: es wird nicht gelingen, wenn man nicht ein politisches Umfeld hat, indem genügend Individuen befähigt und willens sind, selbst vernünftig und faktenbasiert zu denken und zu handeln. Ohne das gibt es auch keine funktionierende Demokratie.
Das Problem ist, dass diese Erziehung zur Rationalität“ ein mühsamer Prozess ist … und trotz Kants Diktum vom Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit sind wir da noch nicht weit genug.
Ich habe da ein eher evolutionäres Weltbild und die Evolution ist, nach allem was wir Wissen, ganz ohne Visionen ausgekommen. Auf deine Frage übertragen hieß das Reformen statt Revolution (alter preußischer Wahlspruch). Schrittweise Veränderungen.
Man kann bei einem komplexen, chaotischen System, wie es unsere globale Gesellschaft ist, keine Ziele vorgeben, Planwirtschaft funktioniert einfach nicht, zumindest nicht erfolgreich über einen längeren Zeitraum. Veränderungen in einem solchen, nicht-linearen System können große unvorhersehbare Auswirkungen haben. Deswegen sollte man Änderungen nicht ohne Not und vorsichtig vornehmen.
Visionen stören da nur. Die grundlegenden Imperative: Frieden, Freiheit, Brüderlichkeit (Fairness), Wohlstand sollten vollkommen ausreichen.
Eine positive Zukunftserzählung wäre schon gut, weil das motivierend ist.
Ich bin im Moment aber auch etwas ratlos.
Grundsätzlich ist für Menschen eine Welt gut, in der es saubere Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken, ausreichend gesundes Essen, Schutz vor Gewalt und eine menschenfreundliche Temperatur gibt.
Die vereinten Nationen haben ja schon ein bisschen vorgearbeitet:
Man kann eigentlich nur aus der Vergangenheit erzählen. Dieser Begriff weckt also die grundfalsche Vorstellung, dass der Erzähler wüsste, wie die Zukunft aussieht.
Es gibt ja verschiedene Utopien, Dystopien und Science-Fiktion als Buch oder Film. Das soll mehr zum Nachdenken anregen, was man erreichen oder auf jeden Fall vermeiden möchte.
Planwirtschaft wäre ja nur eine wirtschaftliche Alternative. Ich habe halt Zweifel, wenn wir keine Ziele definieren, dass dann auch der Weg nicht klar ist. Dass eine gesellschaftliche Entwicklung natürlich nicht einfach vorhersehbar ist, würde iach auch so sehen.
Gut ich denke diesen Ansatz würden die meisten hier unterschreiben. Für das saubere Wasser müssten wir aber wie weitere Verschmutzung durch Chemikalien ( insbesondere aus der Landwirtschaft ) und Mikroplastik verhindern. Derzeit sind nur 8 % unserer Gewässer wirklich in Ordnung
Für das gesunde Essen gilt ähnliches. Die ökologische Landwirtschaft bietet da sicher Alternativen, allerdings wird die Landwirtschaft durch den Klimawandel und die damit verbundenen Extremwetter immer schwieriger. Und die menschenfreundliche Temperatur ist natürlich das bekannte Thema, dass wir aus den Fossilien Energieträger aussteigen müssen. Das bedeudet eine andere Industrie und auch eine andere Art der Mobilität, m.E. wird da die individuelle Mobilität durch eigene Fahrzeuge wenig Zukuft haben. Allein diese Ziele erfordern also grundlegende gesellschaftliche Veränderungen.
Ihr betrachtet das eher aus der philosophischen Sicht. Ich würde die Frage eher aus meiner praktischen Lebenserfahrung heraus beantworten.
Ich habe Lebensumstände unter extremsten Bedingungen in Afrika, Südamerika und dem nahen Osten kennen gelernt. Betrachte ich mir die Ursachen für kriegerische Auseinandersetzungen, so wäre die Antwort:
wenn jeder ein Dach über dem Kopf, sauberes Wasser, ein Einkommen für die Ernährung seiner Familie hätte, gäbe es wenig Stress unter den Menschen. Jedoch werden Menschen immer wieder manipuliert. Das hat hat was mit Bildung und mit Waffen zu tun. Wenn in Afrika irgendwelche Rebellen ganze Dörfer abschlachten und das mit Freiheit begründen, dann hat die Bevölkerung angesichts der Waffengewalt wenig dagegen zu setzen. Gleiches gilt für die Ukraine. Hätten die Soldaten eine bessere Bildung, würden sie sich überlegen, ob sie wirklich für eine abstrakte Sache sterben möchten.
Bildung hat etwas mit freiem Zugang zu Wissen zu tun, aber auch die Absenz von Fake News und Propaganda. Würde in Nordkorea die breite Bevölkerung einen Zugang zu freiem unzensierten Wissen haben, gäbe es dort keine Diktatorenfamilie in der dritten Generation.
Doch wie sieht es bei uns aus? Wir haben freien Zugang zu Bildung und Informationen und dennoch kommen Kräfte wie die AfD mit ihren kruden Überzeugungen schrittweise an die Macht und in die Köpfe der Menschen.
Das kommt zustande, wenn die Politik die Bodenhaftung zur Bevölkerung verloren hat. Es werden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten werden können. Die heute in den Nachrichten diskutierte Schuldenorgie unter einem neuen Kanzler Merz wird die Preise noch weiter antreiben und der einfache Bürger fühlt sich abgehängt und verarscht.
Keine Ankündigung für Preiskontrolle, keine Ankündigung für bezahlbares Wohnen… da wird es nicht lange dauern, bis diese neu gewählte Regierung abdanken muss und es wieder Neuwahlen geben wird. Radikale Kräfte werden da nur verstärkt heraus gehen.
Individuelle Staatslösungen werden nicht funktionieren, da dies in einer globalisierten Welt nicht mehr den einen Staat geben kann. Selbst in den USA wo alle den Kotau vor Trump machen, spricht die Zollpolitik die Finanzmärkte nicht an. Es werden gerade Milliarden an den Börsen verbrannt.
Kurzfristige individuelle Lösungen werden also auch dem Klima nicht helfen. Menschen werden erst durch Katastrophen klug. Wenn also der Yellowstone-Vulkan hochgehen würde, der Big Bang am St. Andreasgraben käme oder das Mittelmeer durch Tsunamis bei einem Vulkanausbruch verwüstet werden würde, hätte das vielleicht den gewünschten Effekt. Wenn dagegen im Pazifik einige Inseln durch den steigenden Meeresspiegel absaufen, juckt das hier niemanden.
So gesehen hängen also Bildung, Politik und Klima stark zusammen.
Wir müssen also eine gute Politik betreiben, die eine gewisse Empathie für die Menschen entwickelt. Das muss global geschehen.
Leider stehen Propaganda, Gier, Lobbyismus und Religion diesem heeren Ziel entgegen.
Ja, ich weiß.
Aus meiner Sicht werden die falschen Werte priorisiert. Was ich geschrieben hatte, klingt für die meisten Leute banal, ist aber wichtiger als vieles Andere und gleichzeitig fragil.
Ja, auf den ersten Blick klingt das banal, weil das jeder unterschreiben würde (Wasser, Luft, Essen, Temperatur, Sicherheit für alle).
Sobald man aber darüber nachdenkt, wie man das erreicht (für alle Menschen!) stecken da riesige Aufgaben drin, die alles andere als banal sind.
Das Problem ist, dass die Erreichung dieser Ziele voraussetzt, dass sich die Menschheit grundlegend anders verhält als bisher:
Kein Nationalismus, kein Egoismus, keine Gewalt, präventives Handeln, langfristiges Denken, Verzichtsbereitschaft, Gerechtigkeit.
Die Chancen, dass das passiert, sind nicht groß.
Das einzige was bleibt, ist vielleicht, konkrete Schritte und Maßnahmen zu definieren, die die Situation verbessern bei den einzelnen Themen (Wasser, Luft, Essen usw). Das geschieht ja im gewissem Umfang auch laufend, aber es könnte natürlich immer mehr sein.
Und eine Einschränkung gibt es:
diese Ziele werden den meisten Europäern nicht reichen.
Mit Wasser, Luft und Essen sind die nicht zufrieden, das haben sie nämlich praktisch schon. Auch die Sicherheit ist nicht schlecht, und die Temperaturen sind auch noch OK.
Was sind deren Ziele?
Es sind ihre Ziele, das alles zu erhalten, sie wissen es nur nicht, weil sie die Gefährdung nicht erkennen.
Wie hat die Evolution das bloß gemacht? Natürlich sind manche kurzfristige Ziele und Pläne sinnvoll und notwendig. Wie z.B. die Bundesverkehrswegeplanung oder die Pläne zur Klimaneutralität. Ist das aber die Ebene, auf der wir hier diskutieren?
Die Evolution hat es mit Mutation und Selektion gemacht. Wer weiß, vielleicht gibt es in ein paar Millionen Jahren eine neue Spezies, die perfekt an die dann herrschenden Bedingungen angepasst ist?
Mit unseren Zielen als Menschen hat das aber eher weniger zu tun.
Sehr richtig!
Naja , erst einmal haben die Europäer zwar davon viel, aber das ist durchaus nicht selbstverständlich und ist auch in Zukunft gefährdet. Dennoch wollen natürlich die Europäer und auch die anderen Bürger der anderen Staaten auch einen gewissen Wohlstand. Und da wird es interessant. Wenn wir einerseits solche“ selbstvertändliche Sachen“ wie Klima, Luft, gesundes Essen, sauberes Wasser sichern wollen und zusätzlich auch noch einen gewissen Wohlstand, dann wird man zumindest den materiellen Wohlstand anders bewerten müssen. Damit ist sicher auch ein gewisser Verzicht verbunden.
Stimmt und solange werden auch die Wohlstandsansprüche bleiben wie bisher.
Wieso? Es geht doch nicht um eine neue Menschen-Spezies, sondern um die evolutionäre Entwicklung von Gesellschaften. Ist das Transferdenken so schwierig?
Dann sag das doch gleich.
Ich hatte übrigens nicht unbedingt an eine neue Menschen-Spezies gedacht, sondern an etwas ganz anderes, das sich vielleicht aus den heutigen Erdmännchen, Vögeln oder Asseln entwickelt. Deshalb hatte ich von mehreren Millionen Jahren geschrieben.
Nur menschliche Gesellschaften verhalten sich nicht evolutionär, da fehlt es schon an der Entwicklungszeit. Es gibt Kriege, Revolutionen, imperialistische Machtübernahmen etc. Da fehlt es schon an der Zeit gesellschaftlicher Anpassung.