Was bedeutet es eigentlich genau “jemandem eine zweite Chance geben”?
Das bedeutet doch, dass jemand zuvor etwas getan/gesagt hat, das eine ganz gravierende Hürde aufbaut zwischen zwei daran Beteiligter.
Im Netz kann das erst einmal (fast) gar nicht passieren, da die Auswirkungen in Form besagter Hürde in Folge der Tatsache, dass man sich persönlich gar nicht kennt, gar nicht groß sein können.
Auch Auswirkungen des sog. “Mobbing” können gar nicht so gravierend sein, da die anderen Mitlesenden sowieso keine Chance haben, die Richtigkeit der einen persönlichen These oder der anderen persönlichen Gegenthese zu überprüfen.
Für mich brauche ich im Netz also niemandem eine zweite Chance geben, da es keiner schaffen wird, die erste Chance zu verwirken.
Im direkt-persönlichen Bereich (dazu gehört auch die Arbeitswelt) sieht das natürlich ganz anders aus - vor allem deswegen, weil aufgrund der höheren Kenntnis persönlicher Dinge die mögliche eigene Verletzbarkeit zunimmt.
Das Verwirkender der ersten Chance beruht also in den meisten Fällen darauf, das die Hürde durch einen Missbrauch persönlicher Interna entsteht.
Hier hängt die zweite Chance von 2 Kriterien ab:
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Neuaufbau von Vertrauen, dass sich so etwas nicht wiederholt.
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Bereitschaft, das trotzdem bestehende Restrisiko einzugehen.
Ersteres ist sehr subjektiv. Zweiteres hängt von der Stellung der Personen zueinander ab („lohnt es sich noch einmal, dieses Restrisiko einzugehen“?), und ist ebenfalls sehr subjektiv.
Ich gebe generell psychologischen Ratschlägen keine Chance (der einzige, dem ich dabei eine Chance gebe ist mein Therapeut, da er sowohl über die Ausbildung als auch über meine Interna genügend Kenntnis hat.
Aber es ging nicht so sehr um einzelne Facetten einer Person (in diesem Falle des Friseurs), sondern um eine Person als Ganzes, wenn ich das richtig verstanden habe - das ist allerdings durchaus zugegeben eine schwierige Differenzierung, denn - so lange man Authentizität unterstellt, ist das eine schwer vom anderen zu trennen.