Wokeness, Gender und so weiter, zum X.ten... ist man automatisch ein Faschist, wenn man nicht richtig gendert?

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…diesen Artikel habe ich nicht gelesen, da er sich hinter einer Bezahlschranke versteckt. Aber die Message ist eigentlich schon aus dem Teaser klar: „Wer nicht woke ist, ist nicht bloß doof, sondern ein Rassist, Faschist und so weiter…“
Eigentlich dachte ich, dass es beim Gendern - vulgo „geschlechtergerechte Sprache“ um Gleichberechtigung, Wertschätzung für Minderheiten und Toleranz geht.
Toleranz bedeutet nun einmal, auch den Standpunkt derjenigen zu akzeptieren, die anders denken und handeln… sehe ich da irgendwas falsch?

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Nö, genau das ist Toleranz.
Sie ist aber leider sehr selten.

… schließt aber die Toleranz der anders denkenden mit ein, auch wenn ich ein Mensch bin, dem Gleichberechtigung wichtig ist, finde ich im Alltag die vollständig gendergerechte Sprache als zu umständlich, da hat es die nächste oder übernächste Genaration evtl. einfacher, das in vielen Schuljahren angeeignete und seit JAhrzenten angewendete Sprachmuster lässt sich nicht per SChaler umlegen … daher sollte auch hier etwas mehr Toleranz einzug halten!

Ich habe heute zufällig auf Deutschlandfunk ein Interview mit einer feministischen Linguistin gehört, die vorgeschlagen hat, dass man nach 2000 Jahren generischen Maskulinums jetzt mal auf generisches Femininum wechseln sollte, also nur noch die weibliche Form benutzen solle. Das sei einfacher.
Sie schien auch schon etwas älter zu sein.

https://www.deutschlandfunk.de/zwischentoene-mit-der-linguistin-luise-f-pusch-mit-musik-dlf-449fd4a5-100.html

Oh ja, sie ist schon 79 Jahre alt.

Also Gender-gerechte Sprache soll ja die Benachteiligung der Frauen in der Sprache abbauen, richtig.
Und damit ja auch irgendwie, deren Benachteiligung insgesamt? Wie sieht es denn dann in Ländern aus, in denen es diesen Unterschied in der Satzbildung und Grammatik nicht gibt?

Sind englischsprachige Länder mehr gleichberechtigt als deutschsprachige?

Und wenn ich schon dabei bin: Wie ist das eigentlich in anderen Sprachen?

Ich meine, dass es das mit dem generischen Femininum schonmal irgendwo gegeben hatte… an irgendeiner Uni (Leipzig?) mussten sich die männlichen Lehrkräfte mit „Herr Professorin“ anreden lassen. Kann aber auch sein, dass das nur ein Gerücht ist…
In der englischen Sprache geht das übrigens über den Plural:
„Tonight I will bring my partner!“ - kann männlich oder weiblich sein. Also die Antwort:
„Okay, let me know if they require a vegan meal.“ - man ist höflich, da man nicht weiß, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Partner/in handelt, verwendet daher politisch korrekterweise den Plural, auch wenn man weiß, dass es sich nur um eine Person handelt.

Diese Graphik finde ich für das Verständnis vieler Themen extrem hilfreich: Sinus-Milieus Deutschland | SINUS-Institut.


Die verschiedenen Milieus sind in der Öffentlichkeit unterschiedlich laut vertreten. Genderthemen bzw wokeness werden vor allem im neo-ökologischen Milieu vorangetrieben und schwappen von da in andere offene (mehr rechts auf der Graphik) Milieus, die im Artikel (auch ich habe keinen Zugang) wahrscheinlich als die gutbürgerlichen Milieus aufgefasst werden. In diesen Milieus hatte Gleichberechtigung schon vorab einen hohen Stellenwert.
Das bedeutet dann, dass zwar viele woke Themen von der „Mitte“ aufgegriffen werden, aber längst nicht so extrem, wie sie im neo-ökologischen Milieu aufgefasst und gelebt werden.

Ich kann das bei mir selbst ganz gut beobachten: Ich bin ganz froh, dass ich bestimmte Abkürzungen zur Verfügung habe, um die weibliche Form einzuschließen (Physiker:innen), auch wenn die Form dann ein eigene wird (Ärzt:innen). Das sehe ich als unproblematisch, und ich wende es an, wenn ich meine Aussage diesbezüglich offen halten möchte.
Allerdings, wenn ich es nicht tue, oder andere es nicht tun, so sehe ich darin keinen Sexismus oder whatever-ismus und finde entsprechende Vorgaben unangemessen. (Das ist mir schon begegnet, beim Veröffentlichen von Artikeln als Vorgabe des -bürgerlichen- Verlags).

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Also auf deiner Grafik würde ich mich eher zum Adaptiven Pragmatiker zählen. Passt aber nicht exakt. Aber alles andere Passt noch schlechter.

Am ehesten zu mir passende Kategorie wäre ein Zwischending aus dem Adaptiven Pragmatiker und dem Nostalgischen Bürger aber ohne Nostalgie. Ich hab überaupt nix mit Nostalgie am Hut. Aber gewisse Bürgerliche Sicherheiten hätte ich schon gern weil das wengier Existenzsorgen Stress machen würde. Der macht auf dauer ziemlich krank. Vielleicht wäre das eher die Kategorie „Kulturbewusste gemäßige Bürgerliche Mitte“ ,die meiner Menung nach fehlt.

Also weder Nostalgisch noch Präkär und nicht konserativ… von den Grundinteressen her…
Und die ganzen Neoliberalen strömungen mag ich nicht.

Von Wokness halte ich nicht so viel. Genderwahn ist nicht unbedingt nötig .es gibt wichtigeres. Wer wirklich Angst vor Genderdiskriminierung hat, sollte eine Sprache mit neutralen Pronomen benutzen. Da steht dann automatisch weder Mann noch Frau noch divers im Vordergrund.

dieses Genderstern Gedöns mit diesem …innen ist quatsch. Die meisten Bürger sind dagenen und mich nervt das auch… Warum wird das gemacht obwohl die meisten dagegen sind? Wo ist da die Demokratie geblieben? Das verstehe ich nicht…

das wäre eine Lösung, mit der ich leben könnte. Jedenfalls müsste man dann die schöne deutsche Sprache nicht mehr so arg verhunzen mit Schrägstrichen, Binnen-Is und Doppelpunkten.
OK, die weiblichen Formen sind etwas länger, rein buchstabenmäßig, aber das ist verkraftbar.
Bei den zusammengesetzten Begriffen finde ich es allerdings manchmal etwas nervig: Rednerinnenliste vs Rednerliste, Chefinnensache vs. Chefsache, Kanzlerinnenamt vs. Kanzleramt.
Aber was soll’s …

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Die gibt es ja wegen der Leute, die sich keinem Geschlecht zuordnen, zumindest sagte das Luise Pusch in dem o.g. Interview so.
Da können die Frauen dann auch nichts machen.

Also vielleicht doch lieber entgendern wie @Binnen_un_Buten ?

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Ich gender seit 6 Jahren in der Schriftform mit dem Sternchen, sogar im Büro, und es ist mir bereits in Fleisch und Blut übergegangen.

Es ist meine freiwillige Entscheidung und es hat sich noch niemand beschwert.

Andersrum finde ich es nicht schlimm, wenn andere nicht gendern.

Es sollte nicht zum Zwang werden, aber es hat für mich mit einem gewissen Respekt zu tun.

Hattet ihr fürs Büro auch eine solche Empfehlung?

https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Verwaltungen-Kommunen/Die-Verwaltung-der-Landeshauptstadt-Hannover/Gleichstellungsbeauf­tragte-der-Landeshauptstadt-Hannover/Aktuelles/Regelung-für-geschlechtergerechte-Sprache

Ich finde, schreiben geht ja noch, aber sprechen…

Nein, aber ich saß die letzten 20 Jahre meiner Berufstätigkeit in der Verwaltung. :grinning:

Das mit dem Sprechen bekomme ich auch nicht hin.
Aber, wenn man z.B. „Liebe Freundinnen und liebe Freunde“ sagt, reicht dies für mich eigentlich vollkommen.

Das mündliche Gendern hört sich auch etwas seltsam an und ich habe keine Lust mir die Zunge zu brechen. :thinking:

Dann wird in den Nachrichten auch von Kriegsverbrecherinnen, Massenmörderinnen, Diktatorinnen, Antidemokratinnen, Unterdrückerinnen, etc. gesprochen?
Wäre mal ganz lustig das auszuprobieren.

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Vielleicht würde Putin dann heulen und sagen, wenn seine Aktivitäten nicht als männlich gewürdigt werden, kann er sie auch lassen.


Dieses Plakat ist mir vor einiger Zeit irgendwo an einem Bahnhof aufgefallen.
Es macht mich heute noch wütend.
Denn - frei übersetzt - suggeriert es doch Folgendes:
1.) Wer nicht gendert oder gendern nicht gut findet, toleriert auch Gewalt gegen Frauen und steht auf einer Stufe mit Gewalttätern und Vergewaltigern.
2.) Gewalt ist (überwiegend?/ausschließlich?) männlich. Männer sind potentielle Gewalttäter.
Oder sehe ich das falsch?

„Männergewalt bedroht Frauen“
„Gewalt ist (überwiegend?/ausschließlich?) männlich.“
„Männer sind potentielle Gewalttäter.“

Wenn man man die politischen Absichen dahinter weglässt, sind alle drei Aussagen m.E. rein faktisch korrekt.
Das „ausschließlich“ im 2. Satz würde ich weglassen, aber „überwiegend“ stimmt. Beim 3. Satz darf man es nicht als „Ausnahmslos alle Männer“ verstehen, dann ist es OK. Also, passt schon.

Männergewalt bedroht aber auch und vor allem Männer.
Ich vermute, dass rein statistisch mehr Männer als Frauen von Männern verprügelt usw. werden. Im Bierzelt, in der Kneipe, auf offener Straße, bei Kundgebungen, PArkplatzstreitigekeiten, Nachbarkonflikten usw usw.
Ich bin jedenfalls in meinem Leben häufiger von Männern geschlagen worden als meine Frau :slight_smile:

Die einseitig weibliche Perspektive ist nur die halbe Wahrheit, und sie suggeriert eine Art Absicht oder Zielrichtung gerade gegenüber Frauen, die m.E. nicht existiert. Ein Teil der Männer übt mehr oder weniger häufig Gewalt aus, um seine Ziele zu erreichen, gegenüber allem und jedem. Das ist so. Das ist manchmal gut, meistens aber schlecht.

Ob das Thema aber in dieser Kategorie richtig aufgehoben ist?

Wenn man „Männer“ und „Frauen“ stimmen die Sätze 1 und 2 genauso.
Und wie sieht es aus bei Gewalt von Frauen gegenüber Frauen.