Wir brauchen ein EU-weites Exportverbot von Plastikmüll

Zu nächst einmal ein paar Fakten:

Die Plastikproduktion braucht Kohle, Öl und Gas

Die Rohstoffe des 2022 neu hergestellten Plastiks waren zu fast 98 Prozent Erdöl, Kohle und Erdgas. Produziert wurden daraus vor allem Verpackungen (158,04 Millionen Tonnen). Aber auch in Bauwerken (72,05 Millionen Tonnen), Fahrzeugen (32,02 Millionen Tonnen), elektrischen und elektronischen Geräten (28,02 Millionen Tonnen) fanden die Kunststoffe Verwendung.
Plastikmüll nimmt zu: Recyclingquote bleibt global niedrig | taz.de

Den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Plastik hatten 2022 laut Studie die USA mit 216 Kilogramm, gefolgt von Japan mit 129,1 Kilo und der EU und Großbritannien (EU28) mit 85,6 Kilo.

Plastikrecycling ist ein Mythos

Von den 8.300 Millionen Tonnen Kunststoff, die zwischen 1950-2015 produziert wurden, ist nur ein Bruchteil recycelt worden.

Der erste Schritt muss deshalb sein: Die EU-Staaten dürfen ihren Plastikmüll bzw. die sog. Wertstoffe, die durch Pseudo-Trennung des Plastikmülls entstehen nicht mehr exportieren.

Dann muss der Kram entweder bei uns wieder auf Mülldeponien oder verbrannt werden. Auf den Deponien wird wenibgstens der Großteil des CO2 gespeichert. Nur will natürlich keiner eine Mülldeponie in der Nähe. Und das Verbrennen wird durch CO2-Steuern immer teurer werden.

D.h. letztlich: Der Markt kann das Regeln, statt das der Export das Problem über die ganze Welt verteilt.

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Zitat aus deine Link:

Ein Großteil des Plastikmülls landet in Öfen oder in der Umwelt.

Das is sehr irreführen, weil da zwei Entsorgungsarten in einen Topf gesteckt werden, die in Bezug auf Umweltverträglichkeit nicht zusammen gehören.

In der BRD landet, laut Gesetz und Verordnungen, fast kein Plastik aus dem Hausmüll auf den Deponien oder wo anders in der Umwelt. Der größte Teil wird aber verbrannt, was mal von dem CO2 abgesehen, sehr umweltfreundlich ist. Und wenn die Müllverbrennung mit einem HKW verbunden ist, wie in München, auch akzeptabel.

Laut Wiki, stimmt aber auch mit meinem Wissenstand überein:
Hausmülldeponien dürfen seit Mitte 2005 nur noch vorbehandelte Abfälle aufnehmen, bei denen organische Bestandteile nahezu völlig entfernt sind.

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Das Problem ist gar nicht das Plastik, sondern zum einen die fehlende Sortenreinheit und zum anderen die aberwitzige Menge an Verpackung.
Irgendwie mehrfach mehr als die Fliegerei in Bezug auf CO2.
War vorgestern im Radio

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85,6 Kilo pro Kopf ist vielleicht viel, aber nicht aberwitzig. Vom Erdölgehalt entspricht das etwa 2 Tankfüllungen Benzin oder Diesel. Die werden schlussendlich zum gößten Teil verheizt.

Die wirkliche Probleme sind nicht die Plastikverpackungen, die verheitzt werden, das Problem ist das Mikroplastik, welches auf verschiendenen Wegen in die Umwelt kommt, z.B. als Abrieb.

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so kenne ich das auch.
Der TOC-Wert (total organic carbon)/Glühverlust ist bei Deponien m.W. fester Bestandteil der Genehmigungen.

Allzuviel Plastik darf da dann wohl nicht drin sein, alles zusammen so 3-5% Organik, glaube ich. Hatte mal so einen Fall …

wie meinst Du regelt der Markt das?
Welches Ergebnis erwartest Du?
Ich habe das Gefühl, dass Plastik sich an vielen Stellen kaum ersetzen lässt.
Die ganzen Elektronikgeräte zB kann man wahrscheinlich weder aus Metall noch aus Holz bauen.

Ich nehme den Begriff zurück.

Aber es ist zu viel, vor allem, wenn man neben dem Mikroplastik die häufige Nutzlosigkeit bedenkt.

„Entstehung von 329 Mio. Tonnen Treibhausgase zwischen 2019 und 2040.
Prognose: Mehr als 17,2 Mio. Tonnen Treibhausgase im Jahr 2040 die durch Plastikverpackungen während ihres Produktlebenszyklus und nach dessen Ende verursacht werden.
Das entspricht fast 5% des deutschen Emissionsbudgets (375 Mio. Tonnen im Jahr 2040), mit dem sich das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen einhalten lässt.“

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Von CO2 abgesehen, richtig. Dumm nur das das CO2 aktuell zum großen aus Erdöl stammt.
Was soll also damit werden, wenn wir wirklich Klimaneutral werden wollen?

Der wichtigste Punkt ist aber der massive Export: Die Recycling-Lüge

Also sonst sage ich immer die Klimakatastrophe ist das entscheidende Problem unseres Jahrhunderts. Aber bei dem Mikroplatisk muss ich Dir zustimmen.

Um jedenfalls eine wirkliche Kreislaufwirtschaft für unsere Verpackungen zu erzwingen, muss man als erstes den Export stoppen. Denn dann gilt: Aus den Augen aus dem SInn.

Ich vermute, daß Pyrolyse eine Lösung sein könnte, die ganzen Fremdstoffe müssen gefiltert werden und daß Methan gereinigt, Was übrig bleibt ist fester Kohlenstoff. Den kann man gut einlagern oder z.B. für neuartigen Beton verwenden.

Die Herstellung von Plastik geht auch ohne Erdöl. Ist halt nur teurer, d.h. Plastikprodukte werden auch teurer.

Mit den Biomülltonnen klappt es wohl inzwischen ganz gut, aber offensichtlich ist es auch in Deutschland immer noch erlaubt, die nicht verkauften Obst- und Gemüse aus dem Supermarkt samt Verpackung in der Biogasanlage zu verabeiten, und mit den Gärresten kommen dann die Plastikverpackungen fein geschreddert auf die Äcker.

Hier ein paar aktuelle Forderungen des NABU:

"Komposte und Gärreste sind ein wichtiger Lieferant von Humus und Nährstoffen für die Landwirtschaft, allerdings gelangen darüber schätzungsweise 1.234 Tonnen Kunststoff auf die Äcker.
Die Ausbringung von Komposten und Gärresten ist – anders als bei Klärschlamm – für den NABU eine umweltfreundliche Form der Abfallverwertung. Insbesondere für den Ökolandbau, wo der Einsatz von Mineraldüngern verboten ist, kann sie eine wichtige Rolle spielen. Daher muss an der Quelle der Verschmutzung angesetzt werden, wozu für den NABU u.a. Folgendes gehört:
Strengere Grenzwerte für Kunststoffe im Kompost sowie standardisierte und aussagekräftige Probenentnahmen
Verbesserung der Biomüllsammlung (Aufklärung, Kontrollen etc.)
Verbot der Vergärung von verpackten Lebensmitteln"Plastik in der Landwirtschaft - NABU

Exportieren wäre hier natürlich nicht die Lösung, sondern Auspacken

Soweit ich mich erinnere, wurde der grüne Punkt damals extra eingeführt auf Wunsch der Industrie, aber die Preisaufschläge auf die Verpackungen waren so gering, dass sie nicht kostendeckend waren für solche Aktionen (wie z.B. auspacken und recyceln)

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Wir werden auch dafür eine Lösung finden müssen, mehr echtes Recycling. Wie in in anderen Bereichen auch, z.B. Landwirtschaft, Zementproduktion wird absolute Null-Emission ohne CCS/DAC nicht gehen.

Hier noch ein paar Infos aus einem Report der Heinrich Böll-Stiftung „Abfallentsorgung: Hinter den Kulissen der ungelösten Plastikkrise“

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Ja, genau darum geht es mir mit meiner Forderung nach einem Exportverbot. Das würde dafür sorgen, daß solche Lösungen vordringlich gefunden werden. Übrigens wären Müllverbrennungsanlagen ja ab dem Zeitpunkt eine Lösung, ab dem Platisk nur noch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt würde. Denn dan gelangt durch Müllverbrennung kein zusätzliches CO2 in die Umwelt. Würde man statt Verbrennung Pyrolyse verwenden, hätte man am Ende sogar gleich festen Kohlenstoff zum einlagern. Viel einfacher als CCS.

Aber das sollte im Wettberwerb der Methoden entschieden werden und nicht von der Politik festgelegt.

Die sogenannte „wertstoffliche Verwertung“ ist allerdings größtenteils eine gesllschaftliche Selbsttäuschung: Es geht dabei fast ausschließliche um Downcycling. Und das ist keine permanente Lösung, denn ist im Vergleich ziemlich teuer und führt zu minderwertigen Produken, die dann ja irgendwann auch recycled werden müssen.

@Kalo, mir fiehl übrigens in deiner Grafik auf, daß nur relativ wenig Müll ins Ausland geht. 0,71 Millionen Tonnen klingt nicht viel. Also habe ich mal versucht herauszubekommen, was das für ein Volumen ist. Es gibt da diese Tabelle, die eine Umrechnungsfaktor von Volumen in m³ mal 0,11 = Gewicht in t angibt.
Also 710.000 t / 0,11 = 6.454.545. Also 6,4 Millionen Kubikmeter. Das ist ein Quradratkilometer, der 6,4 Meter hoch mit Plastikmüll bedeckt ist. Das ergibt dann eine Menge Mikroplastik, wenn es illegal einfach irgendwo in die Umwelt gekippt wird.

Exakt 13,65%.

Die Umrechnung Masse in Volumen ist nicht sehr aussagekräftig, da ein Masseeinheit Plastik je nach Plastikart fast jedes beliebige Volumen annehmen kann. Du hättest genau so gut, den Umrechnungsfaktor 0,5 für Verbundverpackungen nehmen können, das wären dann „nur“ 1,42 m Höhe.

710.000 t Plastikmüll gehen lt. Grafik ins Ausland und werden dort recycled.
Lt. Statistischem Bundesamt sogar noch weniger.

Der Export ist auch kein Problem, wenn es dort sachgerecht recycled wird.
Also nicht den Export verbieten sondern die schwarzen Schafe ausfindig machen und kalt stellen.

Ansonsten gibt es ja bereits ein weitgehendes Exportverbot für Plastikabfälle
EU einigt sich auf Verbot von Plastikmüllexporten: Zeitung für kommunale Wirtschaft.
Das muss jetzt „nur“ noch eingehalten werden.
Wenn es in der Umsetzung Defizite gibt, muss man die beseitigen. Ist aber ein anderes Thema.

Warum also die Forderung hier wenn es bereits eine bestehende Regelung gibt?

PS.:
Solche populistische wie falsche Parolen wie:

Helfen auch nicht weiter sondern geben Zeitgenossen nur einen Vorwand bei der Mülltrennung nicht mitzumachen.

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Und wer soll das mit welchem Geld machen? Überall auf der Welt herumreisen und rausbekommen, welcher Sub-Sub-Sub-Unternehmer die eigentliche „Entsorgung macht?“ Ist es schon Betrug, wenn dieser Unternehmer mal „zufällig“ pleite geht
und den Müll auf dem gemieteten Grundstück zurücklässt? Schau Dir mal den Film Die Recycling-Lüge an.

Oder finde den Schuldigen, der für den Gelben Punkt Müll in den Mangrovensümpfen verantwortlich ist.

Das wäre so eine Art Lieferkettengesetz für den Abfallhandel. Warum nicht?

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Du kommst immer damit das alles nicht geht.
Genauso wie bei den Totalverweigerern.
Das sind Totschlagargumente mit dem man so ziemlich alles abschmettern kann wenn man will.

Hab ich schon vor längerer Zeit. Der Film ist schließlich ja von 2022.
Solche Filme kehren natürlich auch die Schwarzen Schafe raus. Ist ja auch verständlich, da sonst ja keine Story. Der Fehler, der (auch von dir) gemacht wird, ist aber das zu verallgemeinern.
Das da Maßnahmen erforderlich sind ist unbestritten. (Ist ja auch schon was passiert.)
Vor allem gegen kriminelle Machenschaften ist das nicht so einfach.
Ein Exportverbot würde aber auch die Recyclingfirmen im Ausland treffen, die einen guten Job machen und ihnen ihre Geschäftsgrundlage, und damit den Menschen dort auch Jobs, entziehen. Das Resultat kann wegen höherer Kosten hier in Europa dann sein, dass das Zeug im Restmüll landet und verbrannt wird statt wirklich stofflich zu recyclen.

Kann auch von einem deutschen Touristen, durch Meeresströmungen von sonst woher, oder durch Export des Produkts (in der Verpackung) dort hin gekommen sein.
Ich habe auch in meiner Zeit in Asien dort Sachen mit grünem Punkt auf der Verpackung kaufen können. In meinem Hausmüll/GelbenSack kannst du auch Verpackungen mit chinesischer Aufschrift finden.

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Nur das hier viel einfacher zu verfolgen ist, da der Startpunkt von Anfang an bekannt ist.
Zudem ist ja auch schon einiges seit 2022 (der Film ist aus 2022) passiert.