Ich habe zunehmend den Eindruck, dass wir als Staat und Gesellschaft unsere Überlebensinstinkte verloren haben.
Wir (d.h. die gesamte Gesellschaft) sind blind für Gefahren geworden, die sehr offensichtlich sind, oder wir wollen sie nicht sehen, weil wir die Konsequenzen scheuen, die wir sonst ziehen müssten.
Wir sind oder waren abhängig von russischem Gas und Öl, obwohl erkennbar war, dass die Russen nicht unsere Freunde sind.
Wir lassen die Chinesen unsere High-Tech-Firmen kaufen und machen uns wirtschaftlich von ihnen abhängig, obwohl erkennbar war, dass China einen Weltmachtplan verfolgt, in dem Europa nur noch die Rolle eines pittoresken Museums spielt.
Wir begrüßen jeden Flüchtling und weigern uns wahrzunehmen, dass darunter auch Menschen sind, die uns mit großer Sicherheit Schwierigkeiten bereiten werden, weil sie unsere Werte nicht teilen (wollen).
Wir lassen es zu, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen Clan- oder andere Strukturen aufbauen, die von unseren rechtsstaatlichen Vorgaben weitgehend entkoppelt sind.
Dazu zähle ich auch Nazis, Reichsbürger und Querdenker, nicht nur libanesische und andere Clans.
Wir leisten uns eine Bundeswehr, die zur Landesverteidigung unfähig ist. Eine Polizei, die mit der Technik der 90er Jahre arbeitet, chronisch überfordert ist und die grds. mit einer Hand hinter dem Rücken kämpfen muss.
16 Polizei-, Justiz- und Verfassungsschutzstrukturen, bei denen man nicht weiß, ob sie mit- oder gegeneinander arbeiten.
Aber wir kümmern uns mit großer Hingabe und Detailverliebtheit darum, dass niemand diskriminiert wird, dass alles gerecht, fair, ökologisch, diskriminierungsfrei, anti-rassistisch, genderneutral, anti-kolonialistisch, vielfältig, nachhaltig, inklusiv und was der Schlagworte mehr sind ist.
Wir sind nicht in der Lage, die grundlegende Sicherheit von Staat und Gesellschaft zu gewährleisten, und beschäftigen uns stattdessen vorwiegend mit Themen, die auch wichtig, aber nicht (über)lebenswichtig sind.
Heute habe ich gelesen, dass ein der Hamburger Flughafen damit Werbung macht, dass es ein großes Angebot an veganen Getränken usw. gibt - aber die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen sind offenbar unzureichend. Das ist ein zugegeben plattes Beispiel, aber ich denke, als Symbol für die verrutschten Prioritäten taugt es ganz gut. Es ist, als ob wir ein Haus bauen, dem die Haustür dauerhaft fehlt, wir uns daran aber nicht stören, solange die Farbe des Parketts uns gefällt.
Dabei werden wir zunehmend handlungsunfähig, weil alles, was man tut, irgendjemanden verletzt, benachteiligt, ungerecht behandelt, in seine Rechte eingreift etc. Grundlegende Veränderungen sind so kaum möglich, die egoistischen Widerstände sind zu groß.
Die Russen und viele Muslime verachten uns für diese naive, wehrlose, traumtänzerische Weltsicht, und sehen sie als Zeichen der Dekadenz und des Niedergangs.
Wenn wir nicht lernen, uns zu wehren, werden sie damit Recht behalten.
Wir müssen erkennen, dass Streit, Aggresivität, Kampf und die damit einhergehenden Ungerechtigkeiten zum Leben gehören und zum Überleben notwendig sind, und dass wir dem nicht durch Schönreden und Ignorieren entkommen können.
Die Welt entwickelt sich nicht zum Paradies, in dem über kurz oder lang alles Schlechte und Ungerechte verschwindet.
Im Gegenteil. Immer mehr Staaten und Gesellschaften pfeifen auf unsere Vorstellung von Menschen-, Grund- und Bürgerrechten und bedienen sich aller Mittel, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen, auch unfairer, bösartiger, verbrecherischer, gewalttätiger Mittel.
Wenn wir nicht zügig lernen, da in geeigneter Form dagegen zu halten, sind wir in ziemlicher Gefahr. Und diesmal wird „Wandel durch Handel“ oder ähnlicher Selbstbetrug nicht reichen.
Einiges hat sich schon gebessert. Die Energieabhängigkeit von Russland haben wir reduziert.
Die Chinesen können nicht mehr ungefragt jede Beteiligung an deutschen Firmen kaufen.
Gegen Clans und Reichsbürger wird stärker vorgegangen als bisher.
Die Bundeswehr soll zu einer funktionierenden Armee gemacht werden (aber es geht sehr langsam).
Durch den Konflikt in Gaza und die Folgen dämmert es uns, dass wir auch solche Migranten bei uns haben, mit denen wir eigentlich nicht zusammenleben wollen oder können, und die langfristig für die Demokratie gefährlich werden können.
Ich hoffe, dass auf all diesen Feldern gerade noch rechtzeitig der Kurs geändert werden kann, und dass die Grünen dabei nicht bremsen, sondern anschieben.
Gerade beim Thema Migration und echtem oder vermeintlichem Rassismus sind da aus meiner Sicht noch einige Hürden zu nehmen.
