Wir brauchen "disruption"

Viel Text, vielleicht schafft es der eine oder andere trotzdem bis zum Ende :slight_smile:

Deutschland und Europa (und wohl auch die USA) brauchen eine „disruption“, wie man neudeutsch sagt.

Es herrscht allgemein das Gefühl „so gehts nicht weiter, das funktioniert alles nicht, ist alles Käse, keine Partei hat einen Plan, läuft alles in die falsche Richtung, ändert sich eh nix.“

Aus diesem Gefühl (u.a.) speist sich der Erfolg der AfD und der Trumps und Orbans dieser Welt. Es muss was drastisches passieren, das können und wollen die bestehenden Strukturen (die „Altparteien“) aber nicht liefern.
Also muss der starke Mann her, der es mit der Brechstange (oder der Kettensäge) macht.
Trump exerziert das gerade durch, er demontiert den Staat und die internationale Ordnung.

Ich glaube zunehmend, dass der Wunsch nach „disruption“ berechtigt ist.
Wir stecken tatsächlich an zu vielen Punkten fest, es tut sich nichts, Veränderungen sind unmöglich, alles geht quälend langsam, es scheitert immer an irgendwem oder irgendwas.
Stuttgart 21, BER, Bundeswehr, Polizeiausrüstung, technologische Zweitrangigkeit der gesamten EU, die Energie- und Klimatransformation - die Beispiele sind bekannt.

Mit den bisherigen Strukturen und Verfahren können wir die Probleme, die wir haben, nicht lösen. Das scheint mir festzustehen.
Insofern „fühlen“ die ganzen Rechtsnationalen vielleicht sogar einen echten Schwachpunkt des Systems.
Sie ziehen nur sehr dumme Schlüsse daraus und glauben, dass sich die Sache mit ein paar einfachen „Wahrheiten“ (alle Migranten müssen raus, dann wird alles gut) und einer vulgären und hirnlosen Brutalität gegen alle Institutionen lösen lässt.

Könnte man dem nicht eine andere, intelligentere Art der „disruption“ entgegensetzen?

ein paar Stichworte, die mich auf die Idee gebracht haben:

Diese Art der Politik müsste so radikal sein wie die von Trump, aber intelligenter, indem ihr nichts heilig ist, wenn es nicht seinen Zweck erfüllt.
Wenn etwas nicht funktioniert, gehört es weg, egal in welchem Parteiprogramm es steht und wie gut es gemeint war.
Keine Institution und keine Regel darf sakrosankt sein, alles kommt auf den Prüfstand.
Der Föderalismus wäre einer meiner Lieblingskandidaten, 10 oder 11 Bundesländer würden auch reichen; aber auch die EU in der jetzigen Form, die einen Orban nicht loswird und keinen einheitlichen Willen bilden kann.

Zuerst kümmern wir uns um die überragend wichtigen Dinge (Wirtschaft, Klima, Krieg und Frieden), Nebenthemen kommen später, dafür vergeuden wir keine Zeit und Energie. Kann sein, dass dann sowas wie das SelbstbestimmungsG 10 Jahre später kommt.
Mit sowas wie Gendern würde sich niemand in Politik, Verwaltung oder Wirtschaft mehr beschäftigen, weder dafür noch dagegen, das soll jeder machen, wie er will. Die ganzen Identitäts- und Kulturkampfthemen von allen Seiten machen Pause.

Stattdessen stecken wir unsere gesamte Zeit und Energie in lebenswichtige Vorhaben:
Stärkung der Wirtschaft, Wohnungsbau, Aufbau der Bundeswehr, Europäische Einigung, Klimaschutz, Netzausbau, Ausbau der EE.
Da wird dann geklotzt. Diese Themen und Projekte haben Vorrang, die Verwaltungskapazitäten in den Bereichen und die Finanzierung werden hochgefahren, Rechtsmittel dagegen werden eingeschränkt, Betroffene kriegen Entschädigung, können das Projekt aber nicht verhindern (zB Leitungstrasse).
Die Bürokratie wird radikal abgebaut, nicht nur in homöopathischen Dosen wie bisher. Der klassische dreistufige Verwaltungsaufbau wird auf 1 oder 2 Ebenen reduziert, Entscheidungen vereinfacht und beschleunigt (auf die Gefahr hin, dass auch mal was ungerecht ist, Pech gehabt).
Ganze Gesetze werden abgeschafft (LieferkettenG zB), Berichts- und Dokumentationspflichten für die Wirtschaft werden reduziert,
Polizei und Justiz werden verstärkt, vor allem personell.
Die Polizei bekommt Regeln, anhand derer sie sich bei Bedarf Respekt verschaffen kann, Urteile werden schnell gefällt, nicht erst nach Jahren.
In EU und NATO werden die Mitglieder entfernt, die nicht hinter der Idee stehen, der Rest schließt sich ernsthaft zusammen und alle treten Kompetenzen ab.
Es gibt eine gemeinsame Armee, die Atomstreitkräfte Frankreichs und Großbritanniens werden ausgebaut und ersetzen den Schutzschild der USA.
Die EU-Grenzen werden wieder echte Grenzen, Schengen wird ernstgenommen, es wird an den Außengrenzen kontrolliert und notfalls zurückgewiesen (zB wenn jemand ohne Papiere kommt).
Dafür wird Integration großgeschrieben, schon alleine wegen des Arbeitskräftebedarfs.
Klimaschutz und Transformation erhalten Priorität in Forschung und Verwaltung, Genehmigungen werden schneller erteilt, es gibt Vorgaben und Ziele zB für die Zahl der Ladesäulen, der Smartmeter und anderer Infrastruktur.
Ich erspare mir weitere Bespiele, ich denke es ist klar, was gemeint ist.

Das alles wird finanziert durch eine Mischung aus Ausgabenkürzungen (auch im sozialen Bereich), Steuererhöhungen (bei den Gutverdienenden) und neuen Schulden.

Das soll aber kein Schlaraffenland sein, wo alle Träume wahr werden, sondern es wäre eine große Kraftanstrengung, die jedem etwas abverlangt. Es wäre sicher manchmal ungerecht und vielleicht sogar brutal.
Wenn es nur funktioniert!

Man könnte es tatsächlich evidenzbasierte Politik nennen. Siehe oben
Wäre das ein Ansatz für die Grünen?
Solche Ideen kann man nur in der Opposition entwickeln.

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Ja und nein. Ich wäre tatsächlich auch für einen Totalumbau, aber nicht indem Leute brutal auf der Strecke bleiben. Das geht nicht.
Ich würde überlegen: In welcher Welt wollen wir leben und wie soll diese aussehen? Was muss dafür getan werden und in welche Reihenfolge?
Wenn du die Menschen mitnehmen möchtest, musst du ihnen ein Bild davon zeichnen.
Mit totalitären und menschenverachtenden Mitteln erreichst du das Gegenteil. Einen solchen Weg würde ich niemals mitgehen und ich hoffe, viele andere auch nicht.

Ansonsten würde es Sinn machen. Richtig schwierig dürfte es werden, die Lobbyisten, die Reichen und Mächtigen zu überzeugen. Viel Spaß damit.

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Ich fürchte nein. Dafür fehlt das Personal, dafür bräuchte es 10 Habecks und 100 Experten.

Aber nicht umsetzen. Uns fehlt die Zeit zu warten.

So richtig deine Analyse ist, und so verlockend deine Ideen sind, ich fürchte solch ein radikaler Umbau (Disruption) scheitert in der Praxis: an der Demokratie, an der Durchführbarkeit, am Personal, an der EU.

Demokratie: Das wird in diesem Parlament mit dieser Sitzverteilung (24% AfD, 10% Linke) keine Mehrheiten für GG-Änderungen finden. Und ohne die, ginge es vermutlich nicht.

Durchführbarkeit: Wenn man ein über die Jahrzehnte gewachsenes System an Gesetzen und Verwaltungsprozessen so radikal umbaut, wie du es beschreibst und wie es eigentlich notwendig wäre, riskiert man die komplette Dysfunktionalität. Noch dysfunktionaler als heute schon.

Personal: Du willst Verwaltungskapazitäten, Polizei und Justiz verstärken. Wo sollen all die Menschen so schnell herkommen? So was wird mind. 10 Jahre dauern. Man könnte natürlich endlich mal mit der Digitalisierung ernst machen und daduch Personal sparen. Dafür fehlen aber IT-Experten und Projektstrukturen. Hier müsste man anfangen. Eine Digitalisierung alleine bewirkt nicht viel, wenn man nicht auch die Verwaltungsprozesse anpasst, das zeigen die Erfahrungen vieler gescheiterter IT-Projekte in Unternehmen. Damit wären wir wieder bei dem Punkt Durchführbarkeit

EU: Wir haben es in den letzten 10 Jahren nicht geschafft, voran zu kommen, je mehr rechte Regierungen in Europa sind, desto schwieriger wird es. Und natürlich ist es richtig, Schengen zu erhalten und dafür die Außengrenzen zu kontrollieren. Kontrollieren heißt aber, alle illegal Ankommenden in Auffanglager zu stecken. Sind wir uns dessen bewusst? Machen die Länder an der Außengrenzen da mit?

Das mag jetzt kritischer klingen, als ich es meine. Ich teile Deine Vortsellungen zu einem großem Teil, ich zweifle nur, dass sie in dieser Form und Radikalität eine realistische Umsetzungschance in der uns verbleibenden Zeit haben. Es wird sehr lange dauern.

Fazit: Wir sind am Arsch. Aber das ist dann natürlich eine guter Ausgangspunkt um wirklich etwas zu ändern. Ein Blick in die Geschichte zeigt: radikale Änderungen gab es immer nur nach Kriegen oder sie haben zu Kriegen geführt.

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Das ist die „Lösung des fähigen Diktators“.
Das Problem: es gab und gibt und wird ihn nicht geben :frowning:

Und selbst wenn - ich meine mich daran erinnern zu können, dass Du in grauer Vorzeit in irgend einem Diskurs mal gesagt hast, dass, wenn wir alles wissenschaftsbasiert ändern würden, indem wir alles abschaffen, was nach dem Verursacherprinzip jenseits eines neutralen gesellschaftlichen (nicht persönlichen!) Fußabdrucks ist - sei es ökologisch oder politisch multilateral (Welternährung, und andere Ressourcenverteilung) - einfach abschaffen, es schnell zu bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen kommen würde (oder war das @kalo ?).
Wie weit soll also der „Akt der Disruption“ gehen - bis alles wieder funktioniert - aber wann ist das Funktionieren wieder geben?
Welche Kriterien ziehst du dafür genau heran?

Der Vorschlag bzw. der Wunsch danach ist verlockend - aber gleichzeitig zu diffus - ist er also wirklich berechtigt?
Als Staatsbürger will ich bessere Qualität (Bildung, Infrastruktur, Sicherheit, med. Versorgung - als Steuerzahler niedrigere Steuern, als Kassenpatient niedrigere Beiträge.
Der disruptiv Regierende wird also in jedem Fall irgenwie verlieren - und wenn seine Strategie auch noch so langfristig qualitativ hochwertig ist - je mehr das zu Lasten der kurzfristigen Perspektive geht, desto schneller wird er/sie am Aufbegehren der kurzfristig Denkenden (und das sind fast alle!) scheitern.

Bei einem grundlegenden Thema sehe ich leider mit der Evidenz Probleme. Wirtschaftswissenschaft ist keine Wissenschaft, sonst bräuchte man kein „wissenschaft“ :wink:, im Gegensatz zu Chemie, Physik und Biologie.
Wirtschaft ist Religion, d.h. man glaubt eben etwas und streitet sich mit den Andersgläubigen.

Aber ansonsten wäre es einen Versuch wert solche Ideen die maximal nächsten 4 Jahre in der Opposition zu realisieren.
Allerdings mal 'ne vielleicht blöde Frage an @anonymeNutzer und @DrakonDiB . Wollte DiB nicht auch die Demokratie „disruptiv“ verbessern?

Biologie hat es auch im Namen, auf Griechisch :wink:. Es gibt seriöse WWler, die versuchen iher Wissenschaft evidenzbasiert zu betreiben. Ich würde die nicht mit Ideologen in einen Topf werfen. Da die WW aber unbrechenbare Menschen als Objekte hat, kann sie natürlich nie die Exaktheit einer reinen Naturwissenschaft erreichen.

Wie soll das gehen? In der Opposition kann man Konzepte zwar entwicken aber nicht umsetzen.

Liebe Leute,

ich bin sogar Vorstandsmitglied bei DiB - wie ich schon bereits schrieb, verändern ja, auch gern von Grund auf, aber es kommt auch auf das wie an.
Wir hatten/haben sogar einen ziemlich guten Plan.

Grüße

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Wenn es um radikalere Ideen und auch Umsetzung geht, bin ich grundsätzlich dabei. Und das es solchen Umwälzungen auch Opfer gebracht werden müssen ist zweifellos richtig. Aber erst mal muss es eben einen wirklich funktionierenden Plan geben und da wird man mit Widersprüchen und Abwägungen konfrontiert. Zum Beispiel klingt Bürokratieabbau erst einmal gut. Aber die meisten Gesetze und Vorschriften haben ja einen Sinn. Für die Wirtschaft wird es sicher einfacher wenn Vorschriften zum Arbeitsschutz oder Umweltschutz wegfallen würden und das wäre dann auch Bürokratieabbau, für die Gesellschaft würden aber große Schäden entstehen. Dennoch kann ich mir schon radikalere und konsequentere Maßnahmen insbesondere zum Klimaschutz vorstellen und die kann man innerhalb eines Gesamtkonzepts natürlich erst mal in der Opposition besser entwickeln, allerdings sollte man so ehrlich sein, dass es spätestens in der Umsetzung, also in der konkreten Politik in einer demokratischen Ordnung wieder zu Kompromissen kommen wird. Dennoch hat so ein radikales und konsequentes Denken Vorteile, weil man so zu einem Konzept kommt und dann auch genau weiß, was Kompromisse überhaupt bedeuten.

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DIB hat sich immer Progressiv verstanden.

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Wirtschaftswissenschaft ist sicher keine Wissenschaft wie die Naturwissenschaft, aber sie ist sicher auch keine Religion und Meinungsverschiedenheiten werden auch nicht vergleichbar ausgetragen, sie ist da eher näher an der Philosophie. Und natürlich ist es von Vorteil mal grundlegende Aussagen von Leuten wie Adams, Keyenes und Marx zu kennen, die schon wirtschaftliche Mechanismen richtig beschreiben. Anders wie die Religion bestimmt Wirtschaft zwangsläufig unser Leben. Wir arbeiten, erhalten hierfür Geld, das Geld nehmen wir um Güter zu kaufen, diese Güter stellt jemand her, der hierfür Arbeit einsetzt etc. Das sind alles wirtschaftliche Vorgänge, denen wir uns nicht entziehen können. Diese Zusammenhänge können Wirtschaftswissenschaftler erklären. Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten und auch Grenzen, so ist es eigentlich nie gelungen die großen Wirtschaftskrisen vorher zu sagen. Aber mit Religion hat das nichts zu tun.

Mit Ideen realisieren, meinte ich Konzepte entwickeln. Schlecht formuliert. :grimacing:

DiB wollte eher das Gegenteil:

Demokratische Partizipation und Transparenz an erster Stelle, davor richtungsweisend die Menschenrechte
(mit einigen daraus abgeleiteten Richtlinien, wie der Werte- und Ethik-Kodex
sowie Demokratie-Tools, wie das Fürsprecher- und das Initiativ-Prinzip, das Diskussionsforum und interne Arbeits- und Abstimmungsplatformen)

somit war auch ein Hauptmittel zum Ziel (einer besseren Welt), die Aufklärung und der demokratische Dialog, sowie die Entwicklung von Politik bottom-up.

Das ist ein radikaler Ansatz, aber nicht gerade disruptiv - abgesehen evtl. von manchen Auswirkungen auf undemokratische etc. etablierte Praktiken heutiger politischer Realität :wink:

Dann wird es nicht passieren.
Es gibt keinen schmerzfreien Totalumbau.
Der Wunsch danach ist ein klassischer Fortschrittskiller.

davon war nicht die Rede!!
Das sind Deine Ängste, die Du mir in den Mund legst.
Mit „brutal“ meine ich zB, dass bestimmte Unternehmen pleite gehen werden, oder dass ganze Branchen ins Ausland abwandern.
Ich rede nicht von Folterkellern :slight_smile:

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Zeit: das wird sicher 10-20 Jahre dauern, vielleicht mehr.
Aber irgendwann muss man anfangen

Scheitern: kommt drauf an, wie man es definiert. wenn 50% umgesetzt würden, wäre es aus meiner Sicht schon ein Erfolg.

Mir geht es darum, ein Ziel zu haben, das man anstreben kann, und dessen Verfolgung lohnt (und hinter dem man hoffentlich irgendwann eine Mehrheit versammeln könnte).

ja, der Gedanke kam mir auch, als ich das geschrieben habe.
Die Niederlage 1945 hat zB den deutschen Staat von Grund auf modernisiert und effektiver gemacht.
Uns „fehlt“ sozusagen ein Krieg, der den Zwang schafft, wieder mal alles neu zu sortieren.
Aber den Krieg können wir uns nicht leisten, daher muss die „disruption“ (was ein blödes Wort) anders herbeigeführt werden.
Trump ersetzt sozusagen gerade den 3. Weltkrieg. So betrachtet ist das alles harmlos :slight_smile:
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Nein! wer sagt das? ich nicht!
Es geht um ein Modell, hinter dem sich im Laufe der Zeit die Mehrheit versammelt (oder eben nicht). Nix Diktator!!
Deswegen hat das auch nichts mit Bürgerkrieg zu tun.
Es ist der Entwurf oder Plan für eine grundlegende Veränderung unserer Systeme, für den eine Oppositionspartei wie die Grünen jetzt 4 Jahre lang werben könnte.

Kriegst Du alles - hinterher.
Klar ist das schwierig und unsicher, aber für die Opposition ist das nicht das alleinige Kriterium.

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:+1:

Der Vorteil dieses Ansatzes wäre, dass immer zuerst gefragt wird:
hilft es? funktioniert es? erreichen wir das gewollte Ziel?
Nur darum geht es, wenn (wie jetzt) die Hütte brennt.

Im heutigen Politikbetrieb wird stattdessen jede Frage und jeder Lösungsansatz durch irgendwelche ideologischen oder moralischen Schichten überlagert.
Und wenn dann eine Lösung nicht 100% gerecht und moralisch sauber ist (und möglichst noch ohne Risiko), sind 30% der Bevölkerung schon dagegen, ohne einen realistischen besseren Vorschlag zu haben.
Wir tun lieber gar nix, als irgendwas zu machen, das zu 10% fehlerhaft ist.
Das trifft insb. auf linke politische Spektrum zu.
Das macht handlungsunfähig, denn das Leben ist seiner Natur nach nicht perfekt und nicht risikolos.

Nur Sachen zu machen, die perfekt und risikolos sind, ist das Riskanteste, was wir tun können.

Ja. Und wenn nicht jetzt, wann dann! Wer macht’s? Merz und Klingbeil? Ich hab da kein gutes Gefühl.

Und jetzt als Grüne 4 Jahren Konzepte entwickeln, um sie dann nicht umsetzen zu können, halte ich auch nicht für vielversprechend.

Es ist noch bei weitem nicht schlimm genug für eine Veränderung.

Übrigens: Trump hatte gerade heftigen Streit auf offener Bühne mit Selenskiy. Die Disruption naht.

falls du die SPD oder die Grünen damit meinst, wurde das nicht stimmen… die haben bisher brav Kompromisse gemacht

insofern, was ich noch nicht verstanden habe, bei deinem Vorschlag, ist, aus welcher Seite du den „disruptiven“ Vorschlag dann erwartest… bzw. wohin der zeigen würde…

welche … genauer ?

… eine intelligente Art der „Überwindung“ …

an diesem Punkt würde ein Ideologe entgegnen, dass die Ideologie ja doch genau auf diesem von dir beschriebenen Weg, mit-resultiert hat … Ideen fallen nicht nur vom Himmel :wink:

es gibt aber systembedingt schon Benachteiligte, oder nicht?

daher muss näher erläutert werden, welche Vorstellung du hättest, über

denn, was soll funktiionieren und warum, wenn es brutal ausläuft? also wozu überhaupt vom „Elend“ zur „Brutalität“ zu wechseln?

hast du dich nicht mal beschwert, das beim Programm UM-FAIR-TEILUNG ( = Vermögensobergrenzen / Einkommensmindestgrenzen / Preisstabilisierungsgrenzen / stasatliche Not-Sicherungsinterventionen im Marktgeschehen) die Wirtschaft doch nicht mitmachen sondern abwandern würde?

(…entweder wir „überwinden“ selbst die Mankos des heutigen Kapitalismus selbst, oder sogar das autoritäre China schaut bald auf den westlichen Kapitalismus, amüsiert von oben herab, als würde es auf einen Affenzirkus schauen…)

btw. China:
Deine Tonalität erscheint gewisse Ähnlichkeiten anzunähern (? :wink: ) :

hm,
alternativ / dagegen:

:bulb: es würde Einiges viel einfacher und nachhaltiger umzusetzen sein,
wenn mehr das Bürger-demokratische Votum davor stünde und dieses den Rhythmus der Veränderungen bestimmen würde :bulb:

dem würden viele gern folgen, sobald wirklich keiner (der mitmachen sollte) auf der Strecke bleibt

  • deshalb muss für die Umsetzung so eines Vorschlags, zuerst für die Abdeckung der Interessen, und noch wichtiger,
    der basalen Teilhabe-Bedürfnisse der Vielen gesorgt werden…
    _ das bedeutet, auf der einen oder anderen (möglichst sozialverträglichen Weise) sollten zuerst die Belange der Schwächeren in der Gesellschaft so befriedigt werden,
    dass diese tatsächlich auch motiviert beim Neu-Aufbau mitmachen… (also wird es EinkommensMindestGrenzen (EMG) brauchen! parallel zu PreisStabilisierungsMaßnahmen, damit die EMG auch wirken können).

na, wenn der nicht schon da wäre …

für dich vielleicht, frag andere und
noch bis AfCDUD kommt …

der Begriff „Diktatur“ kommt vom Diktieren…
Muss schon genauer definiert werden, bei all den Vorgaben, die du oben erwähnst (Diktat-artig), wo die Unterschiede zu einer illiberalen Demokratie, z.B. à la Orban sein würden…
denn die Grauzonen z.B. in Richtung einer „Ökodiktatur“ (zugunsten des Klimas) würden aus rechter Kapitalismus-freundlicher Seite schnell benannt werden und entsprechend würde dagegen propagiert…

Du wirst - für die nächsten 4 Jahre - ein überzeugendes Narrativ brauchen, ein überzeugenderes als andere auf dem „Markt“ anbieten…
Könnte es sein, dass das Narrativ der „Linke“ gerade am besten zieht - die kommenden Generationen?
Wo würdest du Unterschiede dazu machen? um ein noch attraktiveres für die Grünen aufzustellen?

wann hinterher??
im Programm müsste alles ja doch stehen…

Konzepte in dieser Hinsicht brauchen ca. 1 Jahr, nicht 4.
Mit KI-Hilfe vielleicht noch weniger :wink:

war das jemals anders??

nun, habe ich oben angedeutet,
du übersiehst die Herkunft von ideologischen und moralischen Ergebnispositionen (die auch Teil deren Begründung ist) und dadurch auch deren empirische Wertigkeit …

man macht Politik auch nicht im luftleeren Raum, das Umfeld hat eine gewachsene Geschichte, die berücksichtigt werden muss, ansonsten hast du keine überzeugende Anhaltspunkte / Ausgangsbasis für deine Veränderungsvorschläge

da ist zwar was dran… aber hier noch zu unkonkret - weiter oben warst du konkreter …

bei DiB war der Slogan: „Politik.Anders.Machen“
hieße z.B. : machen voran, und
probieren anders, Politik anzugehen
= also auf der jeweils eigenen Wirkungsebene umzusetzen

  • für eine APO-Partei war das: Forderungen an die Politik auf der „Strasse“ stellen
  • für eine IPO-Partei hieß es: Forderungen an die Politik auch im Parlament stellen

_ aber was muss prioritär dabei berücksichtigt werden, um vom IST zu einem SOLL zu gelangen? s.o. :
"dem würden viele gern folgen, sobald wirklich keiner (der mitmachen sollte) auf der Strecke bleibt "…
Also zuerst an die Vielen denken

Aber, das Machen braucht irgendwann auch einen Plan.
Das lohnenswerte Ziel muss aber schon in Aussicht stehen.

Dran bleiben! Wer weis was daraus werden könnte :wink: :+1:

Ich habe meine Sicht und meine Einstellungen dazu wiedergegeben und es lag mir fern dir etwas in den Mund zu legen.
Und ich habe immer „sozial verträglich“ dabei im Blick und keine Folterkeller.

Und ich gebe dir explizit darin recht, dass es verschiedene Branchen bei einem Umbau treffen kann und vermutlich sogar muss.

Wenn wir beispielsweise das ganze Land umstellen wollen auf ökologische Landwirtschaft, dann werden wir es ganz schnell mit aufheulenden Großbauern und Massenbetrieben zu tun bekommen. Ganz sicherlich besonders in Bayern. Wie sollen wir das in den Griff bekommen, auch wenn das mehr als notwendig wäre. Dafür wäre ich allemal.

Ich persönlich würde die total zustimmen. Aber ich finde das wir als Grüne ja genau für das stehen was du Vorderst. Kaum eine Partei spricht so viel über Transformation auf wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene wie wir. Unser Stimmenverlust begann auch nicht als wir „nichts taten“ und Konservativ agierten, sondern als wir tatsächliche Veränderungen in Gang setzten (GEG, Windausbau usw) die die Gesellschaft herrausgeforderten sich leicht anders zu verhalten als in der Vergangenheit. Genau dann wenn sich etwas tut und die Gesellschaft gefragt ist wählen sie DIE Parteien die für absoluten Stillstand stehen: Linke und AfD. Das ist wirklcih absurd, weil in Umfragen „Warum haben junge MEnschen Links und AfD gewählt“, kam die Antwort „Weil wir sollen das sich schnell etwas ändert“. Die Linke verspricht „Du musst nichts ändern, wir änder das System für dich und dann gibts mehr Geld für dich“ Die AfD verspricht „Zurück in die Kaiserzeit und du kannst dich zurück lehnen und weiter machen“.

Wollen Leute wirklich veränderung und Disruption? Oder sind sie dessen Müde anch Corona Einschränkungen? ICh weiss selbst keine Antwort:

Vielleiht wollen sie Veränderung, dann aber hin zu einer „Oligarschichen bevormundungsgesellschaft in der ein paar Superhelden alles kontrollieren“ oder eben in einen „Linkenklassenkampf gegen die Natur und auf kosten zukünftiger Generationen für bisschen billigers Essen und Srittpreise“. Ein Wusch auf Veränderung in der die Zivilgesellschaft aktiv etwas tunt sehe ich vielleicht bei 12%.

Nur um das zu Untersteichung mit deinen Vorderungen @lawandorder finde ich sehr vernünftig

  • Zuerst kümmern wir uns um die überragend wichtigen Dinge (Wirtschaft, Klima, Krieg und Frieden),
  • Die Bürokratie wird abgebaut (das Schadet der CDU die alle wichtigen öfftnlichen Posten mit Parteisoldaten besetzt hat mehr als uns
  • Neue EU und Neue Nato (gerne denn die CDU Versionen davon sind dysfunktionale Geschichte)
  • Der Föderalismus könnte uns evtl ncoh mal Retten, da bin ich etaws unentschlossen. Aber klar wer nicht will … die CDU Version der Wiedervereinigung ist wohl auch eher gescheitert.

Was du indirekt meinst sind die konstroversen, und vermeintlich weniger wichtigen, Softthemen „Gendern“ „Miniritätenschutz“ usw aufgeben, weil dies im aktuellen Zeitgesit die Leute verschreckt. Das kann gut sein (zumindest hier im VOrum würden dem sicher viel zustimmen). Ich würde dem aus einem einfachen Grund zustimmen: Wenige Themen sind physikalische Deadline anhaftend. Wir schlagen uns mit der „Sozialen Frage“ (dich ich durchaus wichtig finde) seit 150 Jahren rum ohne das „Linke Lösungen“ funktionieren. Solange wir es hinreichend abpuffern können wir das von mir aus Verschieben. Dennoch glaube ich gibt es 2 Problem:

  1. Es kostet uns signifikant Wähler auf dem Linken bereich. Nicht unbedingt dem solzialen Bereich sondern dem „ich will eine ander nichtkapitalistische Weltordung“ Lager. Darunter sind dann vielleicht auch die, die gerne Leuten mit verfilzten Haaren wegen Kultureleraneignung nicht an Klimadebatten teilhaben lassen, aber eben nicht nur.
  2. Wenn man hofft das würde den Konservativen den WInd aus der Kritik nehmen und sie würden uns nicht mehr als „Spinner“, „das ist keine Partei“ oder „Die gehören nicht zu Bayern“ beschimpfen, dann irrt man sich da m.E. die finden was Neues und sei es eine Strohpuppe.

Wir hängen zwischen den Lagern, wollen uns m.E. zurecht nicht einordnen und bekommen es aber von allen Seiten ab. In einer sich immer polarisierenden Welt ist der ausgleichende Welg der versucht sich von populistischen Vereinfachungen (was ins ja nun leider nicht in jedem Thema gelingt) fernzulaten sehr sehr anspruchsvoll.

Ihr geht seltsam an die Sache heran. Sorry!
Ihr schaut nur danach, was bringt uns Wählerstimmen und was nicht. Und dann wird hier ein bisschen geschraubt und da ein bisschen.
Nochmal - entwickelt ein Gesamtkonzept, das sowohl

  • die Natur schützt und den Klimawechsel beachtet
  • die Menschen mitnimmt und sich bemüht, die Einzelnen nicht auf der Strecke zu lassen - (Hitler wurde in einer Zeit gewählt, als es den Menschen sozial schlechter und schlechter ging - haben die Parteien damals komplett außer Acht gelassen , damals waren die Juden die Schuldigen, heute sind es die Migranten und ein paar faule Arbeitslose) - Menschen sind verquer und wählen in solchen Situationen Parteien, die ihnen zusätzlich schaden, nachweislich - habt ihr die Debatten gesehen, wo die Bürger Fagen stellen konnten, da ging es hauptsächlich um soziale Fragen (Wohnung, Miete, Arbeit, Gesundheit, Pflege, Lebenshaltungskosten usw.) und nicht um das absichtlich hochgepuschte Thema Migration
  • der Wirtschaft eine Perspektive durch lukrative grüne Projekte bietet
  • ein vereinfachtes, aber ausgewogenes Steuersystem vorlegt
  • bietet den Menschen aus Ost und West ein Gleichstellungsprogramm an, vermittelt ihnen, dass wir zusammengehören
  • usw.

Zeigt den einzelnen Parteien (nicht die politischen) auf, was es ihnen bringt, was sind die Vorteile und was sind die Knackpunkte.
Bezieht sie in den Progress mit ein.

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Liebe Lilly, danke für die Kritik. Ja nur populistisch auf Wäherstimmen zur schauen, dafür auch die Bevölkerung gegeneinander aufhetzen, das machen m.E. andere Parteien von FDP, CDU bis Linke. Ich glaube dieses Taktische Denken ist bei den Grünen im Vergleich sehr wenig verbreitet, weil die wenigstens von uns gerne Politiker sind (selbst Robert nicht, der wollte sich nur mal für einen Radweg einsetzen).

All deine Punkte sind wirklcih gute Ideen, ich finde wir haben aber durch aus genau das Gesammtkonzept was du dir wünschst versucht umzusetzen. Man kann in der Politischen Praxis dies aber NIEMALS komplett durchsetzen, sondern immer nur sehr kleine Teile davon. Konzepte müssen sich auch naturgemäss ständig ändern. Bausteine wie das EEG, aber auch Harz4 und das GEG sind Gesetze die von Anfang an so geplant waren das sie sich durch die Zeit wandeln und anpassen. Es sind neue Mechanismen und Stellschrauben die zu einer nachhaltigen, resilienten, autarken Geselslchaft führen können. Die nächsten Regierungen können sie aber auch immer verwässern und missbrauchen.

Es ist uns ein Dringlichen Anliegen Natur und Klimaschutz zusammen zu bringen, dabei gibt es aber nicht nur Zielsetzungs sondern auch Umsetzungskonflikte die man ausdiskutieren muss.

Wohnung und Miete haben wir ein klares Konzept, das m.E. weniger dogmatisch ist wie das der Linken. Über all woe die Linke an der Macht war/ist (Bremen, Berlin, Thüringen) hat sie die Mietsituation nicht nachhaltig verbessert. Unser Vorschlag ist mehr Wohneigentum in (genossenschaftlicher) Bürgerhand. Das will sonst keiner. Aber es ist nicht leicht dorthin zu kommen.

Unsere Wirtschaftspolitik bassiert genau auf deinem Vorschlag, aber natürlich können auch grüne Projekte am Markt scheitern, vor allem wenn die mächtigste Partei Deutschlands das Verbrennerzeitalter einläutet.

Das Gleichstellungsprogramm ist eine geniale Idee. Die Wiedervereinigung wurde von der CDU (und teilen der jetzigen AfD) orchestriert. AfD Gründer Lucke war Treuhand Chef und hat den Osten ausverkauft, Gauland usw alle waren sie dabei. Und genau die, die uns über den Tisch gezogen haben, wählen wir im Osten jetzt.

Ich finde es wirklich schön, das wir eine Partei sind die sehr Programmatisch Arbeitet, nach Lösungen sucht.

Um jetzt im Umkehrschluss die Gegenthese zu untersuchen (von der ich auch nicht überzeugt bin). Vielicht ist unser Problem eben doch das wir als Beweung nicht nachhaltig den gesellschaftlichen Rückhalt für unsere Projekte organisieren. Wenn man sich überlegt wie die Linke jetzt erfolgreich neue Medien einsetzt, nur in Wahlkreisen mit chancen agiert (und somit taktisch den rest „rechts liegen lässt“) ist es erschreckend wie sehr das zum erfolg führt.

Eine der großen Probleme (und das sage ich als jemand der aus zivilgesellschaftlichen NGOs kommt immer in Umweltorganisationen aktiv war und S4F mit gründete) war m.E. das wir ein suboptimales Rollenverständnis von NGOs und verschiedenen Strukturen innerhalb der Partei haben. Wir dachten bei FFF usw das Wenn die Grünen Teil der Regierung sind müssen wir nur den Druck auf die Grünen hochhalten, dann bekommen wir alles was wir wollen. Das war m.E. Falsch. Es wäre eine sehr viel wichtigere von NGOs aber auch teilen der Grünenbasis Aufgabe gewesen den Rückhalt in der Gesellschaft zu organisieren, die Kritik und den Druck auf die Blockade - Opposition und denen innerhalb der Regierung die bremsen zu richten. Aber viele haben lieber die Grünen für Kompromisse kritisiert und ihre Enttäuschung Luft gemacht und ja auch unkonstruktiv genörgelt.

Ich finde es tragisch, das wir so gut darin sind uns selbst zu zerlegen und in Eigenkritik zu ergehen. Und das geht soweit, das man Menschen die sich seit 40 Jahren für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzen dann unterstellt sie wollten das ja alles garnicht.

Wir sollten keine Parteisoldaten werden wie bei der CDU. Wo man sich über Bevormundung der Grünen echauffiert aber als Teil einer stramm hierarchichen Partei unten nur Plakate klebt und Stammtischparolen schwingt und sich im Personenkult ergeht (natürlcih gibt es auch Ausnahmen bei der CDU).

Es ist eben bezeichnend, das wir nach 40 immer noch in vielen Ländlichen Regionen schlicht nicht organisiert sind. Die AfD, CDU und Linke gewinnt deswegen, weil sie vor ort Wohlfühlpolitik organisiert: Festchen, Mietertelefone die nichts bewirken, Würstchenstand bei Weihnachtsmarkt, Betriebsbesichtigungen … (nichts davon verbessert die Situation der Menschen in nachhaltiger weise). Darin sind wir doch noch sehr sehr ausbaufähig, weil wir eben auch gerne lieber theoretishe diskutieren (dafür bin ich selbst das beste Beispiel).

Wie wahr.