Tja, da kommen wir historisch aus sehr konträren Ecken inneren Erlebens (auch wenn ich in der Rückschau das nicht gerade als eine Glanzzeit meines Lebens betachten würde, um es sehr vorsichtig zu formulieren, während Dein damaliger Ansatz sicher der weitaus konstruktivere war …)
Ich weiß auch gar nicht, ob man so was „gezielt einreden“ muss. Sicher kann man dadurch Dinge deutlich verstärken - das macht wohl auch die AfD. Aber die Motivation selbst steckt bereits tief in einem selbst, und wird nicht erst von aussen „eingepflanzt“.
Ein wichtiger Indikator ist für mich das „innere Gerechtigkeitsgefühl“. Je stärker die Einschätzungen der äußeren Realität von der inneren Überzeugung in diesem Punkt abweicht, desto größer wird das Spannungsfeld, in dem man sich innerlich befindet. Und desto größer ist auch das Änderungsbedürfnis.
Nun sollte man dies einer bewusten Überprüfung unterziehen, da es sein kann, dass eine wahrgenommene Ungerechtigkeit bei Perspektivwechsel gar nicht mehr soooo ungerecht ist.
Das fängt bei ganz banalen Dingen an: wenn man früher ins Bett gehen muss als das ältere Geschwisterkind, dann ist das gefüht eine schreiende Ungerechtigkeit (aus der Perspektive, dass wir alle Menschen sind, und daher auch alle gleichzeitig ins Bett gehen dürften (Annekdoten aus meiner eigenen wie auch aus der Kindheit meiner Kinder)
. Ist es aber natülich nicht, denn wenn man die Perspektive wechselt und den Schlafbedarf in unterschiedlichen Altersstufen betrachtet, dann ist das alles ganz OK.
Wenn mein Nachbar mehr verdient als ich, dann kann das ungerecht sein (wenn er das gleiche tut wie ich - Stichwort: gleicher Lohn für gleiche Arbeit) - es kann aber auch gerecht sein, weil er eine Firma leitet, während ich nur den Boden wische). Man ist gut beraten, sich hier nicht (nur) von seinen Emotionen leiten zu lassen.
Gleiches gilt auch für die Frage, wann (und vor allem wie) man dann gegebenenfalls Widerstand leistet.
Man kann dann den Nachbarn als Teil des ausbeuterischen Systems erschießen oder für Mindestlohn und bessere Lohnstrukturen auf die Straße gehen.
Inzwischen - seit nunmehr seit fast 35 Jahren - empfehle ich unbedingt letzteres 