Natürlich nicht! Auch wenn ich feststelle, dass ich, je älter ich werde, risikoscheuer werde 
Ich stelle allerdings immer schon Dinge in der Verhältnismäßigkeit gegenüber (soziologisch verständlich natürlich mit jeweils unterschiedlichem Ergebnis, das abhängig ist von meinem Alter, aber auch von veränderten Perspektiven, der Spontanität, etc., etc., etc.)
Im Politischen fällt die Spontanität bei mir völlig weg, da die langfristigen Folgen einer Entscheidung immer mit berücksichtigt werden müssen - was bei spontanen Entscheidungen - fast - nie der Fall ist.
Wenn ich nun diese beiden Aspekte gegenüberstelle, schätze ich das Risiko, dass die mangelnde Prinzipientreue an dieser Stelle mit sich bringt, höher ein als die Wahrscheinlichkeit, damit tausende - wenn nicht gar noch mehr - Menschen zu retten - wohl wissend, dass ich eigentlich dazu gar nicht seriös eine statistisch sauber hergeleitete Risikoanalyse beibringen kann.
Hinzu kommt bei mir noch in so einer Betrachtung, dass ich stets versuche, den Menschen von seinen Taten zu trennen, und die Achtung gegenüber dem Menschen möglichst niemals zu verlieren (im Gegensatz zur Respektierung der Taten) - das gilt auch für den Menschen Putin.
Ich bin wie Du der Meinung, dass man so jemanden möglichst aus dem Verkehr ziehen muss, da er eben derzeit als Entscheidungsträger doch eine Gefahr für andere darstellt (da sind wir bei der Faschismusanalyse von Hannah Arendt (von der Banalität des Bösen).
Die Frage ist allerdings, wer hier wen (und wie) aus dem Verkehr ziehen muss - der Ukrainekrieg ist zunächst ein Konflikt zwischen zwei Armeen (der Ukrainischen und der Russischen) - die Tatsache, dass es in Russland ein menschenverachtendes System mit einem menschenverachtenden Despoten an der Spitze gibt, ist - zunächst - ein rein russisches Problem (so, wie in erster Linie die Amerikaner mit Donald Trump (und wir wohl bald mit Merz) leben müssen - was sie sich/wir uns mehrheitlich selbst ausgesucht haben).
Natürlich hat Trump und Putin auch Auswirkungen auf uns.
Ich bin darüber hinaus der Auffassung, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Zurückweisung der Übergriffe anderer (ein absolut notwendiges wehrhaftes Verhalten, um zu „überleben“) und eigener Übergriffe (selbst, wenn sie „nur“ eine Reaktion auf fremde Übergriffe und nicht eine eigene Aktion darstellen).
Das ist dabei nicht einmal eine Frage einer Risikoanalyse, sondern ist der Erkenntnis geschuldet, dass ein solches betont passives Verhalten zu weitaus weniger Konflikten führt.
Auch hier wieder muss ich mir den „Vorwurf“ gefallen lassen a) in einem „Elfenbeinturm eines funktionierenden sozialen Umfeldes“ zu leben, und b) vielleicht den Fehler mache, persönliche Erfahrungen auf politische Strukturen zu projizieren, in denen so etwas gar nicht funktioniert, weil die dortigen Strukturen eben anders ineinandergreifend arbeiten.
Hier gilt - da auch ich nicht wirklich aus meiner Haut heraus kann -, dass ich im Austausch eine Perspektive anbiete/zur Disposition stelle - ganz ohne Anspruch auf weltweite Richtigkeit.