Zweite Chance geben oder nicht?

Gerade habe ich per Zufall einen interessanten Artikel gelesen:

Ich selbst gebe Menschen grundsätzlich 3 Chancen, aber in dem Artikel wird empfohlen, bestimmten Menschen (bei Manipulation, Lüge und Respektlosigkeit) nur eine zu geben.

Wie macht ihr das?

Ich verbinde das Thema mal mit dem Aspekt von Hilfe anbieten und anzunehmen.

Bei mir gilt da meistens Hilfe bei Selbsthilfe, also sprich wenn ein Mensch nicht mal versucht seine Situation zu ändern verdient auch keine Hilfe dabei, also wenn klar und deutlich ist dieser Mensch könnte einiges für sich selbst tun und tut es nicht dann verdient er auch keine Hilfe.

Und ganz im Gegenteil wenn klar ist dass ein Mensch nicht sich selbst helfen kann sollte man ihn auch helfen und das immer wieder.

Warum verbinde ich das jetzt miteinander (?) es gibt genügend Menschen die sich einfach hinstellen „ich kann das nicht, mach das für mich“ da fängt ja schon meistens das Lügen an, das Ausnutzen andere Personen.

Oft sind es Menschen die Ihnen nahe stehen Verwandte, Freunde die einfach auch nicht nein sagen können. Das fängt im Kleinen an und kann ganz entsetzlich in einer massiven Abhängigkeit enden.
Und die ist Abhängigkeit kann sogar umgedreht werden in solchen Situationen also sprich in Wahrheit ist schon so dass der Lügner in Abhängigkeit des Ausgenutzten lebt aber diese Abhängigkeit umgedeutet wird und dass der Ausgenutzte das Gefühl hat, er ist in Abhängigkeit des Lügners.

Ich meinte es eher in Bezug auf Zusammenarbeit oder keine Zusammenarbeit.

Aber es ist schon richtig, wie du schreibst, dass auf der anderen Seite zumindest eine Einsicht da sein sollte.

Das ist doch aber dennoch ähnlich denn wenn ich mit jemanden zusammenarbeite habe ich ja entweder eine gute Balance des arbeitsanfalls oder einer von beiden macht mehr als der andere und da ist dann die Frage auf welcher Basis erfolgt das.

Und da kann es dann schnell darum gehen dass der eine den anderen ausnutzt und das sind wir wieder bei obiger Aussage.

über dieses Thema könnte ich Bücher schreiben….

Ich habe rund 200 ukrainischen Familien mehr oder weniger geholfen, etwa 20 Personen hatte ich in meinem Haus aufgenommen. Die Geschichte ist ka den meisten bekannt….

Einige habe ich rausgeworfen, bei einigen die Hilfe mit deutlichen Worten beendet.

Beispiele: einer Frau mit Alkoholproblemen, die immer wieder seltsame Lebenspartner hatte, habe ich deutlich eine Warnung ausgesprochen. Nun wurden die drei Kinder in Obhut genommen, sie selbst ist obdachlos geworden. Zweite Chance? Nein…. ihre Sucht ist stärker.

Andererseits bin ich gerade geflasht, was meine Ukrainer gerade organisieren, nachdem mein Auto abgebrannt ist und ich mit einem Muskelabriss im Arm in meiner neuen Wohnung nach Wasserschaden mit der Sanierung alleine da stehe… Die organisieren gerade Leute und Geld, ohne dass ich danach gefragt habe. Obwohl sie alle selbst vom Bürgergeld leben. Für mich ein Zeichen, dass ich den richtigen Leuten geholfen habe, da sie nicht vom Stamme “Nimm” abstammen. Würde ich deshalb generell alle Ukrainer über einen Kamm scheren?

Definitiv nein. Ich sehe mir jeden Fall einzeln an, gebe auch mal eine vierte Chance, weil die Ukrainer es nie gelernt haben, Hilfe ohne Gegenleistung zu leisten. Diese Lektion haben sie vermutlich durch mich gelernt. Sie kommen in ein fremdes Land, in ein fremdes System mit einer unbekannten Mentalität und einer fremden Sprache. Viele sagten mir, dass sie solch eine Hilfeleistung nie erwartet hätten (dazu zählt auch die soziale Absicherung durch Bürgergeld).

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ich gebe pychologischen Ratschlägen von Friseuren im Netz gar keine Chance.

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das freut mich!
Du hast es verdient.

Warum nicht? Friseure quatschen mit vielen Leuten und bekommen dabei viel anvertraut, haben deshalb einen guten Überblick über die menschlichen Abgründe.

Was bedeutet es eigentlich genau “jemandem eine zweite Chance geben”?

Das bedeutet doch, dass jemand zuvor etwas getan/gesagt hat, das eine ganz gravierende Hürde aufbaut zwischen zwei daran Beteiligter.

Im Netz kann das erst einmal (fast) gar nicht passieren, da die Auswirkungen in Form besagter Hürde in Folge der Tatsache, dass man sich persönlich gar nicht kennt, gar nicht groß sein können.

Auch Auswirkungen des sog. “Mobbing” können gar nicht so gravierend sein, da die anderen Mitlesenden sowieso keine Chance haben, die Richtigkeit der einen persönlichen These oder der anderen persönlichen Gegenthese zu überprüfen.

Für mich brauche ich im Netz also niemandem eine zweite Chance geben, da es keiner schaffen wird, die erste Chance zu verwirken.

Im direkt-persönlichen Bereich (dazu gehört auch die Arbeitswelt) sieht das natürlich ganz anders aus - vor allem deswegen, weil aufgrund der höheren Kenntnis persönlicher Dinge die mögliche eigene Verletzbarkeit zunimmt.

Das Verwirkender der ersten Chance beruht also in den meisten Fällen darauf, das die Hürde durch einen Missbrauch persönlicher Interna entsteht.

Hier hängt die zweite Chance von 2 Kriterien ab:

  1. Neuaufbau von Vertrauen, dass sich so etwas nicht wiederholt.

  2. Bereitschaft, das trotzdem bestehende Restrisiko einzugehen.

Ersteres ist sehr subjektiv. Zweiteres hängt von der Stellung der Personen zueinander ab („lohnt es sich noch einmal, dieses Restrisiko einzugehen“?), und ist ebenfalls sehr subjektiv.

Ich gebe generell psychologischen Ratschlägen keine Chance (der einzige, dem ich dabei eine Chance gebe ist mein Therapeut, da er sowohl über die Ausbildung als auch über meine Interna genügend Kenntnis hat.

Aber es ging nicht so sehr um einzelne Facetten einer Person (in diesem Falle des Friseurs), sondern um eine Person als Ganzes, wenn ich das richtig verstanden habe - das ist allerdings durchaus zugegeben eine schwierige Differenzierung, denn - so lange man Authentizität unterstellt, ist das eine schwer vom anderen zu trennen.

Es geht hier in diesem thread gar nicht unbedingt um das Internet, ich wollte nur mal gern einen Austausch darüber, wie ihr das so handhabt.

Der zitierte Friseur gibt grundätzlich gar keine zweite Chance, und ich gebe meistens drei.
Wer bietet mehr?

Je nach Fall, der mehr von meinen Interna denn vom Auslöser selbst abhängt, geht die Zahl der Chancen gegen unendlich - es müsste sich schon etwas extrem dramatisches abspielen, dass z.B. meine Kinder nicht immer wieder eine n-te Chance bekommen. Und „dramatisches“ hängt viel mehr von meiner eigenen Befindlichkeit, denn von der „objektiven“ Situation ab.

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Die bekommen bei mir natürlich auch mehr als 3 :slightly_smiling_face:

Woran liegt das genau?

Den wenn man weiß, warum es Abstufungen gibt, kann man auch benennen, wer wie viele Chancen bekommt.

Bei mir ist das (s.o.) einmal die Frage nach dem erlebten Enttäuschungsschmerz, dann die Frage, wie schnell sich dieser Vertrauensverlust regeneriert und dann, wie aufwändig dieser erneute Vertrauensaufbau ist - mal “lohnt” es sich (bzw. - auch das ist ein Aspekt - ist die Kraft dafür überhaupt da) - mal nicht.

Weil ich zu ihnen den Kontakt auf jeden Fall bis an mein Lebensende halten will.

Das ist sicher einer der Gründe - bei mir kommt hinzu, dass ich niemandem (schon gar nicht meinen Kindern) unterstelle, dass “pure Bösartigkeit” hinter dem Ereignis steht, dass zum Vertrauensverlust führte.

Es gilt also “nur”, das Ereignis aufzuarbeiten.

Pure Bösartigkeit habe ich auch noch niemandem unterstellt und habe dies auch nicht vor.

Manche Geschäfts- oder sonstige Beziehungen kann man auch irgendwann einfach beenden, wenn es nicht mehr passt.

Das ist genau die Frage des Aufwandes, und ob es sich “lohnt”, den Vertauensaufbau erneut zu betreiben …

Ob man es für aussichtsreich hält, ist ja auch eine Frage.

Je mehr Energie man einer bestimmten Person widmet, um so weniger Energie hat man für andere.

Aussichtsreich ist das (fast) immer - wenn man genügend Energie reinsteckt/reinstecken kann.