gerade bin ich im Internet durch Zufall auf dieses Video gestoßen:
Es besagt, dass es Lettland besser ging, solange sie noch mit Russland zusammen gearbeitet haben. Kann jemand von euch einschätzen, ob das faktisch richtig ist?
Was korrekt ist, ist dass es in den baltischen Staaten einen nicht unerheblichen Bevölkerungsteil gibt die sich als ethnisch und/oder sprachlich russisch versteht, die sich schon vor der Eskalation mit Russland diskriminiert gefühlt haben und die den konfrontativen Kurs der EU mit Russland sehr kritisch sehen.
Das weiß ich und sehe ich prinzipiell genauso. Nur hier ist es doch offensichtlich so, dass der „Markus Weber“ in der Form gar nicht real existent ist. Der dort sprechende Charakter ist AI-generiert, der betreffende Kanal erst kürzlich erstellt und ohne Hinweis auf die Urheber. Hier versucht jemand diese „Informationen“ und die damit verbundene Interpretation unter falscher Identität zu verbreiten - da sollte man schon hellhörig werden.
Der Inhalt selbst ist ja auch eher dürftig, viele wild zusammen gereimte Halbwahrheiten mit ganz viel Framing zusammen gemischt - keine Quellen, kaum prüfbare Fakten. Ich finds sehr fragwürdig solche Videos auch noch zu teilen, zumal es ja zu den dort besprochenen Themen durchaus seriöse und gehaltvolle Berichte gibt.
Müssen wir das überhaupt einschätzen?
Solange das Land halbwegs demokratisch regiert wird, müssen die Letten selbst beurteilen, ob und welche politischen und militärischen Zusammenarbeiten sie bevorzugen.
Die Engländer sind doch auch aus der EU ausgetreten, weil sie zu einem bestimmten Stichtag mehrheitlich (an der Urne) der Meinung waren, dass es ihnen ohne EU besser geht als mit - folglich sind sie dann auch ausgetreten.
Wenn ein demokratisch regiertes Lettland auch zu dem Schluss kommt - dann wenden sie sich eben wieder Russland zu.
Wenn wir das mit der Souveränität der Staaten ernst nehmen, dann ist das allein die Entscheidung der Letten.
Wenn hingegen Russland die Letten als Nächstes ohne demokratischen Beschluss der Letten ganz oder teilweise anschließen will (mit den gleichen Argumenten, das die russische Mehrheit/Minderheit unterdrückt wird), und auch dort einen Angriffskrieg initialisiert - haben wir das gleiche Problem wie in der Ukraine …
Die Briten hatten im Vertrag von Lissabon ein Opt-Out, Lettland hat das nicht. Insofern ist die Situation eine andere und es ist zu kurz gegriffen einzig auf die nationale Souveranität zu zeigen. Lettland hat sich gegenüber der EU als Völkerrechtssubjekt verpflichtet und andersrum gehen uns (als EU insgesamt) die Vorgänge in Lettland sehr wohl etwas an.
Auch wenn der Vergleich mit der Ukraine natürlich auch hinkt (weil kein EU-Mitglied), sehen wir da aber ein sehr ähnliches Problem: Bedürfnisse von Miderheiten werden unterdrückt statt ernst genommen, es kommt zu Segregation in der Bevölkerung, die dann von außen für andere Interessen instrumentalisiert werden kann - divide et impera, kannten schon die Römer.
OK, einverstanden - aber Verträge kann man mit viel Willen trotzdem ändern - das ist beim Völkerrecht anders, weil das kein klassischer Vertrag ist.
Trotzdem hast Du recht, dass die lettischen Hürden höher hängen als die britischen.
Das mit den geminderten Bürgerrechten ist natürlich ein Problem - aber zumindest im Falle Lettland könnte man wahrscheinlich - gerade wegen des europäischen Vertrages - auch eingreifen.
Ob das dann zu einem Austritt/Rausschmiss führt, oder zu einem EU-konformeren lettischen Staatsgebaren seinen Bürgern gegenüber, bleibt natürlich offen.
Es ist generell bedauerlich, dass bereits innerhalb der EU noch zu viele Regelungen zu unverbindlich sind. Vor allem vor dem Hintergrund eins angeblich existierenden gemeinamen Wertekanons.
Menschen die seit Staatsgründung dort leben, die auch keine andere Staatsbürgerschaft haben … klar kann man die noch heute, Jahrzehnte später als „Besatzer“ framen - aber das ist dann eben auch Propaganda.
Bei Menschen in Belgien, Dänemark oder Tirol würde heute auch keiner auf die Idee kommen denen ihre Bürgerrechte abzusprechen, nur weil ihre Vor-Vorfahren mal „Besatzer“ waren. Was ist das eigentlich für eine verquere Rassenlehre, Menschen nach ihrer Abstammung in rechtmäßig und unrechtmäßig kategorisieren zu wollen? Ists schon wieder so weit?
Ganz nach Arthur Ponsonby, die zehn Prinzipien der Propaganda:
1. Wir wollen den Krieg nicht
2. Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung
3. Der Führer des Gegners ist ein Teufel
4. Wir kämpfen für eine gute Sache
5. Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen
6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich
7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm
8. Künstler und Intellektuellen unterstützen unsere Sache
9. Unsere Mission ist heilig
10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.
Naja, hätte ich es nicht geteilt, hätte ich das vielleicht gar nicht erkannt.
Ich denke, das ist schon wichtig, so etwas zu analysieren, und natürlich gibt es besser Quellen, aber wie bereits erwähnt:
Es handelt sich dabei um ein Thema, von dem ich keine Ahnung habe, und ich denke, das kann das Forum doch leisten, hier aufzuklären, wenn sich jemand mit dem Thema auskennt.
Ja, irgendwie schon, weil wir bis vor kurzem ja auch noch selbst gut mit Russland zusammen gearbeitet haben und zumindest ich von Leuten umgeben bin, die dieser Zeit nachtrauern.
Das habe ich nicht getan. Aber sie stammen nun mal von Besatzern ab.
Ich bin auch der Meinung, sie sollten volle Bürgerrechte erhalten. Ich bin aber auch der Meinung, sie sollten dem Staat gegenüber loyal sein.
Und ich bin weiter der Meinung, das Ganze geht Putin/Russland einen feuchten Dreck an, um es mal so drastisch zu sagen.
Genau so arbeiten Internet Trolle: sie posten Propaganda und Menschen, die keine Ahnung haben, verbreiten es weiter.
Wenn die wirklich Faktencheck wolltest, solltest du die Behauptungen aus dem Video, denen du nicht traust, einfach mal selber recherchieren. Und wenn dir das zu mühsam ist, könntest du hier auch Fragen stellen. Aber nicht einfach diesen Dreck hier posten und von anderen erwarten, dass sie sich die Mühe machen, den Unsinn zu widerlegen. Das geht so nicht.
Nein, dann brauche ich kein Forum.
Das ist doch gerade das Gute, wenn es hier Leute gibt, die es sowieso wissen, ohne lange zu suchen.
Das habe ich getan.
Dann bitte doch am besten @mod_kalo um Hilfe. Er könnte den Beitrag einfach ausblenden, wurde aber das letzte Mal vor 20 Tagen gesehen. @Mod_lawandorder könnte das auch. Er wurde aber das letzte Mal vor 22 Tagen gesehen.
Sind nicht alle Letten letztendlich Besatzer der Liven? Und von welchen Besatzern stammst du eigentlich ab? Wie man es auch dreht, du versucht Abstammung als Kriterium für die Diskreditierung bestimmter Bevölkerungsgruppen zu legitimieren.
Wenn dieser Staat zu einem Drittel aus ebendiesen „Nachfahren“ besteht, ist staatliche Loyalität keine Einbahnstraße.
Ich hatte ja eigentlich nur gefragt, ob jemand weiß, ob es Lettland vor dem totalen Bruch mit Russland besser ging. An dem Video hänge ich nicht, es hat mich nur inspiriert, diese Frage zu stellen.
Deine Methode mit solchen Problemen umzugehen ist jetzt an eine Grenze gestoßen. Kein Grund, komplett aufzugeben.
Versuch einfach mal eine andere Methode.