Warum hat es nur so lange gedauert, bis wir etwas gegen den Klimawandel unternommen haben?

Der Zusammenhang mag sich nicht unmittelbar erschließen, aber wenn ich mich nicht sehr täusche wird man auch bei der Öl-Industrie irgendwann ähnliche Unterlagen finden. Es ist eine lange Sendung und „eigentlich wissen wir das ja alle oder?“ Mir kam trotzdem das kotzen: Wir reden hier immerhin von 8 Millionen von Toten pro Jahr durch Rauchen.

Ich erinnere nur daran, daß der individuelle CO2-Fußabdruch von BP erfunden wurde.

Der Zusammenhang, finde ich, erschließt sich schon …
Aber war müsste Deiner Meinung nach die Konsequenz sein?
Man könnte daraus z.B. schlussfolgern, dass z.B. die Konzernchefs (und Politiker), deren Aussagen so bewusst und offensichilch falsch sind, wegen Falschaussage vor Gericht landen …
Das wird ganz schnell aber ganz schwierig …
Nehmen wir z.B. das aufgekündigte Getreideabkommen der Ukraine …
Hier ist ein derzeit sehr populistisches Argument, dass es durch den Stopp zu vielen Hungertoten zusätzlich kommen wird - die Aussage ist nicht 100%ig falsch - wenn man sich aber ansieht, wohin die Exporte im letzten Jahr überwiegend gingen, so grenzt das schon fast an eine Falschaussage - die mit weitem Abstand führenden Importeure sind China, Spanien, Türkei und noch ein paar europäische Staaten, die sicherlich das Getreide nicht deswegen kaufen, um sie als Teil ihrer Entwicklungshilfe an bedürftige Länder weiterzuleiten …
Der von den Medien und politischen Talkshowinsassen oft wiederholte Argument ist allein deswegen falsch, weil - wie von @Duke hier mehrfach bereits geäussert - der eigentliche Skandal seit Jahrzehnten bestehenden Hungermisere nicht in der Nahrungsmittelproduktion sondern primär in dessen ungerechten Verteilung besteht, was durch den nun wieder bestehenden Wegfall des ukrainischen Getreides nur „unwesentlich“ verschärft wird - was also machen mit Journalisten und Politikern, die in Kenntnis des Sachverhalts zwar von den 3-Welt-Hungertoten sprechen, aber in erster Linie die Lebensmittelindustrie und Teuerungsrate im eigenen Lad meinen?
Wegen suggestiver Falachaussage - analog der Manager von Tabak- und Ölindustrie - vor Gericht stellen? - ebenso, wie ich davon überzeugt bin, dass sich auch bei der Öindustrie eine Menge zurück gehaltener interner Dokumente finden lassen, die Aufklärung bewusst zum eigenen Vorteil unter Verschluss halten, bin ich davon überzeugt, dass sich so was auch in der Politik finden lässt …
Und schliesslich der einfache Bürger als Entscheidungsinstanz …
Wie viele wissen von der Schädlicheit des Fliegens - und fliegen trotzdem?
Liegt nicht auch hier eine bewusste Fehlentscheidung zu Lasten kommender Generationen vor?
Warum sollte der Manager also schärfer bestraft werden als der Urlaubsflieger - obwohl er/sie ebenfalls grob nicht an die bestehende Faktenlage hält?
Klingt wieder nach messen mit 2erlei Mass (übrigens auch bei den Rauchern, die wissen, das sie durch „Teilhabe“ am Passivrauchen - z.B. der eigenen Kinder - deren Krebsrisiko deutlich erhöhen)
Es unterstellt beim Manager ein menschenverachtenden Kalkül, dass man dem Raucher/Urlaubsflieger nicht unterstellt - warum eigentlich?

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Was hat die Existentielle Krise der Menschheit durch die Erderwärmung mit den Ukraine-Krieg zu tun? Konzern-Chefs die durch Untersuchungen ihres eigenen Konzern wissen, daß Rauchen Krebserregend ist und Süchtig macht und trotzdem jahrzehntelang weiter ihre Geschäfte machen sind keinen Deut besser als Drogendealer und sollten genauso behandelt werden.

Und wenn es die Ölkonzerne genauso gemacht haben, gehören Sie enteignet und in Den Hag wg. Verbrechen gegen die Menschheit vor Gericht gestellt (Nicht das so etwas je passieren wird)

Doch, sind sie. Ihr Geschäftsmodell ist nämlich legal, ebenso wie das der Bierbrauer und Schnapsbrenner.

Auf die Anklagebank müssen also die Politiker, die es nicht verboten haben. Sie würden aber wohl freigesprochen werden, weil man nichts gegen den Willen großer Bevölkerungsteile verbieten kann. Was im Zuge der Prohibition damals in den USA passiert ist, wissen wir ja.

Die Mechanismen sind - und Du fragtest nach der Ursache/nach dem „Warum“ ( Warum hat es nur so lange gedauert, bis wir etwas gegen den Klimawandel unternommen haben?), sind in beiden Fällen (wie in zahllosen anderen auch), egal, ob nun legal oder illegal - die gleichen …

Das menschliche Gehirn sucht nicht primär nach „objektiver Wahrheit“ als Richtschnur für „objektiv richtige“ Entscheidungen, sondern nach bekannten Mustern und nach „konsistenten/plausiblen Geschichten“ …
(„das menschliche Gehirn ist kein Organ der Wahrheitsfindung, sondern ein Organ zum Überleben“ (zit. K. Lorenz - „wenn es darum geht, in -wirklich - kurzer Zeit im Dschungel zu unterscheiden, ob es sich bei den diffusen Bewegungen im Unterholz um ein potentiellles Beute- oder gefährliches Raubtier handelt, ist nicht langwieriger - objektiver - Forschergeist gefordert, sondern hier entscheiden Bruchteilen von Sekunden über das eigene Überleben, die sich aus Erfahrung und stimmigen Geschichten herleiten“) - vgl. auch „Schnelles Denken - langsames Denken“ (Kahnemann))

Leider haben sich die Überlebensbedingungen seit der Entwicklung des menschlichen Großhirns dramatisch verändert …
Wenn nun seit nunmehr 50 Jahren (Club of Rome) die Klimaforscher uns eine Geschichte erzählen, wie schrecklich die Auswirkungen in den nächsten 70 Jahren unseres ungebremsten Wachstums sein werden - so dauert es eben 79 Jahre (oder noch mehr), bis das Gehirn erkennt, dass es tatsächlich eine aktuelle Gefahr gibt - denn das Gehirn kann nicht eine „Verzichts“-Entscheidung treffen, deren Erfolg sich erst in 70 Jahren zeigt - beim Raucher ist das ähnlich - der Raucher weiß heutzutage, dass er, wenn er anfängt zu rauchen, sein Krebs- und Gefäßrisiko (Herzinfakt, etc.) jetzt bereits dramatisch steigt - der Infarkt sich aber erst in 30-50 Jahren - wenn überhaupt - einstellen wird - warum also diese Zeit auf den aktuellen „Genuss“ verzichten - analog dem Urlaubsflieger …

Wie steht es nun mit dem Manager?
Der Manager wird an Verkaufszahlen gemessen (ein Erfolg, der analog dem Genuss des Rauchers sein dürfte) - und nicht an der Verkündung eine „objektiven Wahrheit“ …
Ein Journalist/Politiker, der über die Folgen der ausbleibenden Getreidelieferungen referiert, wird nicht daran gemessen, wie viele Leute objektiv in der dritten Welt an Hungers sterben - sondern daran, wie viele Schweine verhungern, die dann nicht mehr als "billiges Lebensmittel auf unseren Tischen landen …
Und auch der Raucher selbst - oder der Urlaubsflieger - bemisst seine eigene Entscheidung nicht daran, wie viele - ihm/ihr „unbekannte“ Menschen - unter seiner Entscheidung statistisch (langfristig?!) leiden werden - sondern daran, wie kurzfristig qualitativ hochwertig der eigene Entspannungs-/Genussfaktor ist …
Nicht, weil sie alle abartig böswillig und gemein egozentrisch sind - sondern deswegen, weil sie weder langfristig noch objektiv urteilen/Entscheidungen treffen (können) …
Hinzu kommt noch die „Schwarmdummheit“ - alle schwimmen in die gleiche Richtung - also sagt der Instinkt, dass der Aufwand und die Erfolgsaussichten, die Richtung eigenständig zu wechseln, zu gering sind, als dass es sich lohnt, dieses Risiko einzugehen (warum sollte ich meinen Job kündigen, und deutliche eigene Einbußen hinnehmen, wenn der Vertrieb von Mineralöl- oder Raucherprodukten (ich habe das selbst mal mit Abhöranlagen für chinesische Telefonanlagen bei Siemens erlebt) auch ohne das eigene Zutun sowieso ungebremst weiter geht - wenn auch dann ohne mich und den für mich dadurch hergestellten unmittelbaren wirtschaftlichen Vorteil …

Hast du das Video gesehen? Es geht doch darum, das diese Firmen aktiv verhindert haben, daß die Gesetzgebung verändert wird. Ich rede hier nicht davon Rauchen zu verbieten, Genauso wenig wie Alkohol oder Marihuana. Ich rede davon die Öffentlichkeit fast ein Jahrhundert lang über klare wissenschaftliche Erkenntnisse zu belügen und so eine strengere Gesetzgebung (Kein Werbung, Warnhinweise usw.) zu verhindern.

Findest du das in Ordnung?

Ich habe ja schon geschrieben, daß eine strafrechtliche Verfolgung eine Illusion ist.

Oh, jetzt sind wir wieder bei der schwachen Menschlichen Seele. Hast du das Video angesehen?

Ja, ich habe mir das vom Anfang bis Ende angesehen - es unterschlägt leider völlig den sozialwissenschaftlichen Teil der „Geschichte“!

@WitzelJo

Warum gibt es - auch innerhalb von Konzernen - nicht längst einen explizit verpflichtenden Passus zum Whistleblowing bei Verfehlungen dieser Art, die eher positiv denn negativ sanktioniert werden?
Das wäre „objektiv“ die richtige Entscheidung, weil es nicht primär um die „wenigen“ Angestellten -auch, wenn es Hunderttausende sein können - sondern um die Millionen von Verbrauchern geht, deren Wohl vorgeht?
Ein Manager, der also - wie im Video gezeigt - bewusst entgegen der eigenen Studien die Unwahrheit in der Öffentlichkeit verbreitet, müsste sofort - auch konzernintern - seinen Job verlieren, weil er gegen „höhere Güter“ verstößt - es gibt dummerweise aber konzernintern keine höheren Güter als die der Gewinnmaximierung des Konzerns - warum wird Assange oder Snowden strafrechtlich verfolgt, statt ihnen die höchsten Auszeichnungen des Staates zukommen zu lassen (und - machen wir uns nichts vor - das ist bei uns nicht anders!) …

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Nein, aber ich kenne bereits viele der Zusammenhänge.

Na und? Das macht doch jeder. Und selten mit ehrlichen Methoden. Und Grüns können sich da an die eigene Nase fassen. Schau Dir z.B. den Kohleausstieg bis 2030 oder die neue Studie des UBA zum Tempolimit an. Da wird die Bevölkerung doch auch massiv hinters Licht geführt.

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@WitzelJo
Ein gutes aktuelles Beispiel ist auch dieses hier:

Der Apotheker hatte bereits mehrfach die Schäden für das Gesundheitssystem bei den Krankenkassen angezeigt …

  1. er wird von Kollegen als Nestbeschmutzer angefeindet - obwohl auch hier gelten müsste: Gemeinwohl geht vor überhöhtem persönlichem Vorteil
  2. Selbst die KK haben nichts unternommen (wohl, um ihre Geschäftspartner zu lasten der Patienten, deren Beiträge steigen, nicht zu vergraulen)

Auch hier gilt wieder - der eigene Vorteil (auch der „eigenen Kleingruppe“) steht weit über dem Gemeinwohl und/oder künftiger Generationen - das Schema ist immer das gleiche, und beantwortet Deine Frage immer auf die gleiche Weise - es geht weder um globale Fakten, noch um (naturwissenschaftliche) Erkenntnis als Triebfeder des Handelns und dem Erlass von Gesetzen - sondern nur um die Wahrung des - steinzeitlichen - eigenen kurzfristigen Vorteils - oder des kurzfristigen Vorteils der eigenen überschaubaren Gruppe …

Das ist doch eine wunderbare zusammen fassende Antwort auf die Eingangsfrage.
Der ist aus meiner Sicht nichts mehr hinzu zu fügen.

Es ist immer leicht die „bösen Konzerne“ für alles verantwortlich zu machen.
Immer schön die Verantwortung dort hin schieben.

Wo ist den der Selbstbestimmte mündige Verbraucher, der das Zeug kauft?
Der ist es letzten Endes der das Zeug konsumiert, raucht, verbrennt.
Und keiner kann sagen, dass es nicht genug Berichte gab/gibt, die die Themen entsprechend beleuchten.
Also letzten Endes sind es die Verbraucher bzw. Wähler, also wir alle, die die Entscheidung z. B für oder wider Klimaschutz, fällt.

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SInd deiner Meinung nach Multinationale Großkonzerne kein Problem für Demokratien? Es geht nicht um gut oder böse. Es geht um Macht. Wenn Konzerne mehr Macht haben als viele Staaten kann das auf Dauer nicht gut gehen.

Was soll das heißen „Problem für Demokratien“?
Sind dumme Wähler ein Problem für Demokratien?
Sind korrupte oder inkompetente Politiker ein Problem für Demokratien?
usw. usw.

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Nein, denn dann wäre die Demokratie als Konzept ja falsch.

Nein, die kann man abwählen.

Aber wenn alle Macht vom Volke ausgehen soll, aber die Information sehr ungleich verteilt ist, dann ist das eine Gefahr. Beispiele:

  • Rauchen erzeugt Krebs
  • CO2 erzeugt Klimawandel

Wie viele Millionen haben großen Konzerne ausgegeben, um diese zwei Fakten zu bestreiten und in Zweifel zu ziehen?

Gefährdet das die Demokratie?
Es gibt mindestens so viele, eher viel mehr, Veröffentlichungen die den Klimawandel und die Krebsgefahr bejahen.

Das gefährdet die Raucher bzw. das Klima, aber nicht die Demokratie.

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Warum haben wir in einer Demokratie eine unabhängige Presse?
Das ist ein Kontrollorgan, auf das man nicht verzichten kann. Sieh dir die Laufbahn von Berlusconi in Italien an!

Eine unabhängige Presse sorgt für informierte Bürger, die auf dieser Basis ihre Entscheidungen treffen können. Das Prinzip der Desinformation ist nicht „Die Wahrheit unterdrücken“ sondern „Zweifel sähen“. Das wird sehr gut im Film am Anfang dieses Themas beschrieben.

Aber was kommt beim Bürger in so einer Situation an? Gut zu sehen am Thema rauchen. Die Wahrnehmung war Jahrzehnte lang:
„Es gibt solche und solche Meinungen, das Thema ist halt noch umstritten“

Und was ist mit den Bürgern, also uns allen, die bereitwillig fossile Energieträger von den Dealern gekauft und verbrannt haben? Müssen wir jetzt alle auf die Anklagebank?