Wildnis erleben

Ich wurde gebeten, diesen link zu teilen, damit möglichst viele Leute an dieser (anonymen) Umfrage teilnehmen:
Umfrage Wildnis erleben

Ich finde die Umfrage sehr interessant, auch um sich mal selbst Gedanken zu machen, was man unter „Wildnis“ versteht.

Hier die Aufforderung, sie zu teilen:
„Was bewegt Menschen dazu, die Wildnis in Deutschland zu suchen? Um diese Frage zu beantworten, führe ich, Heidi Witzmann, Masterstudentin für Nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE), aktuell eine deutschlandweite Online-Befragung von Naturinteressierten im Rahmen meiner Masterthesis durch.
Mit meiner Studie möchte ich mehr über die Motive, Interessen und Wünsche der Menschen herausfinden, die an Wildniserleben in Deutschland interessiert sind. Außerdem frage ich aufbauend auf den Naturbewusstseinsstudien nach dem Verständnis bzw. der Wahrnehmung von Wildnis. Das Ergebnis soll eine Zielgruppenanalyse der (potentiellen) Wildnistourist*innen in Deutschland sein und hoffentlich interessante Erkenntnisse für Naturschutz und Tourismus liefern. Um bis Mitte April eine breite Datenbasis zu erhalten, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie die Umfrage über Ihre Kanäle streuen könnten. Vielleicht wäre es möglich, die Umfrage in Ihren Newsletter zu integrieren oder sie auf Social Media zu teilen?
Die Umfrage dauert etwa 10-15 Minuten und läuft bis zum 12. April.“

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Hat Spaß gemacht.

Und mir gezeigt, wie groß die Diskrepanz ist zwischen dem gewünschten Erlebnis Wildnis bei einem Ausflug oder einer Reise und dem tatsächlichen bzw fehlenden Erleben in der Wohnumgebung.

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Ich hatte bei den Wünschen angegeben, dass dort, wo Menschen wohnen, mehr Wildnis sein soll, obwohl ich selbst damit ganz gut bedient bin. :slightly_smiling_face:

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Ja, das ist so wichtig. Es hat direkte positive Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern und die Gesundheit aller.

Mir fehlt es sehr, obwohl Naturschutzgebiete in der Nähe sind. Aber der Grünraum ums Haus ist so lieblos, es tut mir manchmal weh.

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was hält Dich ab?

Ich finde die Frage schwer zu beantworten. Ich fühle mich vor mir selbst in der Defensive, und ich weiß nicht, wie offen ich hier sein kann und will. Es ist aber sogar ein Aspekt zum Thema.

Ich lebe hier in einer der schönsten Landschaften Deutschlands, der Bodensee ist etwa 500 m entfernt, durch ein Wohngebiet und über die Bahn zum Strandbad mit Campingplatz. Von da unten gehen Wege ab, einer ist ein schmaler Fußweg am See entlang durch ein Schutzgebiet. In der anderen Richtung geht es durchs Dorf den Berg hinauf, oben zwischen Feldern durch, über die Bundesstraße, die mal eine Autobahn werden sollte, dann in ein Schutzgebiet mit See, Wald und Ried. Da hinten ist es wunderschön.

Es wäre so einfach. Als es mir gut ging, bin ich da meist alleine gelaufen, dann eine Zeitlang mit einer Walkinggruppe, in der ich eine Mitfahrgelegenheit hatte zum Waldparkplatz. An der Motivation liegt es nicht.

Ich habe kein Auto mehr, und auf dem Fahrrad bin ich außer Übung und habe Gleichgewichtsprobleme. Mit meiner Betreuerin (psychosozial, nicht gesetzlich) bin ich ab und zu etwas rausgekommen und etwas gelaufen, manchmal an eine hübsche Stelle gefahren, wenn nichts anderes anstand.

Seitdem ich Weihnachten erst nach Frankfurt zu meiner Tochter und im Januar nach Delft zu meinem Sohn und seiner Familie gefahren bin, mit dem Zug eine Weltreise, habe ich mal wieder einen Crash. Ständig Panikattacken, auch vor und bei dem Rausgehen, und dann Erschöpfung und chronische Migräne. Jeden Schritt vor die Haustür muss ich mir erarbeiten. Vielleicht würde ein vollkommener Umgebungswechsel diesen Teufelskreis durchbrechen, ich denke darüber nach.

Darum ist die direkte Wohnumgebung so wichtig. Ich merke den Unterschied, wenn ich in der Psychiatrie bin (ist inzwischen eine ganze Weile her). Dort gibt es einen Park mit alten Bäumen, in dem die Häuser mit den Stationen stehen, und ich merke jedesmal, wie gut das tut, vor die Tür zu treten und mich sicher zu fühlen, und die Sinne werden lebendig. Menschen brauchen Natur um sich herum, nur viele spüren das nicht mehr.

Vielleicht habe ich es verständlich gemacht. Hoffentlich :green_heart:

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Bei mir ist die Ostsee mit dem Bus erreichbar, zu Fuß bin ich schnell in einem Naturschutzgebiet, die Holsteiner Seenplatte ist auch nicht weit. Für mich erreichbare Naturgebiete gibt es genug. Aber irgendwie finde ich das alles nicht mehr spannend, weil ich die Gegend und die Natur, Vegetation schon kenne. Ich mag lieber an mir noch unbekannten Orten in der Natur sein, in denen ich neues entdecken kann.

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Die direkte Wohnumgebung ist für viele wichtig.
Für Kinder zum Beispiel ist es gut, mit der Natur groß zu werden, und die dürfen ja meistens allein gar nicht so weit weg gehen zum Spielen.
Alle Menschen, die körperliche Einschränkungen oder zeitliche Einschränkungen (z.B. durch Berufstätigkeit) haben können auch nicht ständig große Touren machen.

Spannend wird es für mich immer dann, wenn ich mich intensiver mit Tieren und Pflanzen beschäftige, die ich vorher noch nicht kannte und sie im Jahresverlauf beobachte.

Beruhigend finde ich zum Beispiel die großen Eichen vor meinem Fenster.
Ich kann vom Fenster aus täglich miterleben, wie sich erst kleine Blüten entwickeln, aus denen dann später Eicheln werden, und wenn sich die winzigen Blätter entfalten bis sie im Herbst abfallen und den Blick auf den Himmel frei machen (und wir dann mit vereinten Kräften einen Monat lang alle Blätter vom Gehweg räumen müssen, bevor sich die Stadt oder die Nachbarn beschweren, was dann wieder ein bisschen Spannung rein bringt :slightly_smiling_face:).

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Ich kann mich hier nur einordnen. Für mich ist der enge Kontakt zur Natur sehr wichtig. Deswegen bin ich aus der Großstadt heraus gezogen und habe jetzt Berge, Wälder, Almen, Bäche, einen Fluß, einen kleinen See, Moore (heißen bei uns Filze) direkt vor der Haustür und der Chiemsee ist auch nur 40 Fahrradminuten entfernt. Damit hat sich mein Drang zu weiteren Reisen stark vermindert, es gibt hier immer noch was Neues zu entdecken.

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Bei der Umfrage habe ich mitgemacht. Allerdings verstehe ich unter „Wildnis“ Natur ohne Eingriffe des Menschen, also z.B. echte Urwälder. In Deutschland haben wir nach meinem Verständnis gar keine echte Wildnis. Sieht man mal von den verlassenen Kieler Schrebergärten ab, die seit 20 Jahren gemütlich verwildern, zumeist aber nur mit Brombeeren zugewachsen sind. Insofern finde ich den Titel der Umfrage etwas hoch gegriffen.

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ja, natürlich, das kann ich gut verstehen.
Ich bin auch zunehmend eingeschränkt, kann längere Strecken nicht mehr gehen, aber ich schaffe es, jede Woche ein oder zweimal irgendwo hin zum Vogelbeobachten zu gehen/fahren.
Ich weiß nicht, ob Dir das was abgibt, aber wenn Du einen Balkon hast und da eine Futterstelle aufbaust, hast Du die „Wildnis“ in Form von Meisen, Spatzen und Rotkehlchen vor dem Fenster.

ja. so verstehen wir das.
Für die Tiere (ich nehme mal wieder die Vögel) ist aber jeder Ententeich und jeder Baggersee „Wildnis“. Wenn Du eine Meise oder eine Taube bist, kann Dein Leben in jeder Minute zu Ende sein, weil ein Sperber Dich entdeckt hat, und im Winter droht Dir jede Nacht der Kältetod.
Wenn ich im Winter bei Minusgraden an einem See stehe und Vögel fotografiere, gehe ich nach 2 Stunden mit kalten Fingern nach hause, und denke mir jedesmal, wie das wohl ist, wenn man als Stockente auf dem zugefrorenen See sitzt und nicht weiß, ob man morgen früh noch lebt.
Das nötigt mir großen Respekt ab, muss ich sagen. Mit Gleichmut ein Leben zu führen, in dem jede Minute die letzte sein kann, aus vielen Gründen. Mit ist das „wild“ genug.

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Das ist eine Definitionsfrage. Deshalb ja auch die Umfrage.

Nach meinem Verständnis sind alle Tiere Wildtiere, die keine Haus- oder Zootiere sind und ganz allein klar kommen, vom Wildschwein bis zur Spinne.

Ebenso alle Pflanzen vom Löwenzahn bis zum Baum, den niemand gepflanzt hat und niemand pflegt.

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Naja, es gibt aber eine Entwicklung in der Tierwelt, dass Wildtiere immer mehr in Städte kommen, weil dort die Nahrungsbeschaffung über Abfälle oder Fütterung der Menschen einfacher ist, als in der freien Wildbahn. (Die Dörfer und Städte im Land werden wilder | Staatsanzeiger BW)
Insofern sind viele Tierarten (Waschbär, Krähe, Fuchs, Wilschwein, Ratten, Marder, Enten, Schwäne, Gänse) gar nicht so wild, sondern vom Menschen abhängig.

Diese Lebensbedrohung ist für mich eine seltsame Definition von Wildnis. Mein Leben ist auch jeden Tag bedroht durch Verkehrsunfälle, Messerstecher oder multiresistente Keime in Kliniken.
Außerdem sind viele Vogelarten im Moment eher durch die Vogelgrippe oder andere Infektionskrankheiten gefährdet, als durch Sperber, Kälte oder Hunger.

Solange sie nicht gezielt gezüchtet werden sind sie nach meinem Empfinden wild. Sie entscheiden ja selbst, in die Städte zu kommen.

Ich hatte das nicht als Definition von Wildnis verstanden, sondern eher als eine Zustandsbeschreibung. Über Zoos sagen viele Leute „lasst doch die Tiere frei“, aber die meisten würden in der Wildbahn nicht lange überleben.

Hier geht es um Kultur von wilden Vögeln, den Gesang, den sie vor dem Auswildern erst lernen müssen: https://www.nytimes.com/2026/03/17/science/birds-honeyeater-birdsong-conservation.html?unlocked_article_code=1.UFA.Vsik.qyorUKHqRoEa&smid=url-share

Wildnis und Menschenraum lassen sich oft nicht trennen.

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Bei uns war in letzter Zeit der Gesang eines Rotkehlchens dominierend. Das hatte ich so noch nie erlebt. Das Rotkehlchen ist zwar sehr häufig und wenig menschenscheu, aber sein Gesang ging bisher immer unter, und ich konnte ihn nie so richtig erkennen. Jetzt höre ich ihn morgens und abends sogar durch die Fensterscheibe, total laut und weitestgehend ungestört. Ich hoffe, ich kann ihn mir merken und auch demnächst in einem Vogelstimmengewirr erkennen. :slightly_smiling_face:

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Ich kann auch Natur (Landschaft, Vegetation,…) mit Eingriffen des Menschen schätzen und genießen. Ohne die Anlage von Steigen wären manche Gipfel für mich unerreichbar, ohne die Weidewirtschaft gäbe es nicht die herrlichen Blumenmatten an den Hängen. Urwald kann auch etwas sehr Tristes sein, Wildnis etwas sehr Unzugängliches.

Das kann ich auch und bevorzuge befestigte Wege durch die Landschaft. Aber „Wildnis“ beginnt für mich dort, wo die Wege der Menschen in der Natur aufhören.