Wie realistisch ist unser Bild von der Landwirtschaft?

Dieser (Gast-)Kommentar in der TAZ vom 19.01. von einem ‚konventionellen‘ Landwirt legt m.E. gut dar, wie weit die ‚grünen‘ Hoffnungen darauf, dass ein voller Umstieg auf Biolandbau eine schnelle, realistische und - v.a. für Geringverdiener - bezahlbare Zukunftsoption darstellt - von der Realisierung entfernt sind.
Umwelt und Landwirtschaft: Unmögliche Mission - taz.de

Cem Özdemir Rundgang über die Grüne Woche steht bevor. Anspruch/Wunsch treffen da vermutlich auf die harten Realitäten der deutsche und insbesondere der europäischen Landwirtschaft und Ernährungsindustrie. Viel wurde von Grüns versprochen, aber offenbar nur wenige umgesetzt. Ich denke da nur an der Kükenschreddern, das zwar in Deutschland untersagt ist, nicht aber im europäischen Umland. Deutsche Betriebe, die vor Ort mit Kükenschutz werben, entsorgen nun offenbar den unerwünschten Nachwuchs im Ausland ( So stand es kürzlich in der Zeitung). Gleiches gilt wohl fürs Tierwohl, das übrigens im Wahlkampf das große Thema der Grünen MdB mit schwäbischen Wurzeln meines KV war (jetzt Staatssekretärin bei Cem.) Vom Tierwohl hat man seither nichts Nennenswertes mehr gehört. Wahrscheinlich handelt es sich auch wieder um ein Thema, das sogleich an der Mauer der Bauernlobby in Deutschland und in der EU zerschellt ist. Das es zu Durchbrüchen beim Tierwohl gekommen wäre, ist mir jedenfalls nicht erinnerlich. (Wenn ich mich irren sollte, helft meiner Wahrnehmung bitte auf die Sprünge!)
Die Frage nach Möglichkeiten, die mafiösen Machenschaften der Bauern(Lobby) und der Lebensmittelindustrie zu durchbrechen und den Wahnsinn der Agrarsubventionen zu beenden, der maßgeblich dabei hilft unsere Umwelt zerstört, bleibt als weiterhin unbeantwortet. Die Grünen scheinen da leider den Mund etwas zu voll genommen zu haben.

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Das hab ich ja auch schon länger gesagt. erstens ist die Agrarlobby ein Problem uns zweitens kommt der Bioanbau zu spät um die Klimaerwärmung zu stoppen.
Dazu kommt das Problem, dass durch die Klimaerwärmung die Ernten sinken. Das heißt dann reicht die vorhandene Ackerfläche nicht aus um alle zu ernähren.
Es wird draußen zu trocken und zu heiß für normalen Ackerbau. Und das Wasser wird wegen langer Trockenheit knapp.

Wir werden künftig vieles in Vertical Farms anbauen müsen um genug zu essen zu haben weil unabhängig vom Außenklima und sehr sparsam an Fläche, Pestiziden und Wasser sowie Dünger.

Der Ertrag ist sogar höher als beim normalen Anbau. Etwa 3 bis 5 mal so hoch.
Die Qualität der Ernte doppelt so gut ohne Pestizide.

Die Klimatisierung der Vertical Farms Gewächshäuser lässt sich mit EEs sicherstellen. (PV, Wind, Solarwärme)

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Die Bio-Landbau-Lobby ist aber auch nicht ‚ohne‘… da gibt es eine Menge Dogmatismus und irreführende Postulate: es wäre verheerend, wenn Biolandbau weltweit und flächendeckend praktiziert würde. Mit Bio lässt sich die Welt mit 10 Milliarden Menschen nicht ernähren, es sei denn, alle Menschen würden Vegetarier, die Feucht- und Almwiesen sowie die Steppen dieser Welt könnten für den Getreideanbau genutzt werden, es würden keine Lebensmittel mehr verderben und weggeworfen werden (im Biolandbau vergammeln Jahr für Jahr Tonnen von Lebensmitteln auf den Feldern, weil die Biobauern keine wirksamen Pflanzenschutzmittel einsetzen), man müsste auf den Anbau von Treibstoffpflanzen und Genussmitteln verzichten (Tee, Kaffee, Wein und Hopfen sind nicht überlebensnotwendig) und niemand würde mehr als die Kalorien zu sich nehmen, die in Ernährungsempfehlungen der WHO errechnet wurden.
Im Klartext: Es müssten nicht nur die Bewohner von Berlin-Mitte und Downtown Manhattan auf Hafermilch, Gemüsebratlinge und Tofusteaks umsteigen, sondern auch alle Chinesen, alle Afrikaner, alle Russen und ein paar Milliarden weitere Menschen (da schaut bei mir auch eine Menge sonst so verpöntes neokoloniales Denken um die Ecke: der ‚Westen‘ sagt dem Rest mal Welt mal wieder wie es gehen soll.
Man kann sich das alles wünschen, aber es erinnert an den Lösungsvorschlag der katholischen Kirche zur Bekämpfung von AIDS: Wenn alle Menschen auf vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehr verzichten, benötigen wir keine Hightech-Medizin gegen HIV mehr, denn die Seuche findet ein natürliches Ende.
Ein bischen Polemik muss manchmal sein… ich ertrage das Herbei-Phantasieren einer Landwirtschaft ohne Düngemittel, ohne Herbizide, ohne Pestizide und ohne moderne Züchtungsmethoden (ja, mit Gen-Technik!!!) für Volksverdummung. Sollen wir zurück zum Jäger- und Sammler-Status vor der neolithischen Revolution? Ist denn völlig aus dem Blick geraten, dass der globale Bevölkerungszuwachs, d.h. die Überwindung der Jahrtausende langen ‚Malthusianischen‘ Phase, erst mit der industriellen Revolution… und damit auch der Modernisierung der Landwirtschaft möglich wurde? Die Menschheit war bis vor rd. 200 Jahren fast immer nur eine Missernte vom Hunger entfernt.

Wir können uns es jetzt leisten, aus einer Luxus-Perspektive zu denken…und das Grüne Milieu kauft im Ökoladen, bei Manufaktum und Neuland-Fleisch von handgestreichelten Tieren.
Wer Nahrungspflanzen anbaut, kann das nicht „im Einklang mit der Natur“ tun, sondern muss in die Natur eingreifen: roden, pflügen, säen, jäten, Schädlinge bekämpfen, düngen, bewässern, Ernte schützen, Pflanzen züchten. Jeder einzelne dieser Schritte hat Folgen für das vielbeschworene ökologische Gleichgewicht. Auch Biolandbau verändert Boden, Lebensräume, Biodiversität, Gene und das Klima. Ökolandbau benötigt für die gleichen Erträge und dieser Flächenbedarf führt zu weiterer Entwaldung und erhöht damit den CO2-Ausstoß, statt ihn zu verringern.

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Ja das ist tatsächlich so. Das mit diesem Handgestreichelten Luxus- Schlachttieren ist eigentlich teuerer Blödsinn. (was nicht heißt, das der Tierschutz missachtet werden darf) Un ja, der Fleischkonsum muss gesenkt werden, aber nicht mit dem verlogenen Streichelzoo Unsinn. Einfach weniger produzienen und keine Qualzucht reicht schon. Dazu gehört auch dass Stopfente und Co. nicht mehr importiert werden darf. (darf noch gegessen werden in DE, aber nicht gehalten und geschlachtet)

Und Veganismus ist auch weder Umweltfreundlich (oft stark verarbeitete Produkte) noch wirklich gesund.
Das ist ach nur ein moderner Hype, sonst nix. Wenn ich sehe wie viel Chemie im Veggie Schnitzel drin ist wird mir schlecht :face_vomiting: … da kaufe ich mir dann lieber ein normales vom Metzger im Dorf…

Und beim Vertical- Farm Anbau darf man sich über Lebensmittel freuen, die gut schmecken und von nahezu Medikamentenmäßiger Reinheit sind. Einfach weil da keine Pestizide benötigt werden und Pflanzen, die nicht in Erde wachsen, sind auch keine Schadstoffe aus dem Boden jeglicher Art drin. Natürliche und synthetische Bodengifte fallen weg, z. B natürliches Schwermetall im Reisfeld wie Arsen.
Ja ja, Veggie Freunde essen viel Arsen… soo gesund…

Aber natürlich auch Mineralöl und Industriegifte die im Boden drin sind. Komischerweise haben alle Leute Angst, ihre Pillen wären verunreinigt, bei jeder Blähung haben die dann Angst sie sterben gleich, aber nur wenn Bio drauf steht ist automaisch alles in Ordnung… auch bei Bauchweh…

Wäre in Medikamenten so viel Arsen gefunden worden wie in Reis von Natur aus drin ist, wäre der Hersteller gesteinigt worden…

Da wir also viel zu oft mit zweierlei Maß gemessen. (Hinweis: Niedrig dosieres
Arsen über längere Zeit ist nicht akut tödlich, aber führt zu Nierenkrebs)

Und das mit dem hohen Flächenverbrauch für Bioanbau stimmt leider auch.

Und viele Veggies haben Angst vor Plastik im Supermarkt. Ja , das zeug ist Problematisch, aber in Ihrer eigenen Vertical Farm, was die ersten Veggies jedtzt haben, sind meist selbst gebastelte Plastikteile aus dem baumarkt drin… Zum Beispiel Plastik Abwasserrohr… das entält aber viel Schadstoff, ist nicht für den Zweck zugelassen…

Eine Profi Farm hat Pflanzbehälter, die aus Mehrwegplastik für Lebensmittel Herstestellt wird. Der Selbe Kunststoff der in Tupperware Merhweggeschirr aus Plastik drin ist. (eher noch besser da ohne Farbstoffe) KEIN Abflussrohr wie im Internet oft zum Selbstbau empfohlen wird!

Sonst isst man als Veggie mehr Plasik wie ich mit meinem normalen Schnitzel, garantiert…

Und bevor ich es vergesse, vergesst die Öko to go becher, das ist Mikroplastik pur… lecker…
Wer kein Wegwerf Plastik to go will, der muss halt die gute alte Keramiktasse nehmen. Nicht die to Go Becher, die Dinger sind so schädlich, die gehören verboten. Alles andere ist Blödsinn… Ich benutze die immer noch gerne die alte keramiktasse…

Gut ich habe jetzt etwas ausgeholt aber genau das ist das häufig anzutreffende falsche Bild von Landwirtschaft und Ernährung… vor allem bei Grünen und bei Veggies.

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Hinweis auf einen Vortrag von
Urs Niggli
… ist ein Schweizer Agrarwissenschaftler und Vordenker des biologischen Landbaus. Von 1990 bis März 2020 leitete er das Forschungsinstitut für biologischen Landbau im aargauischen Frick.

You-Tube Mitschnitt eines Vortrags bei den Wiener ‚Skeptics in the Pub‘
Emotionen und moderne Mythen um Landwirtschaft und Ernährung | Urs Niggli - YouTube